D R U C K V E R S I O N 

Ecuador - Anden, Dschungel, Indianer

Eine Wikinger Reise
20. Juli bis 8. August 2006

Ein Reisebericht von Kurt.Merkert@web.de


Auch dieses Jahr möchte ich wieder mit Andrea in den Urlaub fahren, doch hat den Termin dafür dieses Mal ihr Arbeitgeber vorgegeben, und da wir wieder nach Südamerika wollen, stellt sich die Frage, wohin fahren wir? Da in Chile und Argentinien noch Winter ist, konzentrieren wir uns mehr auf den Norden und kommen schnell auf Ecuador. Die unterschiedlichen Landschaftsformen, die Küste, das Andenhochgebirge und der Urwald sowie der Gedanke, die vielen dort lebenden Bevölkerungsgruppen kennen zu lernen, lässt uns ziemlich rasch eine Wikinger Reise buchen.
Doch am Montag vor der Abreise kommt der Schock. In den Nachrichten wird gemeldet, dass der Vulkan Tungurahua in Ecuador ausgebrochen ist. Ein Anruf bei Wikinger-Reisen ergibt, dass man in Kontakt mit der Agentur in Ecuador stehe, und man abwarten müsse. Dienstags werde ich dann angerufen, dass die Reise durchgeführt wird, und es allenfalls an zwei Tagen zu Programmänderungen kommen kann. Somit steht der Reise nun hoffentlich nichts mehr im Weg.

Cotopaxi 5897 m
Ozelot
Markt in Otavalo

1. Tag Donnerstag
Karte Ecuador
mit Reiseroute
Um 4 Uhr heißt es aufstehen, um 5 Uhr steht mein Kollege vor der Tür. Er wird uns zum Flughafen nach Frankfurt fahren. Als wir gegen 6 Uhr dort ankommen, steht vor dem Iberia Schalter bereits eine große Warteschlange, doch erstaunlicherweise geht die Abfertigung zügig von statten. Um 7:50 Uhr hebt das Flugzeug pünktlich Richtung Madrid ab. Wie man sofort erkennt, hat die Maschine schon viele Jahre Flugerfahrung hinter sich, ziemlich neu ist aber, dass es während der gut zwei Stunden Flugzeit Getränke und Snacks nur gegen Bezahlung gibt. Für mich ist es die erste Landung auf dem neuen Flughafen in Madrid, der sehr modern gestaltet ist, aber sehr weite Wege zu den anderen Abflugterminals hat. Für uns sind 23 Minuten ausgeschildert, die zum Teil mit einer Art U-Bahn zurückgelegt werden. Von der Erfahrung des Zubringerflugs her, suchen wir noch eine Gelegenheit uns mit Getränken einzudecken, aber außer Geschäften für Parfüm, Kleidung und Alkoholika finden wir nichts. Erst am Abfluggate gibt es neben der Toilette einen Getränkeautomat, der sogar Wasser enthält. Am Gate finden wir uns auch mit den anderen Gruppenteilnehmern zusammen. Wir sind insgesamt 17 Personen.
Gegen 12:30 Uhr - ziemlich pünktlich - beginnt unser 10 ½ stündiger Flug nach Quito. Der Airbus ist bis auf den letzten Platz besetzt, der Flug verläuft ohne besondere Vorkommnisse, wenn man das interessante Essen außen vorlässt; irgendwie schmeckt alles chemisch. Die Crew hat wohl den Flug verschlafen, denn erst kurz vor der Landung wird noch einmal ein Imbiss serviert, und dann merkt man, dass auch die Einreiseformulare noch auszuteilen sind. Die entstehende Hektik wäre vollkommen überflüssig, hätte man nur etwas früher begonnen. Die Landung in Quito ist sehr interessant, da der Flughafen von hohen Bergen umringt, sich mitten in der Millionenstadt befindet.
Nach der Landung ist unser Gepäck vollständig vorhanden, und auch unseren Reiseleiter finden wir mit einem Wikinger Schild in der Hand sehr schnell. Dann geht es direkt mit einem Bus - auch mit Wikinger Beschriftung - quer durch die Stadt in ein etwas höher gelegenes Hotel, von dem aus man eine sehr schöne Sicht auf die Stadt und den Vulkan Pichincha hat. Allerdings ist man auch dem ganzen Lärm der Stadt sowie dem Dreck und den Abgasen aller Autos ausgesetzt.
Wir bekommen sehr schnell Kopfschmerzen, kein Wunder, Quito liegt auf 3000 m Höhe. Wir gehen noch eine Kleinigkeit essen, um danach todmüde - nach über 24 Stunden des Wachseins - ins Bett zu fallen.
 
2. Tag Freitag
Blick auf Quito
vom Hotel aus
Eisverkäufer
Die Nacht war sehr laut, sodass man keine Schwierigkeiten hat, um 7 Uhr zum Frühstück fertig zu sein. Andrea muss das riesige Frühstücksbuffet - es sollte das beste der ganzen Reise sein - alleine in Angriff nehmen. Mir geht es nicht besonders gut, und ich lege mich noch einmal auf das Bett.
Um 9 Uhr ist Abfahrt zur Stadtbesichtigung. Nur unterbrochen von einer kurzen Pause in einem Café, in einem schönen Innenhof gelegen, ziehen wir bis 15 Uhr durch die Altstadt. Quito gilt als eine der schönsten und besterhaltenen kolonialen Städte Südamerikas. Es ist geprägt von vielen kirchlichen Bauten, und da man in den letzten Jahren einiges in die Restaurierung gesteckt hat, auch von sehr schönen alten Kolonialhäusern. Es herrscht ein ungeheures Getümmel von Menschen aller Volksgruppen. Jeder versucht irgendwie Geld zu verdienen, und wegen der doch sehr verbreiteten Armut, muss man gut auf seine Sachen aufpassen. Man kann die Sicherheit aber ganz einfach steigern, indem man einem Polizisten ein Trinkgeld verspricht, und schon hat man seinen persönlichen Bodyguard. Er ist schon froh, wenn es anschließend für eine Cola reicht. Öffentliche Toiletten gibt es nur als Dixitoiletten, aber die sind erstaunlich sauber, obwohl sie oft von Blinden betreut werden. Schlimm, und für unsere Kopfschmerzen alles andere als günstig, sind nur die permanenten Autoabgase in der Luft.
Blick auf La
Compañia del Laja
Plaza de la
Independencia
Ein Innenhof
in Altquito
In der Calle
G. Moreno
Blick auf Quito
vom Pichincha aus
Am Nachmittag besuchen wir das Nationalmuseum. Auf vorbildliche Weise wird hier die Kulturgeschichte Ecuadors von 3000 vor Christus bis heute dargestellt. Und als ob das alles noch nicht genug an Besichtigungen wäre, fahren wir gegen 17:30 Uhr noch mit der Seilbahn auf 4100 m Höhe auf die Hänge des Vulkans Pichincha. Hier verhindert eine Wolkendecke allerdings eine bessere Sicht auf Quito. Als wir gegen 18 Uhr wieder im Hotel landen, sind alle ziemlich geschafft. Mir geht es immer noch nicht viel besser, so nehme ich noch mal eine Tablette gegen die Höhenkrankheit.
Zum Abschluss des Tages suchen wir wieder das Restaurant vom Vortag auf. Dieses Mal essen fast alle Steak, deren Qualität ausgezeichnet ist. Da es mir inzwischen besser geht, genehmige ich mir als Abschluss sogar einen Pisco sour.
 
3. Tag Samstag
Auf der Panamerica-
na Richtung Otavalo
6 Uhr aufstehen, 7 Uhr Frühstück. Heute geht es mir sehr viel besser, so dass auch ich am wirklich hervorragenden Frühstücksbuffet teilhaben kann. Nur das Bezahlen erfordert unendliche Geduld. Man steht in einer langen Schlange an, und als man endlich an der Reihe ist, erfährt man, dass eine zweite Schlange diejenige zum Bezahlen sei, aber wir haben ja Urlaub.
Um 9 Uhr ist Abfahrt vom Hotel. Wir quälen uns durch den Verkehr der Millionenstadt, um dann außerhalb Quitos der Panamericana nach Norden zu folgen. Die Landschaft ist anfangs sehr trocken. Nach einer Stunde überqueren wir die erste Querkordilliere der Anden und es wird feuchter. Hier gibt es riesige Gewächshausanlagen zur Rosenzucht. Sie werden von holländischen und deutschen Unternehmen betrieben. Angeblich wachsen die Rosen hier in dem Klima besser als in Europa, allerdings verschweigt man gerne, dass man hier nur Hungerlöhne zahlt, und es keinerlei Umweltauflagen gibt. Es sind die reinsten Giftküchen. Die durchschnittliche Lebenserwartung der überwiegend weiblichen Arbeitskräfte liegt bei 45 Jahren. Eine Besuchserlaubnis für Touristen bekommt man nicht.
Wir überqueren nördlich von Cayambe den Äquator, und vorbei an der Lagune San Pablo erreichen wir Otavalo, wo wir in einer alten Hacienda untergebracht werden. Die Zimmer machen einen ordentlichen Eindruck, zumindest solange man nicht genauer hinschaut.
Markt in Otavalo
 
 
In Otavalo
 
 
Die Farbenvielfalt
ist überwältigend
 
Riesige Auswahl
 
 
Dazwischen immer
wieder etwas
für den Hunger
Wir gehen dann direkt auf den größten Indianermarkt Südamerikas. Fast die halbe Stadt ist mit Marktständen belegt. Es gibt einen Bereich für Touristen und einen auf dem die Einheimischen einkaufen. Dieser ist aber überwiegend mit chinesischen Produkten bestückt. Es ist unglaublich, aber trotz hoher Importzölle sind diese Produkte billiger als die einheimischen, obwohl die Löhne in Ecuador alles andere als hoch sind. Im Touristenbereich des Marktes gibt es alle Arten von Webwaren und sehr viel Kunsthandwerk. Wir fragen uns bei den sich immer wiederholenden Mustern und Produkten, ob wirklich noch alles Handarbeit ist. Am besten gefallen uns der Lebensmittelbereich und die vielen Garküchen. Es ist fantastisch, was hier alles gekocht, gebraten und in welcher Form auch immer angeboten wird. Für uns sind die Speisen aber noch tabu, da sich unsere Mägen noch nicht auf die ecuadorianischen Keime eingestellt haben.
An der Tracht erkennt
man woher man kommt
Auf dem Markt
in Otavalo
An der Lagune
San Pablo
Cascadas
de Peguche
Am späten Nachmittag machen wir noch eine 2-stündige Wanderung von der Lagune San Pablo aus zum Wasserfall von Peguche und zurück nach Otavalo. Eigentlich sind wir nach einer Stunde bereits am Ziel; woher wusste nur unser Führer, dass Gisela verloren gehen würde, und wegen der erfolglosen Suche nach ihr die Tour doch 2 Stunden dauert? Als wir um 18 Uhr die Hacienda erreichen, erwartet uns dort eine bereits frisch geduschte Gisela, die während wir sie suchten, zu Fuß ihre eigene Abkürzung zur Unterkunft gefunden hat.
Das Abendessen findet in der Hacienda statt und wird sowohl von einer Folkloreband als auch von vom Reiseveranstalter gestiftetem warmen Zuckerrohrschnaps begleitet, was zu ungeahnten Aktivitäten führen soll. Unser Fahrer Gonzalo schafft es, nahezu die ganze Truppe für fast zwei Stunden auf die Tanzfläche zu bringen.
 
4. Tag Sonntag
Markt in Ibarra
Lagune Cuicocha
Heute fahren wir zuerst den Sonntagsmarkt in Ibarra an. Dies ist ein reiner Markt für die Einheimischen ohne Touristenprodukte. Hier decken wir uns mit Verpflegung ein. Es werden die unglaublichsten Dinge als Lebensmittel angeboten. Mit den Mengenangaben haben wir anfangs Probleme, bis wir kapieren, dass alles, was wir kaufen, jeweils 50 Cent kostet. Überhaupt klappt die Verständigung mit unseren wenigen Spanischkenntnissen - aber umso mehr Handbewegungen - recht gut. Wir erfragen sogar eine Bäckerei, und finden die auch. Hätten wir sie nur nicht gefunden; die Brötchen erweisen sich bei der Mittagspause als reinste Semmelbröselproduktion.
Blume an der
Lagune Cuicocha
Blume an der
Lagune Cuicocha
Eine Orchidee
 
Blume an der
Lagune Cuicocha
Agavenblüte
Dann geht es direkt weiter zur Lagune Cuicocha, die sich in einem erloschenen Krater gebildet hat. Wir werden sie auf dem Kraterrand in vier Stunden umwandern. Zu Beginn bläst der Wind in Sturmstärke, sodass sich die wunderschönen Blumen kaum fotografieren lassen. Die Wanderung erstreckt sich in flottem auf und ab in einer Höhe von 3.500 m, was uns ganz schön zu schaffen macht. Wir sind noch nicht richtig akklimatisiert. Wegen des Sturms ist die Mittagsrast auf 3.670 m recht kurz, und wir werden total eingestaubt. Doch gerade wegen des Windes regnet es bei uns nicht. Die umliegenden Vulkane Cotacachi und Imbabura sind in Regenwolken gehüllt.
Lagune Cuicocha
 
Lagune Cuicocha
 
Andrea auf dem
Äquator
Unsere Unterkunft
in der Hacienda Guachala
Gegen 16:30 Uhr fahren wir mit unserem Bus weiter Richtung Süden. Wir halten am alten Äquatordenkmal - das muss ja schließlich fotografiert werden - und über Cayambe geht es weiter zur ältesten Hacienda Ecuadors aus dem Jahre 1585, wo wir in der Dämmerung eintreffen. Wir werden in rustikal mit einer Feuerstelle ausgerüsteten, liebevoll hergerichteten alten Zimmern - mit Dusche und WC - untergebracht. In der Hacienda essen wir auch zu Abend. An diesem Tag passiert nichts mehr Aufregendes, und wir fallen alle recht früh in die Betten.
 
5. Tag Montag
Hacienda Guachala
von 1580
Bauernhaus
bei Cangahui
Um 7:30 Uhr ist Frühstück nach Karte angesagt. Man kann sogar richtigen Joghurt bestellen, ansonsten ist das Frühstück - na ja, dafür ist es zusammen mit dem Abendessen das bisher teuerste der Reise. Anschließend besichtigen wir die Anlage der Hacienda. In der angeschlossenen Kirche hat der Eigentümer eine kleine Fotosammlung über die Familienreisen Anfang des 20. Jahrhunderts in die Zentren Europas Paris, Berlin, Nizza und Rom ausgestellt. Man erwähnt nur nicht, dass, während man sich in Europa vergnügte, bis in die 20er Jahre zu Hause in Ecuador die Indianer auf der Hacienda als Leibeigene gehalten wurden. Heute ist nicht mehr genug Geld da, und es verfällt alles langsam.
Anschließend fahren wir durch mehrere arme Indianerdörfer zur Inkaruine Quito Loma hinauf. Unterwegs halten wir nur einmal zum Brötchenkauf, dieses Mal werden sie aber nach dem gestrigen Reinfall sofort in der Bäckerei getestet. Am Ende des Fahrwegs müssen wir noch 120 m aufsteigen, allerdings erkennt man nicht mehr viel von der Ruine. Danach bringt uns der Bus noch ein paar Kilometer weiter, bevor wir zwei Stunden durch das Bauernland der Indianer laufen. Es ist teilweise erschreckend ansehen zu müssen, in welchen Verhältnissen sie leben. Wir sehen auch eine Schule, aber in welchem Zustand! Die meisten Kinder gehen nur bis zur 6. Klasse in die Schule, dann kostet es Geld, und das haben die wenigsten Eltern.
Blick von Quito Loma
auf die Umgebung
Auch die Kleinen
müssen helfen
Landschaft bei
Cangahui - Cayambe
Hacienda
La Cienega
Hacienda
La Cienega
Nachdem wir den Bus wieder erreicht haben, geht es drei Stunden ohne Halt bis zur Hacienda La Cienega in der Nähe des Cotopaxi Nationalparks. Sie soll aus dem Jahre 1580 stammen. Damit wäre sie älter als die angeblich älteste von gestern; was stimmt wohl? Man wirbt damit, dass Alexander von Humboldt 1802 hier war, und verweist auf eine sehr schöne Humboldt-Suite in der er 1802 gewohnt haben soll, als er seine Studien am Cotopaxi vornahm. Leider ist die Hacienda beim großen Erdbeben vom 4. Februar 1797 zerstört worden, und war zu der Zeit als Humboldt vor Ort war eine Ruine. Sie wurde erst danach wieder aufgebaut. Damit hat sich auch die Frage nach der ältesten Hacienda geklärt, aber die Darstellung der Hotelleitung ist natürlich werbewirksamer.
Trotzdem handelt sich um eine wunderschöne stilvoll eingerichtete Anlage mit einer großen Anzahl von Hotelangestellten. Entsprechend sind auch die Restaurantpreise, d. h. genau genommen sind die Preise nicht höher als bisher, nur sind die Essenportionen viel kleiner, und auch die Getränkeflaschen sind nur halb so groß wie die bisherigen.
Nachdem es seit vorgestern im hinteren Teil des Busses ständig nach Abgasen gerochen hat, soll der Bus heute Abend ausgetauscht werden. Unser Fahrer ist stocksauer, denn er ist an den Bus gebunden, und so gehen ihm zwei Wochen Verdienst verloren.
 
6. Tag Dienstag
Im Cotopaxi
Nationalpark
Andenkrokusse
Um 7 Uhr gibt es Frühstück und dann fährt uns der Bus auf eine Höhe von 3.800 m in den Cotopaxi Nationalpark. Wir werden nun 3 Stunden über die karge, mit Vulkangestein und von an das raue Klima angepassten niedrig wachsenden Pflanzen bedeckte Hochebene wandern. Leider lässt das Wetter nur sekundenlang einen Blick auf den mit 5.897 m höchsten aktiven Vulkan der Erde, den Cotopaxi zu. Gott sei Dank regnet es wenigstens nicht. Wir erreichen erstmals die 4.000 m Grenze, sind bei der herrschenden Kälte und der nicht vorhandenen Fernsicht aber eigentlich alle ganz froh, als wir den Bus wieder erreichen.
 
Espletia
 
 
Wanderung im
Cotopaxi Nationalpark
 
Für wenige
Sekunden zeigt sich
der Cotopaxi
Wanderung im
Cotopaxi Nationalpark
 
Der Bus bringt uns anschließend wieder nach Norden bis auf die Höhe von Quito um dann nach Osten zum Papallacta Pass (4.064 m) abzubiegen. Nach dem Pass ändert sich die Vegetation. Es wird viel grüner und feuchter. Wir fahren abwärts zu den Thermen von Papallacta, die auf 3.220 m liegen. Hier werden wir in kleinen mit Gras bedeckten Hütten untergebracht. Jeder hat seinen eigenen Heißwasserpool vor der Tür. Doch ist das Wetter so ungemütlich, dass niemand das Angebot annimmt. Zum Glück haben die Zimmer eine Elektroheizung, an der wir unsere Sachen trocknen bzw. uns etwas aufwärmen können. Dies tut auch Not, denn richtig gesund sind die meisten von uns inzwischen nicht mehr. Beim guten Abendessen in dem der Anlage angeschlossenen Restaurant, hegen wir alle die Hoffnung, dass das Wetter morgen besser sein wird.
 
7. Tag Mittwoch
Der Antisana 5.758 m
hoch ist für ein paar
Sekunden sichtbar
Unfreundlicher kann
das Wetter kaum sein
Um 5:30 Uhr gibt es eine Wetterbegutachtung. Das Ergebnis ist nicht berauschend, und so wird die geplante Wanderung abgesagt. Kaum liegen wir wieder im Bett, heißt es um 6:00 Kommando zurück. Roman hat einen blauen Fleck am Himmel gesichtet. Also ist 10 Minuten später Abfahrt mit dem Bus. Auf 4.300 m werden 10 tapfere Wikinger ohne Frühstück, dafür bei Minusgraden und starkem Wind, der mit Schneeflocken und Graupeln durchmischt ist, ausgeladen. Der blaue Fleck am Himmel war wohl eine Fata Morgana, oder hatte Roman am Abend zuvor zuviel getrunken?
Die nächste Wanderstunde wird ein einziges Rutschen über glitschigen Matsch nach unten werden. Dazu noch die Kälte und Nässe von außen und der Gedanke, dass acht Personen der Gruppe jetzt noch im wohlig warmen Bett liegen, lassen keine Hochstimmung aufkommen. Es wird langsam wärmer und auch trockner je tiefer wir kommen, sogar der Wind lässt nach, doch leider haben wir auch dieses Mal überhaupt keine Aussicht. Nach 4 ½ anstrengenden Stunden treffen wir wieder auf den Bus, der uns zu den Thermen zurückbringt.
Man kann sogar
einmal Berge erkennen
Fuchsien vor dem
Tal von Papallacta
Fuchsien
 
In den Thermen
von Papallacta
Unsere Kleidung ist heute so verdreckt worden, dass der Nachmittag zum Waschtag umfunktioniert werden muss, doch bleibt noch genügend Zeit zur Erholung am und im warmen Wasser der Thermen. Nach dem Abendessen - wieder im gleichen Restaurant wie gestern - gehen alle sehr früh ins Bett, denn der morgige Tag wird wieder anstrengend werden.
 
8. Tag Donnerstag
Auf der Fahrt
ins Tiefland
der Sangay 5.230 m
In Tena
5:45 Uhr Gepäck verladen, um 6:00 Uhr ist Abfahrt. Über die Qualität des Frühstücks im Thermenrestaurant können wir nichts aussagen, denn wir lassen es wieder ausfallen. Wir fahren heute bis nach Tena in den Regenwald, das heißt von 3.200 m geht es hinab auf 500 m. Je 100 Höhenmeter, die wir tiefer kommen, wird es ein Grad wärmer. Unterwegs machen wir in Orituyaco eine Frühstückspause in einer kleinen Gaststätte. Das Frühstück ist ausgezeichnet. Auf dem ersten Teil der Strecke ist die Straße noch asphaltiert. Sie führt hier direkt neben der skandalträchtigen Ölpipeline entlang, die vom Amazonasbecken über die Anden bis nach Guayaquil an den Pazifik führt. Da Ecuador zu den erdbebenreichsten Gegenden der Erde gehört, und es immer wieder kleinere Erschütterungen gibt, hat die Pipeline ständig irgendwelche Lecks, durch die das Öl im Erdreich und in den Flüssen versickert. Umweltvorschriften gibt es so gut wie keine.
Rechts und links der Straße ist der Regenwald auf 10 km abgeholzt und durch landwirtschaftliche Flächen mit all ihren schädlichen Nebeneffekten ersetzt. Nachdem die Straße in das Ölgebiet abgezweigt ist, fahren wir auf einer Piste weiter. Wir durchfahren das Sumaco Reservat und landen dann in Tena.
Bei 31°
ohne Kühlung
Floß auf dem
Rio Anzu
Ein Königsfischer
 
Im Bergregenwald
 
Labios de la negra
-Kußlippen-
Hier schlagen die 31° C und die hohe Luftfeuchtigkeit wie ein Hammer auf uns ein. Tena ist ein chaotisches Urwaldstädtchen am Rande der Zivilisation. Wir werden alle mit Gummistiefeln ausgerüstet, und nach einer Stunde Aufenthalt geht es noch eine kurze Strecke mit dem Bus bis an den Rio Anzu. Hier beginnt unsere vierstündige Wanderung durch den Regenwald zu einer Urwaldlodge. Begleitet werden wir von Matildo, einem einheimischen Führer, der uns die Geheimnisse des Waldes liebevoll erklärt. Wir laufen durch Sekundärregenwald, d. h. er ist nicht mehr in seinem ursprünglichen Zustand, doch auch so ist die Vielfalt der Pflanzenwelt überwältigend.
Urwaldpanorama
Schweißgebadet erreichen wir nach vier Stunden die Lodge. Sie liegt hoch über dem steilen Ufer des Rio Anzu und bietet eine fantastische Aussicht. Für Urwaldverhältnisse sind wir bestens untergebracht; es gibt sogar Duschen, wenn auch nur kalt, aber das macht bei dieser Schwüle gar nichts. Das Essen ist auch gut, hier fungiert unser Matildo als Kellner, er macht einfach alles. Um 20:30 Uhr sind alle so müde, dass wir so früh bereits die Betten aufsuchen. Durch die exponierte Lage hoch über dem Rio Anzu fehlen allerdings nachts die von uns erhofften sonst so typischen Urwaldgeräusche.
 
9. Tag Freitag
Was ist das?
- die Frucht der
Bambil Palme-
Wunderschöne
Blüte
Um 7 Uhr gibt es ein gutes Frühstück und um 8 Uhr geht es ab zu einer vierstündigen Wanderung, erst durch Sekundär- und dann durch bisher unberührten Primärregenwald. Gäbe es nicht einen schmalen Pfad, es wäre kein Durchkommen. Nach zwei Stunden bekommen wir die Erklärung, woher der Begriff Regenwald stammt. Wir geraten in ein Gewitter, mit solchen Regenmassen, wie ich sie im ganzen Leben noch nicht gesehen habe. Egal mit was wir uns zu schützen versuchen, nichts hilft, auch meine Erstbegehung des Urwalds mit einem Regenschirm nicht, nur Matildo bleibt einigermaßen trocken, er hat sich ganz schnell aus Blättern einen Helm und einen Umhang gebastelt. Bei uns laufen sogar die Gummistiefel voll. Der Pfad ist zu einer einzigen glitschigen Masse geworden, und zu allem Überfluss nehmen Maria, Iris und Kathleen unfreiwillig auch noch ein Schlammbad. Als wir die Lodge erreichen, regnet es nur noch leicht, und um 14:30 wollen wir uns noch einige Kilometer auf dem Rio Anzu in Autoschläuchen treiben lassen, doch hat keiner so richtig Lust dazu, solange es noch regnet. Gott sei Dank, denn auf einmal sehen wir, wie der Fluss in Minutenschnelle zu einem reißenden, roten Wasserungetüm ansteigt. Wären wir jetzt in Schläuchen auf dem Wasser, es wäre lebensgefährlich. Dass der Fluss auch bei ruhigem Wasser nicht ungefährlich ist, erfahren wir in der Lodge, seit gestern wird ein 18-jähriger Engländer einer anderen Reisegruppe beim Baden unterhalb der Lodge vermisst. Erst als wir wieder in Deutschland sind, erfahren wir, dass seine Leiche Tage später gefunden wurde.
Nach dem Regen
dampft alles
Der Versuch die
Sachen zu trocknen
So läßt sich
die Schwüle ertragen
Es gibt Hühnchen
 
So verbringen wir einen geruhsamen Hängemattennachmittag in der Lodge und auch am Abend passiert nichts Besonderes, wenn man mal von dem Besuch einer Vogelspinne absieht.
 
10. Tag Samstag
Andrea vor einer
Würgefeige
Bromelienblüte
Zum Frühstück um 6:30 Uhr gibt es heute Spiegelei mit panierter Kochbanane - einfach gut. Wir fahren heute mit dem Bus zu einem Urwaldreservat. Die Lodge ist seit kurzem auch mit dem Bus über eine neue Strasse zu erreichen - leider. Die heutige Wanderung läuft nun schon im gewohnten Rahmen ab - dieses Mal allerdings ohne Regen. - Matildo erklärt die Pflanzen des Waldes und was man aus ihnen herstellen kann, und heute stürzt zur Abwechslung einmal Gisela auf dem Rücken mit dem Kopf nach unten einen Schlammhang hinunter. Ihr passiert weiter nichts, nur ihre Kleidung kann danach an jedem Waschmitteltest teilnehmen. Am Ende unserer heutigen Wanderung erreichen wir eine Auswilderungsstation für geschützte Tiere. Sie wurden Wilderern abgejagt oder auf Märkten beschlagnahmt und sollen hier auf ihre Freilassung vorbereitet werden. Bei dem Krach den unsere doch recht große Gruppe auf den Wanderungen veranstaltet, ist dies die einzige Möglichkeit überhaupt Tiere zu sehen.
Wo ist vorne?
 
Wollaffe
Sumpfschildkröten
 
Ein Äffchen
 
Indianersiedlung
am Jatunyacu
Danach fahren wir noch mit zwei Booten auf dem Rio Jatunyacu zu einer Indianersiedlung. Dort bekommen wir ihre unterschiedlichen Jagdmethoden erklärt und dürfen uns anschließend selbst im Blasrohrschießen versuchen. Dann biegen wir mit den Booten in den Rio Napa ab. Was wäre es hier so schön, könnte man die Ruhe der Natur genießen, doch leider sind die Boote mit Yamaha Motoren ausgestattet, die solch einen Höllenlärm veranstalten, dass man kaum seinen Nebenmann verstehen kann, geschweige denn etwas von den Urwaldgeräuschen mitbekommt.
Auf dem Jatunyacu
 
 
Die Intensität
der Farben ist
beeindruckend
Heliconia
-Falsche Banane-
 
Siedlung am Rio Napo
 
 
Die Mutigen
fahren oben
 
Nach einer ¾ Stunde treffen wir an einer Landungsstelle wieder auf unseren Bus. Unser Reiseleiter lädt uns ein, ein Stück auf dem Busdach mitzufahren, was auch ein paar Mutige -in der Mehrzahl Frauen - annehmen. Aus dem Stück werden dann 40 km, die wir uns krampfhaft auf einem ungemütlichen Gepäckeisengitter sitzend und festhaltend durchstehen. In Deutschland wären alle Polizeistreifen hinter uns her, und wir wären die Hauptattraktion jeder Verkehrsfunkmeldung.
Dies war unser letzter Tag im Urwald, dessen Pflanzenvielfalt und Wildheit uns begeistert hat, wenn wir auch mehr Blütenpflanzen erwartet haben. Leider haben wir keine große Hoffnung, dass diese Naturlandschaft noch lange so erhalten bleibt, wenn man die Waldrodungen und das sich Ausbreiten der Siedlungen sieht, und wenn dann gar noch Erdöl gefunden wird, hilft es auch nicht wenn das Gebiet ein Nationalpark ist, dann wird dieser einfach verkleinert.
 
11. Tag Sonntag
Urwaldpanorama
bei schönem Wetter
Vulkan Altar über
dem Regenwald
Um 7:20 Uhr wird unser Gepäck mit einer Seilbahn zum Bus jongliert. Heute liegen 149 km vor uns, davon die Hälfte auf Schotterpisten, d. h. wir werden 4 Stunden brauchen. Der Urwald verabschiedet uns und zum ersten Mal haben wir wolkenlosen Himmel.
Die Fahrt führt durch ehemaliges Indianerland. Heute ist dort der Urwald gerodet, und man betreibt kurzfristig Landwirtschaft, bis durch den häufigen Regen alle Nährstoffe ausgewaschen sind, und zum Schluss, wie überall wo vorher Regenwald herrschte, nur Wüste oder bestenfalls Steppe übrig bleibt. Selbst Experten sehen wegen des Bevölkerungsdrucks auf den Urwald und der Ölförderung keine Überlebenschance für den Regenwald in Ecuador.
Ausblick bei
schönem Wetter
am Morgen
Der Regenwald
dampft
 
Der Sangay 5.230 m
aus 120 km Entfernung
 
Zuckerrohr-
verkauf in Puyo
 
Rio Pastaze
 
 
Wir haben einen kurzen Aufenthalt in Puyo. Hier werden auf einem Markt fast ausschließlich Zuckerrohrprodukte angeboten. Die Mehrzahl aller männlichen Indianer ist alkoholabhängig gemacht worden. Sogar große amerikanische und europäische Konzerne zahlen teilweise die Löhne in Schnaps aus. 1 l Zuckerrohrschnaps kostet 2 $.
Wir fahren das enge Tal des Rio Pastaza bis nach Baños hinauf, das auf 1.800 m Höhe liegt. Bei der Zimmervergabe im Hotel stellt sich heraus, dass Andrea und ich das Gepäck noch einmal 100 m höher schleppen müssen, da unsere Unterkunftshütte in der "4. Etage" am Hang liegt. Die Hotelleitung genehmigt uns wegen der Plackerei den Verzehr der am Hang wachsenden Mandarinen. Leider haben sie das den vor uns da gewesenen Gästen auch schon gesagt.
Cascade de Agoyán
 
Seilbahn über
den Rio Pastaze
Baños
 
Cui
-Meerschweinchen-
In Baños
 
Nach kurzer Pause nutzen wir den freien Nachmittag zu einem Stadtbummel mit Besuch einer Caférestaurantkneipe. Pünktlich zum Hauptgericht - es ist 15 Uhr - fällt wieder mal ein Tropenschauer auf uns herab. Wir müssen dem Regen trotzen, da das Kneipeninnere nicht für alle Platz bietet. Den Rest des Tages verbringe ich mit Andrea in unserem Adler- äh... Kondornest. Das Abendessen lassen wir wegen neuerlicher Kopfschmerzen bei mir ausfallen.
 
12. Tag Montag
Aschewolke
des Vulkans
Tungurahua
Zum Frühstück - heute erst um 8:45 Uhr - treffen wir uns in einem Frühstückscafé. Es ist sehr gut, mir geht es auch wieder gut, dafür geht es zur Abwechslung jetzt mal Andrea nicht gut, wie es bei dieser Reise eigentlich keinen Tag gibt, an dem es allen gut geht, einer hat immer etwas.
Heute Vormittag steht eine 2 stündige Wanderung oder besser gesagt ein Spaziergang auf der anderen Talseite des Rio Pastaza an. Von dort soll man einen herrlichen Blick auf Baños und den dahinter liegenden Vulkan Tungurahua (5.023 m) haben. Dies ist derjenige, der die Reise kurzfristig infrage gestellt hatte. Wir sind alle gespannt, die andauernden Aschewolkenausstöße zu sehen. Leider schafft es auch eine ¾ stündige Pause nicht, ihn aus den Wolken hervorzulocken. Wir erahnen mehr, denn dass wir es sehen, die alle 5 Minuten über den den Vulkan einschließenden Wolken erscheinenden Aschepilze. Dafür erzeugt das ständige an Donner erinnernde Grollen der Eruptionen bei uns schon ein etwas mulmiges Gefühl.
Passionsblume
 
Man kann nur den
Aschepilz erkennen
Am frühen Nachmittag sind wir wieder in der Hotelanlage, wo der Großteil der Gruppe zu einer Wasserfallwanderung aufbricht. Andrea hat inzwischen Fieber, so dass wir in der Hotelanlage bleiben. Als sich gegen Abend die Wolken auflösen, jogge ich noch einmal auf die andere Talseite; jetzt will ich doch noch zu meinem Foto kommen. Als ich endlich den Vulkan sehen könnte, muss ich feststellen, dass sich bis auf eine alle Wolken verzogen haben, nur diese eine umschließt weiterhin den Tungurahua. Somit heißt es ohne Foto wieder zurückzujoggen. Das Abendessen lassen wir wegen Andreas Zustand ausfallen.
 
13. Tag Dienstag
Das Wetter meint es
nicht gut mit uns
Um 4 Uhr ruft mich Montezumas, oder sollte ich besser sagen, Atahualpas Rache zur Toilette. Um 7 Uhr ist offizielles Frühstück wieder im Café Rio Pan. Es stellt sich heraus, dass ich nicht der einzige mit Darmproblemen bin.
Gegen 8 Uhr fahren wir in den Chimborazo Nationalpark. Aber wie für uns schon gewohnt, ist wieder einer der hohen Vulkane vor Wolken nicht zu sehen, und dieses Mal ist es auch noch der mit 6.310 m höchste Berg Ecuadors, der Chimborazo. Hier soll eine 2½ stündige Wanderung starten. Wegen ihres körperlichen Zustands und auch wegen des garstigen Wetters bleibt die Hälfte der Truppe im Bus und fährt zum Endpunkt der Wanderung.
Im Chimborazo
Nationalpark
Der kärgliche Rest ist kaum losgewandert, da fängt es auch noch richtig zu schneien und zu regnen an. Die Temperatur liegt um die Null Grad. Umkehren kann die Gruppe auch nicht mehr, da wir anderen mit dem Bus schon losgefahren sind. Als sie beim Bus eintreffen, gleichen sie eher Mitgliedern einer Survival Tour zum Südpol denn Teilnehmern einer Wikinger Sommerreise nach Ecuador. Sie erzählen, dass sie die ganze Strecke von Einheimischen mit deren Kindern begleitet wurden, denen das Wetter überhaupt nichts ausgemacht hat. Das scheint hier wohl öfter so zu herrschen.
Wir starten sofort nach Riobamba durch, wo wir etwas außerhalb in einer Hacienda untergebracht werden. Am Nachmittag macht der Rest der Gruppe noch eine Stadtbesichtigung von Riobamba, während ich des Öfteren die Toilette besuche. Die kommende Nacht wird sich als die kälteste der ganzen Reise erweisen.
 
14. Tag Mittwoch
An der Bahnstation
in Guamota
Ob da oben
noch Platz ist?
Um 5 Uhr aufstehen, 5:40 Uhr Abfahrt zum Bahnhof in Riobamba, warum nur so früh, wenn der Zug erst um 7 Uhr abfährt? Heute steht die berühmte Zugfahrt zur Teufelsnase an, und das scheinen alle Touristen Ecuadors zu wissen. So beginnt der Kampf um die Plätze auf dem Zugdach - in den Waggons will kaum jemand mitfahren - schon eine Stunde vor Abfahrt. Während alle dem Start entgegen frieren, haben Andrea und ich beschlossen erst nach 1½ Stunden in Guamote vom Bus auf den Zug umzusteigen. Da ich mich noch nicht viel besser fühle, weiß ich nicht, ob das Ruckeln des Zugs mich auf eine nicht vorhandene Toilette zwingen würde.
Wir kommen mit dem Bus vor dem Zug in Guamote an, was ich zum Besuch einer Toilette nutze, bevor ein Großteil der Zugreisenden diese einzige Toilettenmöglichkeit der ganzen Fahrt besucht. Wir ergreifen die Gelegenheit, um von den nun nur kurzfristig freigewordenen Plätzen auf dem Zugdach einfach zwei für uns zu ergattern. Die Fahrt erweist sich als nicht ganz so spektakulär wie in den Reiseführern beschrieben.
Verhungern wird
keiner
 
Wie beim Karnevalszug,
die Kinder warten
auf Geschenke
Ein Schweinestall
mit Schwein
 
Die Aussicht vom
Zugdach ist großartig
 
Es geht immer tiefer
 
 
Sie gleicht eher der Fahrt auf einem Wagen bei einem Karnevalsumzug, denn neben der Strecke tauchen ständig Kinder auf, denen fleißig Süßigkeiten zugeworfen werden, die wiederum von fliegenden Händlern auf dem Zugdach verkauft werden, wie hier oben während der Fahrt so ziemlich alles verkauft wird. Die Fahrkartenkontrolle wird übrigens auch während der Fahrt auf dem Dach vorgenommen. Die Teufelsnase selbst ist ein steiler Felsabhang, der von dem Zug nur geschafft wird, in dem er vor und zurückfährt, und man dabei die Weichen umstellt.
Die Teufels-
nase von der
Seite
Auf der Panameri-
cana zw. Alausi
und Ingapirca
Am Nachmittag geht es bei gutem Wetter nach Ingapirca. Die Fahrt dorthin führt bei bestem Wetter und mit einer Superaussicht über die Panamericana, deren schönster ecuadorianischer Streckenabschnitt es ist. Rechtzeitig bevor wir ankommen, beginnt es wieder zu regnen, so dass wir die Besichtigung der Inkaruinen auf den nächsten Tag verschieben.
Wir werden in einem Landgasthof direkt bei den Ruinen auf 3.020 m Höhe untergebracht. Abends ist es so kalt, dass man in der Gaststätte versucht einen Kamin anzuheizen. Es bleibt aber nur ein Versuch, der Kamin gibt kaum Wärme ab, dafür räuchert er uns um so mehr ein, doch der Stimmung tut das keinen Abbruch; Maria, unsere Kölnerin, zelebriert einen Rheinischen Abend, der uns statt des Kamins so richtig einheizt.
 
15. Tag Donnerstag
Inkaruinen
von Ingapirca
Fugenlose Mauern
in Ingapirca
Es war gut, die Besichtigung von Ingapirca auf heute Morgen zu verschieben. Wenn auch keine Sonne scheint, regnet es zumindest nicht mehr. Heute sind wieder ein paar von uns krank. Um 7:30 Uhr besuchen wir die Inkaruinen; außer uns ist niemand da. So können wir in Ruhe die Anlage besichtigen. Sie wurde um 1500 auf den Ruinen einer Kultstätte der Cañari errichtet, leider aber über die Jahrhunderte von den Einheimischen zum Bau ihrer Häuser als Steinbruch missbraucht. So sind die Reste des Sonnentempels der für uns sichtbarste Ausdruck der Inkaarchitektur. Doch lassen sich daran immer noch die Perfektion der Steinbearbeitung und die fugenlosen fantastisch zusammengesetzten Mauern bewundern.
Landschaft
bei Ingapirca
 
Bis zu 6 Monate
Arbeit für
einen Hut
Panamahüte
bei Homero Ortega
in Cuenca
Kathedrale
in Cuenca
 
Parque Calderon
in Cuenca
 
Anschließend fahren wir weiter nach Cuenca. Dies liegt nur 60 km entfernt, aber wettermäßig liegen dazwischen Welten. Hier gibt es endlich strahlend blauen Himmel. Wir machen einen ersten Stopp in Ecuadors wohl bekanntester Panamahutmanufaktur, der der Familie Homero Ortega. Dort werden wir in die Kunst der Hutherstellung eingeführt und erfahren, wie aus den Fasern der Carludovica Palme vom Strohhut bis zum "Superfino" alle Qualitätsstufen hergestellt werden. Es kann drei Tage aber auch drei Monate dauern, bis ein Hut fertig ist. Entsprechend liegen die Preise zwischen 30 und 300 $. Einige von uns sorgen dafür, dass Panamahüte nächstes Jahr auch in Deutschland in Mode kommen werden.
Kathedrale
in Cuenca
In Cuenca
 
Im Hotel sind noch nicht alle Zimmer fertig, und da es Andrea heute ganz schlecht geht, schaffen wir den Abmarsch zur Stadtbesichtigung nicht. So mache ich mich einige Zeit später allein auf den Weg. Cuenca besticht durch die vielen Kirchen mit ihren Türmen, der quadratischen Stadtanlage und den vielen adretten kleinen Kolonialhäusern. Für mich ist es die schönste Stadt Ecuadors. Hier pulsiert das Leben, und doch herrscht nicht die laute Hektik mit den vielen Abgasen, die wir sonst in den anderen großen Städten kennen gelernt haben.
Zum Abendessen gehen wir in eine Gaststätte neben der Kathedrale. Sie wird von vielen Einheimischen aufgesucht. Man versteht auch warum, das Essen ist ausgezeichnet. Andrea konnte nicht daran teilnehmen. Sie wird insgesamt 16 Stunden durchschlafen.
 
16. Tag Freitag
Lagune Toreadora
im Cajas Nationalpark
Um 7:30 gibt es Frühstück, und um 8:30 Uhr ist Abfahrt in den Cajas Nationalpark. Kathleen ist so krank, dass sie gar nicht erst mitkommt, und nach dem Start in 4.000 m Höhe kehren ziemlich schnell vier Personen zum Bus zurück, auch ihnen geht es nicht gut. Wir anderen wandern vier Stunden immer knapp über der 4.000 m Grenze vorbei an wunderschönen Lagunen und durch ursprünglichen bis zu 800 Jahre alten Andenhochwald. Der Cajas Nationalpark befindet sich im letzten Gebirgszug der Anden, bevor diese steil zur Küste hin abfallen. Die Landschaft erinnert mich an die Schweiz, nur ist die Vegetation eine völlig andere. Unser Reiseleiter meint, die Gegend sei ein Regenloch, doch hier haben wir endlich strahlend blauen Himmel ohne jegliche Wolken.
 
Im Cajas Nationalpark
 
Urwald im
Cajas Nationalpark
Im Cajas Nationalpark
 
Parque Calderon
in Cuenca
Nachmittags fahren wir wieder nach Cuenca zurück. Andrea ist inzwischen soweit hergestellt, dass ich mit ihr die Stadtbesichtigung nachholen kann. Abends gehen wir noch einmal in das gleiche Restaurant wie gestern. Das Essen ist wieder sehr gut. Ein Teil der Gruppe besucht anschließend noch eine Bar, wie man überhaupt sagen muss, dass das Restaurant- und Kneipenangebot in der Altstadt von Cuenca ausgezeichnet ist.
 
17. Tag Samstag
Wolken über dem
Küstentiefland
Es ist alles
sehr ärmlich
Um 5 Uhr Aufstehen, um 6 Uhr ist bereits die Abfahrt zur Küste angesagt. Heute liegen 7 Stunden Fahrzeit vor uns. Beeindruckend ist der Abstieg von der Küstenkordillere in das Tiefland der Küstenzone. In zwei Stunden Fahrzeit verlieren wir über 4.000 Höhenmeter.
Dann sind wir in der landwirtschaftlichen Superzone Ecuadors angekommen. Die ganze Landschaft ist übersät von Kakao-, Bananen- und Zuckerrohrplantagen. Dazwischen wächst so ziemlich alles, was man an tropischen Früchten und Gemüse kennt. Es ist unglaublich, in welcher Armut die Menschen hier hausen, wohnen kann man dazu eigentlich nicht sagen. Die Eigentumsverhältnisse sind schnell aufgezählt, ein paar wenige Großgrundbesitzer teilen sich den Landbesitz untereinander auf. So gehört die gesamte Kakaoproduktion in Ecuador einer Familie und die Zuckerrohrproduktion einer anderen.
Ein Grill und
sonst nichts
Eine Fleischerei
 
Obst und Gemüse
in riesiger Auswahl
Vorbei an den Armen-
vierteln von Guayaquil
Ist das Wasser kalt?
 
Als wir Guayaquil passieren, wird das Ganze noch schlimmer. Slums wechseln sich mit Wohngebieten der Superreichen ab. Die Slums sind in einem Zustand, dass man gerne davon einmal mehr sehen möchte, weil man sich das einfach nicht vorstellen kann. Unser Reiseleiter sagt uns aber, dass da noch nicht einmal die Polizei hineingeht. Hier herrschen Drogen und Kriminalität. Die Gebiete der Reichen erinnern mich irgendwie an DDR Zeiten. Die Wohngebiete sind von hohen Mauern umgeben, auf denen sich Wachtürme befinden, die mit Sicherheitsdiensten besetzt sind. Man lebt hier in einem goldenen Käfig - also doch keine DDR.
Wir fahren noch 90 km weiter bis nach Playas an die Pazifikküste, wo wir in der Hotelanlage eines Schweizers direkt am Strand untergebracht werden. Den Nachmittag verbringen wir am Strand, weit und breit ist nichts los. Die Wassertemperatur erlaubt baden im Meer, doch darf man nicht tiefer als bis zu den Hüften ins Wasser, da eine sehr starke Strömung herrscht. Als dann die ersten Sanddollars gefunden werden, bricht das große Suchfieber aus.
Abends wird gegrillt, und als wir dann im Dunkeln noch einmal am Strand entlang spazieren, finden wir einen frisch angeschwemmten toten Delfin.
 
18. Tag Sonntag
Kokosnüsse
El Morro-
ärmer geht es kaum
Um 6:30 Uhr gehe ich mit Frauke an den Strand zum Sanddollar- und Muschelsuchen. Wir wollen nach der Flut die Ersten sein und werden für das frühe Aufstehen auch reichlich belohnt. Frühstück gibt es heute erst um 8 Uhr.
Um 9:30 Uhr fahren wir mit dem Bus ein paar Kilometer an eine Meersbucht nach El Morro. Wenn wir gedacht haben, die bisher gesehene Armut sei nicht zu übertreffen, werden wir hier eines Besseren belehrt. Es ist nicht zu fassen, wie man hier lebt. Wir wollen eine Bootsfahrt zu einer vorgelagerten Vogelinsel machen. Und während unsere Sorge den nicht sehr Vertrauen erweckenden Booten gilt, ist unseres Reiseleiters Sorge ausschließlich darauf gerichtet, dass der Bootsführer nicht betrunken ist und die Fahrt stattfinden kann. Wir haben Glück und sowohl Boot als auch Bootsführer sind in Ordnung.
Nichts als Schrott
in unseren Augen
Unser Bootsausflug
 
Ein Fregattvogel
 
Ein Fregattvogel
 
Fregattvögel
 
Wir fahren zuerst durch Mangrovengebiet, sehen einige Delfine und landen nach kurzer Fahrt über das offene Meer an einer Insel an. Wir spazieren zu einer Fregattvogelkolonie. Es ist mehr als beeindruckend, hier Hunderten dieser schönen Vögel im Flug und bei der Balz zusehen zu können. Getrübt wird der Ausflug nur dadurch, dass auch auf dieser Insel große Teile des Mangrovenwaldes künstlichen Becken weichen mussten, in denen Garnelen für den Weltmarkt gezüchtet werden. Durch das tropische Klima erfolgt die Aufzucht mit immensem Einsatz von Chemikalien, was dazu führt, dass das ganze Gebiet so vergiftet wird, dass die Becken nach spätestens 10 Jahren aufgegeben werden müssen. Zurück bleibt dann eine neue Wüstenlandschaft.
Mangroven
 
Noch unberührte
Mangroven
Er fährt einen
Einbaum
Zum heutigen Abschiedsabend gibt es Fisch und Fleisch vom Grill. Da der Schweizer Hotelbesitzer einen Beamer besitzt, kann ich auf dem PC des Reiseleiters eine erste Vorführung der Urlaubsfotos halten. Danach bleibt ein Teil der Gruppe noch bis spät in der Nacht an der Bar.
 
19. Tag Montag
Ein Linienbus
 
Abendstimmung
über den Anden
Monika hat als einzige von uns einen Anschlussurlaub auf Galapagos gebucht und hat um 6 Uhr ihren privaten Shuttle zum Flughafen. Für uns andere heißt es heute Vormittag: Ausschlafen, Frühstücken, Strand, Packen und Ausruhen.
Um 14 Uhr steigen wir, wie wir meinen, zum letzten Mal in unseren Bus, um nach Guayaquil zum Flughafen gebracht zu werden. Doch unterwegs müssen noch einmal alle aus dem Bus. Mit einem lauten Knall ist ein Reifen geplatzt. Doch auch diese Situation wird von unserem Fahrer gemeistert, wie er überhaupt während der ganzen Reise die Zuverlässigkeit in Person war.
Bis zum geplanten Abflug gegen 20 Uhr passiert nichts mehr Außergewöhnliches. Als die Maschine dann mit Verspätung abhebt, ist es leider schon so dunkel, dass wir keinen Blick mehr auf die Andenkette erhaschen können.
 
20. Tag Dienstag
Gegen 14 Uhr landen wir in Madrid. Nach der auch auf dem Rückflug alles andere als erstklassigen Verpflegung im Flugzeug, leiste ich mir auf dem Flughafen ein Sandwich, und bekomme durch den horrenden Preis sofort gezeigt, dass wir wieder in Europa sind.
Um 16 Uhr geht es weiter nach Frankfurt, das wir gegen 19 Uhr erreichen. Dank direktem S-Bahnanschluss sind wir noch recht früh am Abend wieder zu Hause.
 
Fazit: Ecuador ist ein sehr interessantes Reiseland, indem man die Kluft zwischen Arm und Reich der Bevölkerung, doch auch den Lebensstil der vielen Bevölkerungsgruppen sehr gut mitbekommt. Die Unterschiede der drei Landschaftszonen Küste, Anden und Urwald sind schon gewaltig, und deren immense Höhenunterschiede verlangen dem Reisenden einiges ab. Leider wollte uns das Wetter keinen Blick auf die hohen Vulkanberge des Landes gönnen, doch am Wetter kann selbst der beste Reiseveranstalter nichts ändern, und an dem war wie auch bei meinen bisherigen Reisen mit ihm nichts auszusetzen.
 
Ausbruch des
Tungurahua
Baños
 
Anmerkung: Eine Woche nachdem wir wieder zu Hause waren, gingen Bilder vom Ausbruch des Vulkan Tungurahua um die Welt. Die Stadt Baños wurde evakuiert, trotzdem gab es Tote, und die ganze Gegend wurde mit einem Ascheteppich zugedeckt. 10 Tage vorher meinten wir noch Pech zu haben, weil wir den Vulkan nicht sehen konnten, doch so schnell kann sich Pech als Glück herausstellen.

 
***********************************************************************
 

Ausrüstungsliste:

Dokumente
Reisepass
Kopie von Reisepass
Flugticket
Kopie von Flugticket
Kopie von Impfausweis
Devisen (US$)
Kreditkarte
Kopie von Kreditkarte
Telefonnr. zum Sperren von Schecks und Kreditkarte
Passbilder
 
Toilettenartikel
Seife/Duschmittel
Handtücher
Waschlappen
Zahnputzsachen
Toilettenpapier
Hakle Feucht
Kamm/Bürste
Rasierapparat
Haarfön
Deo
Tubenwaschmittel
Wäscheleine
Klammern
Wäschesack
Arzneimittel
Erste Hilfe Set
JHP-Öl
Immodium Akut (Durchfall unbedingt!)
Labiosan (Lippenschutz)
Effortil (Kreislauf)
Dexametason (Kopfschmerzen/Höhenkrankheit)
Diamox (Höhenkrankheit)
Mykoderm-Miconalzolcreme (gegen Fußpilz)
Melkfett (Füße)
Hautcreme
Magnesiumtabletten
Insektenmittel
evt. Moskitonetz für Kopf
Sonnenschutzmittel Faktor 30

Schlafen
Hüttenschlafsack (wer leicht friert)
Taschen- oder Stirnlampe
Ersatzbatterien

Am Anfang herrscht
das Chaos

Kleidung
Hut/Mütze
Handschuhe (wer leicht friert)
Fleecejacke
Fleecehose
Treckinghosen (zipbar)
Anorak
evt. Regenschirm
Überziehhosen
Tshirts
Pullover
Badehose
Unterwäsche
Strümpfe
Schlafsachen
Taschentücher

Wanderschuhe
Trekkingsandalen
Badelatschen
Turnschuhe
Gummistiefel (können geliehen werden)
Geordnetes Chaos
Sonstiges
Gürteltasche (kein Brustbeutel)
Brille
Sonnenbrille
Steckeradapter
Taschenmesser (kein Handgepäck)
Nähzeug

Rucksack
Regenschutz für Rucksack
Getränkeflasche (unnötig!)

Schreibmaterial
Literatur
evt. Diktiergerät
evt. elektronischer Übersetzer

Fotoausrüstung
Kamera
Ersatzbatterie
genügend Filme
ggf. Stativ
Kameratasche