D R U C K V E R S I O N 

Frankreich -Verschwundene Dörfer im im Nationalpark Mercantour-
Wanderungen in den Seealpen und an der Côte d'Azur bei Nizza

Eine Wikinger Reise vom 7. bis 16. Juli 2012

Ein Reisebericht von Kurt.Merkert@web.de



Aiguilles de Pelens
2.523 m

Es soll wieder einmal in die Alpen gehen, aber in eine Gegend, in der wir noch nicht waren. Da das nicht so einfach ist, bieten sich eigentlich nur die Französischen Alpen an. Ich war zwar schon in der Provence, bin auch schon in den Seealpen unterwegs gewesen, aber so richtig wandern war ich dort noch nicht.
 
Da es mit unseren französischen Sprachkenntnissen nicht so weit her ist, schauen wir uns nach einem Veranstalter um, der dort geführte Touren anbietet. Bei Wikinger-Reisen werden wir wie schon so oft fündig. "Verschwundene Dörfer im Nationalpark Mercantour" heißt die Reise. Dies ist ein Projekt der französischen Forstverwaltung, das unter dem Namen Retrouvance (von franz. wiederfinden) alte Dörfer und Bergpfade wieder mit Leben füllen will, die über Jahrzehnte vergessen waren. Übernachtet wird in renovierten Forsthäusern, und das für die Gegend typische Essen wird aus den Dörfern herangebracht.
 
Zum Programm gehören zu Beginn und als Abschluss der Reise noch jeweils zwei Tage an der Côte d'Azur in und bei Nizza, die wir gerne mitnehmen wollen. Als Termin wählen wir Anfang Juli, da es dann noch nicht so heiß ist, und in den Bergen die Pflanzen noch in voller Blüte stehen.

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Hafen von Nizza
 


Mittagspause mit Aussicht
 


Allionis Glockenblume
-Campanula alpestris-

1. Tag:
So kommt es, dass wir am Samstag den 7. Juli gegen Mittag auf dem Flughafen in Nizza stehen und nach jemand Ausschau halten, der ein Wikinger-Schild hochhält. Die Person ist schnell gefunden, heißt David und ist in Begleitung von Lola einer ganz lieben, schwarz-weißen vierpfotigen Dame.
 
Wir, das sind außer uns noch acht weitere Reiseteilnehmer, werden mit einem Shuttle die berühmte Strandpromenade des Anglais entlanggefahren, und als das Auto am noch berühmteren Hotel Negresco abbiegt, sieht es für einen Augenblick so aus, als würden wir dort logieren, aber unser Negresco heißt Hotel Villa Rivoli liegt zwar in der gleichen Straße, ist aber um einiges weniger berühmt
 
Nach der Zimmervergabe treffen wir uns sofort zu einer kurzen Vorstellungsrunde, und anschließend geht es direkt über die Strandpromenade in die Altstadt von Nizza. Unser Reiseleiter David ist froh, dass wir alle so früh angekommen sind. So haben wir noch genügend Zeit, uns die Stadt anzusehen. Nizza ist die fünftgrößte Stadt Frankreichs, hat sich aber eine quirlige, vom Leben sprühende, gar nicht so großstädtische Altstadt erhalten. Wir schlendern durch die schmalen Gassen und laufen dann auf den Schlossberg. Von hier oben haben wir einen phantastischen Blick auf die Stadt mit ihrem kilometerlangen Strand, und auf der anderen Seite blicken wir auf den Yachthafen und über die Küstenlandschaft Richtung Monaco.
 
Obwohl wir eigentlich viel Zeit haben, kommt uns die Zeit bis zum Abendessen in einem kleinen Restaurant in Hotelnähe viel zu kurz vor. Gern wären wir noch länger in der Altstadt geblieben.
 

Hotel Negresco in Nizza
 

Unser Negresco
(Hotel Villa Rivoli)

Promenade in Nizza
 

Strand in Nizza
 

Altstadt Nizza
 

Balkon in der Altstadt

Altstadt Nizza

Altstadt Nizza

Altstadt Nizza

Altstadt Nizza

Nizza vom Colline de
Château aus gesehen

Hafen mit Fähre nach Korsika
 

Kakteen auf dem Schlosshügel
 
2. Tag:
Nach einem wirklich ausgiebigen Frühstück -eher ungewöhnlich für französische Hotels- brechen wir auf, um den Markt in der Altstadt zu besuchen. Es ist Sonntag und daher erstaunlich, was auf den Märkten an frischen Produkten angeboten wird. Es duftet so gut, dass man, trotzdem wir gerade gefrühstückt haben, schon wieder essen könnte, aber ein Fest für die Augen ist es allemal.
 
Anschließend fahren wir mit dem öffentlichen Bus zum Cap Ferrat. Der Preis beträgt 1 Euro, dafür könnten wir sogar bis Monaco fahren. Das kann sich der öffentliche Nahverkehr in Deutschland mal als Vorbild nehmen. Wir wollen zur Villa Ephrussi de Rothschild in Saint Jean auf Cap Ferrat. 2 ½ Stunden hat jeder, um sich das Schloss und die Gärten anzuschauen; es hätte auch ruhig ein ganzer Tag sein dürfen, so herrlich ist das Anwesen.
 
Da wir ja eine Wandertour gebucht haben, kommt jetzt die erste kleinere Wanderung. Wir umrunden das Cap Ferrat. Ein sehr schöner Weg führt die felsige Küste entlang. Alle paar Meter tauchen neue herrliche Badebuchten auf. Das letzte Stück geht es an der Ameisenbucht entlang. (Ameisen deshalb, weil hier die Millionärsyachten wie die Ameisen vor Anker liegen.) Für den Rest des Tages bis zum Abendessen haben wir Freizeit. Einige von uns baden noch am Strand von Beaulieu-sur-Mer, die anderen fahren nach Nizza zurück, und David gibt seine Lola ab -leider-, da morgen das Trekking beginnt, und Hunde im Nationalpark Mercantour nicht erlaubt sind. Abends treffen wir uns in der gleichen Gaststätte wie am Vortag.
 

Strand in Nizza

Markt in der Altstadt von Nizza

Markt in der Altstadt von Nizza

Markt in der Altstadt von Nizza

Gemäldeverkauf am Markt

Salz in allen Farben
 

Villa Ephrussi de Rothschild

In der Villa Ephrussi

In der Villa Ephrussi de
Rothschild in Saint Jean

Im Garten der Villa Rothschild

Villa Ephrussi de Rothschild

Villa Ephrussi de Rothschild

Blick zur Ameisenbucht und auf Cap Ferrat

Bougainvillea
 

Wanderung um das
Cap Ferrat herum

Am Cap Ferrat
 

Am Cap Ferrat
 

Cap Ferrat und die
Ameisenbucht

Lady Marina, eine der
100 größten Motoryachten
3. Tag:
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Wanderstrecke für
die nächsten Tage
Heute Morgen werden wir mit unserem kompletten Gepäck in zwei Kleinbussen zum Bahnhof der Pinienbahn gefahren. Andere Züge, als die Pinienbahn zwei Mal am Tag von Nizza nach Digne-les-Bains und zurück, fahren hier nicht ab. Vollbesetzt fährt der Zug mit uns und mit einer Höchstgeschwindigkeit von ca. 50 km/h durch das Tal des Var in die Alpes-de-Haute- Provence.
 
Nach etwa einer Stunde Fahrzeit steigen wir mit unserem Gepäck im mittelalterlichen Entrevaux aus. Das Gepäck wird von der einzigen Bahnangestellten in einem Hinterraum des Bahnhofs deponiert. Dann durchstreifen wir die engen Gassen. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Oberhalb der Stadt thront eine Vauban Festung am steilen Hang.
 
Als wir die Mauern der alten Stadt über eine Brücke wieder verlassen, werden wir bereits erwartet. David hat ein Mittagessen auf einem Bio-Bauernhof organisiert. Auch das läuft unter dem Begriff Retrouvance. Der Sohn des Bauern führt uns in einer ¾ Stunde bei großer Hitze durch das Tal zum Hof, wo man bereits auf uns wartet. Wir werden hier 20 Euro für die Verköstigung bezahlen, für das, was man uns an Essen und Getränken aus eigener Herstellung anbietet, ist dies sehr günstig. Uns kommen Bedenken, wie wir nach dem üppigen Essen und dem Alkohol den Rückweg schaffen sollen, aber zu unserer Überraschung werden wir zum Bahnhof gefahren.
 
Pünktlich geht es mit unserem Gepäck und dem heutigen zweiten Zug weiter. David hat den Zugführer informiert, wo wir aussteigen wollen, denn dies ist nur ein Bedarfshaltepunkt. Während der Zug mit unserem Gepäck in einem Tunnel verschwindet, bleiben wir allein zurück, weit weg von Straßen oder ähnlichen Zivilisationseinrichtungen.
 
Nun beginnt unser Trekking. Die nächsten drei Stunden geht es auf einem schmalen Pfad stetig höher, zuerst einem Bachlauf folgend, dann steil hangaufwärts, bis wir nach 500 Höhenmetern die wenigen Häuser von Peyresq erreichen. Dieser Ort war fast schon aufgegeben, bis ihn junge Leute vor ein paar Jahren wieder mit Leben füllten. Unser Gepäck ist auch irgendwie schon hier angekommen, wir bekommen Bettwäsche ausgeteilt und werden in uralten Steinhäusern untergebracht, die aber innen keine Wünsche offen lassen.
 
Das Abendessen wird in einer Gemeinschaftsunterkunft eingenommen, und den Rest des Tages genießen wir auf der Terrasse mit herrlichem Blick über die Landschaft bei Wein und Génépi (Kräuterlikör aus der Ährigen Edelraute). Was will man mehr?

Warten auf die Pinienbahn

Revest-les-Roches vom
Pinienzug aus gesehen

Entrevaux
 

Entrevaux
 

Entrevaux

Auf dem Bio Bauernhof
 

Transportfahrzeug zum Bahnhof

Der Zug ver-
schwindet im Tunnel

Seealpen Lilie
-Lilium pomponium-

Anfangs ist es sehr steil

Die Brücken hat der Winter zerstört

Glockenblume

Wir haben den Bach unter uns gelassen

Peyresq
 

Aussicht von
Peyresq aus

Peyresq
 

Abendstimmung
in Peyresq
4. Tag:

Der nächste Morgen,
keine Wolke
Heute Morgen heißt es, Betten abziehen und die Bettwäsche, sowie Kleidung für zwei Tage in uns zur Verfügung gestellte kleine Gepäcktaschen, sie sehen aus wie Fahrradtaschen, zu verstauen. Den Transport des Gepäcks und der Verpflegung übernimmt unser "Logistiker", ein von der Forstverwaltung gestellter Mitarbeiter, der für unsere Versorgung zuständig ist. Erst die übernächste Hütte wird auch mit dem Auto erreichbar sein, dann erst haben wir wieder Zugriff auf unser gesamtes Gepäck.
 
Nach dem Frühstück gibt es noch eine kurze Besprechung, was der Tag uns bringt, -550 m Höhenunterschied und 6 Stunden Fußmarsch- und dann geht es los. Bei strahlendem Sonnenschein steigen wir durch lichten Lärchenwald bis über die Baumgrenze auf. Hier befinden sich große Hochflächen, die als Schafsweiden genutzt werden. Trotzdem die Böden durch die Schafe abgegrast werden, gibt es hier eine unglaubliche Blumenpracht.
 
Die Mittagspause, für die sich jeder heute Morgen sein Picknick zusammenstellen konnte, findet nach dem Überqueren der Hochfläche statt. Eine Stunde haben wir Zeit, die Aussicht, das Wetter und vor allem die absolute Ruhe zu genießen.
 
Beim Abstieg schauen wir noch in eine Schäferhütte, interessant wie die Schäfer leben, und dann geht es wieder durch alten Lärchenwald. Schließlich können wir von einer Lichtung aus unsere heutige Unterkunft auf der anderen Talseite sehen. Nur den Logistiker und unser Gepäck sehen wir nicht. Eigentlich sollte er unser Gepäck mit einer Materialseilbahn über das Tal transportieren. David meint aber, die könnte defekt sein. So steigen ein paar von uns zum Fuß der Seilbahn ab, und richtig, dort sitzt unser Logistiker im Auto und wartet, damit wir ihm beim Transport helfen können. Also schnappt sich jeder ein Gepäckstück oder etwas von der Verpflegung, und die letzten 20 Minuten schaffen wir auch noch zur Hütte.
 
So klein die Hütte auch aussieht, sie ist perfekt eingerichtet. Es gibt Duschen, Dreier- oder Viererzimmer, eine Küche und eine schöne Terrasse, auf der wir es uns gut gehen lassen, während unser Logistiker, er heißt übrigens Phillip, sich an die Zubereitung des Essens macht.
 
Für den Rest des Tages heißt es nur noch duschen, entspannen und es sich einfach nur gut gehen lassen.
 

Unsere Gepäcktaschen
 

Lagebesprechung
 

Peyresq
 

Was wird hier fotografiert .....?

.... diese Blume wird fotografiert

Hier beginnt das Weideland
der Schafherden

Hier ist alles voller Kalkschutt
 

Der Weg führt über die Weiden
 

Mauerpfeffer -Sedum- Unterart, alpestre??
 

Die Blütenpracht ist phantastisch
 

Eine Schäferhütte
 
 

Wir erreichen wieder
Waldgebiete
 

Die Stimmung ist bestens
 

Alpen Apollofalter
-Parnassius phoebus-
 

Keine Hundehütte sondern unser nächstes Quartier

Ein letztes Hindernis
vor der Hütte

Aperitiv-Verteilung
 
5. Tag:

Die Reste müssen zum Auto zurückgebracht werden
630 Höhenmeter und 6 Stunden Fußmarsch liegen vor uns. Zuerst muss aber das Gepäck, sowie der Abfall und die Reste des gestrigen Abends zum Logistikerauto gebracht werden, was von einem Teil der Gruppe übernommen wird. Dann geht es bei strahlendem Sonnenschein los.
 
Wieder steigen wir durch beeindruckenden Lärchenwald auf, bis es über der Waldgrenze sehr steinig wird. Als Ausgleich ist der Pfad mit Blumen geschmückt. Mäßig steil zieht er sich zum Pass Baisse du Détroit auf 2.472 m hin. Hier oben teilt sich die Gruppe, ein Teil steigt bis zum Beginn der Hochfläche von Lignin ab, um dort eine Pause einzulegen, bis die anderen wieder dazukommen. Sie wollen bis dahin noch einen Gipfel besteigen.
 
Gemeinsam geht es dann über die Hochfläche zum Lac de Lignin. Hier soll die Mittagspause stattfinden. Es ist aber gar nicht so einfach einen geeigneten Platz zu finden. Da der See fast am Pass liegt, weht hier ein ganz schöner Wind.
 
Es ist schon früher Nachmittag als wir weiterziehen. Wieder geht es über endlose Weideflächen, bis sich ein Taleinschnitt zeigt. Es ist der Beginn des Gletschertals der Lance, dem wir nun abwärts folgen. Je enger und steiler es wird, umso mehr stürzt die Lance über kleine Wasserfälle und durch gewaltige Felsbecken nach unten. In solch einer Gumpe soll noch gebadet werden. Doch diejenigen, die vorher noch tönten, sie würden auf jeden Fall baden, machen bereits nach der Zehenprobe im eiskalten Wasser ganz schnell den Rückzieher; Kneippsche Arm- und Fußbäder müssen reichen.
 
Von hier aus sind es nur noch fünf Minuten bis zur Hütte La Fruchière auf 1700 m Höhe. Da zu ihr ein Waldweg führt, kann Philipp die Hütte mit dem Versorgungsauto anfahren. Dadurch werden wir heute auch mit Flaschenbier einer Bio-Brauerei aus dem Tal versorgt. Zur Begrüßung gibt es außerdem noch verschiedene Aperitifs und zwei Kuchen. Die Zeit bis zum Abendessen verbringen wir überwiegend mit dem Bestimmen der vielen Pflanzen, die wir heute gesehen und fotografiert haben. Zum ausgezeichneten Abendessen gibt es dann noch Weiß- und Rotwein oder Bier. Dadurch ist für guten Schlaf gesorgt.
 

Der nächste Tag,
wieder keine Wolke
 

Blick zu den weißen
Bergen des Verdon
 

Die Landschaft erscheint nur auf den ersten Blick kahl

Rundblättriges Hellerkraut
-Thlaspi cepaeifolium-

Die Landschaft ist anders als in den Zentralalpen

Alpen Hornklee
-Lotus alpinus-
 

Pause vor dem Anstieg zum Pass du Détroit
 

Panorama am Pass du Détroit 2.472 m
 

Nur Kalkschutt und trotzdem wachsen Pflanzen

Gebirgs-Spitzkiel
-Oxytropis jacquinii-
 

Auf der Hochfläche von Lignin

Lac de Lignin
 

Abwärts ins Tal der Lance

Felsbecken der Lance

Schwimmen will niemand ......

Bierprobe

Es war das beste
Bier der Reise
6. Tag:

Der Förster ist eingetroffen
Zum Frühstück bekommen wir Besuch von einem Forstbeamten. Er wird uns ein Stück begleiten und die Arbeit der Forstverwaltung vorstellen. Gleich zu Beginn zeigt er uns an Hand von Fotografien, dass, dort wo wir heute durch Wälder wandern, vor über Hundert Jahren die Hänge seit dem Mittelalter abgeholzt waren. Umso beeindruckender ist es zu sehen, was hier wieder aufgeforstet wurde und wird.
 
Schon kurz nach unserem Aufbruch treffen wir auf eine Schäferin, die mit ihren zwei Kindern, sechs Hütehunden, vier riesigen Wachhunden und zwei Eseln mehrere Hundert Schafe durch den Wald auf höher gelegene Weiden führt. Es dauert fast eine halbe Stunde bis der ganze Tross an uns vorbeigezogen ist.
 
Nach einer weiteren halben Stunde verlässt uns der Förster, und wir können unser mittlerweile schon gewohntes Tempo aufnehmen. Es geht fast den ganzen Vormittag nahezu ebenerdig mit grandioser Aussicht hoch über dem Tal des Verdon entlang. Gegen Mittag senkt sich der Pfad, und wir treffen auf eine schmale Straße. Es ist das erste Mal, dass wir so etwas wie Zivilisation mitbekommen.
 
Nach der Mittagspause geht es nur noch bergauf, bis wir schließlich auf 2.191 m Höhe auf dem Col de Champs stehen. Hier treten wir in den Nationalpark Mercantour ein. Die Landschaft übertrifft alles, was wir auf dieser Tour schon hatten, und das war wahrlich schon große Klasse.
 
Die letzten 45 Minuten schlendern wir fast eben zur nächsten Hütte, die wir nach über sechs Stunden Gehzeit und 800 Höhenmetern erreichen. Sie ist genauso so eingerichtet wie die bisherigen, -übrigens werden das warme Wasser und die Elektrizität auf allen Hütten mit Sonnenenergie erzeugt-, und da unser Logistiker schon da ist, steht einem gemütlichen und geruhsamen Rest des Tages nichts im Weg.
 

Aufforstung nach 100 Jahren

Schafherde

Schafherde

Victor, der Esel

Das Tal der Lance

Wir dürfen wie die Schafe frei laufen

Uralte Lärche

Blick auf
Villars-Colmar

Weiter hinten im Tal
liegt Allos

Widderchen auf Skabiose

Der Weg ist nur ein
schmaler Pfad

Gelber Enzian
-Gentiana lutea-

Schlangenknöterich
-Bistorta officinalis-

Pfauennelke
-Dianthus pavonius-

Mondlandschaft
mit Polsterkissen

Am Col de Champs
2.191 m

Schöne Gesteins-
formationen

Das Bier ruft
 
7. Tag:

Früh morgens stimmt
die Marschordnung noch
Heute Morgen müssen wir wieder zusätzliche Kleidung zu unserer Bettwäsche in die kleinen Gepäcktaschen packen, denn die heutige Hütte ist für Phillip nicht mit dem Auto zu erreichen.
 
Eigentlich sollte der Weg hoch über dem Tal des Var auf unserer Talseite entlang führen, doch dieser ist im Winter verschüttet worden und nicht begehbar. So müssen wir auf die andere Teilseite wechseln. Das bedeutet, wir steigen erst einmal in das Dorf Entraunes von 2.049 m auf 1.260 m ab, um dann die 800 Höhenmeter wieder aufzusteigen. David ist diesen Weg auch noch nicht gegangen, mal sehen was uns erwartet.
 
Es gibt heute zum ersten Mal ein paar Wolken, als wir anfangs sachte aber dann immer steiler talwärts wandern. Mit dem Erreichen Entraunes scheint schon wieder die Sonne von einem blauen Himmel, und es ist ganz schön heiß, während wir den Hang auf der anderen Talseite in Angriff nehmen. Die nächste Stunde fließt der Schweiß in Strömen, und erstmals sind alle ziemlich geschafft, als wir uns zur Mittagspause auf einem wahren Aussichtsbalkon unter ein paar Lärchen niederlassen. Deswegen genießen wir die Pause um so mehr. Hier oben herrscht aber auch eine Ruhe, wir haben eine traumhafte Aussicht, und jeder kann seinen Empfindungen nachgehen.
 
Nach der Pause haben wir noch zwei Stunden vor uns. Wir erreichen den Talboden, laufen durch blühende Wiesen und nehmen dann noch einen letzten Anstieg zur Hütte Garret auf 2.050 m Höhe. Wir lassen die Rücksäcke dort zurück und machen uns auf den Weg, dahin wo das Logistikerauto parkt. Heute müssen wir wieder unsere Gepäcktaschen und die Verpflegung zur Hütte tragen, aber danach ist wieder Erholung angesagt. Es ist die erste Hütte ohne besondere Aussicht aber mitten im Wald gelegen, und dafür grasen die Kühe direkt bis an die Terrasse heran.

 

Gemeine Braunelle
-Prunella vulgaris-

Steiler Abstieg nach
Entraunes

Im Tal fließt der Var
 

Entraunes
 

Der Schweiß fließt
in Strömen

Mont Cenis Hauhechel
-Ononis cristata-

Mittagspause mit Aussicht

Mittagspause
 

Türkenbund
-Lilium martagon-

Langsam geht es
wieder abwärts

Türkenbund
-Lilium martagon-

Quer durch die Wiesen
 

Gite du Garret 2.050,
unser Quartier

Heute müssen wir unser
Gepäck selbst holen
8. Tag:

Gleich zu Beginn des Tages eine Gams
Dies wird unser letzter Wandertag. Zuerst müssen wir das Gepäck beim Auto abliefern, dann kann es losgehen. Von 2.050 m geht es ständig ansteigend auf 2.602 m hoch. Wir haben eine schöne Aussicht über das Tal des Var, und kurz vor dem Pass treffen wir auf Wanderer. Abgesehen von zwei Mountainbikern am zweiten Tag ist es das erste Mal während der ganzen Wanderung, dass wir jemand treffen.
 
Mit dem Pass du Lausson auf 2.602 m Höhe haben wir den höchsten Punkt der ganzen Reise erreicht. Hier weht der Wind in Sturmstärke, und nach der Wärme der vergangenen Tage ist es hier so kalt, dass wir gleich zum Lac d' Allos absteigen. Schon ein paar Höhenmeter tiefer wird es wieder wärmer. Kurz vor dem See genießen wir während der Mittagspause das letzte Mal die wunderschöne Landschaft und die himmlische Ruhe. Beim Weitergehen treffen wir auf immer mehr Leute, wir merken, dass der See nicht sehr weit von einem Parkplatz entfernt sein kann. Letzteren erreichen wir auch nach kurzer Zeit. Dort angekommen wartet schon ein Kleinbus auf uns. Er bringt uns nach Colmars im Tal des Verdon.
 
Hier treffen wir auf Phillip, jetzt heißt es Gepäck sortieren und umpacken, dann schleppen wir unser Gepäck zur öffentlichen Bushaltestelle. Wir beeilen uns, weil der Bus schon wartet. Er wäre aber nicht ohne uns abgefahren. Er hat nämlich den gleichen Fahrer, der uns im Kleinbus hierher gebracht hat, dieser hat jetzt nur den Bus gewechselt und fährt uns, wir sind die einzigen Fahrgäste, nach Thorame-Haute zum "Hauptbahnhof". Nachdem wir geklärt haben, von welchem der zwei Gleise der Zug abfährt, heißt es warten und darauf achten, dass wir in den richtigen der zwei am Tag fahrenden Züge steigen. Auch das klappt, und so sind wir gegen 17 Uhr wieder in Nizza.
 
Perfekt organisiert warten hier schon wieder zwei Kleinbusse, die uns nach Vence, der Ort liegt oberhalb von Nizza, zum Hotel bringen. Nachdem wir uns stadtfein gemacht haben, laufen wir in die Altstadt zum Abendessen. Wir sitzen im Freien auf einem kleinen Platz, das Essen ist ausgezeichnet und genießen den lauen Mittelmeerabend. Zum Abschluss durchstreifen wir noch die Altstadt. Es ist richtig was los, heute ist nämlich Nationalfeiertag in Frankreich.

 

Alpen Apollofalter
-Parnassius phoebus-

Das Tal des Var
 

Beradie
-Beradia subacaulis-

Es bläst in Orkan-
stärke

Jeder will schnell tiefer
 

Lac d'Allos 2.230 m
 

Silberwurz
-Dryas octopetala-

Die Gams ist nicht weit
entfernt

Lac d'Allos 2.230 m
 

Jupiter Lichtnelke
-Lychnis flos-jovis-

Gepäck umpacken in Colmars
 

Bahnhof in Thorame Haut
 

Abendessen in Vence
 
 

Abends in Vence

Heute ist National-
feiertag in Frankreich, jetzt geht's los
9. Tag:

In Vence  
Den Vormittag verbringen wir in der Altstadt von Vence. Mit ihren schmalen Gassen und den alten Häusern lässt sie die Fotoapparate heiß laufen. Wir wollen aber noch weiter. In einer guten Stunde laufen wir nach Saint Paul de Vence. Es geht nämlich noch pittoresker.
 
Die Stadt Chagalls liegt auf einem Hügel, gilt als eine der schönsten historischen Orte der Cote d' Azur. Man sieht es an der Zahl der Touristen, die sich durch die engen Gassen schlängeln. Wir haben genügend Zeit uns alles anzusehen. Es gibt überall die für solche Orte typischen Touristenläden, doch hier fällt auf, dass sie so gut wie keinen Touristenkitsch verkaufen, sondern überwiegend typische regionale Produkte der Provence anbieten, und auch die vielen Gemäldegalerien haben zum Teil sehr hochwertige Gemälde im Angebot. Ein Teil der Gruppe läuft auch wieder zurück nach Vence, Andrea und ich nehmen den öffentlichen Bus, wie gehabt wieder für einen Euro.
 
Bis zum Abendessen schlendern wir noch ein bisschen durch Vence, dann ist allgemeines Treffen in der gleichen Gaststätte wie gestern angesagt. Eigentlich ist die Menueauswahl vorbestellt, aber wir haben gestern David gefragt, ob es nicht möglich ist, einmal Soup de poisson (Fischsuppe, nicht mit Bouillabaisse zu verwechseln) zu bekommen, und die Wirtin hat es möglich gemacht. Das Essen hier ist um einiges besser als an den ersten beiden Abenden in Nizza.
 
Zum Ende des Tages genehmigen wir uns noch einen Abschiedstrunk in einer Bar.

 

In Vence

In Vence

In Vence

In Vence

Saint-Paul de Vence

In den Gassen von
Saint-Paul de Vence

Typisches Geschäft in
Saint-Paul de Vence

In Saint-Paul de Vence
 

In Saint-Paul de Vence
 

Blick ins Hinterland
der Côte d'Azur

Straßenbelag in
Saint-Paul de Vence

In den Gassen von
Saint-Paul de Vence

Brunnen in Saint-Paul

Wir sind wieder
in Vence

In der Altstadt von Vence

Schade, dass es der
letzte Abend ist

Lola
 
10. Tag:
Heute heißt es Abschied nehmen, aber bevor der Transfer zum Flughafen startet, hat jeder noch 2 ½ Stunden für sich Zeit, und die meisten nutzen dies, um noch einmal durch die Altstadt zu streifen, oder einfach um die vergangene Wanderwoche im Geist Revue passieren zu lassen.
 
David begleitet uns zum Flughafen, und der Abschied fällt allen nicht leicht, zu schön war dieser Urlaub. Apropos David, ich habe bis jetzt sehr wenig über ihn geschrieben. Ich bin schon mit wirklich vielen Reiseleitern unterwegs gewesen, er war einer der Besten. Man merkt bei jeder Gelegenheit, wie er seinen Beruf und diese Landschaft liebt und es versteht, dies zu den Gästen herüberzubringen.
 
Erwähnt werden muss noch, dass die Reise bestens organisiert war, es hat alles wunderbar geklappt, nur hat uns niemand verraten, wie es geschafft wurde, sogar in den Bergen 10 Tage Sonnenschein ohne jeden Regentropfen zu bestellen und auch zu bekommen.
 
Als Fazit muss man sagen, diese Reise ist rundherum zu empfehlen. Es gibt nichts auszusetzen, höchstens, dass sie länger hätte dauern können.

 

In der Altstadt
von Vence

In der Altstadt
von Vence

In der Altstadt
von Vence

In der Altstadt
von Vence

In der Altstadt
von Vence

Au revoir et à bientôt

Ein letzter Blick zurück