Lofoten, steile Faszination vor Norwegens Küste

Eine Alp und Fjell Reise vom 10. bis 26. August 2007

Ein Reisebericht von Kurt.Merkert@web.de


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9. Tag Samstag:
Ganz früh am Morgen hat Pascale schon Joachim zur Fähre gebracht. Das wird heute ein richtiger Chauffeurtag für sie. Nach dem Frühstück werden die nächsten zwei der Gruppe nach Ramberg gebracht, und gleich drei neue Teilnehmer für die zweite Wanderwoche aufgenommen. Nur Andrea und ich haben beide Wochen gebucht.
Mit dem Wetter ist es nach einer Woche so eine Sache. Wir hatten 2 ½ superschöne Tage, einen völlig verregneten Tag, und während der restlichen Tage hatten wir zwar keinen Dauerregen, aber die Berge waren meistens in Wolken gehüllt. So machen wir uns unsere Gedanken, wie das die zweite Woche werden wird, während Pascale uns Richtung Kalle auf die Insel Vågan auf die Nordlofoten fährt.
Wir machen noch in einem Supermarkt in Leknes halt, um die Vorräte aufzufüllen. Eigentlich wollten wir unterwegs noch eine Wanderung machen, aber das Wetter ist wieder nicht sehr einladend, und so wird direkt bis zur Rorbuer in Kalle durchgefahren.
Wir beziehen drei sehr rustikale Fischerhütten, machen am Strand unsere Mittagspause. Hier zieht es wie Hechtsuppe, na ja, wir sind ja auch am Wasser, aber Gott sei Dank ist es trocken. Anschließend fährt Pascale den Rest der Gruppe abholen. Da eine geplante Straße noch nicht fertig gebaut ist, muss sie den Umweg über eine Fähre machen. Dies wird sie vier Stunden kosten, sodass sie erst spät in der Nacht zurück sein wird.
Für uns andere ist das Wetter so garstig, dass wir uns fast alle ins Bett legen und den Nachmittag durchschlafen. Abends kochen dann Andrea und ich für den Rest der Gruppe. Uns steht in einem eigenen Gästehaus eine richtige Großküche zur Verfügung. Es gibt Salat, Spagetti mit Tomatensauce und als Nachtisch Kuchen. Danach machen wir noch einen Spaziergang zur Küste. Es ist inzwischen endlich windstill, doch der Himmel hat sich wieder mit dunklen Wolken zugezogen. Von der gewünschten Mitternachtssonne ist keine Spur zu sehen.
 
10. Tag Sonntag
Während der Nacht sind die restlichen Reiseteilnehmer eingetroffen. Viel Zeit zum Kennenlernen bleibt nicht. Am Morgen geht es direkt zur ersten Wanderung.
Wir fahren mit dem Auto ein kurzes Stück nach Solbakken. Es ist trocken während wir durch eine wunderschöne Landschaft zu einem Pass aufsteigen, doch wir ahnen es schon - inzwischen sind wir Experten - es ziehen Wolken auf. Wir können nach jeder Seite das Meer sehen, besteigen noch den Småtindan mit einer wirklich traumhaften Aussicht. Doch leider können wir neben der schönen Aussicht auch erkennen, dass es bald regnen wird. Wieder am Pass fängt es auch schon zu nieseln an. Das Typische auf den Lofoten scheint zu sein, dass der Regen immer ganz sachte beginnt, sich dann aber kontinuierlich steigert.
Beim Abstieg stehen wir dann auf einmal vor einem Wasserlauf, dem die Brücke fehlt. Auf der Suche nach einem Übergang, müssen wir uns durch Krüppelholz kämpfen, was dazu führt, dass die letzten trockenen Stellen an uns auch noch durchnässt werden. Doch lassen wir es uns nicht nehmen, auf dem letzten Wegstück noch genügend Pilze für das Abendessen zu sammeln. Zurück in unserem Quartier gibt es als Vorspeise Räucherlachs, als Hauptgang Curryreis, Gemüse und Pilze. Die Wanderzeit betrug heute sechs Stunden.
 
11. Tag Montag
Heute Morgen haben wir endlich einmal einen blauen Himmel. Unser Tagesziel können wir von unserer Rorbuer aus sehen. Es ist der Hausberg von Kalle; der Glåmtinden 419 m hoch.
 
Wir laufen die alte Straße zum Rørvikskardet hoch und zweigen dann zum Glåmtinden ab. Von der Rückseite ist er etwas zahmer anzugehen, als er von der Vorderseite aus aussieht. Oben angekommen genießen wir die wunderschöne Aussicht. Es ziehen zwar ein paar Wolken auf, aber gegen das was wir die letzten Tage gewohnt waren, ist es ein Superwetter. Wir steigen auf der anderen Seite des Passes zum Strand von Rørvika ab und machen dort unsere Mittagspause. Drei Mutige gehen sogar baden.
Anschließend fahren wir zur südlichsten Stelle der Nordlofoten nach Henningsvær. Wir schlendern durch den kleinen Ort. Er liegt ganz nett, fast wie eine Insel, ist nahezu rundherum vom Meer umgeben, hat aber sonst nicht allzu viel zu bieten. Danach geht es noch nach Kabelvåg in einen Supermarkt. Wir entdecken am Hafen ein sehr schönes Café. Es wird dort nicht unser letzter Besuch sein.
Nach dem Abendessen, heute gab es Fisch, laufen wir noch zu einem kleinen Hügel auf der Halbinsel neben unsere Hütte und genießen den für die Lofoten lauen Abend.
 
12. Tag Dienstag
Es steht eine Schifffahrt in den Trollfjord an. Vorher heißt es nach dem Frühstück aber noch Packen, denn wir tauschen heute unsere drei Fischerhütten gegen ein großes Haus für uns alle zusammen ein. Es liegt nur 20 Meter neben den alten Unterkünften.
Danach fahren wir nach Svolvær, dem Hauptort von Vågan. Hier besteigen wir ein Boot und fahren bei ruhiger See - die Sonne hat sich zwar schon wieder verzogen - drei Stunden durch den Øyhellsund in Richtung Trollfjord. Unterwegs gibt es noch einen Angelstopp. Andrea und ich kennen das ja schon von der ersten Woche. Heute beißt nur Seelachs an, der aber reichlich. Dieses Mal wird der Fisch direkt auf dem Schiff gekocht. Frischer geht es nicht, und schmecken tut er auch noch ausgezeichnet.
Vom Trollfjord, einem engen Landeinschnitt sind wir etwas enttäuscht. Auf der Rückfahrt werden die Fischreste spektakulär an die Möwen verteilt. Es lassen sich sogar zwei Seeadler sehen. Birgit kann den Bootsführer noch davon überzeugen, nicht alle Fische zu verfüttern, sodass wir in Svolvær die restlichen Fische ausgehändigt bekommen. Verglichen mit der Angeltour der ersten Woche, war diese Tour heute um ein vielfaches besser.
Auf der Heimfahrt schaffen wir es nicht an Kabelvåg vorbeizufahren. Wir müssen einfach in dem Café noch einen Stopp machen. Bei einem riesigen Stück Kuchen, einer Tasse Capuccino und einer heißen Schokolade für zusammen 12 Euro wird uns allen wieder richtig warm. Ansonsten passiert an diesem Tag nichts Besonderes mehr.
 
13. Tag Mittwoch
Der Wetterbericht in der Zeitung verheißt für heute Sonne pur ohne jegliche Wolken. Doch man hat wohl die Wettersymbole vertauscht. Wir haben Wolken pur ohne jegliche Sonne. So stellen wir das Programm wieder mal etwas um. Die eigentlich geplante Wanderung auf die Matmora wird auf übermorgen verschoben. Wir fahren zuerst Einkaufen, in der Hoffnung, dass das Wetter sich nach der Zeitung richtet und noch besser wird. Aber auch nach dem Einkaufen sieht es nicht anders aus.
Trotzdem fahren wir auf die Insel Gimsøya an den Fuß des Hoven. Wir wollen ihn besteigen. Gerade rechtzeitig als wir das Auto verlassen, beginnt es leicht zu regnen. Das Wetter treibt uns statt der geplanten 1 ½ Stunden in einer ¾ Stunde zum Gipfel hinauf. Dort bläst so ein Sturm, dass wir nur so lange bleiben, wie es benötigt sich vorzustellen, wie schön die Aussicht bei gutem Wetter sein muss. Wir steigen wieder zum Auto ab, um darin unser Mittagspicknick einzunehmen.
Anschließend geht es auf direktem Weg zurück in unser Quartier, das heißt nicht ganz direkt, denn an dem Café in Kabelvåg kommen wir natürlich nicht vorbei. Dieses Mal gibt es allerdings nur einen Milchkaffe und eine Schokolade für 8 Euro, Kuchen ist aus. Heute wird nur noch gekocht. Wir grillen den gestern gefangenen Fisch unter dem Vordach unseres Hauses. Es ist dies das einzige Mal, dass von uns noch jemand vor die Tür tritt, denn seit dem Hoven haben sich Regen und Sturm intensiviert.
 
14. Tag Donnerstag
Es hat die ganze Nacht gestürmt. Wir erfahren später, dass es Windstärke 11 war. Regnen tut es immer noch. Heute ist unser freier Tag. Wir hatten eigentlich als Programmpunkte Radfahren oder eine Bootsfahrt zu einer Insel geplant. Nichts wird daraus. Also beschließen wir auf die Westseite der Lofoten zu fahren. Vielleicht hat dort der Sturm vom offenen Atlantik her die Wolken weggeblasen.
 
Nach einer Fahrzeit von einer Stunde kommen wir dort an. Nachdem wir ausgestiegen sind, werden wir fast umgeblasen. Aber so schnell geben wir nicht auf. Wir trotzen dem Wind und laufen an der Küste entlang. Doch nach einer halben Stunde kehren die ersten um. Es geht einfach nicht mehr. Der Regen peitscht waagerecht wie mit Nadelstichen auf uns ein. Wir erreichen eine Baustelle, die ein windgeschütztes Vordach besitzt, wo wir Mittag machen, um anschließend direkt in die Unterkunft zurückzufahren. Direkt? Ja, wir sind sogar für das Café zu nass geworden.
Den Nachmittag verbringen wir mit Sauna, Lesen oder Regentropfen fotografieren. Es regnet bis zum Abend mittlerweile seit 36 Stunden ohne Unterbrechung. Der Sturm ist immer noch gewaltig.
 
15. Tag Freitag
Am Morgen nieselt es nur noch, und es sind sogar ein paar blaue Flecken am Himmel zu erkennen. Bis wir gefrühstückt haben, wird das Wetter noch besser, und wir beschließen, heute die große Tour auf die Matmora zu machen. Auf dem Weg dorthin scheint sogar die Sonne. Wir lassen das Auto zurück und starten. Wir steigen einen steilen Hang hinauf. Durch den vielen Regen ist der Pfad sehr glitschig. Oben angekommen geht es über einen breiten Rücken mit sehr schöner Aussicht in Richtung eines schmalen Felsgrats. Während es immer steiler wird, zieht es sich plötzlich ganz schnell zu. Wir beschließen umzukehren, das bedeutet: Regensachen an und den steilen Hang mit großer Vorsicht wegen der Rutscherei schnell absteigen.
Als wir unten ankommen, klart das Wetter doch wieder auf. Das ist auf den Lofoten halt so, aber es hätte auch schlimmer kommen können. Unsere Sicherheit geht vor. Wir fahren zurück nach Svolvær, kaufen dort ein, und dann zurück ins Quartier, heute wieder mit Zwischenstopp. Wir sind ja nicht so durchnässt wie gestern.
Am Abend klart der Himmel ganz auf. So hätte es heute tagsüber sein müssen. Das Wetter scheint jetzt wirklich besser zu werden. Aber wir sind ja leider fast am Ende der Reise.
 
16. Tag Samstag
Heute heißt es Packen, wir wollen noch ein letztes Mal umziehen. Wir brechen zu einer letzten Wanderung zu zwei Seen in der Nähe von Svolvær auf. Von oben werden wir heute erstmal nicht nass. Der Pfad führt aber durch ein Sumpfgebiet und ist durch den Regen der vergangenen Tage so aufgeweicht, dass er spielend als Teststrecke für Goretex Schuhe herhalten könnte. Um es vorweg zu nehmen, bei keinem von uns haben die Schuhe den Test durch diesen Torfmatsch und die wasserdurchtränkten Wiesen bestanden. Birgit hat sogar den ganzen Rückweg barfuss bewältigt.

 
Da wir nicht zu weit von Kabelvåg entfernt sind, geht es zum Abschied noch einmal in unser geliebtes Café. Anschließend fahren wir in einer mehrstündigen Fahrt auf die Vesterålen und machen dort noch einmal in einer Fischerhütte Quartier. Dies verkürzt uns morgen die Fahrt nach Narvik um einiges.
 
17. Tag Sonntag
Wir brechen sehr früh auf, da wir doch ein ganzes Stück nach Narvik zu fahren haben. Eigentlich wollte ich nichts mehr über das Wetter schreiben. Ich möchte aber doch nicht unerwähnt lassen, dass diese letzte Fahrt zum Flughafen bei wunderschönem sonnigem Wetter stattfindet.
Gegen Mittag heißt es dann Abschied nehmen, und mit Zwischenstopp in Oslo geht es zurück nach Deutschland.
 
Fazit: Ein Kollege hat zu mir gesagt, als er hörte, dass wir auf die Lofoten wollen: "Die Lofoten sind bei Sonne einer der schönsten Flecken der Erde, aber bei Regen....." Wenn ich dann noch die Fotos der Reiseleiterin von einem Jahr zuvor gesehen habe (zwei Wochen nur Sonne!) kann ich dem nur zustimmen.
Aber das Wetter kann man sich Gott sei Dank noch nicht aussuchen, und wir haben trotzdem das Beste daraus gemacht. Ansonsten hat alles bei dieser Reise wunderbar geklappt, und vielleicht wollte das wechselhafte Wetter uns ja auch nur klarmachen, dass man die Lofoten mehrmals besuchen muss.
 

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