Bolivien - Chile - Argentinien

Eine Reise zu den Farben der Atacamawüste und der Anden

Eine Kondor-Tours Reise
1. Oktober - 29. Oktober 2004

Ein Reisebericht von Kurt.Merkert@web.de



Übersicht 1. bis 9. Tag 10. bis 19. Tag 20. bis 29. Tag Route Ausrüstung Druckansicht Home

10. Tag Sonntag:
Wüste bei Calama
Kirche in
San Pedro
Um 6:15 Uhr ist Aufstehen angesagt, und das am Sonntag. Zu allem Überfluss war die Nacht auch noch eine Stunde kürzer. Heute ist Zeitumstellung auf Sommerzeit. Doch auch das hat seine Vorteile. Durch die gewonnene Stunde sind die Farben zum Fotografieren besser. Man kann durch die Hitze praktisch nur am frühen Morgen und frühen Abend gut fotografieren.
Wir sind dadurch sehr früh in San Pedro de Atacama und wollen zuerst das archäologische Museum besuchen. Doch auch dort hat man Probleme mit der Zeitumstellung, und es ist noch nicht geöffnet. Heidi nutzt das, uns den Dorfbriefkasten der daneben liegenden Post zu zeigen. Das ist auch notwendig, wir hätten den nie als Briefkasten erkannt. Das Museum bestätigt seinen ausgezeichneten Ruf und zeigt anschaulich die Entwicklungsgeschichte in der Atacama. Besonders angetan hat es uns die Miss Chile xx Jahre vor unserer Zeit, eine weibliche Mumie, die in bestem Zustand erhalten ist.
Miss Chile
vor unserer Zeit
2stühliges Straßencafé
in San Pedro
Anschließend können wir noch die City durchstreifen, die von Läden für Touristen nur so wimmelt. Doch sind deren Verkaufsartikel nahezu identisch, sodass der Besuch ein paar weniger Läden ausreicht. Interessanter ist die weiße Adobe Kirche San Pedro, aus der heute am Sonntag herrliche Chormusik weit über den Vorplatz klingt. Leider stellt sich beim Betreten der Kirche heraus, dass die Musik nur aus einer Stereoanlage kommt. Dann treibt uns aber doch der Hunger zum Zeltplatz, wo vor dem Mittagessen noch die Zelte aufzubauen sind. Es ist dies ein Grasplatz, die sanitären Anlagen sind in Ordnung, und das soll auch so bleiben; wir sind die einzigen Gäste. Den frühen Nachmittag verbringen die meisten von uns mit Kartenschreiben. Jeder will die Karten noch einwerfen, da es sonst keine Möglichkeit vor Santiago mehr geben soll. Also nichts wie hin zu diesem besagten Briefkasten. Dort treffe ich Hans und Gerda, die die Post gerade eingeworfen haben. Bei dem Versuch, es ihnen gleich zu tun, werde ich von einem Einheimischen darauf aufmerksam gemacht, dies sei der Kasten einer Behörde, die Post sei umgezogen. Alle Versuche wieder an die Karten zu kommen scheitern, und auch die Hoffnung jemand würde am Montag die Karten in den richtigen Briefkasten werfen, sind nicht von Erfolg gekrönt - Behörde, Beamten - das kann einfach nicht klappen. Keine der Karten wird Deutschland je erreichen.
Mittagsrast
in San Pedro
Im Tal des Todes
 
 
Wann hat es hier
das letzte Mal geregnet?
 
Valle de la Luna
(Mondtal)
 
Jetzt wissen wir,
woher der Begriff
Wanderdüne stammt
Um 4 Uhr fahren wir in das nahe gelegene Tal des Todes mit seinen bizarren roten Felsformationen. Je weiter man in das Tal hineinwandert, umso mehr und schönere Sanddünen gibt es. Wir sind jedoch etwas zu früh, auch wegen der Zeitumstellung. Die Sonne steht noch zu hoch, um die Farben richtig glühen zu lassen. Aber wir wollen den Sonnenuntergang ja noch im Valle de la Luna (Mondtal) erleben. Die Fahrt dorthin wird von mehreren Stopps unterbrochen, die jeweils fantastische Ausblicke auf stetig wechselnde Landschaftsformen erlauben. Den Sonnenuntergang erleben wir dann mit mehreren hundert Touristen, die alle das gleiche berühmte Foto schießen wollen. Die meisten wandern eine Sanddüne hinauf, daher kommt wohl der Begriff Wanderdüne, und sitzen oben aufgereiht wie auf der Hühnerleiter. Leider gibt heute der Sonnenuntergang nicht ganz das her, was die vielen Ansichtskarten zeigen. Wir halten uns etwas abseits und leeren als "Sundowner" 2 Flaschen Pisco Sour, was den Abstieg doch erheblich lustiger gestaltet.
 
Vulkan
Licancabur
Vulkan Licancabur
im letzten Licht
Wieder zurück auf dem Campingplatz, geht es sofort in den Ort zum Abendessen, das wiederum sehr gut ist, und um 21:30 Uhr kriechen wir in die Zelte, für eine kurze Nacht, denn um 3:15 Uhr ist Wecken. Es soll zu dieser unchristlichen Zeit zu den Geysiren von El Tatio gehen. Doch die Nacht wird noch viel kürzer als gedacht. Beim Verlassen der Gaststätte hatten wir schon bemerkt, dass sehr viel Betrieb herrscht. Zur Entdeckung Amerikas durch Kolumbus sind vier aufeinander folgende Feiertage angesagt. Dann beginnt um 22 Uhr eine Disco neben dem Campingplatz. Bis 2 Uhr in der Frühe macht keiner von uns ein Auge zu, und die Chilenen feiern bis zum frühen Morgen in den Privathäusern weiter, was wir aber nicht erleben, denn um 3:15 Uhr ist ja Aufstehen.
 
 
11. Tag Montag:
Das Anziehen dauert heute etwas länger als sonst, nicht wegen der frühen Uhrzeit, sondern weil als Kleidung Zwiebelsystem angesagt ist. Jeder zieht diverse Lagen übereinander an. Von Eiseskälte bis Hitze soll es heute alles geben. Um 4 Uhr nehmen wir im kleinen Bus eines örtlichen Reiseveranstalters die 100 km zum Geysirfeld El Tatio, das auf 4.150 m Höhe liegt, in Angriff. Die Strecke führt bei völliger Dunkelheit über eine Schotterpiste. Wenn diese zu holprig wird, wird querfeldein dahingerast. Es wird immer kälter im Bus, und als wir nach 2 ½ Stunden ankommen, haben wir eine Außentemperatur von -10° C. Um uns herum zischt, dampft und stinkt es im wahrsten Sinn des Wortes atemberaubend.
Während unser Guide im Geysir Eier kocht und die gefrorene Milch auftaut, versuchen wir, die ersten Fotos noch bei Dunkelheit zu machen. Doch bei fast allen von uns beginnen die Kameras verrückt zu spielen. Ich fotografiere einfach weiter, auch wenn das Display nichts mehr anzeigt.
Geysirfeld
von El Tatio
Die ersten Sonnen-
strahlen
Eier auf ganz besondere
Art kochen
Frühstück bei -10°C
 
Geysir in El Tatio
 
Das Wasser ist
angenehm warm
Man weiß gar nicht, was man zuerst fotografieren soll, die hohen Dampfsäulen, die blubbernden Löcher, oder unsere frierende Gruppenteilnehmer, die alle zum Frühstück eilen, da man sich da mit den gekochten Eiern die Hände wenigstens etwas wärmen kann. Als dann die Sonne aufgeht, werden die Farben noch spektakulärer, doch beginnen die Dampfsäulen - den physikalischen Gesetzen folgend -, in den Sonnenstrahlen in sich zusammenzufallen. Bei schnell steigenden Temperaturen - 0° C sind für uns nun schon warm - schlendern wir zu einem Badepool. Die nun folgende Szene darf keineswegs als typisch angesehen werden; nur die Frauen aus unserer Gruppe gehen ins Wasser, kein Mann!
Die sich anschließende Rückfahrt wird eine wahre Genussfahrt. Mit viel Zeit für viele Fotostopps geht es über eine grandiose Hochebene mit einer in ihrer Kargheit erstaunlich reichhaltigen Tierwelt. Wir sehen 2 Nandus, Vicuñas, Flamingos, Andengänse und bei der Ortschaft Machuca mit ihrer schönen Adobe Kirche auch sehr schön geschmückte Lamas. Die den Hintergrund bildenden Vulkane, die im Vordergrund liegenden Seen, Kakteen wohin man schaut, für mich entsteht der Eindruck, in San Pedro könnte man ohne weiteres zwei Wochen verbringen.
Immer wieder beein-
druckend die endlose
Weite
Der Lamahengst
hat alles im Blick
 
Kirche in Machuca
 
 
Flamingos
vor dem Licancabur
 
Säulenkaktus
vor dem Licancabur
 
Gegen 13 Uhr, - inzwischen bei Hitze - erreichen wir wieder unseren Campingplatz. Nun steht Duschen an. Wer warmes Wasser möchte, muss bis 5 Uhr warten, doch bei dieser Hitze ist kaltes Duschen richtig angenehm. Für den Rest des Tages haben wir nichts mehr vor. Heute Abend wird selbst gekocht. Es gibt Seehecht mit Reis und Sesam in Kokosmilchsauce. Nach der vergangenen kurzen Nacht gehen alle früh in die Zelte mit einer gewissen Skepsis, was die Nachtruhe betrifft, wenn man an den zweiten Feiertag denkt.
 
12. Tag Dienstag:
Salar de Tatar
Flamingos im Salar
de Tatar
Die Chilenen sind auch nicht das, was man nach der ersten Nacht hätte erwarten können. Vier Feiertage hintereinander, aber schon nach dem ersten Tag machen sie schlapp. So haben wir bis zum Wecken um 5:30 Uhr eine ruhige Nacht. Unter einem fantastischen Sternenhimmel werden die Zelte abgebaut. Wir frühstücken noch im Dunkeln, dann fahren wir direkt los. Es soll heute über die Grenze nach Argentinien gehen. Die Grenze, das ist so eine Sache. Sie befindet sich auf dem Sico Pass in 4.079 m Höhe. Da es sich dort oben schlecht leben lässt, haben die Chilenen die Grenzformalitäten einfach an den Ortsausgang von San Pedro de Atacama gelegt, noch 210 km vor der Grenze.
Lagune de Tuyajito
Landschaft vor
dem Sicopass
Durch unsere frühe Abfahrtzeit sind wir die Ersten und werden zügig abgefertigt. Dann geht es los. Immer die riesige Fläche des Salar de Atacama zur Rechten und die linke Seite von schneebedeckten fast 6.000 m hohen Vulkanen flankiert, ist die Weite der Landschaft großartig. Heute verlangt alle paar Minuten einer nach einer Allzweckpause (Pinkelpause, die zum Fotografieren umfunktioniert ist). Da wir heute 370 km vor uns haben, davon 270 km auf Schotterpiste, hätte Ralph sonst nicht so oft angehalten. Dann treffen wir auf den Salar de Talar. Es ist dies der erste Salar, der auch salziges Wasser enthält. Er liegt wunderschön zwischen den Bergen und wird von rosa Flamingos bewohnt. Noch eine Lagune, die silberglänzende Laguna de Tuyajito, und dann schlängelt sich die Piste zum Sico Pass hoch.
 
Grenze am Sico Pass
4.079 m
Die Grenze wird durch ein Eisengerüst markiert, sonst ist nichts zu sehen. Die argentinische Grenzstation liegt 15 km weiter und damit ein ganzes Stück tiefer. Wir machen direkt auf der Grenze Mittagsrast. Das Essen müssen wir allerdings im Bus zubereiten. Draußen weht ein Sturm, der sich nur zum Trocknen der Zelte eignet, die heute früh noch nicht trocknen konnten. Da es im Bus sehr eng ist, verkneifen sich Urli, Manfred und ich die Küchenhilfe, und wir wandern schon zu Fuß nach Argentinien ein. Doch noch vor der Grenzstation werden wir vom Bus aufgelesen. An der Grenzstation, hier sind in einer Baracke 12 Männer und ein Fernseher untergebracht, geht die Abfertigung zu unserer aller Überraschung recht zügig. Seit drei Tagen ist hier kein Fahrzeug mehr vorbeigekommen, (der Hauptverkehr fließt über den nördlich gelegenen Paso Juma) und nach einer halben Stunde ist alles erledigt.
 
Was ist hier los?
Wegen des Sturms
muss das Essen im
Bus zubereitet werden
Nun in Argentinien, geht es noch mehrere Stunden, teilweise im Schritttempo, über staubige Pisten bis nach San Antonio des los Cobres, wo wir ein kleines Hotel beziehen. Hier ist große Entstaubungsaktion angesagt. In den Ort will keiner mehr, auf 3.770 m Höhe ist es inzwischen empfindlich kalt, und außerdem weht der Wind immer noch in Sturmstärke. Vor Staub sieht man kaum etwas, und so freut sich jeder auf das erste Abendessen in Argentinien. Es schmeckt sehr gut, die Portionen sind riesig, hier nur eine Aufzählung des Nachtischs: Käse mit Marmelade, Mais mit Marmelade (wie Polenta), Karamellpudding und Pfannkuchen. Wer zum Essen Bier trinken will, das übrigens sehr gut ist, muss aufpassen, die Flaschengröße beträgt in Argentinien 1 Liter.
 
13. Tag Mittwoch:
Heute ist erst um 7 Uhr Aufstehen, doch vor dem Frühstück gibt es noch Frühsport. Für die Reserveradaufhängung war die Schotterpiste gestern zu viel. Sie ist gebrochen, und wir müssen das 110 kg schwere Rad auf das Gepäckfach hoch wuchten.
Hier lebt eine fünf-
köpfige Famile
Salar Grande
Wir fahren über die Hochebene Richtung Salar Grande. Einen ersten Halt machen wir bei einer Bauernfamilie, die Ralph und Heidi kennen. Hier wird uns richtig bewusst, unter welch harten Lebensbedingungen die Menschen hier leben. Zu den Nachbarn sind es zig Kilometer, ein Auto kann man sich nicht leisten, und für den Arztbesuch braucht man zwei Tage. In Argentinien herrscht Schulpflicht, doch ich frage mich, ob die Menschen das hier wissen.

  Dann geht es mit dem LKW/Bus direkt auf die riesige Fläche des Salzsees (2-fache Größe des Bodensees). Leider trifft das uns angekündigte "weißer als Persil" nicht zu. Durch den vorangegangenen Sturm sehen die einzelnen Salzformationen wie mit Zimt bepudert aus. Die Dicke des Salzes beträgt 7 Meter und hat damit genügend Tragkraft sogar für unser schweres Gefährt. Da es in dieser Gegend kaum eine andere Arbeit gibt, wird das Salz aus speziell gegrabenen Becken abgeschöpft. Wir machen Mittagsrast direkt auf dem See. Die Arbeiter haben aus Salz Tische und Bänke hergestellt, und nutzen unsere Pause, sich mit dem Verkauf von Salzfiguren etwas dazu zu verdienen.
Salzgewinnung ist ein
harter Job
Die Salzdecke trägt
sogar den LKW
Straße nach
Pumamarca
Anschließend fahren wir durch eine sich nun verändernde Landschaft. Es wird bergig und die Hänge sind mit Kakteen bewachsen. Zur Überraschung unserer Reiseleiter ist die Straße asphaltiert. Über einen 4.170 m hohen Pass erreichen wir Purmamarca. Wir haben auf der Abfahrt vom Pass schon bemerkt, dass hier fast jeder Berghang eine andere Farbe hat, doch Purmamarca übertrifft da alles. Während Heide die Essensvorräte auffüllt, wandert - besser gesagt spaziert - der Rest der Gruppe zum 7-Farbenberg. Ein Foto kann hier nur ansatzweise die Wirkung vor Ort wiedergeben. Es bleibt Zeit, den kleinen Indiomarkt zu besuchen, und sogar ein Cafébesuch ist noch möglich. Das haben wir alles der neu asphaltierten Straße heute zu verdanken.
Ganz schön
mächtig, die
Säulenkakteen
Sieben-Farben Berg
in Pumamarca
Frisch gestärkt schaffen wir auch die Reststrecke zum Campingplatz in Tilcara. Dieser liegt "nur" auf 2.570 m Höhe, aber die Höhe macht uns inzwischen überhaupt nichts mehr aus. Das Duschen verkneifen wir uns heute Abend, denn es ist hier trotz der geringen Höhe sehr, sehr kalt. Zum Essen gibt es Spaghetti mit Tomatensauce, nach gestern heute etwas Einfaches, und dann suche ich mein Zelt auf. Doch an Schlaf ist vorerst nicht zu denken. Ist heute vielleicht ein deutscher Feiertag? Der Rest der Gruppe hat ein windgeschütztes Plätzchen entdeckt, und veranstaltet eine Weinprobe - lautstark mit Gesang. Ja, ja, aber sich in San Pedro über die Chilenen aufregen. Die Feier endet erst, als das Licht ausgeht.
 
 
14. Tag Donnerstag:
Als wir um 7:Uhr aufstehen, sind die Zelte mit einer dicken Reif- und Eisschicht bedeckt. Es ist so kalt, dass der Campingplatzbetreiber auch heute Morgen unser Duschwasser spart. Jetzt kann man auch feststellen, warum heute Nacht das Licht plötzlich ausging. Einem einsam auf dem Campingplatz weidenden Pferd hat wohl das Fell gejuckt, und bei dem Versuch, sich an dem die Stromzufuhr führenden Mast zu reiben, hat es diesen umgeworfen.
Trichocereus pasacana
Wanderung in der
Teufelsschlucht
Heute geht es mit einer Wanderung 600 Höhenmeter aufwärts zu einer Schule. Sie liegt im Hochtal von Alfarcito, und der Pfad dorthin wird von blühenden Säulenkakteen begleitet, die je höher wir kommen, immer zahlreicher und größer werden. Neben uns befindet sich ein tiefes Tal, die Quebrada de Diablo (Teufelsschlucht), in die ein Teil der Gruppe absteigt, um bis zu einem Wasserfall zu gelangen, wo es dann nicht mehr weitergeht. Als wir die Bergschule erreichen, ist es fast Mittag. In der Schule werden 18 Kinder aus den weit verstreut liegenden Höfen dieser Gegend unterrichtet und beaufsichtigt. Mittags bekommen sie eine warme Mahlzeit. Die Lehrerin reist dazu jeden Tag 40 km!!! mit dem Fahrrad an, und hat dann noch einen einstündigen Aufstieg vor sich.
 
Hier machen wir auch unsere Mittagsrast. Durch diese Pause haben wir nicht bemerkt, wie heiß es inzwischen geworden ist. Das wird uns erst jetzt beim Abstieg so richtig bewusst. Weit und breit ist kein Schatten in Sicht, und die mitgeführten Getränke werden rapide weniger. Jeder versucht für sich, so schnell wie möglich wieder zum Campingplatz zu kommen. Ich bin einer der Letzten, da ich es mir nicht nehmen lasse, noch einige Fotos von den wunderschön blühenden Kakteen zu machen. Außer Nahaufnahmen kann man bei der Hitze keine guten Bilder machen. Diese Temperaturunterschiede! Wenn man bedenkt, morgens hatten wir Minusgrade, jetzt sind es 35° im Schatten.
Säulenkakteen über-
ziehen die Berghänge
wunderschöne
Kakteenblüten
Alle freuen sich auf dem Campingplatz auf Kaffee und Kuchen. Die Frau des Campingplatzbetreibers hat für uns eine Ananastorte gebacken. Nachdem wir gestern Abend und heute Morgen nicht geduscht haben, hat man unter dem Wasserbehälter ein Feuer entfacht, doch bei dieser Hitze duscht jetzt jeder kalt. Der restliche Nachmittag wird von den meisten für das Schreiben des Tourenberichts oder zum Telefonieren in die Heimat verwendet. In Argentinien kann man ausgezeichnet und preiswert telefonieren. Die meisten Geschäfte haben Telefonkabinen. Zum Abendessen gibt es heute ein Riesentopf voll Kartoffelsuppe. Die sollte noch ihre Wirkung zeigen. Der Bierkonsum der Gruppe ist nicht mehr ganz so hoch, die Riesenflaschen von vor zwei Tagen wirken noch nach. Heute gehen alle früh in die Zelte. Diese Nacht wird es keinen Frost geben. Dafür haben aber alle Hunde des Ortes gegen 2 Uhr nachts ein Konzert angesagt.
 
15. Tag Freitag:
Wecken ist um 6:30 Uhr. An einen Abbau der Zelte ist nicht zu denken. Sie sind viel zu nass. So beschließen wir, sie einfach stehen zu lassen, da wir von der Rückfahrt von Humahuaca, wo es heute hingehen soll, sowieso wieder in Tilcara vorbeikommen. Wir werden die Zelte dann abbauen und die Gelegenheit nutzen, auf dem Campingplatz noch einmal zu Mittag zu essen, bevor es dann nach Salta weitergeht.
Kolonialhaus
in Humahuaca
Man merkt, dass
Touristen nach
Humahuaca kommen
Nun brechen wir aber erst mal nach Humahuaca auf. Die Fahrt dorthin führt durch die gleichnamige Quebrada. Das Tal ist sehr fruchtbar, und überall sieht man Kleinbauern bei der Feldarbeit. Humahuaca ist ein Weltkulturerbe der UNESCO, und man erkennt auch sofort warum. Die Bevölkerung der Kleinstadt ist überwiegend indianischer Abstammung, und das Stadtbild hat sein Flair aus der spanischen Kolonialzeit behalten. Die Stadt hat gepflasterte Straßen und Bürgersteige - wodurch es nicht so staubt - und besitzt sehr schöne Kolonialhäuser. Wahrzeichen ist das "Monumento a la Independencia" von 1924, das über der Stadt thront, und den indianischen Anteil am Unabhängigkeitskrieg von Spanien darstellen soll. Wir haben ausgiebig Zeit, alles zu durchstöbern und machen dann noch in Uquia an der Kirche "San Francisco de Paula" mit ihrem gold verzierten Altar und Heiligenbildern aus der Schule von Cusco halt.
 
Kind in Uquia
Zurück auf dem Zeltplatz, werden die Zelte abgebaut und die Reste der ausgezeichneten Kartoffelsuppe vertilgt. Dann fahren wir bis San Salvador de Jujuy, von wo aus eine für argentinische Verhältnisse beinahe Autobahn nach Salta führt. Wir biegen aber auf ein fast einspuriges asphaltiertes Sträßchen ab, das uns in wunderbaren Kehren bis nach Salta führen wird. Schon bei der Anfahrt nach San Salvador hat sich die Landschaft verändert. Die farbigen Berghänge mit ihren Kakteen sind einem Wald gewichen. Richtig, wir sehen erstmals auf dieser Reise ausgedehnten grünen tropischen Wald und dann gleich mit in vielen Farben blühenden Bäumen. Von roten Korallenbäumen bis blauen Jacarandas ist die ganze Farbpalette vorhanden. Am Boden erkennt man sogar im Vorbeifahren wunderschöne Orchideen. Dann kommt von jemand der Vorschlag, ein Stück an der Straße entlang zu laufen. Er kommt genau zur rechten Zeit, denn als wir halten, schaffe ich es gerade noch hinter den nächsten Busch - die Kartoffelsuppe war einfach zu viel.
Korallenbaum (Erythrina)
Nach der Ruhe der Wüste fallen uns hier die Geräusche des Waldes so richtig ins Ohr. Am lautesten sind die Schwärme von Papageien, die über unsere Köpfe fliegen.
 
Als wir in Salta ankommen, wird noch an einem Künstlermarkt gehalten. Doch keiner hat mehr große Lust dafür, alle wollen ins Hotel, denn heute Abend ist Ausgehzeit. Es ist der Besuch einer argentinischen Peña, dem Gegenstück zum Tango in Buenos Aires, angesagt. Ich werde daran nicht teilnehmen, das ist nicht so meine Sache. Stattdessen will ich Wäsche waschen und die restliche Zeit einmal für mich nutzen. Die anderen werden wohl nicht vor 2 Uhr nachts zurückkommen.
 
16. Tag Samstag:
Kathedrale in Salta
In der Kathedrale in Salta
Heute geht es mit Rücksicht auf die Peña Besucher erst um 9:45 los. Wir schlendern durch die Stadt zum Park San Martin, von wo aus wir mit einer Seilbahn auf den Hügel San Bernardo schweben. Außerhalb eines Hochgebirges eine Seilbahn zu benutzen, ist für mich immer irgendwie unwirklich, aber 350 Höhenmeter sind fast eine Stunde Fußmarsch. Von dort oben hat man einen sehr schönen Überblick über die 100.000 Einwohner zählende Stadt. San Bernardo ist als Parkanlage gestaltet mit viel fließendem Wasser und für uns exotischen Pflanzen, die hier aber heimisch sind. Wir laufen zu Fuß den Hang über 1.000 und ein paar Stufen zur Stadt zurück. Leider hat es hier vor einiger Zeit gebrannt, sodass man sich wie im Winter vorkommt, alle Pflanzen sind ohne jegliches grünes Blattwerk.
Balkon aus
spanischer Zeit
Kirche San
Francisco in
Salta
Wieder zurück in der Stadt, besuchen wir die Kirche San Francisco. Die Kathedrale hat bereits Mittagspause, und so entschließen auch wir uns, einen Italiener aufzusuchen. Der Nachmittag steht zur freien Verfügung, was ich zum Besuch eines Internetcafés und zur anschließenden Siesta nutze. Gegen 5 Uhr erwacht erst wieder das Leben in der Stadt. Ich möchte die Kirchen im Abendlicht fotografieren und mache schon mal ein paar Sicherheitsfotos. Diese Entscheidung sollte sich als richtig herausstellen, denn überraschend ziehen Wolken auf, und die Sonne lässt sich nicht mehr sehen. Nach einem Gang durch die Fußgängerzone Saltas, hier herrscht ein Gewimmel wie zu Hause zwei Tage vor Weihnachten, kann man von einem Café am Platz des 9. Juli aus das Treiben bestens beobachten.
Abends geht es dann noch mal zu einem Italiener. Typisch für Argentinien ist die späte Essenszeit. Vor 22 Uhr tut sich in den Gaststätten nicht viel. Bei den großen Portionen, die es hier immer gibt, kann man dann kaum einschlafen.
 
17. Tag Sonntag:
Teufelsschlucht
im Valle de Lerma
Heute ist in Argentinien Muttertag. Da wir unser Fahrzeug erst um 9 Uhr aus dem gesicherten Parkbereich holen können, ist erst um 9:30 Uhr Abfahrt. Nach dem üppigen Frühstück, man könnte in zwei Minuten fertig sein, wenn die Kellner nicht zwanzig Minuten zur Vorbereitung bräuchten, bummeln Karin, Agnes und ich noch einmal durch die menschenleeren Straßen.
Dann geht es los Richtung Cafayate. Der Vormittag bringt nichts Außergewöhnliches. Wir fahren durch eine Gegend, in der vor allem Ackerbau betrieben wird. Das Mittagessen wird in einer Ziegenkäserei eingenommen. Die Vorspeisenplatte aus Ziegenkäse, jeder mit einem anderen würzigen Kraut hergestellt, gehören zum Besten, was ich an Käse je gegessen habe. Nach dem Essen erreichen wir den Ort Alemania. Nach 13.000 km sind wir also wieder in Deutschland angekommen.
Quebrada de las
Conchas
Campen in antemberau-
bender Landschaft
Da kann der Tag
ausklingen
Danach ändert sich die Landschaft. Die Berge rücken näher und werden höher. Wir befinden in der Quebrada de las Conchas. Nun gibt es alle paar Minuten einen Stopp. Die Teufelsschlucht liegt wie ausgefräst hinter einem schmalen Einschnitt seitlich der Straße. Über eine schräge Platte versuche ich mit Urli, den oberen Beginn der senkrechten Wand zu erreichen. Als die Aussicht innerhalb von Sekunden wieder ganz unten zu sein, immer wahrscheinlicher wird, kehren wir vorsichtshalber um. Der nächste Halt ist im Amphitheater, einem runden Kessel, in dem die Erdverwerfungen gigantische Ausmaße annehmen. Hier stimmt Manfred der guten Akustik wegen La Montanara an. Gott sei Dank kann er singen. Den nächsten Stopp erzwingen Schwärme von Papageien, die in eine Felswand ihre Wohnhöhlen gegraben haben, fotografieren lassen sie sich allerdings nicht. Die ungeheure Farbenvielfalt dieses Tals wird das beste Geschäft für Agfa, Kodak usw.
Felsformationen beim
Lager
Das Castillero im
letzten Tageslicht
Nach der Felsformation Castillero, es sieht wirklich wie eine Befestigungsanlage aus, zweigen wir von der Straße ab, und suchen uns mitten in der Wildnis einen Platz für die Nacht. Zwar ohne Wasser und sanitäre Einrichtungen, dafür aber eingebettet zwischen roten Felsformationen, wird es der schönste Campingplatz der Reise sein. Unter Sturmbedingungen werden die Zelte aufgebaut und das Essen vorbereitet. Es gibt Rindergeschnetzeltes mit Nudeln sauer gemacht, die Qualität ist super. Da wir aber noch Zeit haben, bis die Sonne untergeht, wird noch Brennholz aus abgestorbenem Kakteenholz für ein Lagerfeuer gesammelt. Ich wandere ganz allein durch die Einsamkeit der leuchtenden Felsformationen. Es ist wunderschön hier. Je tiefer die Sonne sinkt, umso schöner werden die Farben. Wir sitzen an diesem Abend noch lange im Freien und genießen die Stimmung. Unsere Abfälle werden bis morgen früh im Auto verstaut, damit sie nicht von Füchsen geholt werden, deren Augen man in der Dunkelheit leuchten sieht.
 
18. Tag Montag:
Nach erstaunlich warmer Nacht ist früh um 6:30 Uhr Wecken, denn heute Morgen steht eine Weinprobe an! Richtig gelesen, morgens um 9 Uhr, das habe ich auch noch nicht erlebt. Der Wind hat sich gelegt. Die Zelte werden abgebaut, und das Frühstück wird ohne Sandberieselungsanlage eingenommen. Keiner will eigentlich von diesem schönen Ort weg. Statt der Weinprobe möchten alle lieber hier noch zwei, drei Stunden wandern. Aber das Programm muss eingehalten werden, da der Kellereibesuch fest terminiert ist. Schade, aber das Wandern steht bei diesem Reiseveranstalter nicht ganz so hoch im Kurs.
Weinprobe um 9 Uhr
am Morgen!!!
Es sind nur 17 km bis Cafayate, wo wir direkt zur Kellerei fahren. Bei 300 Tagen Sonne im Jahr lässt sich hier sehr gut Wein anbauen. Das Wasser zur Bewässerung wird aus den nahen Bergen bezogen. Ansonsten unterscheidet sich das Weingut nicht groß von denen bei uns zu Hause. Auf 300 ha werden vor allem Rotweinsorten angebaut, die auch nach Europa exportiert werden. Angesichts der frühen Stunde hält sich unser Weinkonsum bei der Verkostung in Grenzen, nicht zu Vergleichen mit dem auf dem Campingplatz in Tilcara.
Ruinen von Quilmes
Nach einem einstündigen Aufenthalt in Cafayate fahren wir bis zu den Ruinen von Quilmes durch. Hierbei handelt es sich nicht etwa um eine in Schutt gefallene Brauerei des bekannten argentinischen Biers gleichen Namens, sondern um die Ruinenanlage eines Indianerstammes. In dieser in einen Berghang gebauten Anlage der Quilmesindianer konnte den Spaniern ein Jahrhundert lang standgehalten werden. Beim Durchstreifen der Anlage staubt es gewaltig, und im Tal sieht man schon einen Sandsturm kommen. Also stürmen fast alle in das zur Anlage gehörende kleine Museum - als Alibi, in Wirklichkeit wollen die nur wieder in ein ebenfalls vorhandenes Café. Ich möchte aber noch ein Foto von der Anlage machen, doch stört mich ein etwas unwirklicher Felsen. Beim genaueren Hinsehen, erkenne ich Manfred. Er steht wie meistens immer im Bild. Sucht man ein gutes Fotomotiv, muss man nur schauen, wo Manfred sich aufhält; er wird mit Sicherheit vor der Linse erscheinen. Als ich als letzter das Café erreiche, komme ich gerade noch rechtzeitig, um mitzuerleben, wie ein Lama, das sich in die Gaststätte verirrt hat, vom Koch mit dem Kochlöffel wieder hinausgetrieben wird.
 
Blühender Kaktus
Weiter fahren wir mit einem kurzen Aufenthalt im Museum des auch bei uns bekannten Künstlers Hector Cruz zu einem Gebirgspass, der die Wetterscheide darstellt. Und richtig, schlagartig ist das schöne Wetter weg; Wolken und Nebel, wir kommen uns vor wie bei schlechtem Wetter in den Alpen. Somit geht es direkt in das Hotel in Tafi de Valle, das wir nur noch einmal zum Abendessen verlassen. Wir landen in einer ganz kleinen Gaststätte, -die normalerweise aufgesuchte hat heute geschlossen. Wirtin, Köchin, Kellnerin, und Schankier sind in einer Person vereint. Als ich nach dem Essen einen Digestif trinken möchte und auf eine Flasche Cognac deute, wird mir unter dem Gelächter der anderen ein großes Wasserglas voll gereicht. Die Wirtin meint es gut mit mir, doch beim Bezahlen stellt sich heraus, dass sie nicht weiß, was sie dafür berechnen soll. Auf Nachfrage gibt sie an, noch nie einen Cognac ausgeschenkt zu haben. Sie weiß gar nicht, was das überhaupt ist, und dass man den trinken kann. Sie habe ihn immer nur zum Kochen verwendet.
 
19. Tag Dienstag:
Heute liegen 460 km Fahrtstrecke bis Rioja vor uns. Um 7:30 Uhr ist deshalb bereits Abfahrt. Vorher gibt es aber das für mich beste Frühstücksbuffet der Reise, mit sogar drei verschiedenen hausgemachten Kuchen, wovon ich mir allein einen halben Erdbeerkuchen genehmige.
Die Fahrt führt bis in die Provinz Tucuman immer abwärts durch einen schönen Bergregenwald, der noch schöner wäre, wenn es hier nicht vor ein paar Jahren einen großen Waldbrand gegeben hätte, und er sich somit erst wieder im Aufbau befindet. Es ist jedoch erstaunlich, wie schnell die Natur diese Wunden heilt. Ohne weiteren Halt geht es durch die Tiefebene. Mittagsrast machen wir auf einem besseren Müllplatz. Wir stehen unter einem Maulbeerbaum und bemerken zu spät, was das für die Profilrillen unserer Schuhe bedeutet. Die zertretenen Früchte haben die Konsistenz von Silikon; das ist eine Schweinerei.
Urwald bei
Tafi del Valle
wild wachsende
Fuchsien
Kathedrale
in Rioja
Weiter geht es ohne Pause bis Rioja, das wir gegen 16 Uhr erreichen. Die Stadt hat 110.000 Einwohner und liegt in einer äußerst heißen Gegend, hat aber außer einem zentralen Platz nicht viel zu bieten. So finden sich alle sehr schnell mal wieder in einem Café ein, um die Zeit bis zum Abendessen zu überbrücken. Dies wird in einer Gaststätte eingenommen, wo es als Spezialität gebratene Blut- und Leberwürste gibt, die auch wirklich sehr gut schmecken.
 


Übersicht 1. bis 9. Tag 10. bis 19. Tag 20. bis 29. Tag Route Ausrüstung Druckansicht Home