D R U C K V E R S I O N 

"Kanadas Westen"
Reise durch Britisch Kolumbien

Eine Trails Reise
2. August - 23. August 2000

Ein Reisebericht von Kurt.Merkert@web.de


 
Als ich vor Jahren den Film "Wie ein Schrei im Wind", gesehen habe, der das Trapperleben in der Wildnis beschreibt, und dessen Außenaufnahmen in Britisch Kolumbien aufgenommen wurden, wusste ich, da komme ich auch noch einmal hin. Nachdem ich im vorigen Jahr bereits eine Kanadareise mit dem DAV Summit Club gebucht hatte, die aber wegen mangelnder Teilnehmerzahl nicht zustande kam, habe ich mich dieses Mal für den Veranstalter Trails-Reisen entschieden. Es bedurfte auch keiner großen Überredungskunst, meinen Luxemburger Kollegen Aly für die Reise zu begeistern, und schon war der Zeltpartner gefunden.
 
1. Tag Mittwoch
Calgary
Um die Mittagzeit treffe ich auf dem Frankfurter Flughafen ein und sehe am Schalter von Air Canada schon jemand mit einem Rucksack mit Trails Gepäckanhänger stehen. Es ist Rosi aus Bayern, wie sich schnell herausstellt. Die restlichen Reiseteilnehmer treffen wir dann am Abfluggate, als da wären, Lenore und Karl-Heinz mit Sohn André aus Meiningen in Thüringen, Harald aus Steinfurt in Westfalen, Heidi mit Tochter Eva aus Kaarst, Andrea und Anke aus Dresden, sowie schon erwähnt Aly, aus Luxemburg und ich aus Schlangenbad. Man sieht, wir sind über die ganze Republik verteilt.
Nun kann es losgehen. In Calgary wird nur noch Matthias unser Reiseleiter zu uns stoßen. Der Flug verläuft absolut ereignislos, wir haben genug Zeit, uns etwas näher kennen zu lernen. Wir kommen 15:45 Uhr Ortszeit in Calgary an, bei uns zu Hause ist es allerdings schon 23:45 Uhr. Matthias hat einen Bus für 12 Personen mitgebracht, das Gepäck wird auf dem Dach verladen, und dann geht es ins Hotel.
Wir machen noch kurz eine Besichtigung von Calgary, gehen gemeinsam Essen, haben unsere Vorstellungsrunde und fallen gegen 22:00 Uhr, zu Hause ist es jetzt bereits 4:00 Uhr morgens, todmüde ins Bett.
 
2. Tag Donnerstag
Dickhornschaf
Lake Moraine
Nachdem sich jeder einen Platz im Bus gesucht hat, geht es durch die weiten Prärien Albertas Richtung Banff am Eingang des gleichnamigen Nationalparks. Hier haben wir 2 Stunden Aufenthalt, nutzen diese zur Stadtbesichtigung und vor allem zum Einkaufen der Verpflegung für die nächsten Tage. Harald ist dafür zum Kassenwart ernannt worden, die Absprache, was gekocht werden soll, wird immer gemeinsam getroffen.
Weiter geht es auf dem Highway 1 durch den wunderschönen Banff Nationalpark. Unterwegs machen wir mehrfach Halt, um Dickhornschafe, Präriehunde zu fotografieren oder einfach nur, um die Landschaft zu bewundern. Kurz vor Lake Louise machen wir einen Abstecher zum Lake Moraine, der mit seinem türkisblauen Wasser vor den Bergen ein Postkartenmotiv darstellt.
Ein Häher
Es sind auch kaum andere Touristen da, hier gefällt es uns, aber wir fahren weiter zum weltberühmten Lake Louise mit dem ebenso bekannten Hotel. Hier treffen wir auf Massen anderer Touristen, und auch der See ist nicht so schön, wie man es von "weltberühmt" erwartet.
Wir fahren weiter in den Yoho National Park zum Campingplatz an den Takakkaw Fällen. Leider ist dort kein freier Platz mehr, und wir müssen auf einen Platz nahe an der Hauptstraße und in der Nähe einer Eisenbahnlinie ausweichen. Es wird der unattraktivste Platz der ganzen Reise sein. So können wir wenigstens zählen, dass die Züge bis zu 110 Waggons haben.
 
3. Tag Freitag
Takakkaw
Wasserfall
Twin Falls
Mittagsrast
Die Nacht war kurz, die Zeitumstellung macht sich doch bemerkbar, oder waren die schon früh verkehrenden Züge schuld daran? Egal, heute geht es auf einer ganztägigen Wanderung an den 380 m hohen Takakkaw Fällen vorbei durch das Yoho Valley zu den malerischen Twin Fällen, zu denen wir bis zur Abbruchkante hochsteigen. Hier halten wir vor einer beeindruckenden Kulisse Mittagsrast.
Auf dem Iceline Trail geht es am Nachmittag zurück zum Parkplatz, doch nicht so rechtzeitig, dass uns nicht noch ein kräftiger Regenschauer überraschen kann. Andrea und Anke lernen hierbei, dass ihre Rucksäcke nicht wasserdicht sind.
Es folgt eine weitere Nacht auf dem Campingplatz. Dieses Mal schlafen wir besser. Man gewöhnt sich an alles.
 
 
4. Tag Samstag
Heute wird es ein reiner Fahrtag werden, aber durch welch eine Landschaft! Wir fahren über die "Traumstraße der Welt" zuerst durch den Banff- dann durch den Jasper Nationalpark, halten am hundekopfförmigen Peyto Lake, bewundern das Bow Valley und das Columbia Icefield und folgen dem Athabasca River bis Jasper. Nach dem Besuch von Jasper geht es weiter in den Mount Robson Provincial Park. Unterwegs wird mehrfach angehalten, um Schneeziegen und Wapitis zu fotografieren.
Peyto Lake
Highway No. 1
Wapitihirsch
Heidi kocht
Wir campen am Fuß des Mount Robson direkt am Fraser River. Dieses Mal ist es ein Super Camping Platz, es gibt sogar Duschen, dafür keine Moskitos, was wollen wir mehr? Wir werden hier zwei Nächte bleiben. Heute kocht Heidi, es gibt Paprika - Gemüsepfanne. Das mit dem Kochen ist kein Problem. Es stellt sich schnell heraus, wer was kann, und da jeder mithilft, kostet es auch nicht so viel Zeit.
 
5. Tag Sonntag
Wir werden heute eine ganztägige Wanderung am Mount Robson machen, der mit 3.954 m der höchste Berg der kanadischen Rockys ist. Wir wandern auf dem Berg Lake Trail in das Tal der 1.000 Wasserfälle. Da wir auf dem gleichen Weg zurück müssen, besteht Matthias nicht auf Gruppenwanderung, Einzelwanderung will er aber auch nicht. So wandern wir in mehrere Grüppchen aufgeteilt.
Mount Robson
Indian Paintbrush
Kinney Lake
Wer die komplette Strecke gehen will, hat stolze 45 km vor sich. Anfangs geht es durch wunderbaren Küstenurwald, wir erreichen den Kinney Lake, und nach Überquerung einer Hängebrücke steigen wir über die White Falls zu den Emperor Falls auf. Hier werden bis auf unsere Thüringer, - sie sind bis zum Berg Lake voraus - alle anderen von einem Gewitter überrascht. Doch schaffen es alle, noch einigermaßen trocken zu einer Unterstandshütte zu kommen. Nachdem sich das Gewitter verzogen hat, geht es trockenen Fußes zurück. Auch so haben wir am Ende des Tages 31 km zurückgelegt.
 
6. Tag Montag
Heute haben wir die Zelte abzubauen und das Gepäck zu verladen. Wir wechseln das Gebiet und werden westwärts fahren. Matthias verspricht uns von jetzt an nur noch Superwetter. Er sollte es wissen, denn er wohnt seit ein paar Jahren in Britisch Kolumbien.
Ich muss sagen, mir haben die weltberühmten Parks gut gefallen, doch die unberührte Natur, wie man sich das vorstellt, war es nicht. Sie sind einfach zu touristisch erschlossen. Doch das soll die nächsten Tage anders werden.
Helmcken Fall
Wells Gray Park
Wir fahren über den Yellow South Highway bis Clearwater und machen hier einen Abstecher in den Wells Gray Provincial Park, wo wir eine sehr schöne Wanderung zu dem Helmcken Fall einstreuen. Hier könnte man bleiben, hier gefällt es uns. Doch wir fahren weiter bis Williams Lake, um unsere Vorräte auffüllen. Es gibt hier mehrere große Einkaufszentren. Anschließend geht es noch auf den Springhouse Campingplatz in der Nähe von Williamslake. Dies ist eine Farm mit Pferden, die deutschen Einwanderern gehört. Man merkt es irgendwie, es gibt Duschen und Waschmaschinen, alles ist sehr aufgeräumt, es gibt Schilder, was man nicht darf, irgendwie deutsch.
Ein Teil der Gruppe nutzt die Gelegenheit zu einem Reitausflug, die anderen halten Waschtag. Heute kochen wir nicht. Wir haben beschlossen, auf der Terrasse der Campingplatzgaststätte zu speisen. Es schmeckt auch gut, aber als wir die hohen Preise bezahlen, wissen wir, morgen kochen wir wieder selbst. Wir werden hier auch zwei Tage bleiben.
 
7. Tag Dienstag
Chilkotin River
Bis auf Harald haben alle für heute eine Rafting Tour auf dem Chilkotin River gebucht. Wir fahren nach Hanksville zur Agentur, von wo aus es mit einem Bus zum Startpunkt geht. Nach kurzer Einweisung bekommt jeder seinen Platz zugewiesen und ein Paddel in die Hand und dann geht es los. Anfangs ruhig, dann stürmischer bis stürmisch lassen wir danach in ruhigerem Wasser die Landschaft an uns vorbeiziehen. Den versprochenen Bären sehen wir zwar nicht, dafür aber sehr viele wunderschöne Weißkopfseeadler. Nach einem Mittagslunch auf einer Kiesbank gilt es, die restlichen der insgesamt 42 km in Angriff zu nehmen. Bald merken wir, dass unser Schlauchboot immer tiefer im Wasser liegt. Es verliert Luft, und so müssen wir anlanden und Luft nachpumpen. Aber schließlich erreichen wir doch den Endpunkt, ohne schwimmen zu müssen. Nur André war unterwegs an einer Stromschnelle aus dem Boot gefallen. Aber Aly hat ihn an der Schwimmweste gepackt und wieder ins Boot gezogen.
Was wir nicht beachtet haben, durch die Kühle des Wassers und den ständigen Wind, haben wir nicht gemerkt, wie uns die Sonne verbrannt hat. Matthias Wettervorhersage hat gestimmt.
 
8. Tag Mittwoch
Sanddünen
Heute geht es weiter Richtung Westen. Wir wollen bis in den Tweeds Muir Provincial Park. Vorher geht es aber noch zu Kanadas höchsten Sanddünen oberhalb des Chilcotin Rivers. Auf einer zweistündigen Wanderung staunen wir, dass es so was hier gibt, wo wir doch eigentlich nur Wasser und Wald erwartet haben. Aber die zentrale Hochfläche Britisch Kolumbiens ist teilweise sehr trocken, da die Coast Mountains die Regenwolken abhalten.
Als wir den Park erreichen, hat sich die Landschaft wieder geändert. Hier gibt es Berge, Seen, Hochplateaus, Wälder, ganz wie man sich Kanada vorstellt. Auf dem Campingplatz in Atnarko erleben wir beim Zeltaufbau den ersten Moskitoüberfall auf uns, was mich zwingt, meinen selbst gemixten Knoblauchessigextrakt auszuprobieren. Von nun an werde ich gemieden, weniger von den Moskitos, eher von dem Rest der Gruppe.
Bärenspur
Hier soll es Bären geben. Wir bekommen Verhaltensregeln von Matthias und ich zusätzlich noch eine Patrone Pfefferspray. Wenn ich mir vorstelle, ich soll das Zeug aus dem Halfter nehmen, entsichern, warten bis der Bär 2,50 m entfernt ist, auf die Augen zielen und dann abdrücken. Ich weiß nicht, ob das was wird.
Wir machen heute Nachmittag noch einen Spaziergang. Als wir auf die ersten frischen Bärenspuren im Ufersand treffen, befiehlt Matthias den sofortigen Rückzug. In der anschließenden Hektik laufen wir durch ein Erdwespennest - große Aufregung - drei von uns werden gestochen, darunter Aly in den Daumen. Als wir wieder auf dem Campingplatz sind, wird es Aly schlecht, und er fällt in Ohnmacht. Anke - als Bademeisterin - weiß als einzige, was wirklich zu tun ist, und Aly kommt wieder zu sich. Als wir ihn ins Zelt legen, stellen wir fest, dass er von der Hüfte bis zu den Füßen wie mit einem Netz von kleinen Blasen überzogen ist. Es sieht aus, als wäre er in Brennnesseln gefallen. Zum Glück klingt die allergische Reaktion bis zum nächsten Morgen ab. Das hätte auch schlimmer ausgehen können.
 
9. Tag Donnerstag
Rainbow Range
Moskitos, wo seid ihr?
Wir machen heute eine Tageswanderung in die Rainbow Range. Es ist dies eine sehr schöne Hochebene mit vielen kleinen Seen, Felsgelände, das mit wunderschönen Almmatten aufgelockert ist. Überhaupt, die Blumenpracht ist fantastisch, die Aussicht auf die Coast Mountains, die uns noch vom Pazifik trennen, auch. Die Mittagsrast wird heute etwas kürzer, der Mücken wegen. Komisch, beim Laufen sind sie nicht da, aber wehe, wenn man stehen bleibt!
Am Nachmittag fahren wir noch nach Bella Coola an den Burke Channel. Es ist dies ein Fjord, der direkt zum offenen Pazifik führt. Hier soll es in den einmündenden Bächen ziehende Lachse geben. Nachdem wir am Hafen Auskunft eingeholt haben, gibt es nichts mehr zu halten. Matthias möchte das Abendessen sichern. Und tatsächlich, vor einer Steilstufe schwimmt ein großer Schwarm Lachse. Matthias schnitzt aus Holz Speere, und es kann losgehen. Man glaubt nicht, wie schlau die Tiere sind, und wie gut sie auf Geräusche und Bewegungen außerhalb des Wassers reagieren. Außer, dass Matthias ins Wasser fällt, kommt bei der Jagd nichts heraus. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als in ein Dorf zu fahren, und dort einen großen Lachs zu kaufen. Er wird dann auf dem Grill zubereitet. Es ist der beste Lachs, den ich je gegessen habe. Zu erwähnen ist noch, dass sich bei dem allabendlichen Kochen herausgestellt hat, dass Matthias mal in Deutschland eine Gaststätte besaß, und er wie ein Chefkoch kochen kann.
 
Rainbow Range
 
Streifenhörnchen
Bella Coola
Der Lachs
wird schmecken

10. Tag Freitag
Tweedsmuir Park
Kahlschlagflächen
Wir packen zusammen und fahren zum Nimpo Lake ein Stück ins Landesinnere zurück. Hier gibt es einen Flughafen für Wasserflugzeuge. Wir werden auf zwei Flugzeuge aufgeteilt und sollen für drei Tage in die Wildnis geflogen werden. Man darf nur eine bestimmte Menge an Gepäck mitnehmen, und da auch die ganze Verpflegung dazugehört, heißt es, sich sehr einzuschränken. Das Gepäck wird am Landesteg gewogen. Aly hat aber schnell herausgefunden, dass die Personen nicht gewogen werden, und füllt sich seinen Pullover mit diversen Getränken, die Arme werden zugebunden, und um den Bauch herum gibt es eine Schnur, fertig ist der wandelnde Getränkeautomat. Beim Start meint man, die Maschine schafft es nicht, vom Wasser hochzukommen.
Der Flug führt anfangs über Waldgebiet mit riesigen Kahlschlagflächen. Es gibt Untersuchungen, die sagen, in Kanada gäbe es in 20 Jahren außerhalb der Schutzgebiete keinen Wald mehr. Es ist unglaublich, wie hier Holz gefällt wird, nur mit Kahlschlag. Ein Gesetz zur Wiederaufforstung gibt es erst seit ein paar Jahren. Aber es werden nur artenreine Plantagewälder aufgeforstet. Die werden dann aus der Luft gedüngt und gegen Schädlingsbefall bespritzt, was zur Verunreinigung der Gewässer führt, und auch zu einem Fischrückgang.
Nach etwas über einer Stunde Flugzeit erreichen wir den Tweedmuir Provincial Park. Hier sieht man, wie schön unberührte Natur ist. Wir landen am Coles Lake, einem 20 km langen See, an dem es an jedem Ende nur eine kleine Hütte gibt.
Lager am Coles Lake
Das ist Erholung
Abendstimmung
Der See liegt wunderschön in dunklen Nadelwäldern eingebettet und von schneebedeckten Bergen umgeben in völliger Einsamkeit. Für uns sind bereits Zelte aufgebaut, sodass wir nach kurzer Einweisung gleich die Kanus ausprobieren. Nach ein paar Minuten klappt es vorzüglich, und wir genießen die Ruhe.
Den Abend verbringen wir am Feuer sitzend, lassen die wunderschönen Lichtverhältnisse auf uns wirken und sind reihum der Meinung, das ist Urlaub!!
 
11.Tag Samstag
Heute wollen wir durch den Urwald zu den Bergen aufsteigen. Ein Guide, der das Camp am anderen Ende des Sees beaufsichtigt, stößt zu uns. Er soll uns führen. Es geht anfangs steil aufwärts, bis wir in etwas offenerem Gelände auf Karibus treffen. Nun beginnt das Reich der Blumenwiesen. Aber was für welche, so einen Blütenreichtum habe ich auf all meinen vielen Reisen noch nirgends angetroffen. Wir sind begeistert. Weiter geht es bis zur Schneegrenze. Als wir nachmittags das Camp erreichen, sind alle verschwitzt, müde und wollen sich ausruhen. Nur Andrea und ich meinen, ausruhen kann man sich auch noch zu Hause, und so nehmen wir uns ein Kanu und erkunden den See.
Blumenpracht
Angelglück
Abendstimmung
Als wir zurück kommen, hat Rosi drei Forellen geangelt. Dies wird unser Abendessen bereichern. Der Rest des Tages: siehe unter Vortag. Es könnt auf der Welt irgendwo ein Krieg ausbrechen, wir würden davon nichts mitbekommen.
 
12. Tag Sonntag
Auf dem Coles Lake
Aufbruch zur großen Kanutour. Wir wollen das Lager am anderen Ende des Sees besuchen. Der Himmel ist zwar bedeckt, aber es ist warm, Wind gibt es auch keinen, sodass das Paddeln ein Genuss ist. Als wir am anderen Lager ankommen, ist niemand anwesend. Wir halten Mittagsrast und machen uns dann auf den Rückweg - nun gegen die leichte Strömung - aber auch das stellt kein Problem dar. Wir haben ja Zeit, es gibt keine Uhr, die uns irgendetwas diktiert.
 


13. Tag Montag
Abschied vom See
Wir sollen heute gegen Mittag schon wieder von unseren Flugzeugen abgeholt werden. Alle sind traurig, hier wären wir gerne noch länger geblieben. Den Vormittag nutzen die meisten zum Sonnenbaden, nur Harald, Eva, Andrea und ich meinen, das kann man auch während einer Kanufahrt.
Der Rückflug wird dieses Mal vom Piloten zu einer Sightseeing Tour über den Tweedsmuir Park ausgedehnt. Es ist fantastisch, die Berge, Gletscher, Wälder und Seenlandschaft aus der Luft zu sehen. Die Parkgrenze erkennen wir sofort wieder - es ist alles abgeholzt  -.
 
Tweedsmuir Park
Gletscher in den
Coast Mountains
Eingang zur Hölle
Kahlschlagflächen
Nach der Landung geht es mit dem Bus noch 1 ½ Stunden zum Zeltplatz am Tatlayoko Lake in den Potato Mountains. Dies ist eine Gegend, die vorzugsweise von Deutschen und Schweizern bewohnt ist. Hier in der Nähe hat auch Andreas sein Haus, und wir sind zum Abendessen bei ihm eingeladen. Wir dürfen auch seine Dusche und Waschmaschine benutzen - ein, wie ich denke, außergewöhnlicher Service eines Reiseleiters -.
Als wir im Dunkeln auf den Campingplatz zurückkehren, wundern wir uns im Schein der Taschenlampen beim Wäscheaufhängen, was wir da aufhängen. Kinderwäsche! Wir haben den Wäschekorb vertauscht, und müssen übermorgen noch einmal zu Andreas zurück.
 
14. Tag Dienstag
Tatlayoka Lake
Laut Reiseausschreibung gibt es heute einen Aufstieg zu einem kleinen See in den Potato Mountains und anschließend den selben Weg zurück. Als wir dann den See erreichen, will keiner den gleichen Weg zurück. Laut Karte müsste es auch über den Höhenrücken entlang durch ein weiteres Tal wieder zum Tatlayoko Lake gehen. Wir beschließen, es zu versuchen. Unterwegs finden wir eine ganze Menge versteinerter Muscheln und Schnecken. Matthias wird langsam unruhig, das Tal will und will nicht kommen. Wir beschließen einstimmig, - wohl nicht alle wissend, oder auch nur ahnend, was auf uns zukommen könnte - den nächsten nach unten führenden Einschnitt zu nehmen.
Survivaltour
Nun beginnt eine Survival Tour, wie wir sie uns im Traum nicht vorgestellt haben. Das Tal verengt sich nach einiger Zeit. Es wird immer steiler. Wir haben einige Felspartien kletternd abzusteigen. Ein Wunder das nichts passiert. Der Einschnitt wird so eng, dass man sich nur noch im Bachbett fortbewegen kann. Der Bewuchs wird immer stärker, wir können nur ein paar Meter voraussehen. Dann wird das Geräusch des Baches lauter. Wir stehen oberhalb eines kleinen Wasserfalls. Rechts und links gibt es kein Durchkommen, umkehren geht auch nicht mehr. Es hilft alles nichts, wir müssen irgendwie nach unten klettern. Matthias stürzt beim Hilfestellung geben auch noch 2 m tief in den Bach; zum Glück passiert ihm nichts. Weiter geht es jetzt am steilen Hang entlang und dann durch den Urwald, ohne Pfad oder Weg. Heidi kann kaum noch. Als wir schließlich das Auto erreichen, haben wir 12 Stunden reine Gehzeit in diesem Gelände hinter uns.
Es wird uns erst im Nachhinein bewusst, was wir ein Glück hatten, dass hier nichts passiert ist, aber auch, was wir für eine klasse Truppe sind. Keiner hat geschimpft oder sich beschwert. Jeder hat auf den Schwächeren Rücksicht genommen, super!
 
15. Tag Mittwoch
Fraser Canyon
Obwohl wir heute eine weite Strecke mit dem Auto zurückzulegen haben, müssen wir erst noch einen Umweg zu Matthias machen, des Wäscheumtauschs wegen. Dann geht es zurück nach Williams Lake, ohne dort anzuhalten, und weiter direkt nach Süden. Wir halten noch am Fraser Canyon, der sich hier durch eine wüstenhafte Landschaft schneidet. Nach einem langen Fahrtag, zum Teil über nicht asphaltierte sehr staubige Pisten - das Auto ist nicht staubdicht - erreichen wir den Campingplatz am Kelly Lake.
In Anbetracht des glücklichen Ausgangs des Abenteuers vom Vortag werden heute Abend einige Flaschen Wein geleert.
 


16. Tag Donnerstag
Matthias hat das Auto
festgefahren
Hätte Matthias nicht so viel Wein getrunken, hätte er den großen Haufen Rindenschnitzel vor sich gesehen und den Wagen nicht festgefahren. So aber heißt es heute nach nur zwei Metern Fahrtstrecke, erst mal das Auto freischaufeln.
Dann geht es über den Duffy Lake zum Mt. Matier. Hier machen wir eine Wanderung über den First, den Second, zum Upper Joffre Lake in wunderschöner Lage unterhalb des Mt. Matiers. Nach den Fahrzeiten von gestern und heute haben uns die drei Stunden Wanderzeit gut getan.
Joffre Lake
Weiter geht es zum Touristenzentrum Whistler. Hier hat ein ehemaliger Koch aus Matthias deutschem Restaurant eine eigene Gaststätte, und es versteht sich, dass wir hier zu Abend essen werden. Vorher können wir aber noch Whistler besuchen. Whistler gab es 1970 noch gar nicht. Heute kommt man sich vor wie in St. Moritz, Zermatt oder ähnlichen mondänen Touristenhochburgen auf der Welt.
Da das Abendessen länger gedauert hat, kommen wir erst im Dunkeln auf unserem heutigen Campingplatz an, das heißt, wir müssen ihn im Dunkeln erst suchen, und können dann auch nur ahnen, wo wir ohne Beleuchtung die Zelte aufbauen. Zu allem Überfluss fängt es auch noch leicht zu regnen an. Es ist dies der erste Regen seit dem 5. Reisetag.
Mitten in der Nacht sind wir alle schlagartig wach. Es ist, als sei ein Zug mitten durchs Zelt gefahren. Morgens werden wir feststellen, dass wir unsere Zelte keine 20 Meter von einer Bahnlinie entfernt aufgebaut haben. Der Bus steht sogar nur 5 Meter von ihr entfernt.
 
17. Tag Freitag
Überfahrt nach
Nanaimo
French Beach
 
Morgens geht es zur Horseshoe Bay kurz vor Vancouver. Hier nehmen wir die Fähre nach Nanaimo auf Vancouver Island. Es ist schon interessant, das letzte Mal auf dem Wasser hatten wir noch das Kanu benutzt.
Mit dem Van geht es weiter zur Westküste, wo wir auf dem Campingplatz am French Beach die Zelte aufschlagen. Wir befinden uns hier im Gebiet des pazifischen Regenwaldes, und man merkt es deutlich, überall tropft es, und die Luft ist sehr feucht. Ein Teil der Gruppe fährt noch in den nächsten Ort, um Fisch einzukaufen. Wir anderen machen noch eine Strandwanderung. Abends kocht Matthias frischen Fisch, einfach klasse.

18. Tag Samstag
Heute wollen wir einen Teil des Juan de Fuca Trails wandern. Er gilt als einer der schönsten Wanderwege der Insel und führt durch wirklichen Urwald direkt an und über der Küste entlang. Hier ist alles überdimensioniert, die Bäume, die Farne und die Krautschicht, riesige Baumpilze, es ist einfach großartig, auch wenn das Wetter diesig ist, und es zeitweise nieselt. Ich sehe meinen ersten Seeotter, Wale sehen wir leider nicht. Auf halber Strecke müssen wir umkehren, sonst wird es zu weit wegen des Autos. Matthias macht den Vorschlag, er würde zurücklaufen und das Auto holen, wir könnten noch ein Stück weiter gehen und dann querwaldein zur parallel verlaufenden Straße aufsteigen. Nach den Erfahrungen vom letzten Dienstag lehnen wir dankend ab.
Urwald auf
Vancouver Island
Auf dem Juan
de Fuca Trail
Auf dem Juan
de Fuca Trail
Abendessen halbwegs
im Trocknen
Heute Abend müssen wir eine Plastikplane über unseren Essensplatz spannen. Es regnet zwar nicht, aber es tropft von allen Bäumen.
 
19. Tag Sonntag
Chinatown von Victoria
Yachthafen von Victoria
Es geht nach Victoria der Inselhauptstadt. Zuerst besuchen wir China Town. Dann mache ich mit Aly einen Stadtbummel. Wir treffen uns erst wieder zur Mittagszeit am Hafen, wenn es zum Whalewatching geht. Es ist richtig was los am Sonntag in Victoria. Heute finden die Drachenbootmeisterschaften von Britisch Kolumbien statt. Ansonsten fühle ich mich in Victoria nach England versetzt. Rote Doppeldeckerbusse, Häuser im viktorianischen Stil, nur alles ist irgendwie gelöster, offener und außerdem regnet es nicht.
Um die Mittagszeit werden wir dann alle in seetaugliche Overalls gepackt, und dann geht es mit einem großen Schlauchboot, das von zwei japanischen Außenbordmotoren - sie machen einen höllischen Lärm - angetrieben wird, hinaus auf See zur Walbeobachtung. Zuerst fahren wir zwei Felsinseln an, auf denen sich Kolonien pazifischer und kalifornischer Seelöwen befinden.
Victoria
Seelöwenkolonie
Es ist sehr interessant, die Tiere zu beobachten, und es kostet wieder mal einiges an Filmmaterial. Allerdings muss ich ständig überlegen, was stinkt hier eigentlich mehr, die Abgase der Bootsmotoren oder die Seelöwen? Unglaublich, wie die stinken. Dann kreuzen wir vor der Küste hin und her auf der Suche nach einem Wal. Und tatsächlich, über Funk wird unser Bootsführer verständigt, wo ein Grauwal sein soll. Nichts wie hin, und dann beginnen die Versuche, das immer nur kurz auftauchende Tier auf Zelluloid zu bannen. Ich hätte nicht gedacht, wie schwer das ist. Irgendwie haben wir vom Whalewatching mehr erwartet.
Anschließend geht es für eine weitere Nacht auf unserem feuchten Campingplatz zurück.
 
20. Tag Montag
Überfahrt
nach Vancouver
Heute heißt es Großreinemachen. Die Zelte werden zum letzten Mal abgebaut, generalgereinigt und auch die Küchenausrüstung wird wieder in den Ausgangszustand zurückgebracht.
Vancouver
Anschließend fahren wir nach Sydney und nehmen die Fähre nach Vancouver. Es ist eine sehr schöne Überfahrt durch die Inselwelt der Gulf Islands: Bei Superwetter erreichen wir Vancouver, fahren direkt ins Hotel - um die Duschen auszuprobieren. - Anschließend fahren wir zur Stadtbesichtigung - Stanley Park, Hafen, Expo-Gelände, und dann geht es zu Fuß nach Downtown. Vancouver wird nicht umsonst zusammen mit Sydney und San Francisco als eine der schönsten Städte der Welt bezeichnet. Zumindest von der Lage her stimmt es.
Totempfähle
im Stanley Park
Von Skifahren, über Schwimmen, Surfen, und Segeln bis zum Stadtbummel oder einer Wanderung im einzigen Urwald innerhalb einer Stadt kann mal alles an einem Tag machen.
Am Abend gehen wir in ein Fischlokal zum Abschiedsessen, und es erfolgt dort auch unser Dank an Matthias, der ein Superreiseleiter war. Später fährt er uns dann noch Richtung Mt. Seymour, von wo aus wir einen fantastischen Blick über das Lichtermeer der Stadt haben.
 


21. Tag Dienstag
Am Hafen in Vancouver
Da unser Rückflug erst um 16:45 Uhr stattfindet, können wir noch einen halben Tag in Vancouver verbringen. Wir beschließen, an den Hafen zu fahren, wo es ein großes Viertel gibt, mit Kunsthandwerk und lauter für Amerika untypischen kleinen Geschäften. Wir nutzen die Gelegenheit, ein paar Geschenke zu kaufen. Ich erstehe dort noch Lachs, der fluggerecht verpackt, mit nach Hause genommen wird.
Gegen Mittag heißt es von Heidi und Eva Abschied nehmen. Sie bleiben noch eine Woche in Vancouver und wollen auch noch nach Seattle in die USA. Wir anderen fahren zum Flughafen, und es heißt, sich von Matthias zu verabschieden. Dann geht es mit Lufthansa direkt nach Frankfurt.

22. Tag Mittwoch
Abendstimmung
Um kurz vor 11:00 Uhr erreichen wir pünktlich Frankfurt, wo der Rest der Gruppe sich nun auch auflöst. Es ist schon ein komisches Gefühl, denn die drei Wochen haben die Gruppe zusammengeschweißt.
 
Fazit: Wir hatten einen Superurlaub in einem wunderschönen Land, dessen Höhepunkt zweifellos die drei Tage in der Wildnis am Coles Lake waren. Die weltbekannten Nationalparks am Beginn der Reise sind sicher sehenswert, aber halten keinen Vergleich mit den unberührten Gebieten im Westen aus. Trails Reisen bietet auch einen reinen Urlaub auf einer ähnlichen, allerdings mit etwas mehr Komfort ausgerüsteter Wildnislodge an. Vielleicht werde ich das ausprobieren, wenn ich noch einmal nach Kanada komme, und ich glaube, dies wird nicht der letzte Besuch gewesen sein.