Chile - Pazifischer Feuergürtel und Paine Nationalpark in Patagonien

Eine Wikinger Reise
27. Oktober - 15. November 2005

Ein Reisebericht von Kurt.Merkert@web.de


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11. Tag Sonntag
Heute fahren wir weiter Richtung Süden, doch leider nicht durch die Seenplatte der chilenischen Schweiz, sondern über die Autobahn der Panamericana. Nach zwei Stunden biegen wir dann doch ab nach Frutillar am Lago Llanquihue. Dieses Örtchen liegt bilderbuchhaft am See und hat als Krönung im Hintergrund noch mehrere Vulkane zu bieten, wovon der Osorno in seiner ebenmäßigen Schönheit kaum zu übertreffen ist. Wir besuchen eine kleine deutsche Freilichtmuseumsanlage in einem parkähnlichen Gelände. Wir sind alle der Meinung, hier könnten wir noch ein paar Tage reinen Erholungsurlaub machen.
Doch wir müssen weiter, wollen wir doch heute noch nach Patagonien fliegen. Wir fahren bis Puerto Montt und dort direkt an den kleinen Fischereihafen. Hier durchstöbern wir den Marktbereich und die Fischhallen, natürlich nicht ohne in einer der unzähligen Minigaststätten auch den Fisch zu probieren. Er hat eine Superqualität und ist darüber hinaus auch noch sehr preisgünstig.
Um 18 Uhr fahren wir dann zum Flughafen, um nach Patagonien zu fliegen. Bei der Sicherheitskontrolle passiert es dann wohl, irgendwie verschwindet in dem ganzen Chaos meine Gürteltasche mit meinem Geld und der Scheckkarte. Um 21 Uhr fliegen wir dann nach Punta Arenas, und gegen 24 Uhr sind wir dann im Hotel, wo ich den Verlust meiner Wertsachen feststelle. Da telefonisch heute nichts mehr zu machen ist, verbringe ich eine unruhige Nacht bis zum nächsten Morgen.
 
12. Tag Montag
Die ersten Aktivitäten gelten heute meinen Wertsachen. Nachdem die diversen Telefonate mit den Flughäfen in Puerto Montt und Punta Arenas zu keinem Ergebnis führen, lasse ich die Geldkarten sperren. Dann fahren wir los, nicht zum Paine Nationalpark, sondern erst noch mal zum Flughafen. Vielleicht erreichen wir dort doch noch etwas. Für mich kommt es dann fast zu einem Nervenzusammenbruch, als Andrea auf dem Weg dorthin nach einem Taschentuch greift und stattdessen meine Wertsachen aus ihrem Anorak zieht. Sie hatte sie versehentlich eingesteckt.
Nun geht es aber endlich Richtung Paine Nationalpark durch die unendliche Weite Patagoniens. Es ist so, wie wir uns das vorgestellt haben. Nicht enden wollende mit Stacheldraht abgetrennte Schafweiden wechseln sich in der flachen Landschaft mit kleinen Tümpeln ab, und am Horizont in weit über 100 km Entfernung erscheinen in der glasklaren Luft die ersten Gebirgsketten. Vorbei an Nandus, den südamerikanischen Straußen, Flamingos, Andengänsen und abertausenden von Schafen lassen wir die Landschaft auf uns wirken. Doch etwas stimmt hier nicht. Es fehlt der immer vorhanden sein sollende berüchtigte Wind, es fehlt die uns vorausgesagte Kälte, wir haben keine Wolke am Himmel, und regnen tut es auch nicht - total untypisch für Patagonien.
Den ersten Halt und damit auch den letzten in der Zivilisation machen wir in Puerto Natales. Die zwei Stunden Aufenthalt nutzen wir, um Proviant für das anstehende Trekking zu kaufen, und den Rest der Zeit verbringe ich am Strand, die Ruhe und das Panorama genießend. Es ist so ungewöhnlich warm, dass einige Kinder sogar in der Meeresbucht baden.
Kurz hinter Puerto Natales weicht die Asphaltstraße einer Schotterpiste und bis zum Paine werden wir ganz schön eingestaubt. An den Paine Wasserfällen machen wir noch einen Halt, und dann geht es zur Torres Hütte. Die Hütte ist so voll belegt, dass ein Teil der Gruppe in Zelten untergebracht wird, aber es gibt Duschen, und in den Alpen habe ich schon Schlimmeres erlebt. Den Rest des Tages genießen wir bei angenehmen Temperaturen die wunderbare Natur.
 
13. Tag Dienstag
Heute wandern wir zu den Torres, einem der Wahrzeichen des Parks, vier Stunden aufwärts und in drei Stunden auf dem gleichen Weg zurück. Es ist bewölkt, aber trocken und vor allem, wir können die berühmten Türme sehen. Wie viele waren schon vor uns hier und konnten vor Wolken und Regen überhaupt nichts erkennen. Diese sich im Gletschersee spiegelnden Wände sind schon beeindruckend. Da der Rückweg von jedem individuell angegangen wird, nutze ich die Zeit zum ausgiebigen Fotografieren. Wir machen noch einen Stopp an der "italienischen Hütte", um gegen 17 Uhr wieder die Torreshütte zu erreichen. Wir essen heute Abend in der Hütte. Es gibt Reis mit Lachsauflauf. Ich bin erstaunt, wie oft es bisher Reis gab, Nudeln kennen die hier wohl nicht.
Ich will mit Andrea noch einen kleinen Abendspaziergang machen. Doch werden wir von unzähligen lästigen kleinen stechenden Plagegeistern ziemlich schnell wieder in die Hütte getrieben. Es sollte dies aber der einzige Vorfall dieser Art während der ganzen Reise sein, obwohl wir vor Reisebeginn davor gewarnt wurden.
 
14. Tag Mittwoch
Die Türme sollen an ein paar ganz wenigen Tagen im Jahr früh morgens von der Sonne rot angestrahlt werden. Soll das gerade heute sein? Aber wir hatten schon soviel Wetterglück in diesem Urlaub, und so stehe ich um ½ 6 Uhr morgens auf und werde belohnt. Dafür ist anschließend das Frühstück wieder nicht beeindruckend, (Toastbrot mit Butter und Wasser mit Lipton Teebeuteln) und es dauert unendlich lange, bis man etwas bekommt.
Heute haben wir viel Zeit. Nach der gestrigen Anstrengung steht als Übergang zur Cuernos Hütte eine Genusswanderung an. Ohne größere Steigungen ziehen wir oberhalb des Lago Nordenskjöld an den Hängen der Cuernos del Paine entlang. Der Pfad führt wunderbar an kleinen Seen vorbei, immer wieder von den roten Farbtupfern der Notro Feuerbüsche aufgelockert, so dass man ständig am Fotografieren ist. Die Analogfotografen in der Gruppe tun etwas für die Geldbeutel von Kodak, Agfa und Co, während die Digitalfotografen auf den sparsamen Gebrauch der Akkus achten. Im Nationalpark gibt es nur in der Pehoehütte Gelegenheit die Akkus aufzuladen.
Das Wetter gestaltet sich bewölkt im Wechsel mit Sonne, sogar ein paar Tropfen Regen fallen, aber wirklich nur ein paar Tropfen. Wir erreichen die Hütte ziemlich früh und beziehen die Zimmer. Hier gibt es eine Neuerung - dreistöckige Betten - wer da herausfällt! Den Nachmittag verbringen wir - ausgestattet mit einigen Dosen Bier - am Strand des Lago Nordenskjöld, müssen dort aber unsere Uhren drei Stunden vorstellen, wegen des Alkoholverbots in der Gruppe bis 18 Uhr. Inzwischen hat der Wind aufgefrischt, aber er hat immer noch keine patagonische Stärke. Zum Abendessen gibt es Linsensuppe - Andrea und Petra haben sogar eine Linse darin gefunden - und Reis (schon wieder) mit Huhn.
Nach dem Abendessen ist es immer noch so angenehm warm, dass wir vom Seeufer aus, das Farbenspiel des abendlichen Himmels erleben können.
 
15. Tag Donnerstag
Das heutige Frühstück bekommt man vor allem schneller als gestern, ob es besser ist, sei dahingestellt. Wir wandern heute in das Valle Francés hinein, um den Francésgletscher kalben zu sehen. In diesem Tal soll das Wetter immer schlecht sein, und richtig, es nieselt beim Loslaufen, und es regnet dann sogar für eine Viertelstunde, aber das war es dann auch schon. Wir wandern bis zu den gewaltigen Hängegletschern, warten auf Eisabbrüche, die nicht kommen, und schlendern dann durch die großartige Landschaft bis zum Taleingang zurück, um dann Richtung Pehoehütte abzubiegen.

Das Wetter ist wieder besser geworden, als wir die Hütte erreichen, eine wunderschöne kleine heimelige Holzhütte, an der wir schnurstracks vorbeilaufen, denn sie beherbergt die Nationalparkverwaltung. Die richtige Pehoehütte ist ein großer hässlicher Neubaukasten, der sich aber als äußerst zweckmäßig und sauber, mit den besten sanitären Anlagen des ganzen Parks herausstellen sollte. Nach einem Begrüßungspisco entdecke ich einen Internetanschluss für Hausgäste und will eine e-mail senden. Leider scheint er von der Geschwindigkeit her handbetrieben zu sein.
Das Abendessen ist dem Gebäude angepasst, Selbstbedienung wie in einer Kantine mit Abgabe von vorher gekauften Essenmarken. Der inzwischen schon gewohnte Abendspaziergang fällt wegen unangenehmer Kühle aus.
 
16. Tag Freitag
Heute wollen wir an den Greygletscher und zur gleichnamigen Hütte. Es ist bewölkt aber trocken, als wir durch ein Trogtal zu einem Sattel aufsteigen, von dem aus wir einen ersten Blick auf den Gletscher und die dazugehörige Bucht haben. Wir entdecken auch die ersten kleinen Eisberge, die im Wasser treiben. In leichtem Auf und Ab ziehen wir am Greysee entlang und erreichen gegen Mittag die Greyhütte. Sie ist die bisher kleinste, dunkelste, schmutzigste und auch die vollste Hütte, und wir werden in zwei Achterzimmer eingepfercht.
Nun brechen wir zu einem Aussichtspunkt auf die Abbrüche des Greygletschers auf. Das Wetter wird immer besser, und die Farbe des Eises leuchtet in einem Blau, das schon fast unwirklich erscheint. Hier wird Mittagsrast gehalten. Danach teilt sich die Gruppe, ein Teil steigt noch 1 ½ Stunden auf, bis er oberhalb des Gletschers ist, und einen großartigen Blick auf die gewaltigen Spalten hat. Der andere Teil der Gruppe versucht, an der Küste entlang die Hütte zu erreichen und genießt die fantastische Natur inzwischen bei Sonnenschein.
Nach dem sehr einfachen Abendessen (ausnahmsweise gab es wieder mal Reis und auch wieder Huhn, aber dieses Mal vom Bein) zieht es alle an den Strand. In der wärmenden Sonne beobachten wir die wunderschöne Färbung der umliegenden Berge. Doch sobald die Sonne untergegangen ist, wird es schnell empfindlich kalt. In der Hütte gibt es drei Inhouse Duschen, die zusammen den Raum einer einzigen normalen Dusche belegen. Ich ziehe eine der zwei Outdoor Duschen des angeschlossenen Campingplatzes vor, auch wenn ich dann durch die Kälte muss. Nachts werde ich geweckt, ich würde schnarchen, doch die Geräusche dringen durch die bessere Sichtschutzwand aus dem Nebenraum.
 
17. Tag Samstag
Das Aufstehen gestaltet sich heute besonders interessant. Es brennt kein Licht, und das in dieser engen, dunklen Hütte. Auf dem Weg zu den Sanitäranlagen höre ich Mechthild aus der Toilette rufen "hier bleibt alles trocken" und von nebenan kommt Rolands Stimme "hier kommt nichts". Etwas verstört ziehe ich mich schnell zurück. Einige waschen sich wegen des Wassermangels direkt im See.
Wir laufen heute auf dem Hinweg zurück zur Pehoehütte. Es ist keine Wolke am Himmel, und da es auch absolut windstill ist, spiegelt sich die Landschaft im Greysee. Unser Guide meint, das Wetter auf dieser Reise sei höher einzuschätzen als 6 Richtige im Lotto. Der Rückweg wird eine reine Genusstour. An der uns schon bekannten Pehoehütte machen wir Mittag, einige duschen noch einmal, und dann besteigen wir einen Katamaran. Die nun folgende ½ stündige Fahrt über den Pehoesee wird zur Krönung der Tage im Paine Nationalpark. Die Aussicht kann man nicht beschreiben, das muss man gesehen haben.

An der Anlegestelle wartet schon der Bus auf uns, und ohne Pause nehmen wir die riesige Entfernung nach Punta Arenas in Angriff. Kurz vor Punta Arenas machen wir noch einen einstündigen staubigen Abstecher zu der Pinguinkolonie am Otway Meerbusen. Es ist hier ziemlich kühl und stürmisch, aber die Magellanpinguine lassen sich trotzdem geduldig fotografieren. Dann heißt es wieder eine Stunde einstauben und auf direktem Weg in eine Gaststätte nach Punta Arenas. Gegen 23:30 Uhr beziehen wir in unserem Hotel wieder die gleichen Zimmer wie vor der Abreise zum Paine Park.
 
18. Tag Sonntag
Frühstück ist heute erst um 8 Uhr, und danach ist auch noch genügend Zeit zum Packen. Wir machen eine kleine Stadtrundfahrt, beginnend an der Magellanstraße, fahren dann zur ganz hübschen Plaza des Armas. Dort macht eine Andenkenverkäuferin mit ihrem Angebot an handgefertigten Pinguinen aus Stein bei unserer Gruppe das Geschäft des Monats. Danach besuchen wir den Friedhof von Punta Arenas. Friedhöfe gehören gewöhnlich nicht zum Besichtigungsprogramm solch einer Reise, aber diesen sollte man gesehen haben, zeigt er doch anhand der Grabgestaltung über einen Zeitraum von 200 Jahren, wie sich der Wohlstand der Bevölkerung und ihr Umgang mit dem Tod entwickelt hat.
Anschließend geht es direkt zum Flughafen. Wir haben genügend Zeit die zwei Verkaufstände und die Cafeteria zu besuchen. Nach einer letzten Schokolade fliegen wir mit einer Zwischenlandung in Puerto Montt nach Santiago. Ich muss all meinen Charme einsetzen, damit eine sehr kräftige chilenische Dame ihren Fensterplatz mit mir tauscht, will ich doch den wolkenlosen Himmel nutzen, den Paine Nationalpark, das Fitz Roy Massiv und die Anden noch einmal aus dem Flugzeug zu fotografieren.
Gegen 17 Uhr landen wir in Santiago und werden direkt zum Hotel, das sehr zentral am Park Cerro Santa Lucia liegt, gebracht. Die Zeit bis zum Abendessen verbringen wir mit der Erkundung des Parks und der Plaza de Armas. Es scheint, als würden sich alle Chilenen am Sonntag an diesen zwei Plätzen aufhalten.
Den Abend verbringen wir bei einem Italiener, wieder mal mit sehr großen Portionen und zum ersten Mal auf der ganzen Reise mit Fassbier. Gegen 1 Uhr in der Frühe sind wir wieder im Hotel.
 
19. Tag Montag
Das von Olaf schon lange als das schlechteste der ganzen Reise angekündigte Frühstück erfüllt diesen Anspruch tatsächlich. Die heutige mehrstündige Innenstadtbesichtigung unternehmen wir zu Fuß, besuchen alle wichtigen Punkte und haben dann 3 ½ Stunden zur freien Verfügung. Das Mittagessen nehme ich mit Andrea in den Fischhallen ein. Dann werden auf einem Kunstmarkt noch ein paar Andenken gekauft, und anschließend fahren wir zum Flughafen, wo wir pünktlich um 19:30 Uhr in Richtung Madrid starten.
 

 
20. Tag Dienstag
Der Flug verläuft ohne besondere Vorkommnisse. In Madrid gibt es den schon vom Hinflug bekannten Zwischenstopp. Dieses Mal findet hier aber die Einreise in die EU statt. Alles wird wieder einmal durchleuchtet. Gegenüber dem Vorjahr hat man dazugelernt, und die Zahl der kontrollierenden Beamten auf zwei verdoppelt. Am späten Nachmittag des Dienstag landen wir dann wieder in Frankfurt, und ich trete mit der S-Bahn die Heimreise an.
 
Fazit: Für mich war das eine der schönsten Reisen, die ich je gemacht habe. Begünstigt von dem unglaublichen Wetterglück, einer Supergruppe, gibt es an dieser Reise nichts auszusetzen, vielleicht nur, dass sie uns allen zu kurz vorkam. Dem Reiseveranstalter und unserem Guide Olaf kann man nur die Note 1 vergeben.
Und für Chile selbst gilt; ich werde da nicht zum letzten Mal gewesen sein.
 

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