D R U C K V E R S I O N 
 

Bolivien - Chile - Argentinien

Eine Reise zu den Farben der Atacamawüste und der Anden

Eine Kondor-Tours Reise
1. Oktober - 29. Oktober 2004

Ein Reisebericht von Kurt.Merkert@web.de



 

Nachdem ich letztes Jahr in Island war, und ich dort nordisches Wetter erleben durfte, sollte es dieses Mal nur Sonne sein. Da ich schon immer die Faszination einer Wüste kennen lernen wollte, gleichzeitig aber auch die Berge liebe, fiel die Wahl der richtigen Wüste sehr schnell auf die Atacama in Südamerika, denn dort liegen die Anden als Hochgebirge direkt daneben. Als mir dann auch noch mein ehemaliger Reisepartner Benni eine Kondor-Reise "In die Welt der Anden" empfahl, war die Buchung nur noch Formsache.


 
Lamaherde vor dem Vulkan Licancabur
 
Landschaft bei San Pedro de Atacama

 
1. Tag Freitag:
Gegen 16 Uhr bringt mich ein Kollege direkt von der Arbeit zum Frankfurter Flughafen, wo ich am Schalter von LAN Chile noch sieben weitere Mitreisende treffen soll. Vier weitere sollen in Madrid zusteigen. Bis dorthin verläuft der Flug völlig problemlos. Die Auswahl des Abendessens wird uns abgenommen, es gibt nur Chicken. Gegen 21:30 Uhr heißt es im Transitbereich des Madrider Flughafens: eine Stunde Aufenthalt, die wir zum Suchen der restlichen Reiseteilnehmer nutzen. Hier lerne ich auch die außer mir einzige Alleinreisende der Gruppe kennen. Sie kommt aus Hamburg und soll für vier Wochen meine Buspartnerin sein.
 
2. Tag Samstag:
Nach dann letztendlich doch 2 Stunden Aufenthalt starten wir mit dem gleichen Airbus zum 13stündigen Direktflug, einem der längsten, den es überhaupt gibt, nach Santiago. Der Flieger ist jetzt total ausgebucht. Um 8 Uhr landen wir in Santiago. Pass- und Zollformalitäten werden sehr schnell von den Chilenen abgewickelt - das soll im Laufe der Reise noch anders werden -, doch bei einer Mitreisenden aus München fehlt das Gepäck. Da wir direkt weiterreisen, wird sie es frühestens in vier Tagen bekommen können. Um 10 Uhr geht es mit dem nächsten Flieger pünktlich weiter nach Arica. Kurz nach dem Start gibt es einen Imbiss - Frühstück hatten wir vor der Landung in Santiago bekommen. Nach kurzem Flug gibt es eine Zwischenlandung in Copiapo. Zusteigen tut niemand, aber nach dem Neustart gibt es schon wieder Essen. Wer dies annimmt, muss sich beeilen, denn in Iquique gibt es eine weitere Zwischenlandung mit demselben Ritual. Um 14 Uhr sind wir dann endlich in Arica. In Deutschland ist es jetzt 20 Uhr, und ich bin mittlerweile 33 Stunden auf den Beinen. Wir werden in ein Hotel gebracht, doch die gedachte Ruhe wird durch einen Animateur am Pool lautstark verhindert. Also immer noch nichts mit Schlafen: stattdessen an den Strand und in die Stadt, sodass wir dann abends wirklich todmüde ins Bett fallen.
 
3. Tag Sonntag:
Im Anflug auf
La Paz
Das Häusermeer
von La Paz
Um 8 Uhr gibt es ein Frühstücksbuffet. Dies wird von Minute zu Minute besser, denn so früh ist man in chilenischen Hotels sonntags nicht auf Gäste eingestellt. Um 10 Uhr werden wir abgeholt und zum Flughafen gebracht. Es wird die schnellste Abfertigung, die ich je auf einem Verkehrsflughafen hatte. Es gibt nämlich nur diesen einen Flug heute Morgen. Er ist fantastisch und führt über einen wolkenlosen Himmel vorbei an schneebedeckten Vulkanen über die Anden in 45 Minuten nach La Paz in Bolivien.
Hier treffen wir vor dem Flughafen unsere Reiseleiter Heidi und Ralph mit ihrem spezial umgebauten Mercedes LKW-Bus. Anfangs merkt man die Höhe von 4.100 m des höchst gelegen Zivilflughafens der Erde noch nicht richtig, doch spätestens beim Verladen des Gepäcks in den LKW-Bus machen Herz und Lunge darauf aufmerksam, in welcher Stresslage sie sich befinden. Nach kurzem Begrüßungsfrühstück und einer Einweisung in die Details unserer fahrbaren Unterkunft für die nächsten 4 Wochen geht es in den Talkessel von La Paz. Wir wollen möglichst schnell viel Höhe verlieren, um die Akklimatisation zu erleichtern, doch schnell ist gut gesagt. Eine Stunde benötigen wir, um den Stadtkern zu durchfahren. Das ist ein Gewimmel, und heute ist Sonntag! Wir landen in einem Hotel, das einem Schweizer gehört und auf 3.400 m liegt.
Im Val de Luna
Am Nachmittag unternehmen wir von dort aus eine einstündige Wanderung in das Val de Luna (Mondtal) mit seinen bizarren Gesteinsformationen, die ein bisschen an Südtiroler Erdpyramiden erinnern. Obwohl wir langsam gehen, kommen wir bei jeder kleinen Steigung ins Schnaufen. Um 19 Uhr ist Abendessen angesagt. Bis dahin haben sich bei einigen pünktlich Kopfschmerzen eingestellt. Die Eingewöhnungszeit auf diese Höhe ist einfach zu kurz. Bei mir ist es so schlimm, dass ich außer einer Suppe nichts von der ausgezeichneten Schweizer Küche - in Bolivien - zu mir nehmen kann. Die Nacht verbringe ich mit Kopf- und Magenschmerzen mehr schlecht als recht.
 
4. Tag Montag:
Hier wohnen die
besser Gestellten ---
--- und so wohnt
die Mehrheit
Ich gehe noch zum Frühstück, doch danach höre ich auf meinen Körper, der mir ganz klar befiehlt, die Stadtbesichtigung ausfallen zu lassen, auch wenn ich der Einzige bin, der nicht teilnehmen wird. Von Heidi bekomme ich Medikamente gegen die Höhenkrankheit und schlafe dann bis 2 Uhr mittags durch, um danach fast ohne Beschwerden noch einen längeren Spaziergang in die Umgebung des Hotels zu unternehmen. Beim Abendessen erzählen dann die anderen, dass es die richtige Entscheidung von mir war, diesen Tag so zu gestalten. Der Lärm und Smog der Stadt war für sie schon kaum zum Aushalten und alle sind froh, dass es morgen aus diesem Moloch heraus gehen soll, obwohl La Paz als Stadt mit dem größten Anteil indianischer Bevölkerung Südamerikas sehr interessant ist. Heute Abend ist es umgekehrt; mir schmeckt das Essen, dafür haben einige der Gruppe dieses Mal Kopfschmerzen.
 
5. Tag Dienstag:
Grabtürme
auf dem Altiplano
Landschaft der
bolivianischen Puna
Heute haben wir eine Strecke von 390 km vor uns, und es soll sehr viel zu sehen geben. Deshalb ist bereits um 5:15 Uhr Wecken, 6 Uhr Frühstück und um 6:45 Uhr Abfahrt. Durch unsere frühe Abfahrt kommen wir gut durch das Zentrum von La Paz und hinauf auf die Hochebene der Puna (in Peru heißt das Altiplano).
Nach einem ersten Halt bei alten Begräbnistürmen nähern wir uns Boliviens höchstem Berg, dem Nevado Sajama 6.542 m im gleichnamigen Nationalpark. Zu unserer Enttäuschung ist er nicht wolkenfrei. Wir haben einen von ganz wenigen Tagen im Jahr erwischt, wo es hier keinen blauen Himmel gibt. Als dann auch die Vulkane des Lauca-Nationalparks erscheinen, sinkt die Stimmung, denn auch hier gibt es viele Wolken.
Kirche in Sajama
Nevado Sajama
6.542 m
Da wir aber bis dahin noch über die Grenze nach Chile müssen, und dies mit Sicherheit einen längeren Aufenthalt bedeutet, hoffen wir, dass das Wetter noch besser wird. Zuerst wird aber noch an unserem Reisegefährt zu Mittag gegessen. Was an Vorräten übrig bleibt, müsste vernichtet werden, da man keine Lebensmittel nach Chile einführen darf. Wir geben deshalb die restlichen Vorräte an einem kleinen Militärstützpunkt ab. Die Freude der Soldaten ist riesig; ihre Verpflegung ist alles andere als gut.
Der Grenzübertritt verläuft außergewöhnlich schnell. Das Handgepäck wird durchleuchtet, aber der Bus nur kurz durchsucht. Vielleicht ist es den Grenzern zu ungemütlich, denn nun hat es sich nicht nur noch mehr zugezogen, sondern es fängt sogar an zu schneien.
Auf chilenischer Seite sind wir nun im Lauca-Nationalpark. Bei diversen Halts kommen die Fotoapparate voll zum Einsatz. Vicuñas (Wildform der Lamas), Viscachas (sehen aus wie Hasen, aber mit langem Schwanz), Flamingos, Andengänse und immer wieder die Landschaft mit den großartigen Vulkanen Parinacota (6.342 m) und Pomarape (6.250 m) stellen trotz des nicht so freundlichen Wetters super Fotomotive dar. Am Lago Chungara erreichen wir mit 4.570 m den höchsten Punkt der ganzen Reise. Dank der Medikamente von Heidi, der Reiseleiterin, fühle ich mich wie gedopt. Den anderen geht es nicht so gut.
Vicuñas
 
 
Einer von wenigen
Tagen im Jahr
ohne blauen Himmel
Viscacha
 
 
Vicuña vor dem
Nevado de Putre 5.825 m
Die Nevados
de Putre
 
Am späten Nachmittag erreichen wir unser heutiges Ziel Putre auf 3.600 m, wo wir ein Hotel beziehen. Ich mache noch einen kleinen Aufstieg, um den Sonnenuntergang am Nevado de Putre 5.825 zu fotografieren. Leider ist um 7 Uhr Abendessen angesagt, sodass ich schon wieder zurück muss, bevor die richtige Rotfärbung eintritt.
 
6. Tag Mittwoch:
Browningia
candelaris
Wie eine Oase
liegt das Tal da
An den heutigen Startzeiten, 6:45 Wecken, 7:30 Frühstück und 8:15 Uhr Abfahrt erkennt man, dass die Tagesstrecke nicht so groß sein kann. Da ich als Jüngster der Gruppe (bis auf zwei, befinden sich die anderen bereits im Rentnerstand), beim Gepäckverladen doch mehr zum Zuge komme, verhebe ich mich dabei, und zerre mir etwas in der Brust. Dies führt dazu, dass ich die nächsten Stunden kaum noch Luft bekomme, und das in dieser Höhe. So lasse ich die ersten drei Stopps heute ausfallen. Als dann aber die ersten Kakteen zu fotografieren sind, gibt es für mich kein Halten mehr. Wir kommen langsam tiefer und treffen auf das Valle de Lluta, ein Tal, das nun wie eine Oase inmitten reinster Wüstenlandschaft nach Arica führen wird. Es wird immer wärmer, je weiter wir kommen.
Ewiger Kampf zw.
Wüste und Vegetation
Wir fahren in Arica kurz in unser Hotel, das wir schon von unserem Zwischenaufenthalt während der Anreise her kennen. Agnes ist glücklich, dass inzwischen ihr Gepäck eingetroffen ist. Es geht direkt weiter; wir wollen das archäologische Museum von Arica besuchen. Auf dem Weg dorthin machen wir noch an einem Straßenimbiss halt. Heide hat dort für uns Empanadas (gefüllte Teigtaschen) vorbestellt. Die Qualität ist ausgezeichnet, nur werden wir durch die Lage an der Straße ziemlich eingestaubt.
Nach dem Besuch des Museums - es ist sehr klein, aber zeigt ausgezeichnet das Leben an der Küste von den Anfängen bis heute - fahren wir zum geschichtsträchtigen "Morro" hoch, mit sehr schönem Blick auf die Stadt, und dann kann jeder bis zum Abendessen die Stadt zu Fuß erkunden. Ich nutze die Gelegenheit, um Ansichtskarten zu kaufen. Diese gibt es hier komischerweise direkt auf dem Postamt. Ich will sie auch gleich schreiben, denn Heidi meint, aufgeben kann man auf dieser Reise die Karten nur in Arica und in San Pedro de Atacama.
Arica
Vor der Abfahrt zum Abendessen nutze ich noch das Internet, das in Chile von den meisten Hotels kostenlos zur Verfügung gestellt wird, und dann geht es in den Cyclo Pup. Dies soll ein sehr gutes Restaurant sein, doch können wir uns davon vorerst nicht überzeugen. Das Essen dauert und dauert, sodass wir einen neuen Begriff prägen; statt Brunch "Dinnbreak", denn wir befürchten allen Ernstes, dass hier Dinner und Breakfast zusammengelegt werden. Als dann auch noch einer von uns einen Zettel gereicht bekommt, dass eine gewisse Paola ihn sehr sympathisch finden würde und ihre Telefonnummer hinterlässt, tippen wir auf die Köchin - bei diesen Wartezeiten.
 
7. Tag Donnerstag:
Nachtreiher
am Pool in Arica
Geoglyphen
an der Panamericana
Als ich am Morgen um 6:15 Uhr auf den vor meinem Zimmer liegenden Pool schaue, bietet sich mir ein interessanter Anblick. Er wird von vier Rotkopfgeiern belagert, während die Schwimmübungen eines Kormorans von fünf Nachtreihern beäugt werden. In Ermangelung von Bäumen als Nachtquartier in dieser Wüstengegend müssen die Hotelanlagen als Ersatz herhalten.
Heute geht es auf der durchweg asphaltierten Panamericana durch die Atacamawüste nach Süden. Staub, Sand und Steine sind unser ständiger Begleiter durch die endlos erscheinende Wüste, die nur ein paarmal durch von den Anden querende grüne Täler unterbrochen wird. An den ersten Geoglyphen (mehrere hundert Jahre alte aus Steinen gelegte Bilder) machen wir Mittagsrast an unserem LKW/Bus. Das Essen brauchen wir nicht zu salzen, das macht schon der Wind, der hier fast patagonische Stärken erreicht.
Unser Bus/LKW
Der reinste
Luxus
Nachdem wir das Gewicht unseres Fahrzeugs durch aufgesammelte Salpetersteine erhöht haben, geht es weiter. Überhaupt unser Gefährt, ist es ein Bus oder ein LKW? Diese Frage sollte bald beantwortet werden. Auf der fast verkehrsfreien Straße werden wir wie aus dem Nichts von einer Polizeistreife angehalten. Wir sind zu schnell gefahren. Doch nun wird der LKW der Polizei gegenüber als Bus deklariert, da dieser statt siebzig hundert km/h fahren darf. Nun wissen wir es.
 
Den nächsten Stopp gibt es bei zwei verlassenen Geisterstädten aus der Blütezeit der Salpetergewinnung, Humberstone und Santa Laura.
Ghost town
Humberstone
Wir durchstöbern die im Wind vor sich hin verfallenden Anlagen, die aber immer noch einen guten Eindruck zulassen, wie schlimm die Arbeits- und Lebensbedingungen hier gewesen sein müssen, obwohl es sogar ein Schwimmbad und ein Theater gab, bevor die Städte Ende der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts aufgegeben wurden.
Schwimmbad
in Humberstone
Weiter geht es zum ersten Campingplatz der Reise im "Reserva Nacional Pampa del Tamarugal", einem Reservat zur Wiederaufforstung der Tamarugalbäume, die früher fast alle als Brennstoff für die Öfen der Salpetergewinnung abgeholzt wurden. Als wir den Campingplatz erreichen, ist dieser wegen Reparatur geschlossen.
Produktionsanlage
in Santa Laura
Es bleibt uns nichts anderes übrig, als mittels Zange die Drahtabsperrung zu zerschneiden und in den Campingplatz einzubrechen. Wir haben sehr schöne Stellplätze für die Zelte, zwar keine Duschen und Toiletten, dafür sind wir aber allein. Allein, aber nur bis zum Abendessen, weiß der Teufel, wie alle Hunde der Gegend herausbekommen haben, dass hier etwas für sie abfallen könnte. Ralph, unser Fahrer und Reiseleiter, grillt Unmengen von Rindersteaks und Würstchen. Es schmeckt so gut, dass man viel mehr isst, als eigentlich gut wäre. Dies wird sich für mich zum einzigen Problem der Reise entwickeln. Kalt ist es hier nicht, sodass wir in der klaren Luft den einmaligen Sternenhimmel voll genießen können, bis wir zum ersten Mal in die Zelte kriechen.
 
8. Tag Freitag:
Geoglyphen
am Salar de Pintados
Salar de Pintados,
knochenharte
Salpeterwüste
Um 6 Uhr morgens sind fast alle munter, da es die erste Zeltnacht war, und die Helligkeit einen einfach aufweckt. Heute soll es ein langer Fahrtag werden. Doch gleich am Anfang gibt es einen Stopp. Wir fahren in den Salar de Pintados eine riesige Salpeterpfanne hinein, an deren Rand sich Berghänge erheben, die über und über mit Geoglyphen bedeckt sind. Wir haben Zeit, sie bei einer kleinen Wanderung zu erkunden. Ich möchte nicht den gleichen Weg zurückgehen und entschließe mich, durch die Salpeterwüste abzukürzen. Es ist fast erschreckend festzustellen, wie unter den Füßen die Salpeterplatten Geräusche erzeugen. Die Hitze und die Trockenheit in dieser absolut lebensfeindlichen Gegend haben sie auf Spannung zusammengebacken.
Einwohnerzahl 1
hier liegen die
restlichen Einwohner
Etwas weiter machen wir bei dem letzten Überlebenden eines Salpeterwerks halt. Er ist 82 Jahre alt und hat unter das Ortsschild schreiben lassen "1 Einwohner". Er lebt von dem, was ihm die paar Touristen, die hier vorbeikommen, abkaufen. Keine 500 m weiter gibt es einen Friedhof, den man gesehen haben muss. Wir fühlen uns hier wie in einem Western und warten darauf, dass jeden Augenblick John Wayne vorbeikommt.
Danach geht es ohne Pause bis zur Mittagsrast weiter. Diese halten wir am Rio Los dem einzigen immer Wasser führenden Fluss der Atacama. Aber es ist mehr ein Bach als ein Fluss. Noch ein kurzer Halt an einem Truckstopp, Glück hat hier, wer nicht die interessante Toilettenanlage benutzen muss, und dann fahren wir bis fast an den Rand der Welt größten Kupfermine Chuquicamata. Leider darf man nicht näher heranfahren, und inzwischen haben wir auch erfahren, dass der für den nächsten Tag geplante Besuch der Mine ausfallen muss. Die Minengesellschaft macht am Wochenende keine Führungen mehr. Da das schon im vergangenen Jahr so war, sollte dieser Punkt aus dem Reiseprogramm gestrichen werden.
Am Rio Los
So fahren wir direkt ins Hotel in Calama. Dort haben wir Freizeit bis um 19:45 Uhr. Dann soll es zum Essen gehen. Doch zuerst gibt es noch eine unangenehme Nachricht; man hat unseren Bus aufgebrochen, glücklicherweise war Ralph so rechtzeitig erschienen, dass nichts gestohlen werden konnte. Doch das bedeutet für den nächsten Tag einen halben Tag Aufenthalt, da Ersatz für die kaputte Scheibe erst aus Antofagasta angeliefert werden muss. Trotzdem lassen wir uns das Abendessen im Restaurant "Bavaria" nicht vermiesen. Das Essen und das Bier sind ausgezeichnet, ich meine sogar besser als im echten Bayern. Ich habe mich für ein so genanntes Arbeiteressen entschieden und bekomme nun doch einen Eindruck, wie hart die Arbeiter im Bergwerk arbeiten müssen, so riesig sind die Portionen.
 
9. Tag Samstag:
Ruinen von Pucara
Ein Tor
aus Kakteenholz
Heute haben wir bis Mittag Zeit, bis der LKW/Bus repariert ist. Nach dem Frühstück gehe ich in die Stadt, doch Calama beginnt erst um 10 Uhr aufzuwachen, wenn die ersten Geschäfte öffnen. Die Stadt gibt nicht viel her. Wenn man drei Straßen gesehen hat, kennt man alle fünfzig anderen. Es ist eine reine Industriesiedlung. So verbringe ich die Zeit auf dem einzigen Platz mit etwas Grün, bis es um 1 Uhr in die nähere Umgebung geht.
Wir fahren nach Lasana und besichtigen die große Ruinenanlage Pacara aus der Zeit der Atacamakultur. Die Anlage liegt am Rande einer großen Schlucht, in der Ackerbau noch wie zu Urzeiten mit Pferd und Holzpflug betrieben wird. Dafür haben die Toilettenanlagen bei der Ruine aber 5 Sterne verdient.
Kirche in Chiu Chiu
Ein weiterer Aufenthalt dient dem Dorf Chiu Chiu. Es hat eine sehr schöne Adobe Kirche mit einer Kakteenholzdecke und ist noch ziemlich ursprünglich; vor allem gibt es kaum Touristen. Es hat noch nicht den gleichen Ruf wie San Pedro de Atacama, das am nächsten Tag unser Ziel sein wird. Als Bonbon gibt es dann noch einen Abstecher zu einem See, aber was für einen. Mitten in der Wüste, wo niemand so etwas erwartet, gibt es ein großes Loch mit bestem Süßwasser. Forschungen haben ergeben, dass die Tiefe mindestens 700 m beträgt.
Grundwasserlagune
bei Chiu Chiu
Leider herrscht hier so ein Sturm, dass wir nur kurz herumlaufen können, und jeder von uns verzweifelt versucht, seinen Fotoapparat vom herumwehenden Sand frei zu halten.
Am Abend besuchen wir wieder unser schon bekanntes "Bavaria" Lokal, wieder mit den riesigen Portionen. Was wir nicht schaffen, wird für die unzähligen herumstreunenden Hunde mitgenommen. Heute findet auf dem Platz vor der Kirche ein Wettkampf verschiedener Musik- und Tanzgruppen statt. Weder Musikkapellen noch Tänzer werden müde. Zu immer gleichen Rhythmen, bewegen sie sich fast in Ekstase. Das Ende können wir nicht abwarten, da wir vor Müdigkeit zurück ins Hotel wollen. Diese Kondition haben wir einfach nicht.
 
10. Tag Sonntag:
Wüste bei Calama
Kirche in
San Pedro
Um 6:15 Uhr ist Aufstehen angesagt, und das am Sonntag. Zu allem Überfluss war die Nacht auch noch eine Stunde kürzer. Heute ist Zeitumstellung auf Sommerzeit. Doch auch das hat seine Vorteile. Durch die gewonnene Stunde sind die Farben zum Fotografieren besser. Man kann durch die Hitze praktisch nur am frühen Morgen und frühen Abend gut fotografieren.
Wir sind dadurch sehr früh in San Pedro de Atacama und wollen zuerst das archäologische Museum besuchen. Doch auch dort hat man Probleme mit der Zeitumstellung, und es ist noch nicht geöffnet. Heidi nutzt das, uns den Dorfbriefkasten der daneben liegenden Post zu zeigen. Das ist auch notwendig, wir hätten den nie als Briefkasten erkannt. Das Museum bestätigt seinen ausgezeichneten Ruf und zeigt anschaulich die Entwicklungsgeschichte in der Atacama. Besonders angetan hat es uns die Miss Chile xx Jahre vor unserer Zeit, eine weibliche Mumie, die in bestem Zustand erhalten ist.
Miss Chile vor
unserer Zeit
2stühliges Straßencafé
in San Pedro
Anschließend können wir noch die City durchstreifen, die von Läden für Touristen nur so wimmelt. Doch sind deren Verkaufsartikel nahezu identisch, sodass der Besuch ein paar weniger Läden ausreicht. Interessanter ist die weiße Adobe Kirche San Pedro, aus der heute am Sonntag herrliche Chormusik weit über den Vorplatz klingt. Leider stellt sich beim Betreten der Kirche heraus, dass die Musik nur aus einer Stereoanlage kommt. Dann treibt uns aber doch der Hunger zum Zeltplatz, wo vor dem Mittagessen noch die Zelte aufzubauen sind. Es ist dies ein Grasplatz, die sanitären Anlagen sind in Ordnung, und das soll auch so bleiben; wir sind die einzigen Gäste. Den frühen Nachmittag verbringen die meisten von uns mit Kartenschreiben. Jeder will die Karten noch einwerfen, da es sonst keine Möglichkeit vor Santiago mehr geben soll. Also nichts wie hin zu diesem besagten Briefkasten. Dort treffe ich Hans und Gerda, die die Post gerade eingeworfen haben. Bei dem Versuch, es ihnen gleich zu tun, werde ich von einem Einheimischen darauf aufmerksam gemacht, dies sei der Kasten einer Behörde, die Post sei umgezogen. Alle Versuche wieder an die Karten zu kommen scheitern, und auch die Hoffnung jemand würde am Montag die Karten in den richtigen Briefkasten werfen, sind nicht von Erfolg gekrönt - Behörde, Beamten - das kann einfach nicht klappen. Keine der Karten wird Deutschland je erreichen.
Mittagsrast
in San Pedro
Im Tal des Todes
 
 
Wann hat es hier
das letzte Mal
geregnet?
Valle de la Luna
(Mondtal)
 
Jetzt wissen wir,
woher der Begriff
'Wanderdüne' stammt
Um 4 Uhr fahren wir in das nahe gelegene Tal des Todes mit seinen bizarren roten Felsformationen. Je weiter man in das Tal hineinwandert, umso mehr und schönere Sanddünen gibt es. Wir sind jedoch etwas zu früh, auch wegen der Zeitumstellung. Die Sonne steht noch zu hoch, um die Farben richtig glühen zu lassen. Aber wir wollen den Sonnenuntergang ja noch im Valle de la Luna (Mondtal) erleben. Die Fahrt dorthin wird von mehreren Stopps unterbrochen, die jeweils fantastische Ausblicke auf stetig wechselnde Landschaftsformen erlauben. Den Sonnenuntergang erleben wir dann mit mehreren hundert Touristen, die alle das gleiche berühmte Foto schießen wollen. Die meisten wandern eine Sanddüne hinauf, daher kommt wohl der Begriff Wanderdüne, und sitzen oben aufgereiht wie auf der Hühnerleiter. Leider gibt heute der Sonnenuntergang nicht ganz das her, was die vielen Ansichtskarten zeigen. Wir halten uns etwas abseits und leeren als "Sundowner" 2 Flaschen Pisco Sour, was den Abstieg doch erheblich lustiger gestaltet.
 
Vulkan
Licancabur
Vulkan Licancabur
im letzten Licht
Wieder zurück auf dem Campingplatz, geht es sofort in den Ort zum Abendessen, das wiederum sehr gut ist, und um 21:30 Uhr kriechen wir in die Zelte, für eine kurze Nacht, denn um 3:15 Uhr ist Wecken. Es soll zu dieser unchristlichen Zeit zu den Geysiren von El Tatio gehen. Doch die Nacht wird noch viel kürzer als gedacht. Beim Verlassen der Gaststätte hatten wir schon bemerkt, dass sehr viel Betrieb herrscht. Zur Entdeckung Amerikas durch Kolumbus sind vier aufeinander folgende Feiertage angesagt. Dann beginnt um 22 Uhr eine Disco neben dem Campingplatz. Bis 2 Uhr in der Frühe macht keiner von uns ein Auge zu, und die Chilenen feiern bis zum frühen Morgen in den Privathäusern weiter, was wir aber nicht erleben, denn um 3:15 Uhr ist ja Aufstehen.
 
11. Tag Montag:
Das Anziehen dauert heute etwas länger als sonst, nicht wegen der frühen Uhrzeit, sondern weil als Kleidung Zwiebelsystem angesagt ist. Jeder zieht diverse Lagen übereinander an. Von Eiseskälte bis Hitze soll es heute alles geben. Um 4 Uhr nehmen wir im kleinen Bus eines örtlichen Reiseveranstalters die 100 km zum Geysirfeld El Tatio, das auf 4.150 m Höhe liegt, in Angriff. Die Strecke führt bei völliger Dunkelheit über eine Schotterpiste. Wenn diese zu holprig wird, wird querfeldein dahingerast. Es wird immer kälter im Bus, und als wir nach 2 ½ Stunden ankommen, haben wir eine Außentemperatur von -10° C. Um uns herum zischt, dampft und stinkt es im wahrsten Sinn des Wortes atemberaubend.
Während unser Guide im Geysir Eier kocht und die gefrorene Milch auftaut, versuchen wir, die ersten Fotos noch bei Dunkelheit zu machen. Doch bei fast allen von uns beginnen die Kameras verrückt zu spielen. Ich fotografiere einfach weiter, auch wenn das Display nichts mehr anzeigt.
Geysirfeld
von El Tatio
Die ersten
Sonnenstrahlen
 
 
Eier kochen auf
ganz besondere Art
 
Frühstück
bei -10°C
 
 
Geysir in El Tatio
 
 
 
Das Wasser ist angenehm warm
 
 
Man weiß gar nicht, was man zuerst fotografieren soll, die hohen Dampfsäulen, die blubbernden Löcher, oder unsere frierende Gruppenteilnehmer, die alle zum Frühstück eilen, da man sich da mit den gekochten Eiern die Hände wenigstens etwas wärmen kann. Als dann die Sonne aufgeht, werden die Farben noch spektakulärer, doch beginnen die Dampfsäulen - den physikalischen Gesetzen folgend -, in den Sonnenstrahlen in sich zusammenzufallen. Bei schnell steigenden Temperaturen - 0° C sind für uns nun schon warm - schlendern wir zu einem Badepool. Die nun folgende Szene darf keineswegs als typisch angesehen werden; nur die Frauen aus unserer Gruppe gehen ins Wasser, kein Mann!
Die sich anschließende Rückfahrt wird eine wahre Genussfahrt. Mit viel Zeit für viele Fotostopps geht es über eine grandiose Hochebene mit einer in ihrer Kargheit erstaunlich reichhaltigen Tierwelt. Wir sehen 2 Nandus, Vicuñas, Flamingos, Andengänse und bei der Ortschaft Machuca mit ihrer schönen Adobe Kirche auch sehr schön geschmückte Lamas. Die den Hintergrund bildenden Vulkane, die im Vordergrund liegenden Seen, Kakteen wohin man schaut, für mich entsteht der Eindruck, in San Pedro könnte man ohne weiteres zwei Wochen verbringen.
Immer wieder beeindruckend
die endlose Weite
Lamahengst
 
 
Kirche in Machuca
 
 
Flamingos
vor dem Licancabur
 
Säulenkaktus
vor dem Licancabur
 
Gegen 13 Uhr, - inzwischen bei Hitze - erreichen wir wieder unseren Campingplatz. Nun steht Duschen an. Wer warmes Wasser möchte, muss bis 5 Uhr warten, doch bei dieser Hitze ist kaltes Duschen richtig angenehm. Für den Rest des Tages haben wir nichts mehr vor. Heute Abend wird selbst gekocht. Es gibt Seehecht mit Reis und Sesam in Kokosmilchsauce. Nach der vergangenen kurzen Nacht gehen alle früh in die Zelte mit einer gewissen Skepsis, was die Nachtruhe betrifft, wenn man an den zweiten Feiertag denkt.
 
12. Tag Dienstag:
Salar de Tatar
Flamingos
im Salar de Tatar
Die Chilenen sind auch nicht das, was man nach der ersten Nacht hätte erwarten können. Vier Feiertage hintereinander, aber schon nach dem ersten Tag machen sie schlapp. So haben wir bis zum Wecken um 5:30 Uhr eine ruhige Nacht. Unter einem fantastischen Sternenhimmel werden die Zelte abgebaut. Wir frühstücken noch im Dunkeln, dann fahren wir direkt los. Es soll heute über die Grenze nach Argentinien gehen. Die Grenze, das ist so eine Sache. Sie befindet sich auf dem Sico Pass in 4.079 m Höhe. Da es sich dort oben schlecht leben lässt, haben die Chilenen die Grenzformalitäten einfach an den Ortsausgang von San Pedro de Atacama gelegt, noch 210 km vor der Grenze.
Lagune de Tuyajito
Landschaft vor
dem Sicopass
Durch unsere frühe Abfahrtzeit sind wir die Ersten und werden zügig abgefertigt. Dann geht es los. Immer die riesige Fläche des Salar de Atacama zur Rechten und die linke Seite von schneebedeckten fast 6.000 m hohen Vulkanen flankiert, ist die Weite der Landschaft großartig. Heute verlangt alle paar Minuten einer nach einer Allzweckpause (Pinkelpause, die zum Fotografieren umfunktioniert ist). Da wir heute 370 km vor uns haben, davon 270 km auf Schotterpiste, hätte Ralph sonst nicht so oft angehalten. Dann treffen wir auf den Salar de Talar. Es ist dies der erste Salar, der auch salziges Wasser enthält. Er liegt wunderschön zwischen den Bergen und wird von rosa Flamingos bewohnt. Noch eine Lagune, die silberglänzende Laguna de Tuyajito, und dann schlängelt sich die Piste zum Sico Pass hoch.
 
Grenze am Sico Pass
Die Grenze wird durch ein Eisengerüst markiert, sonst ist nichts zu sehen. Die argentinische Grenzstation liegt 15 km weiter und damit ein ganzes Stück tiefer. Wir machen direkt auf der Grenze Mittagsrast. Das Essen müssen wir allerdings im Bus zubereiten. Draußen weht ein Sturm, der sich nur zum Trocknen der Zelte eignet, die heute früh noch nicht trocknen konnten. Da es im Bus sehr eng ist, verkneifen sich Urli, Manfred und ich die Küchenhilfe, und wir wandern schon zu Fuß nach Argentinien ein. Doch noch vor der Grenzstation werden wir vom Bus aufgelesen. An der Grenzstation, hier sind in einer Baracke 12 Männer und ein Fernseher untergebracht, geht die Abfertigung zu unserer aller Überraschung recht zügig. Seit drei Tagen ist hier kein Fahrzeug mehr vorbeigekommen, (der Hauptverkehr fließt über den nördlich gelegenen Paso Juma) und nach einer halben Stunde ist alles erledigt.
 
Was ist hier los?
Wegen des Sturms
muss das Essen
im Bus zubereitet werden
Nun in Argentinien, geht es noch mehrere Stunden, teilweise im Schritttempo, über staubige Pisten bis nach San Antonio des los Cobres, wo wir ein kleines Hotel beziehen. Hier ist große Entstaubungsaktion angesagt. In den Ort will keiner mehr, auf 3.770 m Höhe ist es inzwischen empfindlich kalt, und außerdem weht der Wind immer noch in Sturmstärke. Vor Staub sieht man kaum etwas, und so freut sich jeder auf das erste Abendessen in Argentinien. Es schmeckt sehr gut, die Portionen sind riesig, hier nur eine Aufzählung des Nachtischs: Käse mit Marmelade, Mais mit Marmelade (wie Polenta), Karamellpudding und Pfannkuchen. Wer zum Essen Bier trinken will, das übrigens sehr gut ist, muss aufpassen, die Flaschengröße beträgt in Argentinien 1 Liter.
 
13. Tag Mittwoch:
Heute ist erst um 7 Uhr Aufstehen, doch vor dem Frühstück gibt es noch Frühsport. Für die Reserveradaufhängung war die Schotterpiste gestern zu viel. Sie ist gebrochen, und wir müssen das 110 kg schwere Rad auf das Gepäckfach hoch wuchten.
Hier lebt eine
fünfköpfige Famile
Salar Grande
Wir fahren über die Hochebene Richtung Salar Grande. Einen ersten Halt machen wir bei einer Bauernfamilie, die Ralph und Heidi kennen. Hier wird uns richtig bewusst, unter welch harten Lebensbedingungen die Menschen hier leben. Zu den Nachbarn sind es zig Kilometer, ein Auto kann man sich nicht leisten, und für den Arztbesuch braucht man zwei Tage. In Argentinien herrscht Schulpflicht, doch ich frage mich, ob die Menschen das hier wissen.
Dann geht es mit dem LKW/Bus direkt auf die riesige Fläche des Salzsees (2-fache Größe des Bodensees). Leider trifft das uns angekündigte "weißer als Persil" nicht zu. Durch den vorangegangenen Sturm sehen die einzelnen Salzformationen wie mit Zimt bepudert aus. Die Dicke des Salzes beträgt 7 Meter und hat damit genügend Tragkraft sogar für unser schweres Gefährt. Da es in dieser Gegend kaum eine andere Arbeit gibt, wird das Salz aus speziell gegrabenen Becken abgeschöpft. Wir machen Mittagsrast direkt auf dem See. Die Arbeiter haben aus Salz Tische und Bänke hergestellt, und nutzen unsere Pause, sich mit dem Verkauf von Salzfiguren etwas dazu zu verdienen.
Salzgewinnung ist
ein harter Job
Die Salzdecke trägt
sogar den LKW
Straße nach
Pumamarca
Anschließend fahren wir durch eine sich nun verändernde Landschaft. Es wird bergig und die Hänge sind mit Kakteen bewachsen. Zur Überraschung unserer Reiseleiter ist die Straße asphaltiert. Über einen 4.170 m hohen Pass erreichen wir Purmamarca. Wir haben auf der Abfahrt vom Pass schon bemerkt, dass hier fast jeder Berghang eine andere Farbe hat, doch Purmamarca übertrifft da alles. Während Heide die Essensvorräte auffüllt, wandert - besser gesagt spaziert - der Rest der Gruppe zum 7-Farbenberg. Ein Foto kann hier nur ansatzweise die Wirkung vor Ort wiedergeben. Es bleibt Zeit, den kleinen Indiomarkt zu besuchen, und sogar ein Cafébesuch ist noch möglich. Das haben wir alles der neu asphaltierten Straße heute zu verdanken.
mächtige
Säulenkakteen
Sieben-Farben Berg
in Pumamarca
Frisch gestärkt schaffen wir auch die Reststrecke zum Campingplatz in Tilcara. Dieser liegt "nur" auf 2.570 m Höhe, aber die Höhe macht uns inzwischen überhaupt nichts mehr aus. Das Duschen verkneifen wir uns heute Abend, denn es ist hier trotz der geringen Höhe sehr, sehr kalt. Zum Essen gibt es Spaghetti mit Tomatensauce, nach gestern heute etwas Einfaches, und dann suche ich mein Zelt auf. Doch an Schlaf ist vorerst nicht zu denken. Ist heute vielleicht ein deutscher Feiertag? Der Rest der Gruppe hat ein windgeschütztes Plätzchen entdeckt, und veranstaltet eine Weinprobe - lautstark mit Gesang. Ja, ja, aber sich in San Pedro über die Chilenen aufregen. Die Feier endet erst, als das Licht ausgeht.
 
14. Tag Donnerstag:
Als wir um 7:Uhr aufstehen, sind die Zelte mit einer dicken Reif- und Eisschicht bedeckt. Es ist so kalt, dass der Campingplatzbetreiber auch heute Morgen unser Duschwasser spart. Jetzt kann man auch feststellen, warum heute Nacht das Licht plötzlich ausging. Einem einsam auf dem Campingplatz weidenden Pferd hat wohl das Fell gejuckt, und bei dem Versuch, sich an dem die Stromzufuhr führenden Mast zu reiben, hat es diesen umgeworfen.
Trichocereus
pasacana
Wanderung in der
Teufelsschlucht
Heute geht es mit einer Wanderung 600 Höhenmeter aufwärts zu einer Schule. Sie liegt im Hochtal von Alfarcito, und der Pfad dorthin wird von blühenden Säulenkakteen begleitet, die je höher wir kommen, immer zahlreicher und größer werden. Neben uns befindet sich ein tiefes Tal, die Quebrada de Diablo (Teufelsschlucht), in die ein Teil der Gruppe absteigt, um bis zu einem Wasserfall zu gelangen, wo es dann nicht mehr weitergeht. Als wir die Bergschule erreichen, ist es fast Mittag. In der Schule werden 18 Kinder aus den weit verstreut liegenden Höfen dieser Gegend unterrichtet und beaufsichtigt. Mittags bekommen sie eine warme Mahlzeit. Die Lehrerin reist dazu jeden Tag 40 km!!! mit dem Fahrrad an, und hat dann noch einen einstündigen Aufstieg vor sich.
 
Hier machen wir auch unsere Mittagsrast. Durch diese Pause haben wir nicht bemerkt, wie heiß es inzwischen geworden ist. Das wird uns erst jetzt beim Abstieg so richtig bewusst. Weit und breit ist kein Schatten in Sicht, und die mitgeführten Getränke werden rapide weniger. Jeder versucht für sich, so schnell wie möglich wieder zum Campingplatz zu kommen. Ich bin einer der Letzten, da ich es mir nicht nehmen lasse, noch einige Fotos von den wunderschön blühenden Kakteen zu machen. Außer Nahaufnahmen kann man bei der Hitze keine guten Bilder machen. Diese Temperaturunterschiede! Wenn man bedenkt, morgens hatten wir Minusgrade, jetzt sind es 35° im Schatten.
Säulenkakteen über-
ziehen die Berghänge
wunderschöne
Kakteenblüten
Alle freuen sich auf dem Campingplatz auf Kaffee und Kuchen. Die Frau des Campingplatzbetreibers hat für uns eine Ananastorte gebacken. Nachdem wir gestern Abend und heute Morgen nicht geduscht haben, hat man unter dem Wasserbehälter ein Feuer entfacht, doch bei dieser Hitze duscht jetzt jeder kalt. Der restliche Nachmittag wird von den meisten für das Schreiben des Tourenberichts oder zum Telefonieren in die Heimat verwendet. In Argentinien kann man ausgezeichnet und preiswert telefonieren. Die meisten Geschäfte haben Telefonkabinen. Zum Abendessen gibt es heute ein Riesentopf voll Kartoffelsuppe. Die sollte noch ihre Wirkung zeigen. Der Bierkonsum der Gruppe ist nicht mehr ganz so hoch, die Riesenflaschen von vor zwei Tagen wirken noch nach. Heute gehen alle früh in die Zelte. Diese Nacht wird es keinen Frost geben. Dafür haben aber alle Hunde des Ortes gegen 2 Uhr nachts ein Konzert angesagt.
 
15. Tag Freitag:
Wecken ist um 6:30 Uhr. An einen Abbau der Zelte ist nicht zu denken. Sie sind viel zu nass. So beschließen wir, sie einfach stehen zu lassen, da wir von der Rückfahrt von Humahuaca, wo es heute hingehen soll, sowieso wieder in Tilcara vorbeikommen. Wir werden die Zelte dann abbauen und die Gelegenheit nutzen, auf dem Campingplatz noch einmal zu Mittag zu essen, bevor es dann nach Salta weitergeht.
Kolonialhaus
in Humahuaca
Wo sind die
Touristen?
Nun brechen wir aber erst mal nach Humahuaca auf. Die Fahrt dorthin führt durch die gleichnamige Quebrada. Das Tal ist sehr fruchtbar, und überall sieht man Kleinbauern bei der Feldarbeit. Humahuaca ist ein Weltkulturerbe der UNESCO, und man erkennt auch sofort warum. Die Bevölkerung der Kleinstadt ist überwiegend indianischer Abstammung, und das Stadtbild hat sein Flair aus der spanischen Kolonialzeit behalten. Die Stadt hat gepflasterte Straßen und Bürgersteige - wodurch es nicht so staubt - und besitzt sehr schöne Kolonialhäuser. Wahrzeichen ist das "Monumento a la Independencia" von 1924, das über der Stadt thront, und den indianischen Anteil am Unabhängigkeitskrieg von Spanien darstellen soll. Wir haben ausgiebig Zeit, alles zu durchstöbern und machen dann noch in Uquia an der Kirche "San Francisco de Paula" mit ihrem gold verzierten Altar und Heiligenbildern aus der Schule von Cusco halt.
 
Kind in Uquia
Zurück auf dem Zeltplatz, werden die Zelte abgebaut und die Reste der ausgezeichneten Kartoffelsuppe vertilgt. Dann fahren wir bis San Salvador de Jujuy, von wo aus eine für argentinische Verhältnisse beinahe Autobahn nach Salta führt. Wir biegen aber auf ein fast einspuriges asphaltiertes Sträßchen ab, das uns in wunderbaren Kehren bis nach Salta führen wird. Schon bei der Anfahrt nach San Salvador hat sich die Landschaft verändert. Die farbigen Berghänge mit ihren Kakteen sind einem Wald gewichen. Richtig, wir sehen erstmals auf dieser Reise ausgedehnten grünen tropischen Wald und dann gleich mit in vielen Farben blühenden Bäumen. Von roten Korallenbäumen bis blauen Jacarandas ist die ganze Farbpalette vorhanden. Am Boden erkennt man sogar im Vorbeifahren wunderschöne Orchideen. Dann kommt von jemand der Vorschlag, ein Stück an der Straße entlang zu laufen. Er kommt genau zur rechten Zeit, denn als wir halten, schaffe ich es gerade noch hinter den nächsten Busch - die Kartoffelsuppe war einfach zu viel.
Korallenbaum
(Erythrina)
Nach der Ruhe der Wüste fallen uns hier die Geräusche des Waldes so richtig ins Ohr. Am lautesten sind die Schwärme von Papageien, die über unsere Köpfe fliegen.
 
Als wir in Salta ankommen, wird noch an einem Künstlermarkt gehalten. Doch keiner hat mehr große Lust dafür, alle wollen ins Hotel, denn heute Abend ist Ausgehzeit. Es ist der Besuch einer argentinischen Peña, dem Gegenstück zum Tango in Buenos Aires, angesagt. Ich werde daran nicht teilnehmen, das ist nicht so meine Sache. Stattdessen will ich Wäsche waschen und die restliche Zeit einmal für mich nutzen. Die anderen werden wohl nicht vor 2 Uhr nachts zurückkommen.
 
16. Tag Samstag:
Kathedrale in Salta
In der Kathedrale
von Salta
Heute geht es mit Rücksicht auf die Peña Besucher erst um 9:45 los. Wir schlendern durch die Stadt zum Park San Martin, von wo aus wir mit einer Seilbahn auf den Hügel San Bernardo schweben. Außerhalb eines Hochgebirges eine Seilbahn zu benutzen, ist für mich immer irgendwie unwirklich, aber 350 Höhenmeter sind fast eine Stunde Fußmarsch. Von dort oben hat man einen sehr schönen Überblick über die 100.000 Einwohner zählende Stadt. San Bernardo ist als Parkanlage gestaltet mit viel fließendem Wasser und für uns exotischen Pflanzen, die hier aber heimisch sind. Wir laufen zu Fuß den Hang über 1.000 und ein paar Stufen zur Stadt zurück. Leider hat es hier vor einiger Zeit gebrannt, sodass man sich wie im Winter vorkommt, alle Pflanzen sind ohne jegliches grünes Blattwerk.
Balkon aus
spanischer Zeit
Kirche
San Francisco
in Salta
Wieder zurück in der Stadt, besuchen wir die Kirche San Francisco. Die Kathedrale hat bereits Mittagspause, und so entschließen auch wir uns, einen Italiener aufzusuchen. Der Nachmittag steht zur freien Verfügung, was ich zum Besuch eines Internetcafés und zur anschließenden Siesta nutze. Gegen 5 Uhr erwacht erst wieder das Leben in der Stadt. Ich möchte die Kirchen im Abendlicht fotografieren und mache schon mal ein paar Sicherheitsfotos. Diese Entscheidung sollte sich als richtig herausstellen, denn überraschend ziehen Wolken auf, und die Sonne lässt sich nicht mehr sehen. Nach einem Gang durch die Fußgängerzone Saltas, hier herrscht ein Gewimmel wie zu Hause zwei Tage vor Weihnachten, kann man von einem Café am Platz des 9. Juli aus das Treiben bestens beobachten.
Abends geht es dann noch mal zu einem Italiener. Typisch für Argentinien ist die späte Essenszeit. Vor 22 Uhr tut sich in den Gaststätten nicht viel. Bei den großen Portionen, die es hier immer gibt, kann man dann kaum einschlafen.
 
17. Tag Sonntag:
Teufelsschlucht
im Valle
de Lerma
Heute ist in Argentinien Muttertag. Da wir unser Fahrzeug erst um 9 Uhr aus dem gesicherten Parkbereich holen können, ist erst um 9:30 Uhr Abfahrt. Nach dem üppigen Frühstück, man könnte in zwei Minuten fertig sein, wenn die Kellner nicht zwanzig Minuten zur Vorbereitung bräuchten, bummeln Karin, Agnes und ich noch einmal durch die menschenleeren Straßen.
Dann geht es los Richtung Cafayate. Der Vormittag bringt nichts Außergewöhnliches. Wir fahren durch eine Gegend, in der vor allem Ackerbau betrieben wird. Das Mittagessen wird in einer Ziegenkäserei eingenommen. Die Vorspeisenplatte aus Ziegenkäse, jeder mit einem anderen würzigen Kraut hergestellt, gehören zum Besten, was ich an Käse je gegessen habe. Nach dem Essen erreichen wir den Ort Alemania. Nach 13.000 km sind wir also wieder in Deutschland angekommen.
Quebrada de las
Conchas
Campen in antemberau-
bender Landschaft
Da kann der Tag
ausklingen
Danach ändert sich die Landschaft. Die Berge rücken näher und werden höher. Wir befinden in der Quebrada de las Conchas. Nun gibt es alle paar Minuten einen Stopp. Die Teufelsschlucht liegt wie ausgefräst hinter einem schmalen Einschnitt seitlich der Straße. Über eine schräge Platte versuche ich mit Urli, den oberen Beginn der senkrechten Wand zu erreichen. Als die Aussicht innerhalb von Sekunden wieder ganz unten zu sein, immer wahrscheinlicher wird, kehren wir vorsichtshalber um. Der nächste Halt ist im Amphitheater, einem runden Kessel, in dem die Erdverwerfungen gigantische Ausmaße annehmen. Hier stimmt Manfred der guten Akustik wegen La Montanara an. Gott sei Dank kann er singen. Den nächsten Stopp erzwingen Schwärme von Papageien, die in eine Felswand ihre Wohnhöhlen gegraben haben, fotografieren lassen sie sich allerdings nicht. Die ungeheure Farbenvielfalt dieses Tals wird das beste Geschäft für Agfa, Kodak usw.
Felsformationen
beim Lager
Das 'Castillero'
im letzten Tageslicht
Nach der Felsformation Castillero, es sieht wirklich wie eine Befestigungsanlage aus, zweigen wir von der Straße ab, und suchen uns mitten in der Wildnis einen Platz für die Nacht. Zwar ohne Wasser und sanitäre Einrichtungen, dafür aber eingebettet zwischen roten Felsformationen, wird es der schönste Campingplatz der Reise sein. Unter Sturmbedingungen werden die Zelte aufgebaut und das Essen vorbereitet. Es gibt Rindergeschnetzeltes mit Nudeln sauer gemacht, die Qualität ist super. Da wir aber noch Zeit haben, bis die Sonne untergeht, wird noch Brennholz aus abgestorbenem Kakteenholz für ein Lagerfeuer gesammelt. Ich wandere ganz allein durch die Einsamkeit der leuchtenden Felsformationen. Es ist wunderschön hier. Je tiefer die Sonne sinkt, umso schöner werden die Farben. Wir sitzen an diesem Abend noch lange im Freien und genießen die Stimmung. Unsere Abfälle werden bis morgen früh im Auto verstaut, damit sie nicht von Füchsen geholt werden, deren Augen man in der Dunkelheit leuchten sieht.
 
18. Tag Montag:
Nach erstaunlich warmer Nacht ist früh um 6:30 Uhr Wecken, denn heute Morgen steht eine Weinprobe an! Richtig gelesen, morgens um 9 Uhr, das habe ich auch noch nicht erlebt. Der Wind hat sich gelegt. Die Zelte werden abgebaut, und das Frühstück wird ohne Sandberieselungsanlage eingenommen. Keiner will eigentlich von diesem schönen Ort weg. Statt der Weinprobe möchten alle lieber hier noch zwei, drei Stunden wandern. Aber das Programm muss eingehalten werden, da der Kellereibesuch fest terminiert ist. Schade, aber das Wandern steht bei diesem Reiseveranstalter nicht ganz so hoch im Kurs.
Weinprobe
um 9 Uhr morgens!!!
Es sind nur 17 km bis Cafayate, wo wir direkt zur Kellerei fahren. Bei 300 Tagen Sonne im Jahr lässt sich hier sehr gut Wein anbauen. Das Wasser zur Bewässerung wird aus den nahen Bergen bezogen. Ansonsten unterscheidet sich das Weingut nicht groß von denen bei uns zu Hause. Auf 300 ha werden vor allem Rotweinsorten angebaut, die auch nach Europa exportiert werden. Angesichts der frühen Stunde hält sich unser Weinkonsum bei der Verkostung in Grenzen, nicht zu Vergleichen mit dem auf dem Campingplatz in Tilcara.
Ruinen von Quilmes
Nach einem einstündigen Aufenthalt in Cafayate fahren wir bis zu den Ruinen von Quilmes durch. Hierbei handelt es sich nicht etwa um eine in Schutt gefallene Brauerei des bekannten argentinischen Biers gleichen Namens, sondern um die Ruinenanlage eines Indianerstammes. In dieser in einen Berghang gebauten Anlage der Quilmesindianer konnte den Spaniern ein Jahrhundert lang standgehalten werden. Beim Durchstreifen der Anlage staubt es gewaltig, und im Tal sieht man schon einen Sandsturm kommen. Also stürmen fast alle in das zur Anlage gehörende kleine Museum - als Alibi, in Wirklichkeit wollen die nur wieder in ein ebenfalls vorhandenes Café. Ich möchte aber noch ein Foto von der Anlage machen, doch stört mich ein etwas unwirklicher Felsen. Beim genaueren Hinsehen, erkenne ich Manfred. Er steht wie meistens immer im Bild. Sucht man ein gutes Fotomotiv, muss man nur schauen, wo Manfred sich aufhält; er wird mit Sicherheit vor der Linse erscheinen. Als ich als letzter das Café erreiche, komme ich gerade noch rechtzeitig, um mitzuerleben, wie ein Lama, das sich in die Gaststätte verirrt hat, vom Koch mit dem Kochlöffel wieder hinausgetrieben wird.
 
Ein rot blühender
Kaktus
Weiter fahren wir mit einem kurzen Aufenthalt im Museum des auch bei uns bekannten Künstlers Hector Cruz zu einem Gebirgspass, der die Wetterscheide darstellt. Und richtig, schlagartig ist das schöne Wetter weg; Wolken und Nebel, wir kommen uns vor wie bei schlechtem Wetter in den Alpen. Somit geht es direkt in das Hotel in Tafi de Valle, das wir nur noch einmal zum Abendessen verlassen. Wir landen in einer ganz kleinen Gaststätte, -die normalerweise aufgesuchte hat heute geschlossen. Wirtin, Köchin, Kellnerin, und Schankier sind in einer Person vereint. Als ich nach dem Essen einen Digestif trinken möchte und auf eine Flasche Cognac deute, wird mir unter dem Gelächter der anderen ein großes Wasserglas voll gereicht. Die Wirtin meint es gut mit mir, doch beim Bezahlen stellt sich heraus, dass sie nicht weiß, was sie dafür berechnen soll. Auf Nachfrage gibt sie an, noch nie einen Cognac ausgeschenkt zu haben. Sie weiß gar nicht, was das überhaupt ist, und dass man den trinken kann. Sie habe ihn immer nur zum Kochen verwendet.

 
19. Tag Dienstag:
Heute liegen 460 km Fahrtstrecke bis Rioja vor uns. Um 7:30 Uhr ist deshalb bereits Abfahrt. Vorher gibt es aber das für mich beste Frühstücksbuffet der Reise, mit sogar drei verschiedenen hausgemachten Kuchen, wovon ich mir allein einen halben Erdbeerkuchen genehmige.
Die Fahrt führt bis in die Provinz Tucuman immer abwärts durch einen schönen Bergregenwald, der noch schöner wäre, wenn es hier nicht vor ein paar Jahren einen großen Waldbrand gegeben hätte, und er sich somit erst wieder im Aufbau befindet. Es ist jedoch erstaunlich, wie schnell die Natur diese Wunden heilt. Ohne weiteren Halt geht es durch die Tiefebene. Mittagsrast machen wir auf einem besseren Müllplatz. Wir stehen unter einem Maulbeerbaum und bemerken zu spät, was das für die Profilrillen unserer Schuhe bedeutet. Die zertretenen Früchte haben die Konsistenz von Silikon; das ist eine Schweinerei.
Urwald bei
Tafi del Valle
Wilde Fuchsien
 
Kathedrale
in Rioja
Weiter geht es ohne Pause bis Rioja, das wir gegen 16 Uhr erreichen. Die Stadt hat 110.000 Einwohner und liegt in einer äußerst heißen Gegend, hat aber außer einem zentralen Platz nicht viel zu bieten. So finden sich alle sehr schnell mal wieder in einem Café ein, um die Zeit bis zum Abendessen zu überbrücken. Dies wird in einer Gaststätte eingenommen, wo es als Spezialität gebratene Blut- und Leberwürste gibt, die auch wirklich sehr gut schmecken.
 
20. Tag Mittwoch:
Valle de la Luna
5:45 Uhr Wecken, wir wollen früh los und haben eine gute Stunde Fahrtzeit vor uns bis zum Valle de al Luna, dem Mondtal, dem dritten auf dieser Reise. Jedes Land hat sein Mondtal. Dieses hier liegt im Ischigualasto Nationalpark. Der Park ist insbesondere weltbekannt wegen seiner Saurierfundstellen, die allerdings der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Seit der Park zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt wurde, darf man ihn nur noch mit Führer befahren.
Deshalb sind wir auch sehr früh am Eingang und kommen so mit dem ersten Autokonvoi mit. Leider haben wir nicht den besten Führer erwischt. Er sieht seine Aufgabe wohl nur als Job an und nicht etwa als Passion. Er rast so durch den Park, dass wir ihn sogar verlieren. Damit können wir aber für den Rest der Zeit das Tempo selbst bestimmen.
Sphinx
Bowlingbahn
Pilz
Im Valle de la Luna
Maras (Pampashasen)
Die Gesteinsformationen sind schon beeindruckend. Abgesehen von den Erdschichten, die wie ein aufgeschlagenes Buch vor uns liegen, sind vor allem die Gesteinsfiguren interessant. Von einer Sphinx, einer Bowlingbahn, über einen Pilz bis hin zu E.T. kann man alles sehr gut erkennen. Als alle anderen Fahrzeuge den Park längst verlassen haben, treffen wir sogar noch auf Maras (Pampashasen), die sich sogar fotografieren lassen. Wieder zurück am Infozentrum, machen wir Mittag und besuchen noch eine Ausstellung, bei der eine Studentin sehr anschaulich die Saurierausgrabungen erläutert.
Nun ist es nicht mehr weit bis auf den Campingplatz am Talampaya Cañon. Dies ist eine ganz windige Ecke. Im Sturm werden die Zelte aufgebaut und mit Steinen befestigt. Jeder achtet peinlich genau darauf, dass die Zelte verschlossen sind. Talampaya ist bekannt für seine handtellergroßen Spinnen.
Der Sonnenuntergang
kann kommen
Sonnenuntergang im
Talampaya Nationalpark
Das Abendessen wird uns heute sehr gut gewürzt vorkommen, zumindest wird bei der Verdauung sehr viel Sand im Spiel sein. Es gibt Ratatouille mit Kartoffelbrei und Geschnetzeltem aus der Rinderhüfte. Wir sind die Einzigen auf dem Campingplatz, wie es überhaupt aussieht, als würde außer uns niemand campen. Bis auf einmal sind wir auf der ganzen Reise immer die Einzigen, die campen. Als wir wieder zum Zelt kommen, ist es sogar innen total versandet. Dieser rote Staub macht vor nichts halt.
Heute haben wir endlich den schon seit Tagen gewünschten traumhaften Sonnenuntergang. Als es dunkel wird, leuchten in der Nacht wieder überall die Augen diverser Vierbeiner, die hoffen, etwas Essbares abzubekommen.
 
21. Tag Donnerstag:
Fällt vom Frühstück
etwas für mich ab?
Um 6 Uhr sind die Ersten wach. Spinnen haben sich bei keinem sehen lassen. Es sind dies wohl die typischen Übertreibungen der Reiseführer bzw. anderer Reiseberichte aus dem Internet. Das Frühstück wird heute von einem Fuchs belauert, der wieder mal hofft, etwas abzubekommen. Wir haben heute früh etwas Zeit, da das Duschen wegen fehlender Einrichtung ausfällt, und wir auf die Ranger warten, die uns auch hier in den Park begleiten müssen.
 
 
 
Wanderung im
Eduard Cañon
Die Felsformationen
sind grandios
Wie klein der
Mensch doch ist
Sanddünen im
Talampaya Cañon
 
Es blüht mal
was anderes als Kakteen
Um 8 Uhr erscheint dann ein Ranger. Er hat das Programm etwas umgestrickt und will heute Morgen eine Wanderung in den Eduard Cañon mit uns machen. In den eigentlichen Talampaya Cañon soll es erst heute Nachmittag gehen. Da sei das Licht besser zum Fotografieren. Gegenüber dem von gestern ist dieser Ranger ein Glücksgriff. Man erkennt sofort, dass er mit dem Herzen bei der Sache ist. Wir durchlaufen eine Landschaft, deren riesige rote Wände mich sehr an die Formationen im Westen der USA erinnern. Doch ist hier die Tier- und Pflanzenwelt ganz anders. Wir sehen sich paarende Kondore, Pampashasen und leider - nur Fußabdrücke von Straußen.
Der Kamin
 
Wie schafft die
Natur solche Formen?
Flasche und Mönch
 
 
Die gewaltige Kathedrale,
150 m hoch
und 400 m breit
Gegen Mittag endet der Marsch am Zeltlager. Wir essen und haben dann frei bis um 4 Uhr, bis wir dann von einem Kleinbus zur Fahrt in den Talampaya Cañon abgeholt werden. Jetzt geht es zu den bekannten Sehenswürdigkeiten wie dem Kamin, einem von der Natur in den Felsen gefrästen 200 m hohen Schornstein. Die Kanten sind so scharf und gerade, dass man sich nicht vorstellen kann, wie die Natur das geschafft hat. Weiter hinten im Cañon sind Flasche und Mönch zu erkennen - die Älteren denken hierbei vielleicht eher an Viagra. Das beeindruckendste Naturdenkmal ist aber die gewaltige rote Wand der Kathedrale 150 m hoch und 400 m breit. Etwas weiter wird dann noch an Petroglyphen (Steinritzungen) aus der Vorzeit Halt gemacht.
Abschluss eines
wunderschönen Tages
Und als wenn das alles noch nicht genug Filmmaterial gekostet hätte, erleben wir auch diesen Abend wieder einen wunderbaren Sonnenuntergang. Als es dann dunkel ist und die Taschen- und Stirnlampen zum Einsatz kommen, sehen wir sie auf einmal. Spinnen, zwar nicht ganz von Handgröße, aber doch so beeindruckend, weil es solche in Europa nicht gibt. Und unheimlich schnell sind diese Tiere, die tagsüber im Sand vergraben sind und erst in der Kühle der Nacht zum Vorschein kommen.
 
 
22. Tag Freitag:
In der verlorenen
Stadt
Das Leben setzt
sich durch
Die Ersten sind gegen 4 Uhr wach. Um 5 Uhr haben sie es geschafft, alle anderen aufzuwecken, und um ½ 6 Uhr sind dann mehr oder weniger alle auf. Zeltabbau im Dunkeln, und aufpassen, dass keine der Spinnen auftaucht und versehentlich mit eingepackt wird. Ein Biss wäre sehr unangenehm und äußerst schmerzhaft. Heute Morgen läuft bei den Herren kein Wasser, das macht aber nichts. Hans stürmt unerschrocken den Damenbereich, was zu einer Auseinandersetzung mit Petra führt. Somit ist schon am frühen Morgen für Stimmung gesorgt.
Trotz perfekter Tarnung
haben wir die
Eidechse entdeckt
Wanderung in der
verlorenen Stadt

Nun steht ein weiterer Teil des Talampaya Nationalparks auf dem Programm. Nach kurzer Fahrzeit wechseln wir von unserem LKW/Bus auf zwei offene Jeeps, mit denen wir eine gute Stunde durch die Wüste brettern. Da es in der Frühe noch recht kalt ist, sind wir bei unserer Ankunft alle durchgefroren und froh, dass es nun zu Fuß in die "Ciudad Perdita", die verlorene Stadt, geht. Es ist dies eine mehrere Quadratkilometer große Schlucht, in der der Wind die verschiedensten Felsformationen herausgefräst hat. Im Unterschied zu den vergangenen Tagen ist hier das Gestein aber mehr braun bis ockerfarben.
Durchblick
in der
verlorenen Stadt
Drei Stunden wandern wir nun durch diese Landschaft. Da wir aber in den letzten beiden Tagen die Formen in ähnlicher Weise gesehen haben, können wir uns ganz auf die Kleinigkeiten und das Fotografieren konzentrieren.
Gegen Mittag werden wir wieder am Eingang abgeliefert, wo Heidi inzwischen ein Mittagsmahl gerichtet hat. Nun geht es zwei Stunden weiter nach San Augustin del Valle Fértil, wo es auf der Strecke eine Baustelle von sage und schreibe fast 50 km gibt. Wir sind wieder auf einem Campingplatz, dem letzten der Reise, mit nicht ganz so viel Staub. Aber inzwischen weiß man sowieso nicht mehr, was noch sauber und was schmutzig ist. Nach dem Duschen gehe ich noch zum Telefonieren und ins Internetcafé, zum ersten Mal sind hier die Verbindungen aber sehr schlecht.
 
23. Tag Samstag:
Ich habe eine anstrengende Nacht hinter mir. Manfred war wegen seines Schnarchens weit von den anderen Zelten verbannt worden, und Hans hat sich ebenfalls abgesondert, nachdem seine Frau meinte, er schnarche auch sehr stark. Der Rest campierte ziemlich eng beieinander. Und mitten drin lag Karin. Bisher war sie wegen der anderen zwei nicht aufgefallen. Aber diese Nacht hat sie gezeigt, dass auch Frauen schnarchen können - und wie.
Eigentlich sollen wir heute in die sieben Kilometer entfernte Siedlung La Majatida laufen, aber da einige fußkrank sind bzw. sich anderer Wehwehchen erwehren, wird beschlossen, mit einem Sammeltaxi hinzufahren und nur den Rückweg zu Fuß in Angriff zu nehmen. Ein großes Problem stellt die Schuhauswahl dar, denn es soll einige Flussdurchquerungen geben. Als wir dann losfahren und die erste Furt total trocken ist, ahnen wir schon, wie das mit den Flussdurchquerungen werden wird.
Matetee im Dorfladen
von Majadita
Hier ersetzt das
Pferd noch das Auto
wunderschöne
Blüte
Lagune Dique
San Augustin
In der Siedlung La Majadita besuchen wir den einzigen Tante-Emma-Laden und trinken dort eine Runde Matetee. Man merkt dem Dorf an, dass hier nur ganz selten Touristen herkommen. Autos gibt es auch nicht. Hier stellen noch Pferd und Esel die Transportmittel dar. Der Rückweg ist mehr oder weniger eine Sandpiste für Autos. Es lassen sich aber ein paar schöne Fotos blühender Pflanzen schießen. Es wird immer wärmer, sodass wir froh sind, gegen Mittag wieder am Zeltplatz einzutreffen. Bis 4 Uhr können wir absolut nichts unternehmen, so heiß ist es.
Der Konsum von
12 Personen
Danach umrunden wir noch die sehr schön gelegene Lagune Dique San Augustin in der Nähe des Campingplatzes.
Da dies unsere letzte Campingnacht ist, wird diesem Vorgang heute Abend entsprechend Rechnung getragen. Der Getränkevorrat wird rapide weniger. Es ist das erste Mal während der Reise, dass ich mich daran beteilige, mit dem Ergebnis, dass ich den ganzen nächsten Tag nicht recht in Form bin. Eins dieser Weingläser muss wohl schlecht gewesen sein.
 
24. Tag Sonntag:
Die Zelte werden zum letzten Mal verpackt. Wir haben heute 460 km Fahrtstrecke bis Mendoza vor uns. Die meisten davon werde ich verschlafen. Zu allem Überfluss verläuft die Strecke in den ersten zwei Stunden fast nur geradeaus, jedoch ist die Ebene sehr, sehr wellig. Man kommt sich vor wie auf hoher See bei starkem Wellengang, und das nach der gestrigen Feier.
Den einzigen Halt machen wir heute an der Difunta Correa. Diefunta Correa! Was ist das? In einem Reiseführer steht geschrieben, der skurrilste Wallfahrtsort der Erde. Das ist sicher noch untertrieben. So etwas muss man einfach gesehen haben. 1841 war eine gewisse Deolinda Correa mit ihrem Säugling auf dem Weg zu ihrem Mann, der irgendwo im Gefängnis saß. Auf dem Weg dorthin verdurstete sie unter einem Baum, oder Kaktus; Bäume gibt es ja in der Wüste nicht. Als man die tote Frau fand, lebte das Kind noch und saugte an ihrer Brust. Der Platz dieses "Wunders" wurde zur größten Wallfahrtsstätte Südamerikas. Jeder Argentinier muss einmal an diesem Ort gewesen sein. Heute am Sonntag - wie es scheint -, kommen besonders viele, um für die Erfüllung ihrer Wünsche zu beten. Wenn diese dann in Erfüllung gegangen sind, kommen sie wieder, um Dankesgaben abzugeben, und genau dies macht den Reiz für uns aus. Nicht, dass eine Frau, die um einen Ehemann gebeten hat, diesen abgeben würde, nein, aber zumindest das Brautkleid soll doch die Halle der Brautkleider vervollständigen. Und so gibt es je nach Wunsch, Modellhäuser, Fahrzeuge - im Modell und im Original -, ein Haus mit Pferdebildern und Pokalen, jeglichen Kitsch, den man sich denken kann und immer wieder die Figur der Correa. In allen Größen ist sie zu haben, sogar als großes Wandgemälde. Außerdem wurde inzwischen so viel Schmuck gespendet, dass man aus dem Erlös von 80 kg Gold ein Hotel gebaut hat. Da auch für das leibliche Wohl gesorgt ist, herrscht hier Volksfeststimmung.
Difunta Correa
 
 
Unglaublich!
 
 
Auch für den
Hunger ist gesorgt
 
Jemand hat aus Dankbarkeit
ein Bild gemalt
Die Halle der Brautkleider
 
Nach der Mittagsrast, der Platz kommt in der Rangfolge gleich hinter dem Müllplatz vom 19. Tag, fahren wir ohne Halt bis zur Millionenmetropole Mendoza durch. Sie hat soviel Bäume wie Einwohner und ist damit die erste wirklich grüne Stadt der Reise. Allerdings muss alles künstlich bewässert werden. Wir beziehen ein Hotel, nutzen die mittägliche Hitzepause noch einmal zum Wäsche waschen, und gegen 5 Uhr, wenn die Stadt zu leben beginnt, machen wir einen Stadtbummel.
Als wir uns zum Abendessen versammeln, stellt sich heraus, dass keiner Fotos gemacht hat. Die Städte geben einfach nicht so viel her. Es fehlen halt die Jahrhunderte alten Gebäude, die für uns Europäer einfach zu einem schönen Stadtbild gehören.
 
25. Tag Montag:
In Mendoza
Um 8 Uhr ist heute Abfahrt in den großen Park St. Martin, das Naherholungsgebiet von Mendoza mitten in der Stadt. Es ist dies eine große wunderschöne Parkanlage. Hier gibt es sogar eine Ruderstrecke und einen gar nicht so kleinen See, aber alles künstlich bewässert. Überall wird von unzähligen Arbeitskräften gekehrt und Abfall aufgesammelt. Man versucht, den Park sauber zu halten, aber das ist beim sorglosen Umgang der Argentinier mit Abfall gar nicht einfach. Wir fahren zum Cerre de Gloria mit einem riesigen St Martin Denkmal. Der von dort oben erwartete schöne Blick über die Andenkette muss leider wegen starker Bewölkung in den Bergen ausfallen.
Wieder zurück in der Stadtmitte, haben wir zwei Stunden Zeit, uns diese näher anzusehen. Da wir das gestern aber schon am Nachmittag erledigt haben, verbringen die meisten die Zeit wieder einmal in einem Café. Um die Mittagszeit fahren wir in eine alte Weinkellerei am Stadtrand. Diese ist mehr ein Museum als ein florierender Betrieb. Sie zeugt jedoch immer noch von dem ungeheuren Reichtum, der hier einmal auf wenige Familien verteilt war.
Echinopsis tubiflora
Außnahmsweise
keine
Kaktusblüte
Riesenlobivie,
Soebrensia formosa
 
Riesenlobivie
 
 
Nach der Mittagsrast verlassen wir Mendoza und nähern uns durch die weite Tiefebene den Anden. Diese Strecke wird die kakteenreichste der ganzen Reise sein. So sind diverse Halts vorprogrammiert. Doch je weiter und je höher wir kommen, umso schwieriger werden diese Stopps. Wir winden uns in zahlreichen Kehren über eine Schotterpiste, die in vielen Bereichen einspurig ist, die Anden hinauf. Neben uns führen steile Berghänge, von der Last etwaiger Leitplanken befreit, atemberaubend in die Tiefe. Diverse Fahrzeugwracks, die man unten liegen sieht, zeugen von der Gefährlichkeit der Strecke. Ein Citroen ist gar zum wahren Zitterdröhn zusammengepresst. Wir erreichen den Pass Cruz de Paramillo 3.035 m hoch. Hier erleben wir wieder mal den Wind in Sturmstärke. Daran inzwischen gewöhnt, macht uns das nichts mehr aus. Schlimmer ist jedoch, dass die hohen Andenberge in Wolken sind. So müssen wir auf ein Panorama von 120 km Breite leider verzichten. Auf der anderen Passseite geht es über wunderschöne Berghänge nach Uspallata hinab. Wir bedauern, heute Vormittag in Mendoza so viel Zeit verbracht zu haben. Man hätte hier lieber noch zwei, drei Stunden wandern sollen.
Cruz de Paramillo
3.035 m
Stadtplan
von Uspallata
Uspallata! Das ist ein Ort wie im Wilden Westen. Er besteht aus einer Kreuzung, sonst nichts. Damit man sich dabei aber nicht verläuft, ist ein riesiger Stadtplan aufgebaut. Wir werden in einem von zwei Hotels im Ort untergebracht. Grand Hotel nennt es sich, na ja.
Ich will noch etwas die Gegend erkunden, doch der Sturm treibt mich nach 5 Minuten ins Hotel zurück. Um 8 Uhr müssen wir dann aber doch raus, wir wollen noch zum Abendessen. Die Suche nach der Gaststätte, in der wir telefonisch das Essen vorbestellt haben, erweist sich als äußerst schwierig. Wie ist das möglich, wo es doch nur diese eine Kreuzung gibt? Die Gaststätte ist abgebrannt, und die Telefonnummer wurde an eine andere weitergegeben. So wird diese aufgesucht. Es stellt sich heraus, dass wir die erste Reisegruppe überhaupt dort sind. Der Service und das Essen werden das Beste der ganzen Reise sein. Beim Rückmarsch macht ein Teil noch im Café Tibet halt. Hier wurde der Film "7 Jahre in Tibet" gedreht. Keine einzige Aufnahme entstand im Himalaja.
 
26. Tag Dienstag:
Cementerio de los
Andinistas
Wir wollen früh los, da wir nicht wissen, wie wir am Abend durch den Verkehr in Santiago zum Hotel kommen werden. 6:30 Uhr ist jedoch viel zu früh für das Hotelpersonal, um zu frühstücken. Nach dem Start um 7 Uhr kommen wir gerade mal hundert Meter weit, dann werden wir durch die Polizei gestoppt. Der gestrige Sturm ging im Aconcaguagebiet als Schnee nieder, und die Passstraße nach Chile ist erst einmal gesperrt. Dank Ralphs Überredungskunst, dass wir nur wandern wollen, dürfen wir weiterfahren und müssen nicht im Tal warten, bis der Pass wieder frei ist.
 
Das Hotel an
der Punta del Inca
Ausblick aus
einem Hotelzimmer
Es gab sogar fließendes
Wasser im Zimmer
Den ersten richtigen Halt machen wir dann am "Cementerio de los Andinistas" einem Friedhof für tödlich verunglückte Bergsteiger des Aconcaguagebiets. Hier liegt bereits überall Neuschnee. Einen weiteren Stopp gibt es dann an der "Punta del Inca", einer Naturbrücke über das Tal. Da es hier Thermalquellen gibt, hat vor rund 80 Jahren ein Verrückter versucht, an dieser Stelle ein Hotel zu bauen. Das Wasser ist aber schneller eingezogen als die Gäste, woraufhin er sich das Leben genommen hat. Seither hat die Natur eine interessante Ruine geschaffen.
Eine Snack Bar
gibt es auch
Am Fuß des Aconcagua
Wir fahren weiter zum Fuß des Aconcagua, mit 6962 m ist er der höchste Berg außerhalb des Himalajas. Hier wandert nur der harte Kern der Gruppe in einer Stunde zum Aussichtspunkt, dem Rest ist es zu stürmisch und zu kalt. Mit dem Neuschnee wirkt die fast 4 km hohe Südwand noch beeindruckender. Wenn jetzt noch blauer Himmel wäre! Aber auch so ist es sehr schön.
 
Wieder zurück am Fahrzeug, machen wir Mittag, und was an frischem Obst, Fleisch, Käse, oder Wurst übrig ist, wird vernichtet. Es darf nicht nach Chile eingeführt werden.
Aconcagua 6.982 m
Endlose Serpentinen
bei der Abfahrt
Inzwischen ist die Passstraße offen und wir fahren weiter zur nahen Grenze. Für die Kontrollen beim Grenzübertritt benötigen wir 1½ Stunden. Unglaublich, welches Chaos hier herrscht. Es ist viel schlimmer als ehemals an der Grenze zur DDR. Als wir endlich weiter dürfen, zeigt Ralph in Michael Schumacher Qualität, wie schnell man mit einem LKW/Bus nach Santiago rasen kann. Wir schaffen es tatsächlich, vor dem allabendlichen Verkehrsstau im Hotel anzukommen. Abends wollen die Chilenen uns dann beweisen, dass ihre Essensportionen keineswegs kleiner als die der Argentinier sind.
 
27. Tag Mittwoch:
In Santiago
Der Smog läßt
keinen Abschied
von den Anden zu
 
Um 8:30 Uhr brechen wir zur Stadtbesichtigung auf. Die Pferderennbahn lässt das Flair des Wechsels vom 19. ins 20 Jahrhundert in uns aufkommen. Der Armut der Bevölkerung steht hier ein sagenhafter Reichtum von wenigen gegenüber. Wieder in der Innenstadt, geht Manfred am geschichtsträchtigen Hügel "Santa Lucia" verloren. Sicher steht er wieder irgendjemand vor der Linse. Das Mittagessen nehmen wir in den alten Markthallen ein. Nach den üblichen Sehenswürdigkeiten wie Plaza de Armas, der Kirche San Francisco und dem Präsidentenpalais machen wir uns auf den Rückweg zum Hotel. Dazu benutzen wird den öffentlichen Bus. Das muss man erlebt haben. Die Fahrer werden nach Anzahl der geschafften Runden bezahlt. Entsprechend rasen sie durch die Stadt. An den Haltestellen entern Eisverkäufer, Zigarettenverkäufer, andere alles Mögliche verkaufende Händler und sogar Musikgruppen den Bus, alle mit dem Ziel, bis zum nächsten Stopp ein Geschäft zu machen.
Abends halten wir in der gleichen Gaststätte wie am Vortag unser Abschiedsessen ab. Da wir aus den Portionen vom Vortag gelernt haben, wird heute weniger bestellt.
 
28. / 29. Tag Donnerstag / Freitag:
Am späten Vormittag fahren wir in das Künstlerviertel "Pueblo Artesanal Los Dominicos", in einem alten Kloster, wo die letzten Mitbringsel gekauft werden müssen. Der Markt ist aber wirklich sehenswert. Bei der angebotenen Ware handelt es sich wirklich überwiegend um Kunstartikel und keinen Touristenkitsch.
Dann quälen wir uns wieder durch die Stadt zum Flughafen, wo um 19:30 Uhr pünktlich der Rückflug mit LAN-Chile startet, der ohne besondere Vorkommnisse verläuft. In Madrid gibt es den schon vom Hinflug bekannten Zwischenstopp. Dieses Mal findet hier aber die Einreise in die EU statt. Alles wird wieder einmal durchleuchtet. Eine einzige Person ist für das komplette Airbus Großraumflugzeug zuständig. Wenn die in Frankfurt so arbeiten würden, käme das einem Streik gleich, und der ganze Flugverkehr würde zusammenbrechen. Am späten Nachmittag des Freitags landen wir dann wieder in Frankfurt, und ich trete mit der S-Bahn die Heimreise an.
Fazit: Für mich war das eine sehr schöne Reise durch drei wunderbare Länder, bei der meiner Meinung nach nur etwas zu viel gefahren wurde. Mit mehr Wandermöglichkeiten gespickt, wäre die Reise noch viel eindrucksvoller. Wenn man auf die Weingutsbesuche verzichten und die Stadtaufenthalte etwas kürzen würde, wäre dafür auch genug Zeit vorhanden. Das mag mein subjektiver Eindruck der Reise sein, aber eins steht für uns alle fest: Südamerika wird uns wieder sehen.

 
 
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Tagesstrecke:

 1. bis 3. Tag  Hinflug Frankfurt - Santiago - Arica - La Paz  
 4. Tag  La Paz  
 5. Tag  La Paz - Putre 390 km 
 6. Tag  Putre - Arica 130 km 
 7. Tag  Arica - Pampa del Tamarugal 320 km 
 8. Tag  Pampa del Tamarugal - Calama 284 km 
 9. Tag  Umgebung von Calama 90 km 
 10. Tag  Calama - San Pedro de Atacama 98 km 
 11. Tag  Umgebung von San Pedro de Atacama 210 km 
 12. Tag  San Pedro de Atacama - San Antonio de los Cobres 335 km 
 13. Tag  San Antonio de los Cobres - Tilcara 150 km 
 14. Tag  Wanderung bei Tilcara  
 15. Tag  Tilcara - Humahuaca - Tilcara - Salta 260 km 
 16. Tag  Salta  
 17. Tag  Salta - Lager im Valle de Lerma 138 km 
 18. Tag  Lager im Valle de Lerma - Tafi del Valle 150 km 
 19. Tag  Tafi del Valle - Rioja 460 km 
 20. Tag  Rioja - Talampaya Nationalpark 260 km 
 21. Tag  Talampaya Nationalpark  
 22. Tag  Talampaya Nationalpark - San Augustin del Valle Fertil 110 km 
 23. Tag  Wanderung San Augustin  
 24. Tag  San Augustin del Valle Fertil - Mendoza 460 km 
 25. Tag  Mendoza - Uspallata 90 km 
 26. Tag  Uspallata - Santiago de Chile 250 km 
 27. Tag  Santiago de Chile  
 28. - 29. Tag  Rückflug Santiago - Madrid - Frankfurt  
   Gesamtstrecke 4.185 km 

 
 
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Ausrüstungsliste:
Dokumente
Reisepass
Kopie von Reisepass
Flugticket
Kopie von Flugticket
Kopie von Impfausweis
Devisen
AMEX-Reiseschecks
Kreditkarte
Kopie von Kreditkarte
Telefonnr. zum Sperren von Schecks und Kreditkarte
Passbilder
 
Toilettenartikel
Seife/Duschmittel
Handtücher
Waschlappen
Zahnputzsachen
Toilettenpapier
Hakle Feucht
Kamm/Bürste
Rasierapparat
Haarfön
Deo
Tubenwaschmittel
Wäscheleine
Klammern
Wäschesack

Arzneimittel
Erste Hilfe Set
JHP-Öl
Immodium Akut (Durchfall)
Labiosan (Lippenschutz)
Effortil (Kreislauf)
Diamox (Höhenkrankheit)
Dexametason (Kopfschmerzen)
Mykoderm-Miconalzolcreme (gegen Fußpilz)
Melkfett (Füße)
Hautcreme
Magnesiumtabletten
Insektenmittel
evt. Moskitonetz für Kopf
Sonnenschutzmittel Faktor 30

Schlafen
Schlafsack
zusätzl. Innenschlafsack (wer leicht friert)
Taschen- oder Stirnlampe
Ersatzbatterien


Kleidung
Hut/Mütze
Handschuhe
Fleecejacke
Fleecehose
Treckinghosen (zipbar)
Anorak
evt. Regenschirm
Überziehhosen
Tshirts
Pullover
Badehose
Unterwäsche
Strümpfe
Schlafsachen
Taschentücher

Wanderschuhe
Trekkingsandalen
Badelatschen
Turnschuhe



Sonstiges
Gürteltasche (kein Brustbeutel)
Brille
Sonnenbrille
Steckeradapter
Taschenmesser (kein Handgepäck)
Nähzeug

Rucksack
evt. Regenschutz für Rucksack
evt. Getränkeflasche

Schreibmaterial
Literatur
evt. Diktiergerät
evt. elektronischer Übersetzer

Fotoausrüstung
Kamera
Ersatzbatterie
genügend Filme
ggf. Stativ
Kameratasche
Staubschutz (unbedingt)