Lofoten, steile Faszination vor Norwegens Küste

Eine Alp und Fjell Reise vom 10. bis 26. August 2007

Ein Reisebericht von Kurt.Merkert@web.de


Übersicht 1. bis 8. Tag 9. bis 17. Tag Ausrüstung Druckansicht Home

 
1. Tag Freitag:
Wir sind noch arbeiten gegangen und werden am frühen Nachmittag von einem Kollegen zum Flughafen Frankfurt gefahren. Um 17:20 Uhr fliegen wir pünktlich mit der SAS nach Oslo. Wir haben am Gate überraschend Joachim getroffen. Mit ihm waren wir schon auf einer Schneeschuhtour in der Schweiz. Es stellt sich heraus, dass er die gleiche Reise gebucht hat. Was es doch für Zufälle gibt.
Während des Fluges gibt es nichts zu essen oder zu trinken. So stürzen wir uns in Oslo auf den ersten Imbissstand - zwei Sandwich, ein Wasser und wir sind 20 Euro los. Da bekommen wir gleich ein Gefühl für die norwegischen
Preise. Um 21:00 Uhr fliegen wir weiter nach Bodø, wo es vom Flughafen mit dem Taxi zum Fähranleger geht. Zum Fahrtbeginn stellt der Taxifahrer das Taxameter auf 45 Kronen ein, am Ziel sind es dann 89, aber mit einer Spezialtaste lässt er das Ergebnis auf 112 Kronen hochschnellen, geplant waren eigentlich 75.
Wir treffen im Wartehäuschen am Anleger weitere drei Mitreisende, und um 0:45 Uhr - es ist immer noch sehr hell - startet die Fähre Richtung Lofoten.
 
2. Tag Samstag
Auf der Fähre befinden sich höchstens 50 Personen und genau sieben Fahrzeuge. Wir sind todmüde, doch nur einige von uns schlafen während der etwas schwankenden Überfahrt. Die anderen fotografieren die Nacht durch. Um 4:15 Uhr werden wir von unserer Reiseleiterin Pascale in Moskenes auf den Lofoten begrüßt.
Wir fahren zu einer Rorbu (Fischerhütte), wo wir erstmal zwei Stunden "ausschlafen" können. Danach besuchen wir einen Supermarkt, er hat die Größe eines Tante Emma Ladens, doch wir bekommen, was wir benötigen. Anschließend geht es zurück zur Hütte, die wir nun räumen. Sie war nur als Zwischenstation gedacht, da die richtige Hütte erst ab 12 Uhr zur Verfügung steht. Also: Ortswechsel nach Å -dem Ort mit dem kürzesten Namen auf der Erde-, die Sachen in der Hütte abgelegen, Besuch bei einem Bäcker und dann Aufbruch zu einem kleinen Spaziergang. Der erste Tag soll nicht zu anstrengend sein, weil uns allen der Schlaf fehlt. Wir laufen zur Küste, dann auf einen kleinen Hügel mit sehr schöner Aussicht. Das Wetter ist phantastisch und so wird der kleine Spaziergang zu einer 4 ½ stündigen Tour um einen See herum.
Wir sind alle ziemlich geschafft, als wir die Hütte erreichen. Jetzt heißt es noch Kochen. Es gibt Nudeln mit Oliven und Auberginen in Tomatensauce, sowie Krustinos mit Lachs als Vorspeise und einen Wein, der die Reise von Deutschland heil überstanden hat. Wein kann man in Norwegen kaum bezahlen. Inzwischen sind mit Christine und Wulf die letzten noch fehlenden Reiseteilnehmer zur Gruppe gestoßen.
 
3. Tag Sonntag
Die Nacht durch hatten wir Dauerregen. Vom Superwetter ist nichts mehr zu sehen. Wir frühstücken um 9 Uhr, besuchen dann wieder unseren Bäcker, der im traditionellen Holzofen die besten Kanelboller (Zimtschnecken) backt. Dann fahren wir ein paar Kilometer nach Sørvågen und beginnen unsere Wanderung zur Munkebu-Hütte.
500 Höhenmeter stehen an. Nach den ersten 100 Höhenmetern beginnt es wieder leicht zu regnen. Der Regen steigert sich mit jedem Meter, den wir an Höhe gewinnen. Auf dem ersten Pass blicken wir zum Meer und können erkennen, dass das Wetter auf keinen Fall besser wird. Wir schaffen es noch bis zur Hütte, machen dort unsere Mittagspause, und dann geht es erst richtig los. Es regnet Bindfäden. Umso schwerer fällt es uns, wieder die nassen Sachen anzuziehen. Wir besteigen noch einen kleinen Berg, nur um zu sehen, dass es von dort oben auch nicht mehr zu sehen gibt als graue Wolken. Man kann aber erahnen, wie schön die Aussicht bei gutem Wetter sein könnte.
Danach geht es auf direktem Weg zurück zum Fahrzeug. Gegen 18 Uhr sind wir wieder in unserer Hütte. Es regnet immer noch. Heute Abend gibt es Reiscurry, und weil wir alles aufessen, hört es rechtzeitig zum ins Bettgehen auf zu regnen.
 
4. Tag Montag
Schönes Wetter sieht anders aus, aber es regnet wenigstens nicht. Wir ändern unseren Tagesplan. Vielleicht ist es ja etwas weiter entfernt besser. Über Reine fahren wir in einer ¾ Stunde nach Fredvang an das Nordende der Insel Moskenesøya. Wir wollen zum Strand Kvalvika wandern.
Am Startpunkt ist es auch bedeckt. Strand hört sich flach an, aber zuerst steigen wir auf einen Bergrücken zu einer Hütte auf. Hier ist es sehr neblig. Doch als wir nach einer Pause aufbrechen, reißt der Nebel schlagartig auf, und wir haben strahlend blauen Himmel. Über den Forsvatnet steigen wir sehr steil zur Küste ab. Die Aussicht ist großartig. Am Strand angekommen, machen wir Mittagsrast, und einige Mutige testen sogar die Wassertemperatur des Atlantiks. Es ist wunderschön hier, wenn es nur nicht so bestialisch stinken würde. Als wir nach zwei Stunden aufbrechen, finden wir den Kadaver eines Grauwals am Strand. Jetzt wissen wir, wo der Gestank herkommt. Wir steigen einen steilen Berghang hinauf, und genießen oben angekommen die grandiose Aussicht auf die Fjordlandschaft. Der Rückweg zum Auto ist so richtig zum Genießen.
Gegen 17:30 Uhr sind wir wieder am Auto. Nun fahren wir noch nach Ramberg in den Supermarkt und anschließend nach Reine ins Fischgeschäft. Dies hat leider schon geschlossen; also in einen anderen Supermarkt. Hier gibt es Fisch nur aus der Kühltheke - leider keinen Frischfisch - und das auf den Lofoten. Zu allem Überfluss fällt dann auch noch komplett der Strom aus. Was wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen, er ist wohl auf ganz Moskenesøya ausgefallen. Zurück in unserer Hütte in Å, müssen wir feststellen, dass wir auch hier keinen Strom haben, dafür haben wir aber umso größeren Hunger. Pascale besitzt aber noch einen Campingkocher. Neun Personen und ein Gaskocher, da ist Kochkunst gefragt.
Bis zum Schlafen gehen kommt kein Strom mehr. Das bedeutet, Duschen fällt heute aus.
 
5. Tag Dienstag
Heute ist Ruhetag angesagt. Wir wollen ein paar Ansichtskarten kaufen und am Nachmittag eine Bootstour machen. "Fischer für einem Tag" heißt das Angebot eines Fischers aus Å. Ein Tag bedeutet drei Stunden und kostet 60 Euro pro Person - ganz schön teuer -. Ansichtskarten können wir morgens noch kaufen, doch als wir in den Tante Emma Laden wollen, hängt dort ein Schild "Wir öffnen wieder, wenn es wieder Strom gibt". Der ist nämlich abermals ausgefallen. Bis nachmittags kommt er auch nicht wieder. Ich war vor ein paar Jahren in der Telemark in Südnorwegen. Dort gab es die gleiche Situation. Es scheint dies ein norwegisches Problem zu sein.
 
Um 16:30 Uhr begeben wir uns zum Fischerboot. Es ist eine bessere Nussschale. Alle sind am Kauen, weil es heißt, dass ein beschäftigter Magen nicht zur Seekrankheit neigt. Wir fahren aufs Meer hinaus und nach 20 Minuten wird über einem Fischgrund gestoppt. Fünf von uns werfen Angelleinen aus, die mit mehreren Haken versehen, bis 50 Meter in die Tiefe abgesenkt werden. Es dauert nur wenige Sekunden bis der erste Kabeljau angebissen hat. Mit mehr oder weniger Glück wird an weiteren Stellen geangelt. Es ist eine blutige Metzelei, was nicht jedermanns Sache ist. Wir fangen Seelachs, Kabeljau beißt nicht mehr an.
Wir fahren noch bis zur Südspitze der Insel, betrachten eine aufgelassene Siedlung vom Boot aus, und dann geht es zurück. In den Gesichtern der meisten von uns, kann man erkennen, dass es ihnen alles andere als gut geht, aber übergeben muss sich niemand. Um 20 Uhr sind wir wieder im Hafen und dürfen den gefangenen Fisch mitnehmen.
Zurück in der Hütte, gibt es inzwischen zwar wieder Strom, dafür gibt es aber keine Pfanne. Also wird der Fisch in Stücke geschnitten, und statt gebratenen, gibt es gekochten Fisch und als Vorspeise eine Fischsuppe. Um 21:30 Uhr ist Essensbeginn. Da keiner weiß, ob der Strom noch einmal ausfällt, duschen alle noch. Es wird ziemlich spät, bis wir heute in den Betten sind. Wettermäßig war es heute trocken aber bedeckt.
 
6. Tag Mittwoch
Wir wollen heute an die Nordspitze der Insel Moskenesøya umziehen. Es herrscht strahlend blauer Himmel. So gehe ich noch vor dem Frühstück durch Å und mache einige schöne Fotos. Bei Sonne sieht doch alles ganz anders aus. Wir packen schnell unsere Sachen zusammen, machen Hausputz in unserer Rorbu und fahren dann nach Reine. Wir müssen pünktlich in Reine sein, wollen wir doch eine Minifähre nach Vinstad besteigen, und die fährt los, wenn sie voll ist. Wir schaffen es dort als Erste einzutreffen, und das ist auch notwendig, denn als das Boot ablegt, sind nicht alle die eigentlich mitwollten, auch mitgekommen.
Die Überfahrt nach Vinstad findet bei herrlichem Wetter statt. Wir laufen anschließend den Bunesfjord entlang, steigen zu einem kleinen Pass auf und haben dort eine Superaussicht auf den Bunesetstrand. Wir haben strahlend blauen Himmel, türkisfarbenes Wasser, doch leider ist es so stürmisch, dass der Sand über den Strand geblasen wird, und heute niemand ins Wasser geht. Um 15:30 Uhr müssen wir wieder am Boot sein, um mit der ersten Fuhre mitzukommen. Vielleicht können wir ja noch den Reinebringen - den Aussichtsberg über Reine - besteigen. Es klappt auch alles, doch als wir wieder in Reine ankommen, hat sich der Himmel zugezogen, und die Berggipfel sind in Wolken gehüllt, so dass sich das mit der Besteigung erübrigt hat.
So fahren wir direkt in unser neues Quartier nach Fredvang. Es liegt direkt am Hafen. Wir beziehen zwei Wohnungen jeweils mit vier Personen.
 
7. Tag Donnerstag
Die vergangene Nacht war sehr stürmisch. Der Sturm hat die Stühle der Terrasse umhergeweht und vor allem das schöne Wetter vertrieben. Berge können wir keine mehr sehen. Es regnet noch, und so beschließen wir, die heutige Tour etwas später zu starten und wollen zuerst einkaufen fahren. Wir haben inzwischen gelernt; das Wetter auf den Lofoten lehrt einen flexibel zu sein. Neben dem Supermarkt hängt ein nichts Gutes verheißender Wetterbericht. Wir lassen uns aber nicht entmutigen und starten doch zu einer Wanderung. Statt der geplanten Gipfeltour machen wir die für morgen geplante Küstentour halt heute.
 
Nachdem es zu Beginn noch regnet und sehr windet, wird es dann doch trocken. Am Ende des Tages werden wir 6 ½ Stunden im stetigen Auf und Ab auf Flakstadøya gewandert sein. Unterwegs haben wir noch eine Höhle gesucht und gefunden, die schon vor Jahrhunderten besiedelt war. Am Ende der Tour versucht Pascale per Anhalter zum Auto zurückzukommen, was aber misslingt. Danach versucht es Jana, aber erst als ihre Mutter sich an den Straßenrand stellt, halten sofort alle Autos, die vorbeikommen. Während Pascale zum Auto gefahren wird, hält Andrea eine Yogastunde vor einem Bushäuschen, um die aufziehende Kühle zu überbrücken.
Zum Abendessen gibt es heute Bouillon als Vorspeise, danach Ratatouille mit Reis, Yoghurt mit Staudensellerie und Äpfeln und als Nachtisch einen Sonnenuntergang mit Regenbogen und einer so intensiven Beleuchtung, wie ich sie noch nie gesehen habe.
 
8. Tag Freitag
Wie inzwischen schon gewohnt, hat es heute Nacht wieder geregnet. Entsprechend sind heute Morgen die Berge wieder in Wolken gehüllt. Doch heute können wir das Programm nicht wechseln, denn es ist der letzte Tag der ersten Wanderwoche. So fahren wir nach dem Frühstück nach Nusfjord am gleichnamigen Fjord.
Wir wollen über den Mosestinden zur Tønsåsheia auf 769 m aufsteigen. Es ist wenigsten von oben trocken, als wir einen sumpfigen Streckenbereich zu umgehen versuchen. Wir suchen uns eine eigene Wegstrecke, was aber zur Überwindung einer leichten Kletterstelle führt. Das letzte Wegstück ist sehr steil, und als wir nach zwei Stunden den Gipfelgrat erreichen, zieht Nebel auf, und alles liegt wieder in den Wolken. Die einzige offene Aussicht geht nach unten auf Nusfjord, das sehr schön am Fjordeingang liegt.
Wir steigen wieder ab, sammeln unterwegs noch Blaubeeren, die hier in Massen wachsen, und schlendern noch durch den Ort Nusfjord, der im Grunde nur aus um einen kleinen Hafen gruppierten Häusern besteht. Eigentlich dürften wir hier nicht laufen, denn für die Begehung des Ortes muss man Eintritt bezahlen. Nusfjord gehört zum Weltkulturerbe, aber dass ein Ort Eintritt verlangt, wohlgemerkt kein Museum, ist wohl einmalig. Man stelle sich das mal zum Beispiel für Bamberg vor!
Wir fahren nach Fredvang zurück. Das Abendessen findet heute sehr früh statt, denn drei aus der Gruppe werden heute noch von Pascale zur Fähre nach Moskenes gebracht.
 

Übersicht 1. bis 8. Tag 9. bis 17. Tag Ausrüstung Druckansicht Home