Bolivien - Chile - Argentinien

Eine Reise zu den Farben der Atacamawüste und der Anden

Eine Kondor-Tours Reise
1. Oktober - 29. Oktober 2004

Ein Reisebericht von Kurt.Merkert@web.de



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20. Tag Mittwoch:
Valle de la Luna
5:45 Uhr Wecken, wir wollen früh los und haben eine gute Stunde Fahrtzeit vor uns bis zum Valle de la Luna, dem Mondtal, dem dritten auf dieser Reise. Jedes Land hat sein Mondtal. Dieses hier liegt im Ischigualasto Nationalpark. Der Park ist insbesondere weltbekannt wegen seiner Saurierfundstellen, die allerdings der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Seit der Park zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt wurde, darf man ihn nur noch mit Führer befahren.
Deshalb sind wir auch sehr früh am Eingang und kommen so mit dem ersten Autokonvoi mit. Leider haben wir nicht den besten Führer erwischt. Er sieht seine Aufgabe wohl nur als Job an und nicht etwa als Passion. Er rast so durch den Park, dass wir ihn sogar verlieren. Damit können wir aber für den Rest der Zeit das Tempo selbst bestimmen.
Sphinx
Bowlingbahn
Pilz
Im Valle de la Luna
Maras (Pampashasen)
Die Gesteinsformationen sind schon beeindruckend. Abgesehen von den Erdschichten, die wie ein aufgeschlagenes Buch vor uns liegen, sind vor allem die Gesteinsfiguren interessant. Von einer Sphinx, einer Bowlingbahn, über einen Pilz bis hin zu E.T. kann man alles sehr gut erkennen. Als alle anderen Fahrzeuge den Park längst verlassen haben, treffen wir sogar noch auf Maras (Pampashasen), die sich sogar fotografieren lassen. Wieder zurück am Infozentrum, machen wir Mittag und besuchen noch eine Ausstellung, bei der eine Studentin sehr anschaulich die Saurierausgrabungen erläutert.
Nun ist es nicht mehr weit bis auf den Campingplatz am Talampaya Cañon. Dies ist eine ganz windige Ecke. Im Sturm werden die Zelte aufgebaut und mit Steinen befestigt. Jeder achtet peinlich genau darauf, dass die Zelte verschlossen sind. Talampaya ist bekannt für seine handtellergroßen Spinnen.
Der Sonnenuntergang
kann kommen
Sonnenuntergang im
Talampaya Nationalpark
Das Abendessen wird uns heute sehr gut gewürzt vorkommen, zumindest wird bei der Verdauung sehr viel Sand im Spiel sein. Es gibt Ratatouille mit Kartoffelbrei und Geschnetzeltem aus der Rinderhüfte. Wir sind die Einzigen auf dem Campingplatz, wie es überhaupt aussieht, als würde außer uns niemand campen. Bis auf einmal sind wir auf der ganzen Reise immer die Einzigen, die campen. Als wir wieder zum Zelt kommen, ist es sogar innen total versandet. Dieser rote Staub macht vor nichts halt.
Heute haben wir endlich den schon seit Tagen gewünschten traumhaften Sonnenuntergang. Als es dunkel wird, leuchten in der Nacht wieder überall die Augen diverser Vierbeiner, die hoffen, etwas Essbares abzubekommen.
 
21. Tag Donnerstag:
Fuchs
Um 6 Uhr sind die Ersten wach. Spinnen haben sich bei keinem sehen lassen. Es sind dies wohl die typischen Übertreibungen der Reiseführer bzw. anderer Reiseberichte aus dem Internet. Das Frühstück wird heute von einem Fuchs belauert, der wieder mal hofft, etwas abzubekommen. Wir haben heute früh etwas Zeit, da das Duschen wegen fehlender Einrichtung ausfällt, und wir auf die Ranger warten, die uns auch hier in den Park begleiten müssen.
 
 
Wanderung im
Eduard Cañon
Die Felsformationen
sind grandios
Wie klein der
Mensch doch ist
Sanddünen
im Talampaya Cañon
Es blüht mal was
anderes als Kakteen
Um 8 Uhr erscheint dann ein Ranger. Er hat das Programm etwas umgestrickt und will heute Morgen eine Wanderung in den Eduard Cañon mit uns machen. In den eigentlichen Talampaya Cañon soll es erst heute Nachmittag gehen. Da sei das Licht besser zum Fotografieren. Gegenüber dem von gestern ist dieser Ranger ein Glücksgriff. Man erkennt sofort, dass er mit dem Herzen bei der Sache ist. Wir durchlaufen eine Landschaft, deren riesige rote Wände mich sehr an die Formationen im Westen der USA erinnern. Doch ist hier die Tier- und Pflanzenwelt ganz anders. Wir sehen sich paarende Kondore, Pampashasen und leider - nur Fußabdrücke von Straußen.
der Kamin
der Kamin
Flasche und Mönch
 
Die gewaltige Kathedrale,
150 m hoch und 400 m breit
Gegen Mittag endet der Marsch am Zeltlager. Wir essen und haben dann frei bis um 4 Uhr, bis wir dann von einem Kleinbus zur Fahrt in den Talampaya Cañon abgeholt werden. Jetzt geht es zu den bekannten Sehenswürdigkeiten wie dem Kamin, einem von der Natur in den Felsen gefrästen 200 m hohen Schornstein. Die Kanten sind so scharf und gerade, dass man sich nicht vorstellen kann, wie die Natur das geschafft hat. Weiter hinten im Cañon sind Flasche und Mönch zu erkennen - die Älteren denken hierbei vielleicht eher an Viagra. Das beeindruckendste Naturdenkmal ist aber die gewaltige rote Wand der Kathedrale 150 m hoch und 400 m breit. Etwas weiter wird dann noch an Petroglyphen (Steinritzungen) aus der Vorzeit Halt gemacht.
Abschluss eines
wunderschönen Tages
Und als wenn das alles noch nicht genug Filmmaterial gekostet hätte, erleben wir auch diesen Abend wieder einen wunderbaren Sonnenuntergang. Als es dann dunkel ist und die Taschen- und Stirnlampen zum Einsatz kommen, sehen wir sie auf einmal. Spinnen, zwar nicht ganz von Handgröße, aber doch so beeindruckend, weil es solche in Europa nicht gibt. Und unheimlich schnell sind diese Tiere, die tagsüber im Sand vergraben sind und erst in der Kühle der Nacht zum Vorschein kommen.
 
 
 
22. Tag Freitag:
In der verlorenen Stadt
Das Leben setzt
sich durch
Die Ersten sind gegen 4 Uhr wach. Um 5 Uhr haben sie es geschafft, alle anderen aufzuwecken, und um ½ 6 Uhr sind dann mehr oder weniger alle auf. Zeltabbau im Dunkeln, und aufpassen, dass keine der Spinnen auftaucht und versehentlich mit eingepackt wird. Ein Biss wäre sehr unangenehm und äußerst schmerzhaft. Heute Morgen läuft bei den Herren kein Wasser, das macht aber nichts. Hans stürmt unerschrocken den Damenbereich, was zu einer Auseinandersetzung mit Petra führt. Somit ist schon am frühen Morgen für Stimmung gesorgt.
 
 
Eidechse mit perfekter
Tarnung
Wanderung in der
verlorenen Stadt
Nun steht ein weiterer Teil des Talampaya Nationalparks auf dem Programm. Nach kurzer Fahrzeit wechseln wir von unserem LKW/Bus auf zwei offene Jeeps, mit denen wir eine gute Stunde durch die Wüste brettern. Da es in der Frühe noch recht kalt ist, sind wir bei unserer Ankunft alle durchgefroren und froh, dass es nun zu Fuß in die "Ciudad Perdita", die verlorene Stadt, geht. Es ist dies eine mehrere Quadratkilometer große Schlucht, in der der Wind die verschiedensten Felsformationen herausgefräst hat. Im Unterschied zu den vergangenen Tagen ist hier das Gestein aber mehr braun bis ockerfarben.
 
Durchblick in der
verlorenen Stadt
Drei Stunden wandern wir nun durch diese Landschaft. Da wir aber in den letzten beiden Tagen die Formen in ähnlicher Weise gesehen haben, können wir uns ganz auf die Kleinigkeiten und das Fotografieren konzentrieren.
Gegen Mittag werden wir wieder am Eingang abgeliefert, wo Heidi inzwischen ein Mittagsmahl gerichtet hat. Nun geht es zwei Stunden weiter nach San Augustin del Valle Fértil, wo es auf der Strecke eine Baustelle von sage und schreibe fast 50 km gibt. Wir sind wieder auf einem Campingplatz, dem letzten der Reise, mit nicht ganz so viel Staub. Aber inzwischen weiß man sowieso nicht mehr, was noch sauber und was schmutzig ist. Nach dem Duschen gehe ich noch zum Telefonieren und ins Internetcafé, zum ersten Mal sind hier die Verbindungen aber sehr schlecht.
 
 
 
23. Tag Samstag:
Ich habe eine anstrengende Nacht hinter mir. Manfred war wegen seines Schnarchens weit von den anderen Zelten verbannt worden, und Hans hat sich ebenfalls abgesondert, nachdem seine Frau meinte, er schnarche auch sehr stark. Der Rest campierte ziemlich eng beieinander. Und mitten drin lag Karin. Bisher war sie wegen der anderen zwei nicht aufgefallen. Aber diese Nacht hat sie gezeigt, dass auch Frauen schnarchen können - und wie.
Eigentlich sollen wir heute in die sieben Kilometer entfernte Siedlung La Majadita laufen, aber da einige fußkrank sind bzw. sich anderer Wehwehchen erwehren, wird beschlossen, mit einem Sammeltaxi hinzufahren und nur den Rückweg zu Fuß in Angriff zu nehmen. Ein großes Problem stellt die Schuhauswahl dar, denn es soll einige Flussdurchquerungen geben. Als wir dann losfahren und die erste Furt total trocken ist, ahnen wir schon, wie das mit den Flussdurchquerungen werden wird.
Matetee im Dorfladen
von Majadita
Hier ersetzt das Pferd
noch das Auto
wunderschönde Blüte
Lagune Dique
San Augustin
In der Siedlung La Majadita besuchen wir den einzigen Tante-Emma-Laden und trinken dort eine Runde Matetee. Man merkt dem Dorf an, dass hier nur ganz selten Touristen herkommen. Autos gibt es auch nicht. Hier stellen noch Pferd und Esel die Transportmittel dar. Der Rückweg ist mehr oder weniger eine Sandpiste für Autos. Es lassen sich aber ein paar schöne Fotos blühender Pflanzen schießen. Es wird immer wärmer, sodass wir froh sind, gegen Mittag wieder am Zeltplatz einzutreffen. Bis 4 Uhr können wir absolut nichts unternehmen, so heiß ist es.
Der Konsum von
12 Personen
Danach umrunden wir noch die sehr schön gelegene Lagune Dique San Augustin in der Nähe des Campingplatzes.
Da dies unsere letzte Campingnacht ist, wird diesem Vorgang heute Abend entsprechend Rechnung getragen. Der Getränkevorrat wird rapide weniger. Es ist das erste Mal während der Reise, dass ich mich daran beteilige, mit dem Ergebnis, dass ich den ganzen nächsten Tag nicht recht in Form bin. Eine dieser Flaschen muss wohl schlecht gewesen sein.
 
 
 
24. Tag Sonntag:
Die Zelte werden zum letzten Mal verpackt. Wir haben heute 460 km Fahrtstrecke bis Mendoza vor uns. Die meisten davon werde ich verschlafen. Zu allem Überfluss verläuft die Strecke in den ersten zwei Stunden fast nur geradeaus, jedoch ist die Ebene sehr, sehr wellig. Man kommt sich vor wie auf hoher See bei starkem Wellengang, und das nach der gestrigen Feier.
Den einzigen Halt machen wir heute an der Difunta Correa. Diefunta Correa! Was ist das? In einem Reiseführer steht geschrieben, der skurrilste Wallfahrtsort der Erde. Das ist sicher noch untertrieben. So etwas muss man einfach gesehen haben. 1841 war eine gewisse Deolinda Correa mit ihrem Säugling auf dem Weg zu ihrem Mann, der irgendwo im Gefängnis saß. Auf dem Weg dorthin verdurstete sie unter einem Baum, oder Kaktus; Bäume gibt es ja in der Wüste nicht. Als man die tote Frau fand, lebte das Kind noch und saugte an ihrer Brust. Der Platz dieses "Wunders" wurde zur größten Wallfahrtsstätte Südamerikas. Jeder Argentinier muss einmal an diesem Ort gewesen sein. Heute am Sonntag - wie es scheint -, kommen besonders viele, um für die Erfüllung ihrer Wünsche zu beten. Wenn diese dann in Erfüllung gegangen sind, kommen sie wieder, um Dankesgaben abzugeben, und genau dies macht den Reiz für uns aus. Nicht, dass eine Frau, die um einen Ehemann gebeten hat, diesen abgeben würde, nein, aber zumindest das Brautkleid soll doch die Halle der Brautkleider vervollständigen. Und so gibt es je nach Wunsch, Modellhäuser, Fahrzeuge - im Modell und im Original -, ein Haus mit Pferdebildern und Pokalen, jeglichen Kitsch, den man sich denken kann und immer wieder die Figur der Correa. In allen Größen ist sie zu haben, sogar als großes Wandgemälde. Außerdem wurde inzwischen so viel Schmuck gespendet, dass man aus dem Erlös von 80 kg Gold ein Hotel gebaut hat. Da auch für das leibliche Wohl gesorgt ist, herrscht hier Volksfeststimmung.
Difunta Correa
 
Unglaublich
 
Auch für den Hunger
ist gesorgt
Jemand hat aus Dank-
barkeit ein Bild gemalt
Die Halle der
Brautkleider
Nach der Mittagsrast, der Platz kommt in der Rangfolge gleich hinter dem Müllplatz vom 19. Tag, fahren wir ohne Halt bis zur Millionenmetropole Mendoza durch. Sie hat soviel Bäume wie Einwohner und ist damit die erste wirklich grüne Stadt der Reise. Allerdings muss alles künstlich bewässert werden. Wir beziehen ein Hotel, nutzen die mittägliche Hitzepause noch einmal zum Wäsche waschen, und gegen 5 Uhr, wenn die Stadt zu leben beginnt, machen wir einen Stadtbummel.
Als wir uns zum Abendessen versammeln, stellt sich heraus, dass keiner Fotos gemacht hat. Die Städte geben einfach nicht so viel her. Es fehlen halt die Jahrhunderte alten Gebäude, die für uns Europäer einfach zu einem schönen Stadtbild gehören.
 
25. Tag Montag:
In Mendoza
Um 8 Uhr ist heute Abfahrt in den großen Park St. Martin, das Naherholungsgebiet von Mendoza mitten in der Stadt. Es ist dies eine große wunderschöne Parkanlage. Hier gibt es sogar eine Ruderstrecke und einen gar nicht so kleinen See, aber alles künstlich bewässert. Überall wird von unzähligen Arbeitskräften gekehrt und Abfall aufgesammelt. Man versucht, den Park sauber zu halten, aber das ist beim sorglosen Umgang der Argentinier mit Abfall gar nicht einfach. Wir fahren zum Cerre de Gloria mit einem riesigen St Martin Denkmal. Der von dort oben erwartete schöne Blick über die Andenkette muss leider wegen starker Bewölkung in den Bergen ausfallen.
Wieder zurück in der Stadtmitte, haben wir zwei Stunden Zeit, uns diese näher anzusehen. Da wir das gestern aber schon am Nachmittag erledigt haben, verbringen die meisten die Zeit wieder einmal in einem Café. Um die Mittagszeit fahren wir in eine alte Weinkellerei am Stadtrand. Diese ist mehr ein Museum als ein florierender Betrieb. Sie zeugt jedoch immer noch von dem ungeheuren Reichtum, der hier einmal auf wenige Familien verteilt war.
Echinopsis tubiflora
Außnahmsweise
keine Kaktusblüte
Riesenlobivie,
Soebrensia formosa
Riesenlobivie,
Soebrensia formosa
Nach der Mittagsrast verlassen wir Mendoza und nähern uns durch die weite Tiefebene den Anden. Diese Strecke wird die kakteenreichste der ganzen Reise sein. So sind diverse Halts vorprogrammiert. Doch je weiter und je höher wir kommen, umso schwieriger werden diese Stopps. Wir winden uns in zahlreichen Kehren über eine Schotterpiste, die in vielen Bereichen einspurig ist, die Anden hinauf. Neben uns führen steile Berghänge, von der Last etwaiger Leitplanken befreit, atemberaubend in die Tiefe. Diverse Fahrzeugwracks, die man unten liegen sieht, zeugen von der Gefährlichkeit der Strecke. Ein Citroen ist gar zum wahren Zitterdröhn zusammengepresst. Wir erreichen den Pass Cruz de Paramillo 3.035 m hoch. Hier erleben wir wieder mal den Wind in Sturmstärke. Daran inzwischen gewöhnt, macht uns das nichts mehr aus. Schlimmer ist jedoch, dass die hohen Andenberge in Wolken sind. So müssen wir auf ein Panorama von 120 km Breite leider verzichten. Auf der anderen Passseite geht es über wunderschöne Berghänge nach Uspallata hinab. Wir bedauern, heute Vormittag in Mendoza so viel Zeit verbracht zu haben. Man hätte hier lieber noch zwei, drei Stunden wandern sollen.
Cruz de Paramillo
3.035 m
Stadtplan von
Uspallata
Uspallata! Das ist ein Ort wie im Wilden Westen. Er besteht aus einer Kreuzung, sonst nichts. Damit man sich dabei aber nicht verläuft, ist ein riesiger Stadtplan aufgebaut. Wir werden in einem von zwei Hotels im Ort untergebracht. Grand Hotel nennt es sich, na ja.
Ich will noch etwas die Gegend erkunden, doch der Sturm treibt mich nach 5 Minuten ins Hotel zurück. Um 8 Uhr müssen wir dann aber doch raus, wir wollen noch zum Abendessen. Die Suche nach der Gaststätte, in der wir telefonisch das Essen vorbestellt haben, erweist sich als äußerst schwierig. Wie ist das möglich, wo es doch nur diese eine Kreuzung gibt? Die Gaststätte ist abgebrannt, und die Telefonnummer wurde an eine andere weitergegeben. So wird diese aufgesucht. Es stellt sich heraus, dass wir die erste Reisegruppe überhaupt dort sind. Der Service und das Essen werden das Beste der ganzen Reise sein. Beim Rückmarsch macht ein Teil noch im Café Tibet halt. Hier wurde der Film "7 Jahre in Tibet" gedreht. Keine einzige Aufnahme entstand im Himalaja.
 
26. Tag Dienstag:
Cementerio de
los Andinistas
Wir wollen früh los, da wir nicht wissen, wie wir am Abend durch den Verkehr in Santiago zum Hotel kommen werden. 6:30 Uhr ist jedoch viel zu früh für das Hotelpersonal, um zu frühstücken. Nach dem Start um 7 Uhr kommen wir gerade mal hundert Meter weit, dann werden wir durch die Polizei gestoppt. Der gestrige Sturm ging im Aconcaguagebiet als Schnee nieder, und die Passstraße nach Chile ist erst einmal gesperrt. Dank Ralphs Überredungskunst, dass wir nur wandern wollen, dürfen wir weiterfahren und müssen nicht im Tal warten, bis der Pass wieder frei ist.
 
 
Das Hotel an der
Punta del Inca
Ausblick aus einem
Hotelzimmer
Das Hotel hatte sogar
fließendes Wasser im Zimmer
Den ersten richtigen Halt machen wir dann am "Cementerio de los Andinistas" einem Friedhof für tödlich verunglückte Bergsteiger des Aconcaguagebiets. Hier liegt bereits überall Neuschnee. Einen weiteren Stopp gibt es dann an der "Punta del Inca", einer Naturbrücke über das Tal. Da es hier Thermalquellen gibt, hat vor rund 80 Jahren ein Verrückter versucht, an dieser Stelle ein Hotel zu bauen. Das Wasser ist aber schneller eingezogen als die Gäste, woraufhin er sich das Leben genommen hat. Seither hat die Natur eine interessante Ruine geschaffen.
Eine Snack Bar
gibt es auch
Am Fuß des Aconcagua
Wir fahren weiter zum Fuß des Aconcagua, mit 6.962 m ist er der höchste Berg außerhalb des Himalajas. Hier wandert nur der harte Kern der Gruppe in einer Stunde zum Aussichtspunkt, dem Rest ist es zu stürmisch und zu kalt. Mit dem Neuschnee wirkt die fast 4 km hohe Südwand noch beeindruckender. Wenn jetzt noch blauer Himmel wäre! Aber auch so ist es sehr schön.
 
 
Wieder zurück am Fahrzeug, machen wir Mittag, und was an frischem Obst, Fleisch, Käse, oder Wurst übrig ist, wird vernichtet. Es darf nicht nach Chile eingeführt werden.
Aconcagua 6.982 m
Endlose Serpentinen
bei der Abfahrt
Inzwischen ist die Passstraße offen und wir fahren weiter zur nahen Grenze. Für die Kontrollen beim Grenzübertritt benötigen wir 1½ Stunden. Unglaublich, welches Chaos hier herrscht. Es ist viel schlimmer als ehemals an der Grenze zur DDR. Als wir endlich weiter dürfen, zeigt Ralph in Michael Schumacher Qualität, wie schnell man mit einem LKW/Bus nach Santiago rasen kann. Wir schaffen es tatsächlich, vor dem allabendlichen Verkehrsstau im Hotel anzukommen. Abends wollen die Chilenen uns dann beweisen, dass ihre Essensportionen keineswegs kleiner als die der Argentinier sind.
 
27. Tag Mittwoch:
In Santiago
Der Smog läßt keinen
Abschied von den
Anden zu
Um 8:30 Uhr brechen wir zur Stadtbesichtigung auf. Die Pferderennbahn lässt das Flair des Wechsels vom 19. ins 20 Jahrhundert in uns aufkommen. Der Armut der Bevölkerung steht hier ein sagenhafter Reichtum von wenigen gegenüber. Wieder in der Innenstadt, geht Manfred am geschichtsträchtigen Hügel "Santa Lucia" verloren. Sicher steht er wieder irgendjemand vor der Linse. Das Mittagessen nehmen wir in den alten Markthallen ein. Nach den üblichen Sehenswürdigkeiten wie Plaza de Armas, der Kirche San Francisco und dem Präsidentenpalais machen wir uns auf den Rückweg zum Hotel. Dazu benutzen wird den öffentlichen Bus. Das muss man erlebt haben. Die Fahrer werden nach Anzahl der geschafften Runden bezahlt. Entsprechend rasen sie durch die Stadt. An den Haltestellen entern Eisverkäufer, Zigarettenverkäufer, andere alles Mögliche verkaufende Händler und sogar Musikgruppen den Bus, alle mit dem Ziel, bis zum nächsten Stopp ein Geschäft zu machen.
Abends halten wir in der gleichen Gaststätte wie am Vortag unser Abschiedsessen ab. Da wir aus den Portionen vom Vortag gelernt haben, wird heute weniger bestellt.
 
28. / 29. Tag Donnerstag / Freitag:
Am späten Vormittag fahren wir in das Künstlerviertel "Pueblo Artesanal Los Dominicos", in einem alten Kloster, wo die letzten Mitbringsel gekauft werden müssen. Der Markt ist aber wirklich sehenswert. Bei der angebotenen Ware handelt es sich wirklich überwiegend um Kunstartikel und keinen Touristenkitsch.
Dann quälen wir uns wieder durch die Stadt zum Flughafen, wo um 19:30 Uhr pünktlich der Rückflug mit LAN-Chile startet, der ohne besondere Vorkommnisse verläuft. In Madrid gibt es den schon vom Hinflug bekannten Zwischenstopp. Dieses Mal findet hier aber die Einreise in die EU statt. Alles wird wieder einmal durchleuchtet. Eine einzige Person ist für das komplette Airbus Großraumflugzeug zuständig. Wenn die in Frankfurt so arbeiten würden, käme das einem Streik gleich, und der ganze Flugverkehr würde zusammenbrechen. Am späten Nachmittag des Freitags landen wir dann wieder in Frankfurt, und ich trete mit der S-Bahn die Heimreise an.
Fazit: Für mich war das eine sehr schöne Reise durch drei wunderbare Länder, bei der meiner Meinung nach nur etwas zu viel gefahren wurde. Mit mehr Wandermöglichkeiten gespickt, wäre die Reise noch viel eindrucksvoller. Wenn man auf die Weingutsbesuche verzichten und die Stadtaufenthalte etwas kürzen würde, wäre dafür auch genug Zeit vorhanden. Das mag mein subjektiver Eindruck der Reise sein, aber eins steht für uns alle fest: Südamerika wird uns wieder sehen.


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