Chile - Pazifischer Feuergürtel und Paine Nationalpark in Patagonien

Eine Wikinger Reise
27. Oktober - 15. November 2005

Ein Reisebericht von Kurt.Merkert@web.de


Übersicht 1. bis 10. Tag 11. bis 20. Tag Ausrüstung Druckansicht Home

 
1. Tag Donnerstag
Gegen 17 Uhr finden sich am Schalter von LAN Chile 14 weitere "Wikinger" ein, darunter Anke und Andrea, mit denen ich schon öfter auf Reisen war. Beim Einchecken rümpfen die Damen von LAN Chile die Nasen, - meine zwei Begleiterinnen haben sich wegen des langen Flugs im Duty Free Shop mit diversen Duftproben eingestäubt - lassen den Airbus aber pünktlich um 19:45 Uhr abheben. Die Maschine ist voll, wir sind über das ganze Flugzeug verteilt. Warum schafft es kein Reiseveranstalter, nebeneinander liegende Sitzplätze zu bekommen? Nach zwei Stunden haben wir Madrid erreicht, eine Stunde Aufenthalt im Transitbereich, und um 23:55 Uhr geht es weiter auf den langen Direktflug nach Chile.
 
2. Tag Freitag
Um 8:45 Uhr chilenischer Zeit (-5 Std. deutscher Zeit) erreichen wir Santiago. Pass- und Zollformalitäten werden schnell abgewickelt, so dass uns unser Reiseleiter Olaf in Empfang nehmen kann. Nach dem Geldumtausch geht es direkt mit einem bereitstehenden Bus für 2 ½ Stunden Richtung Talca. Die durchfahrene Landschaft gibt nicht sehr viel her. Es ist eine flache Gegend, in der Weinbau und Agrarwirtschaft vorherrschen. Unterwegs kaufen wir noch Proviant für den nächsten Tag ein. Das Wetter ist nicht so gut, wird aber mit der Annäherung an Talca immer besser. In Talca beziehen wir in einer schönen Anlage, die einem deutschen Ehepaar gehört, in kleinen Lodges unser Quartier. Den Nachmittag verbringen wir am Pool, machen kleine Spaziergänge und erholen uns vom Flug. Wir warten darauf, dass es 18 Uhr wird, nicht wegen des Abendessens - das gibt es erst um 19 Uhr - sondern in der Gruppe ist Alkoholverbot bis 18 Uhr beschlossen worden. Dafür gibt es dann echte chilenische Mengeneinheiten, Bier nur in der 1 Liter Flasche und Wein nur in ganzen Flaschen. Als wir nach dem Abendessen ins Bett fallen, bin ich 45 Stunden wach gewesen.
 
3. Tag Samstag
Dass der Wecker auf 6 Uhr gestellt ist, hat die chilenischen Hähne nicht beeindruckt. Um 1 Uhr machen sie erste Krähübungen, die sie bis zum Morgen zur Perfektion reifen lassen. Gott sei Dank gibt es kein chilenisches Frühstück, die Anlagenbetreiber haben doch einige Gewohnheiten aus Deutschland beibehalten. Gut gestärkt fahren wir in 1 ½ Stunden nach Vilches in den Lircay Nationalpark. Hier machen wir unsere erste leichte Wanderung in einem Südbuchenwald, der absolut nicht mit einem Buchenwald in Deutschland zu vergleichen ist. Die Buchen sehen nicht wie Buchen aus, aber vor allem ist es für unsere Begriffe ein Urwald. Die geplante Stelle für die Mittagsrast müssen wir fluchtartig verlegen, denn dort liegt ein Pferdekadaver im Sumpf und verbreitet einen Geruch, wie wir ihn noch nie erlebt haben. Der Rückweg gestaltet sich etwas rutschig, denn, hat uns der am Vortag gefallene Schnee beim Aufstieg nicht gestört, so ist es jetzt doch sehr warm geworden, was den Schnee schnell schmelzen lässt.
Wir machen noch einen kleinen Abstecher zu einem schön gelegenen kleinen Wasserfall, an dem sogar einige Männer - wer sonst - in das eiskalte, aber glasklare Wasser springen. Da ich von der Gruppe inzwischen zum Reisefotograf bestimmt bin, kann ich leider aus beruflichen Gründen an dieser Aktion nicht teilnehmen.
Wieder zurück in der Lodge, betätige ich mich als Waschmann für diverse verschmutze Hosenbeine, während die Damen nichts Besseres zu tun haben, als eine Hängematte zum Einsturz zu bringen. Zum Grill-Abend ist extra ein Koch engagiert, und es ist so warm, dass wir im Freien essen können. Den Abschluss bildet eine Dia-Show über Chile.
 
4. Tag Sonntag
Wir fahren heute Morgen auf der Panamericana Richtung Süden. Bis Chillán geht es wieder durch die ziemlich monotone Ebene, die zwischen dem Pazifik und den Anden liegt. In Chillán decken wir uns in einem Supermarkt mit Proviant ein, und Roland muss ein Paar neue Bergschuhe kaufen, - alles am Sonntag - denn seine alten haben die erste Wanderung nicht überstanden. Wir verlassen Chillan gen Osten. Nun ändert sich die Landschaft schlagartig. Die ersten Vulkane tauchen auf, und es wird bergig. In Termas de Chillán (Thermen) beziehen wir Unterkunft in einer Ferienanlage in zwei Holzhäusern, die zu einem Frauen- und einem Herrenhaus erklärt werden. Nachmittags machen wir bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen eine Wanderung am Fuß des Vulkans Chillàn durch urwüchsigen Wald zu einem Wasserfall und über einen erkalteten Lavastrom.
Auf dem Rückweg halten wir noch an einem Restaurant, wo jeder im Kampf mit der spanischen Speisekarte ein Essen für den Abend aussucht. Wir wollen so den "chilenischen Service" am Abend etwas beschleunigen. Danach heißt es schnell duschen (2 Duschen pro Haus) und zügig zurück in die Gaststätte - vielleicht ist die Küche ja doch schneller als gedacht. - Es klappt tatsächlich, und das Essen ist auch noch gut. Auf dem Rückweg können wir zum ersten Mal den fantastischen südlichen Sternenhimmel bewundern.
 
5. Tag Montag
Ich weiß nicht, was die Frauen immer wollen; im Herrenhaus hat niemand geschnarcht! Heute brechen wir etwas später auf, 8 Uhr Frühstück, 9 Uhr Abfahrt mit dem Bus zum nahen Skicenter von Chillán im Shangri La Tal. Hier steigen wir zuerst sehr steil durch den Wald zum geothermischen Gebiet von Chillán auf. Hier zischt und dampft es aus allen Ritzen. Inzwischen haben wir die Schneegrenze erreicht, und bei strahlend blauem Himmel brennt die Sonne stark auf uns herab, während wir in drei anstrengenden Stunden einem kleinen Gipfel zustreben. Die Aussicht ist grandios, jetzt heißt es nur noch genießen. Nach 1 ½ stündiger Mittagspause treten wir den Rückweg an, oder besser gesagt, gleiten bei bester Schneekonsistenz die steilen Hänge hinab.
Im letzten Teilstück im Wald gibt es nach ein paar kleineren Ausrutschern einen Unfall. Roland rutscht aus und stürzt - sich überschlagend - ca.10 m einen steilen Hang hinunter. Er holt sich eine Stirnverletzung, aber dank dreier Chirurgen in der Gruppe, wird die fachgerecht versorgt. Da Roland auch unsere Gemeinschaftskasse verwaltet, wird geunkt, er wolle nur einen Kassensturz probieren.
Der Nachmittag dient der Säuberung unserer total verschlammten Kleidung, und dann wird gekocht und sogar unter Anleitung Brot - oder besser gesagt Fladenbrot - äh eher Pfannkuchen gebacken. Es ist so warm, dass wir wieder im Freien essen, und mehrere Flaschen - nein Tetrapacktüten - Wein leeren können.
 
6. Tag Dienstag
Heute ist ein Fahrtag, um 9 Uhr geht es los. Nach einer Stunde machen wir in Chillán halt, um den dortigen Markt zu besuchen. Man könnte meinen, die ganze Stadt sei der Markt, so ein Gewühl, und was dort alles verkauft wird. Hoffentlich dauert es noch lange, bis die Supermarktketten dem Treiben ein Ende bereiten.
Weiter geht es bis zum Salto del Laja, dem größten Wasserfall Chiles. Er ist die kleinere Ausgabe der Niagara Fälle, aber deswegen nicht weniger beeindruckend. Hier machen wir auch Mittagspause bei Bohnensuppe, chilenischer Wurst und im Steinofen frisch gebackenem Brot. Einen weiteren Stopp gibt es noch bei einer von Gustave Eiffel erbauten Stahlbrücke, bevor wir in einer von Schweizern geführten Hosteria in Cracautin Station machen.
Wir werden alle zusammen in einem kleinen Haus untergebracht. Vom Zweier- bis zum Sechserzimmer ist alles vorhanden, Aufenthaltsbereich, Küche, sanitäre Anlagen und dies in bester Schweizer Sauberkeit. Der Nachmittag wird zum Karten schreiben, zur Erkundung der Umgebung oder einfach nur zum Faulenzen genutzt. Das Abendessen wird in der, der Hosteria angeschlossenen Gaststätte eingenommen.
 
7. Tag Mittwoch
In der Nacht ist die Temperatur unter den Gefrierpunkt gefallen, und heute Morgen ist alles mit Reif bedeckt. Das Frühstück ist das beste der bisherigen Reise mit einem Frühstücksbüfett und selbstgebackenem Brot, das man wirklich als Brot bezeichnen kann. Wir fahren heute zur Lagune Captren am Vulkan Llaima, wo wir durch einen Primärwald aus Südbuchen und Araukarien zur höher gelegenen Lagune Conguillio aufsteigen wollen. Der Wald ist noch in seinem Urzustand belassen und der Pfad schlängelt sich märchenhaft dahin. Allerdings können wir die Tour nicht wie geplant durchführen, da wir nach 2 Stunden im Schnee stecken bleiben und den Weiterweg nicht mehr erkennen können. Also heißt es umkehren und als Alternative zu den Araukarien am Hang des Vulkans aufsteigen. Das Wetter hat sich erstmals auf dieser Reise verschlechtert. Inzwischen ist es sehr kühl geworden, und der Wind wird immer stärker, je höher wir den Vulkan hinauf kommen, bis es auch hier Umkehren heißt. Alle sind erstmals froh wieder im warmen Bus zu sitzen.
Dann beginnt es zu regnen. Wir halten an einem Hotel, das zwar schon bessere Zeiten gesehen hat, aber zwei Thermen besitzt, die von einem Großteil der Gruppe auch genutzt werden. Inzwischen regnet es so stark, dass der beim Baden im warmen Wasser servierte Pisco von oben verdünnt wird. Wir essen hier auch noch zu Abend. Auf der Rückfahrt im Dunkeln zum Quartier regnet es weiter. Es stimmt wohl, dass es in dieser Gegend ca. 3.300 mm im Jahr regnet. Als wir ins Bett fallen, sind wir gespannt, wie es Morgen sein wird.
 
8. Tag Donnerstag
Da es die ganze Nacht geregnet hat, und nun die Berge Wolken verhangen sind, gönnen wir uns noch zwei Stunden Pause, bis wir von der Hütte aus zu einer vierstündigen Wanderung zum Vulkan Lonquimay aufbrechen. Es scheint mal kurz die Sonne, Nebel, Wolken, es graupelt mal, aber dieser Wettermix lässt die Arakaurienwälder noch mystischer erscheinen. Der Rückweg wird individuell vorgenommen, so dass ich viel Zeit zum Fotografieren habe, aber man muss sehen, was sich bei dem Wetter gut ins Bild rücken lässt.
Am Nachmittag unternimmt ein Teil der Gruppe noch einen Ausflug zur Skistation am Lonqimay, wird dort aber von einem Schneesturm in die Gaststätte zum Kaffee getrieben. Der Wirt ist mehr als erstaunt, dass bei diesem Wetter Gäste kommen. Eigentlich hat er geschlossen, öffnet aber dankenswerterweise, dafür ist dann sein Kaffee umso schlechter.
Wer nicht mitgefahren ist, schreibt Karten, liest, vertreibt sich sonst wie die Zeit, oder wartet einfach nur auf das Abendessen im Schweizer Haus, wo heute ein Grillabend stattfindet.
 
9. Tag Freitag
Heute ist Fahrtag nach Pucon am Villarricasee mit dem berühmten Vulkan. Das Wetter ist wieder gut. Wir machen einen ersten Halt in Temuco, haben dort 2 ½ Stunden zur freien Verfügung, die ich mit einem Marktbesuch und der Mittagspause auf der Plaza de Armas verbringe. Man könnte stundenlang dem Gewusel der Menschen in den überfüllten Straßen zuschauen, wo jeder irgendetwas Verkaufen will.
Wir fahren weiter über die Panamericana, die hier als Autobahn ausgebaut ist, gen Süden bis zur Abzweigung nach Villarrica. Am Ortseingang von Villarrica mit dem gleichnamigen See machen wir Fotostopp für das bekannte Katalogfoto See mit Vulkan, doch der Vulkan ist weg. Er ist gänzlich von Wolken verhüllt. Wir sind enttäuscht, hoffen und bangen aber für den nächsten Tag, einem der Höhepunkte der gesamten Reise.
In Pucon angekommen beziehen wir ein kleines Hotel und schlendern durch das Touristenörtchen. Gott sei Dank ist hier noch keine Saison, und der Trubel hält sich in Grenzen. Das Wetter ist sehr gut, nur der Vulkan ist immer noch nicht zu sehen. Aber am Spätnachmittag verschwinden die Wolken langsam, und wir staunen bei dem Anblick dieses Berges in unmittelbarer Nähe der Stadt. Um 19 Uhr ist ein Treffen beim Veranstalter der Vulkanbesteigung angesagt, um sich gegebenenfalls die fehlende Ausrüstung - vor allem schneesichere Schuhe - zu leihen, und den Tourpreis von 50 Euro zu bezahlen.
Beim Abendessen stürmen dann einige aus der Gaststätte. Der Vulkan ist jetzt fast frei und von der Sonne in rötliches Licht getaucht. Das lässt für den nächsten Tag hoffen und muss fotografiert werden.
 
10. Tag Samstag
Heute heißt es sehr früh aufstehen. Nach einem Frühstück, das sich im Nachhinein als das schlechteste der ganzen Reise herausstellen wird, müssen wir bereits um 7:10 Uhr bei der Agentur sein, um die Ausrüstung in Empfang zu nehmen, die da wäre: Gamaschen, Überhose, Schuhe, Windjacke, Eispickel, Steigeisen (wurden lt. Auskunft noch nie benötigt) und Handschuhe. Dann fahren wir zur Skistation am Vulkan. Unterwegs gibt es noch einen Halt an der letzten Toilettenanlage für die nächsten 7 Stunden, was bei den Damen wegen der vielen Hosen zu einem größeren Stau führt. Die ersten Höhenmeter werden mit einem Sessellift überbrückt. Als es dann losgehen soll, herrscht große Verwirrung. Die Tourleitung entscheidet, dass die Bedingungen eine Besteigung ohne Steigeisen nicht zulassen. Dass diese wirklich noch nie verwendet wurden, erkennen wir daran, welche Probleme selbst die Guides bei der Anpassung der Eisen an die Schuhe haben.
Es ist keine Wolke am Himmel, als es endlich losgeht. Die Sonne brennt, aber es ist nicht sehr warm, doch 1.400 teils steile Höhenmeter liegen vor uns, und lassen uns doch ganz schön schwitzen. Als wir nach 4 Stunden den Gipfel erreichen, sind wir alle ziemlich erschöpft. Es ist schon grandios; im Eis zu stehen, und auf die brodelnde und spuckende Lava im Vulkanschlund zu schauen - fantastisch!! Die Aussicht ist überwältigend, aber der Wind und die Kälte in 2.840 m Höhe, lassen uns doch recht zügig den Rückweg in Angriff nehmen. Normalerweise geschieht das auf dem Hosenboden sitzend, indem man über Schneerinnen abrutscht, aber, da der Schnee immer noch ziemlich fest ist und damit für ein Abfahren zu gefährlich, müssen wir mit den Steigeisen absteigen. Erst im letzten Viertel können wir dann abfahren, so dass wir statt um 15 erst um 17 Uhr wieder an der Agentur sind.
Zurück ins Hotel, dann duschen und noch zu einem Italiener zum Essen; das ist das Programm für den restlichen Tag. Müde und auch etwas erschöpft fallen die meisten ins Bett, aber mit dem Gefühl, einen großartigen Tag erlebt zu haben.
 

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