D R U C K V E R S I O N 

Traumzeit Bolivien, Reise zu den Höhepunkten des Landes

Eine Hauser Reise vom 30.September bis 20. Oktober 2007

Ein Reisebericht von Kurt.Merkert@web.de


Nachdem ich in den letzten vier Jahren jeweils einen Urlaub in Südamerika gemacht habe, ist es inzwischen für mich fast Tradition, auch dieses Jahr dorthin zu verreisen. Andrea und ich haben uns für Bolivien entschieden, weil unser Reiseführer von der Patagonienreise dort lebt, und uns das Land als nicht alltägliches Reiseziel empfohlen hat. Wir entscheiden uns für eine Hauser Reise, da unser sonstiger Reiseanbieter "Wikinger-Reisen" zwar fast die gleiche Tour anbietet, die Hauser Reise uns aber terminlich besser passt.
Nach der Buchung, wird das Programm vom Veranstalter noch mehrmals geändert. Statt über Sao Paulo in Brasilien fliegen wir jetzt über Santiago de Chile nach Bolivien. Das wird aber auch noch einmal geändert. Wegen Flugplanänderungen werden wir einen Tag in Santiago verbringen, und erst am nächsten Morgen weiterfliegen. Dieser zusätzliche Tag wird am Ende der Reise beim Trekking eingespart. Wir müssen dann einfach pro Tag mehr laufen.
Trotzdem freuen wir uns darauf, das ärmste Land Südamerikas mit der indianischsten Bevölkerung und seinen unterschiedlichen Landesformen kennen zu lernen.

Kakteen auf dem Salar de Uyuni
 
Kirche
am Vulkan Tunupa
Titicacasee und Königskordillere
 

 
1. Tag Sonntag:
Reisestrecke
Mitten im Finale der Fußballweltmeisterschaft der Frauen steht mein Kollege vor der Tür, um uns zum Flughafen Frankfurt zu bringen. Um 16:30 Uhr treffen wir dort ein und erleben am LAN Schalter gleich eine Überraschung. Wir sind nur bis Madrid auf LAN gebucht und müssen von dort mit Iberia weiterfliegen. Das gefällt uns zwar nicht, ist aber nicht zu ändern. Nach einigem Verhandeln erreichen wir, dass das Gepäck bis Santiago durchgecheckt wird. Hoffentlich klappt das, wir sind da sehr skeptisch.
Der Start erfolgt pünktlich um 19:30 Uhr. Der Flug bis Madrid verläuft normal, aber anders als im letzten Jahr mit Iberia gibt es dieses Mal etwas zu essen. Um 0:30 Uhr geht es weiter. Der Flug ist sehr ruhig, um 1:30 Uhr in der Nacht gibt es Abendessen, ansonsten passiert bis zur Landung nichts mehr.
 
2. Tag Montag
Präsidentenpalast
Santiago
Plaza de Armas
und Kathedrale
Wir landen um 8 Uhr Ortszeit, in Deutschland ist es jetzt 14 Uhr. Die Passkontrolle erfolgt ohne Komplikationen, doch dann kommt der große Schrecken. Unser Gepäck ist als einziges von der Gruppe nicht vorhanden. Wir haben extra unsere Sachen auf zwei Taschen verteilt, falls eine nicht ankommt. Damit, dass beide fehlen, haben wir nicht gerechnet. Als wir am LAN Schalter reklamieren, tröstet man uns damit, dass bei LAN fast immer das Gepäck richtig mitkommt, nur bei Iberia gäbe es da öfter Probleme. Als wir darauf aufmerksam machen, wir seien mit Iberia angekommen, bricht große Hektik aus. Nach einer guten halben Stunde, wird das Gepäck doch noch gefunden. Uns fällt ein Stein vom Herzen.
Santiago
und die Anden
Nach diesem Schreck kann die ganze Gruppe, insgesamt sind wir neun Personen, mit einem chilenischen Reiseleiter in die Innenstadt aufbrechen. Wir fahren kurz ins Hotel, geben dort unser Gepäck ab, und brechen dann zu einer dreistündigen Stadtbesichtigung zu Fuß und per Bus (auf den Cerro San Cristobal) auf. Da ich nicht das erste Mal in Santiago bin, fällt mir besonders auf, dass die Abgase des innerstädtischen Busverkehrs nicht mehr die Luft verpesten. Man hat die ganze Flotte auf moderne Fahrzeuge umgestellt. Trotzdem ist der über der Stadt liegende Smog gewaltig.
Zum Mittagsessen werden wir in die Markthallen geführt, für mich ist es bereits das dritte Mal. Anscheinend werden alle Touristen hierher gebracht. Aber das Essen ist auch ausgezeichnet. Den Nachmittag haben wir zur freien Verfügung, nutzen dies noch zu einem kleinen Rundgang, aber um 19 Uhr fallen Andrea und ich ins Bett. In Deutschland ist es jetzt 1 Uhr in der Nacht. Es sind 42 Stunden vergangen, seit wir das letzte Mal im Bett lagen.
 
3. Tag Dienstag
Um 5 Uhr stehen wir mit unserem Gepäck im Foyer des Hotels. Ein paar Plätzchen, eine Tasse Tee müssen als Frühstück reichen; wir werden ja im Flugzeug Frühstück bekommen. Wir fahren direkt zum Flughafen, von wo wir um 6:50 Uhr pünktlich abheben.
Bei herrlicher Sicht auf die Anden und die Atacama Wüste fliegen wir nach Norden. In Iquique soll es noch eine Zwischenlandung geben. Dort liegt alles unter dem mir schon von Peru her bekannten Küstennebel. Hier ist es absolut trostlos. Zum Glück geht es bald weiter nach Santa Cruz in Bolivien. Die Sicht ist jetzt gleich Null. Unter uns liegt ein graues Nebelmeer, so können wir uns statt der Aussicht dem Frühstück widmen. Es besteht aus ein paar Plätzchen und einem Wasser.
Als wir um 11:30 Uhr in Santa Cruz landen, herrscht dort gerade ein Tropensturm. Nach Pass- und Gepäckkontrolle - dieses Mal ist alles sofort da - werden wir von unserem Guide Moisés begrüßt. Er stammt aus La Paz, ist also aus dem Hochland und wird uns die nächsten drei Wochen durch Bolivien führen.
Beim Verlassen des Flughafengebäudes verschlägt es uns fast den Atem. Es ist stickig heiß, um die 40° C und das am Ende des Winters. Man sagt uns, so heiß sei es um diese Jahreszeit noch nie gewesen. Es weht ein trockenheißer Wind, der alles mit Staub bedeckt. Wir fahren mit unserem Bus durch das Chaos der Stadt, essen unterwegs noch ein Sandwich in einer Snack Bar, und danach geht es direkt Richtung Samaipata. Drei Stunden dauert die Fahrt. Von der Landschaft sieht man nicht viel, es ist zu diesig, zu heiß und zu windig und dadurch vor allem zu staubig. Dafür kann man sich besser auf die Menschen konzentrieren. Sie leben an der Straße. Man muss es sehen, wie sie leben, sonst glaubt man es nicht.
Samaipata
Samaipata
Gegen 16:45 Uhr biegen wir von der Straße ab, um uns auf einer eigentlich nicht busgeeigneten Piste den Ruinen von Samaipata zu nähern. Wir scherzen noch, dass diese sicher um 17 Uhr geschlossen werden, und tatsächlich, auf einmal kommt uns ein Jeep mit den Park Rangers entgegen. Sie haben die Anlage geschlossen. Nach einigem Verhandeln dürfen wir doch noch hinfahren und die Ruinen besichtigen. Es handelt sich um eine Zeremonialstätte der Inkas. Für den, der schon die Ruinenstätten in Peru gesehen hat, gibt sie nicht so viel her. Das Beste ist noch, dass die Luft hier oben auf 1950 m sehr angenehm ist.
Anschließend geht es weiter in den Ort Samaipata, wo wir bei Dunkelheit in einer Landhausanlage untergebracht werden. Nach kurzem Duschen gehen wir im Ort noch in eine Gaststätte zum Essen. Sie gehört einem Deutschen aus Leipzig. Essen und Getränke sind ausgezeichnet und dazu noch äußerst preisgünstig. Danach heißt es nur noch schlafen, schlafen.
 
4. Tag Mittwoch
Bouganvilla
Säulenkaktus
Um 8 Uhr soll es Frühstück geben. Da wir durch die Zeitverschiebung alle sehr früh wach sind, haben wir genug Zeit, die sehr schöne Anlage, sie gehört ebenfalls einem Deutschen, zu genießen. Das Frühstück ist so erstklassig, dass keine Wünsche offen bleiben. Im Nachhinein wird es sich als das beste der ganzen Reise herausstellen. Um 9 Uhr ist Aufbruch zum Amboro Nationalpark. Anfangs fahren wir die Straße nach Cochabamba entlang. Es geht durch ein paar Ortschaften, unglaublich wie man hier lebt, und dann verlassen wir den Asphalt, um über eine Stunde lang auf einer abenteuerlichen Piste immer am Abgrund entlang an Höhe zu gewinnen. In einer kleinen Siedlung nehmen wir zwei Ranger auf und fahren noch weitere fünf Kilometer vorbei an qualmenden Brandrodungen bis zum Parkeingang.
 
Kinder in Dorf am
Amboro Nationalpark
Im Amboro Nationalpark
Farn im Amboro Nationalpark
Blüte im
Amboro Nationalpark
Im Amboro Nationalpark
Hier teilen wir uns in zwei Gruppen auf, die eine für eine kleine und die andere für eine größere Rundwanderung. Wir haben die größere Runde gewählt. Es stellt sich aber heraus, dass in dieser Gruppe alle fotografischen Experten sind, und so wird aus der großen eine eher kleinere dafür aber umso intensivere Tour. Der Bereich des Amboro Nationalparks den wir durchwandern, ist ein Trockenurwald mit nur wenigen Blütenpflanzen: Er ist nicht mit einem Regenwald zu vergleichen, hat aber auch einen ganz eigenen Reiz.
Farn im Amboro
Nationalpark
Fuchsie
Nach der Wanderung geht es mit dem Bus die Camel-Trophy-Tour-Teststrecke wieder hinunter. Unglaublich, wenn es hier regnen würde, wäre an ein Weiterkommen nicht zu denken. Gott sei Dank handelt es sich hier um ein sehr trockenes staubiges Gebiet.
Wir fahren direkt nach Samaipata zurück, um das Nachmittagsessen wieder in der Kneipe des Leipzigers einzunehmen. Den heutigen Staub spülen wir mit diversen außerordentlich guten und frisch gepressten Fruchtsäften -einige von uns meinen Bier sei auch ein Fruchtsaft- hinunter. Dann holen wir noch unser Gepäck und machen uns direkt auf die Rückfahrt nach Santa Cruz de la Sierra.
Brandrodung am
Amboro Nationalpark
Da wir erst gegen 17 Uhr losfahren, fahren wir einen Großteil der Strecke in vollkommener Dunkelheit, was teilweise ganz schön gefährlich ist, da die meisten Ortschaften und auch Fahrzeuge kaum beleuchtet sind, Fußgänger schon gar nicht. Die Fahrt zieht sich dahin. Die Geschwindigkeit wird nicht nur durch unzählige Schlaglöcher niedrig gehalten, sondern in den Ortschaften auch alle paar Meter durch quer zur Fahrbahn gebaute Schwellen, die man nur in Schrittgeschwindigkeit überqueren kann. Als wir endlich in Santa Cruz ankommen, sind wir alle so fertig, dass niemand mehr essen gehen will. Duschen, und dann sofort ins Bett fallen, wir sind so müde, dass wir kaum noch wahrnehmen, dass vor dem Hotel ein Krach herrscht, als würde es mitten auf einer Autobahn stehen.
 
 
 
5. Tag Donnerstag
Hauptplatz
in Santa Cruz
Blüte in Santa Cruz
Wir haben trotz des Verkehrslärms gut geschlafen. Um 8 Uhr soll Frühstück sein, doch bereits eine halbe Stunde vorher sind alle im Innenhof des Hotels am Pool eingetroffen, wo ein gutes Frühstücksbuffet wartet.
Der Morgen steht zur freien Verfügung. Ein Teil der Gruppe geht in den Zoo. Dort soll es vor allem einheimische Tiere aus Bolivien geben. Andrea und ich entschließen uns, ins Stadtzentrum zu laufen. Santa Cruz de la Sierra hat 1,1 Millionen Einwohner, ist die zweitgrößte Stadt Boliviens und stellt durch die Lage am Rande des reichen Tieflands die Wirtschaftsmetropole dar. Städtebaulich hat Santa Cruz nicht viel zu bieten. Flache Bauten herrschen vor, gepaart mit sehr viel Hektik und einem relativ kleinen Zentrum. Wir sitzen eine Weile auf der Plaza 24 de Septembre und betrachten das muntere Treiben um uns herum. Um 12 Uhr müssen wir wieder im Hotel sein, denn heute Nachmittag fliegen wir noch nach Sucre ins Hochland.
Basilika
in Santa Cruz
In Santa Cruz
Es wird nur ein sehr kurzer Flug von 40 Minuten mit einer Boing. Der Flug selbst verläuft sehr ruhig, doch was um den Flug herum passiert ist Filmreif. Die Stewardess erlaubt den ersten Fluggästen freie Sitzwahl und dirigiert die nächsten auch nicht auf die reservierten Plätze. Loriot hätte das Chaos nicht besser inszenieren können. Nach der Landung dauert das Ausladen und das Warten auf das Gepäck länger als der ganze Flug. Die Gepäckwagen werden hier noch per Hand gezogen, und vor dem Flughafengebäude befindet sich eine leichte Schräge, die auch Arnold Schwarzenegger nicht alleine geschafft hätte. So dauert es bis Hilfe kommt, und man gemeinsam den Gepäckwagen hochzieht. Aber das schafft Arbeitsplätze und wir haben ja Urlaub.
Hostal Su Merced
in Sucre
Sucre
 
Korallenbaum
-Erythrina-
Im Webereimuseum
in Sucre
Kathedrale
in Sucre
Anschließend fahren wir mit dem bereitstehenden Bus ins Hotel. Es ist eins sehr schönes kleines Hostal aus spanischer Kolonialzeit mit einer stilvollen alten Inneneinrichtung und liegt zentral, aber sehr ruhig in der Altstadt von Sucre. Die Stadt gefällt uns super, 200.000 Einwohner, 10% Studenten, keine Hochhäuser, alles im kolonialen Stil. Sie liegt auf 2.900 m Höhe, hat daher ein sehr angenehmes Klima und ist die konstitutionelle Hauptstadt von Bolivien.
Sucre
Wir besuchen noch ein Museum über bolivianische Webkunst. Es ist beeindruckend, zu welchen Leistungen die menschlichen Hände in der Lage sind. Dem Museum angeschlossen ist ein kleiner Bereich, indem man im Lande hergestellte Webwaren kaufen kann. Wer etwas kaufen möchte, sollte es hier tun, wir haben nirgendwo mehr solch eine Qualität gefunden, und auch die Preise sind fair.
Nachdem sehr guten Abendessen in einer Gaststätte, schlendern wir noch über die nächtliche Plaza und gehen dann zurück ins Hotel und direkt ins Bett. Der morgige Tag benötigt vom Programm her eigentlich 35 Stunden.
 
6. Tag Freitag
Hostal Su Merced
Kolonialbalkon
in Sucre
Heute gibt es ein sehr süßes Frühstück, bestehend aus diversen Torten, verschiedenen Kuchensorten, kleinen Teigwaren, die ganze Palette von dem was der Bolivianer so liebt. Dann geht es zu Fuß durch die schöne Altstadt. Wir besichtigen die Casa de la Libertad (Unabhängigkeitshaus). Hier wird die Geschichte der Unabhängigkeit Boliviens in den historischen Räumen des Gebäudes dargestellt. Dann besuchen wir noch die Kathedrale und die Universität, um dann in drei geländegängigen Jeeps an den Rand der Stadt zu fahren.
 
Auf der
Plaza 25 del Mayo
In Sucre
 
Casa de Libertad
 
Casa de Libertad
 
Saurierspuren
 
Hier hat man im Steinbruch eines Zementwerks in einer 120 Meter hohen und 1200 Meter langen Wand mehr als 5000 Saurierspuren gefunden. Der Platz gilt als einer der bedeutendsten Fundorte auf der Erde. Leider kommt man als Besucher nicht so richtig nah heran. Eigentlich wollen wir in der Nähe noch eine Wanderung unternehmen, müssen diese aber aus dem Programm streichen, da der Weg sogar für die Jeeps nicht passierbar ist.
Ein Gehöft
 
 
 
Wir sind noch nicht
aklimatisiert
 
 
Wanderung auf einer
präbolivianischen Straße
Das bedeutet
'weglos'
 
 
Die Straße hat
den Berg angeschnitten
 
Wir disponieren also um, fahren quer durch Sucre auf der anderen Seite der Stadt einen Berghang hoch, machen auf einem Pass in 3.300 m Höhe ein Picknick und laufen dann eine Stunde einen Bergrücken entlang. Die Höhe macht uns jetzt doch ganz schön zu schaffen. Danach geht es nur noch bergab. Über eine präkolumbische Straße steigen wir in drei Stunden über 1.200 Höhenmeter ab. Unten angekommen, werden wir von den Jeeps erwartet und wieder einmal über eine halsbrecherische Strecke zu einer kleinen Unterkunft gebracht.
Prost!
Unser Durst ist so groß, dass wir noch vor dem Abendessen den Biervorrat des Wirtes (er hat nur kleine Bierdosen) aufbrauchen, und er bei einem Nachbarn Nachschub holen muss. Dieser hat allerdings nur Literflaschen Bier. Die schaffen wir aber auch noch. Diese Nacht müssen wir etwas zusammenrücken. Monika kommt zu uns, es gibt zwar genügend Betten in der Unterkunft, nur nicht genügend Zimmer. Die Nacht wird erstmals richtig kalt.
 
7. Tag Samstag
Nach dem Frühstück fahren wir nur ein kurzes Stück und halten dann bei einer Kleinbauernfamilie. Sie besitzt drei Rinder, lebt in einer Einraum Adopehütte mit der Küche im Freien. Die Frau verdient sich ein Zubrot mit weben. In unseren Augen sind sie arm, aber vielleicht sind sie trotzdem glücklicher als viele bei uns.
Interessante
Farben und Formen
Bäuerin
am Webrahmen
Drei Monate
dauert so etwas
Frau am Webrahmen
 
Der Herd
 
Wir fahren weiter durch eine sehr bunte Landschaft. Allerdings kommt die Farbigkeit nicht durch Pflanzenbewuchs zustande, sondern in dieser absolut trockenen Gegend bietet die fehlende Pflanzendecke dem Gestein und der Erde die Möglichkeit, sich in den unterschiedlichsten Farbtönen darzustellen. Wir erreichen Potolo, ein Dorf das für seine Webprodukte bekannt ist. Die werden allerdings nicht hier, sondern in La Paz oder Sucre an Touristen verkauft. Beim Schlendern durch den staubigen, trostlosen Ort haben wir ganz schnell die komplette Kinderschar als Begleitung. Jeder will irgendetwas verkaufen. Es fragt sich, wer die größere Attraktion ist, wir oder sie?
Das Tal von
Potolo
Es gibt nur
ganz wenig grün
Kaktus -Lobivia-
Kaktus
-Lobivia-
Man muss viel
trinken
Anschließend fahren wir noch ein paar Kilometer zur Chataquila Bergkette hinauf und beginnen dann eine vierstündige Wanderung. Sie führt uns in leichtem auf und ab auf einer Höhe von 3.000 bis 3.200 m durch eine mit sehr schönen und zum Teil blühenden Kakteen bewachsene Landschaft. Trotz des steinigen, trockenen und dornigen Bodens treffen wir immer wieder auf kleine Felder, die von einzelnen Bauernfamilien in Handarbeit bearbeitet werden. Um die Mittagszeit finden wir dann die von uns lange gesuchten Saurierspuren. Sie sind viel besser zu erkennen als die bei Sucre, sind aber nicht so bekannt, sicher auch weil sie nur zu Fuß zu erreichen sind. Es ist schon beeindruckend, wie sich solche Abdrücke über Millionen Jahre so gut erhalten konnten. Das Ende der Wanderung führt durch eine kleine Katerlandschaft mit sehr schönen Obsidiansteinen nach Maragua. Hier werden wir abgeholt und fahren in zwei Stunden über den Gebirgskamm nach Sucre zurück.
Kaktus
-Echinopsis
obrepanda-
Dreizehige
Saurierspur
Kaktus
-Lobivia pentlandii-
 
Wer trägt am
meisten?
 
Wieviel Kehren
werden es sein?
 
Im Hotel angekommen heißt es, sich vom Staub der Wanderung zu befreien, und um 19:30 Uhr folgen wir einer Empfehlung in ein Restaurant. Das war keine gute Empfehlung, wären wir nur wieder in die Gaststätte vom ersten Abend gegangen. Man soll nicht immer nach etwas Neuem suchen, es wird das schlechteste Essen der ganzen Reise werden. Die Speisekarte besteht nur aus Fischgerichten, Fisch ist aber aus, dafür gibt es aber im Überfluss eine unfreundliche Bedienung. Anschließend will uns Moisés noch auf ein großes Stadtfest führen. Wir sollen Fotos und Geld zurücklassen. Das sei zu gefährlich weil die halbe Bevölkerung dann betrunken sei. Andrea und ich sind zu müde und gehen direkt zum Hotel zurück.
 
8. Tag Sonntag
Markt in Taraburo
Mann in Taraburo
6:30 Uhr aufstehen, und das am Sonntag. Es gibt wieder das uns schon bestens bekannte süße Frühstück. Leider fehlt heute die gute Torte mit den frischen Ananasstücken.
Anschließend wird das Gepäck in den Bus geladen, und dann fahren wir direkt nach Taraburo zum Sonntagsmarkt. Unterwegs sitzen überall Leute mit Bergen von Gepäck neben der Straße und warten auf Mitfahrgelegenheiten zum Markt. Man erkennt daran schon, dass es sich hier nicht um einen Touristenmarkt handelt. Obwohl auch hier die für Touristen üblichen Produkte angeboten werden, ist dieser Markt vor allem ein Markt für die einheimische Bevölkerung, der ihr zum einen den Supermarkt ersetzt, aber vor allem dient er auch dem Nachrichtenaustausch und der Kommunikation. Nachdem unser Bus bei der geringsten Steigung nur noch Schrittgeschwindigkeit fährt, befürchten wir schon, dass das Sprichwort "…wenn der Markt verlaufen ist" auf uns zutrifft. Wir schaffen es aber noch und haben auch noch eine Stunde Zeit, uns das Treiben anzusehen. Man könnte Stunden hier verbringen, doch da das Wetter sehr trüb und auch sehr kalt ist, fällt es uns nicht ganz so schwer wieder in den Bus zu steigen.
Der Markt dient
auch der
Kommunikation
Markt in Taraburo
 
 
Mann in Taraburo
 
 
In Taraburo
 
 
Markt in Taraburo
 
 
Die Rückfahrt nach Sucre zieht sich wieder hin, denn die Gefällstrecken der Herfahrt sind jetzt Steigungen, und damit hat der Bus immer noch seine Probleme. In Sucre wird die Durchschnittsgeschwindigkeit noch mehr gedrückt, da an das Fest vom gestrigen Abend anschließend, sich mehrere Prozessionen durch die Stadt winden. Wir essen in einem Gartenrestaurant, in dem die Upper Class von Sucre versammelt ist, zu Mittag.
Parkplatz,
Müllhalde und
Toilette in einem
Markt in Taraburo
 
 
Ein Friedhof
 

Prozession
in Potosi
 
Kirche
in Potosi
Anschließend fahren wir mit der Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h auf ebener Strecke, bei Steigungen ist es maximal Schrittgeschwindigkeit, direkt nach Potosi. Obwohl sich der Busfahrer mehrfach als Mechaniker versucht, geht es nicht schneller. So muss die Stadtbesichtigung von Potosi leider ausfallen, denn als wir dort eintreffen, ist es fast schon dunkel. Potosi ist die höchstgelegene Großstadt der Erde und empfängt uns ebenfalls mit einer Prozession, so dass wir die letzten Meter zum Hotel zu Fuß laufen müssen. Unsere Lungen zeigen uns sofort, dass die Stadt in 4.065 m Höhe liegt. Wir gehen nur noch etwas essen, eine Portion für Andrea und mich zusammen reicht heute Abend. Die Höhe nimmt uns den Appetit, und allein die Reisetasche auf das Bett zu heben, erfordert anschließend eine Ruhepause. Mal sehen wie die Nacht wird.
 
9. Tag Montag
Der Silberberg
von Potosi
Am Mineneingang
Die Nacht verlief noch einigermaßen gut. Aber beim Frühstück bekomme ich starke Kopf- und Magenschmerzen. Es ist jedes Mal dasselbe mit mir. Die Höhenanpassung verläuft bei mir viel schlimmer als bei den anderen. Heute soll eine Mine im Silberberg besucht werden. Sie liegt noch höher und in den engen dunklen Gängen wird die Luft noch viel schlechter sein. Ich verzichte auf den Besuch, lege mich auf das Bett und döse im Halbschlaf vor mich hin. Andrea fährt mit den anderen zu Mine.
Ohne den Silberberg gäbe es Potosi nicht. Schon um 1600 hatte die Stadt über 120.000 Einwohner. Hier wurden unter schlimmsten Bedingungen riesige Mengen Silber gefördert und nach Spanien gebracht. Man rechnet heute, dass mehrere Millionen Minenarbeiter bei der Förderung umkamen, und auch heute noch stirbt im Schnitt ein Mensch pro Tag in den Minen.
Minenteufel,
Bestechung
mit Kokablättern
Härteste
Bedingungen
In Potosi
 
Auf der Fahrt
nach Uyuni
Ich spucke
durch die Zahnlücke
Mir geht es kein bisschen besser, als die Gruppe gegen 11:30 Uhr zurückkommt. Andrea erzählt, dass man es gesehen haben sollte. Sie seien in Blaumänner gekleidet worden, hätten dann 96%igen Alkohol (kein Schreibfehler) und Kokablätter zur Besänftigung des Grubenteufels gekauft. In Wirklichkeit werden die Sachen den Mineros geschenkt. Nur mit diesen Drogen lassen sich die Bedingungen aushalten. Die Luft in den engen Schächten war genauso schlecht wie die Sicherheitsbedingungen in den völlig dunklen Gängen, die nur von der eigenen Stirnlampe beleuchtet werden.
Da die Stadtbesichtigung gestern der späten Ankunft geopfert wurde, wird sie jetzt in einem einstündigen Schnelldurchgang nachgeholt. Auch dazu bin ich nicht in der Lage und bewache stattdessen schlafend im Hotel das Gepäck. Danach gehen wir noch Mittagessen, das für mich nur aus Koka Tee besteht.
Säulenkakteen
Nach dem Essen werden wir auf drei Jeeps verteilt, und dann fahren wir durch die Halbwüste des Hochlands Richtung Uyuni. Die Landschaft ist mit Kakteen bewachsen, ab und zu grasen ein paar Lamas, und menschliches Leben spielt sich nur in vereinzelten Bergwerksminen ab. Mir geht es während der Fahrt immer schlechter, und als die Sonne untergeht, glaube ich, dass mein letzter Tag zu Ende geht. Wir kommen bei Dunkelheit in Uyuni im Hotel an. Mit 3.670 m Höhe wird die Übernachtung etwas tiefer als gestern sein. Moisés erscheint mit einer vier Liter Kanne heißen Wassers für Tee und befiehlt mir, diese vor dem Schlafengehen leer zu trinken. Wenn es mir morgen früh nicht besser gehe, würde er mich nach La Paz ins Krankenhaus schicken. Wir gehen nicht mit den anderen essen, Andrea beaufsichtigt mich beim Trinken, ich nehme noch eine Tablette Diamox und kann dann auch schlafen.
 
10. Tag Dienstag
Hauptstraße in Uyuni
In der Nacht verschwinden Gott sei Dank die Kopfschmerzen und am morgen bin ich einigermaßen fit. Wir schlendern durch den Ort, der ohne Touristen nicht existieren würde, sie wollen alle auf den Salar de Uyuni. Wir möchten Ansichtskarten kaufen. Ich mache den Vorschlag, erst die Briefmarken zu kaufen, und richtig, sogar auf der Post bekommen wir keine. Nach einem kurzen Marktbesuch fahren wir auf einen vor der Stadt gelegenen Eisenbahnfriedhof. Hier liegen in der Halbwüste ganze Wracks von Eisenbahnzügen herum. Es sieht aus wie in einer Geisterstadt bzw. einer Filmkulisse.
 
Vor dem Hotel
in Uyuni
Brathähnchen
 
Eine Konditorei
 
Süßkartoffeln
 
Bahnfriedhof
bei Uyuni
Von hier fahren wir direkt nach Colchani an den Rand des Salzsees. Der Ort lebt vom Salz; Salzgewinnung, Salzabfüllung, Salzfiguren für Touristen, die Häuser sind aus Salz gebaut, Kinder spielen im Salz- statt Sandkasten. Hier ist einfach alles aus Salz. Weiter geht es direkt auf den Salar. Er stellt mit ca. 160 km Länge und 135 km Breite die größte Salzfläche der Erde dar und liegt auf einer Höhe von 3.640 m. Die Salzkruste ist zwischen 2 und 7 Metern stark, doch gibt es auch Stellen, die sehr dünn sind, und an denen Wasser an die Oberfläche tritt. Kaum vom Kopfweh geheilt, schaffe ich es tatsächlich, so eine Stelle zu finden. Jetzt weiß ich, was es heißt, in Eis bzw. Salz einzubrechen. Ich komme zwar wieder heraus, sehe anschließend aber wie ein zum Braten vorbereitetes Salzhuhn aus.
Bahnfriedhof
bei Uyuni
Colchani
 
Sogar die Wände
sind aus Salz
Salzabfüllung
 
An manchen Stellen
tritt Wasser heraus
Unsere Flotte
 
Fahrt über den
Salar de Uyuni
Nur Persil ist
weißer
Mittagsrast auf
der Isla Pescado
Mittagsrast auf
der Isla Pescado
Mit Tempo 100 fahren wir über diese weiße plane Fläche, machen diverse Fotostopps und erreichen nach einer Stunde die mitten aus dem Eis äh Salz herausragende Isla Pescadores, die Kakteeninsel. Wir fühlen uns wie auf einem anderen Stern, so unwirklich wirkt die Realität. Wir laufen ein Stück auf dem Salz an der Insel lang, während die Fahrer ein erstklassiges Picknick auf der Insel -natürlich auf Salztischen- aufbauen. Trotz des guten Essens beeilen wir uns. Wir können es nicht erwarten durch das Naturschutzgebiet zwei Stunden lang über die Insel zu laufen. Sie ist mit bis zu sieben Meter hohen Säulenkakteen übersäht. So etwas hat von uns noch niemand gesehen, und es gibt es auch auf der Erde sonst nicht mehr. Das Verrückteste aber ist, dass es hier eine Haltestelle für den öffentlichen Bus gibt, mitten auf dem See.
Kakteen
auf der
Isla Pescado
Kakteen auf der Isla Pescado
Kakteen auf der Isla Pescado
Kakteen
auf der
Isla Pescado
Kakteen auf der Isla Pescado
Kakteen auf
der Isla Pescado
Vulkan Tunupa
 
Landschaft
bei Tahua
Im Hotel
in Tahua
Vulkan Tunupa
am Abend
Nachdem Besuch der Insel fahren wir weiter über den See Richtung des Vulkans Tunupa. Beim Dorf Tahua erreichen wir wieder festen Boden. Dem Ort trauen wir gar kein Hotel zu, doch mitten zwischen besseren Hütten steht ein kleines Hotel, das wir so hier nicht erwartet haben. Es ist das einzige zweistöckige und auch farbige Gebäude im Ort. Den Nachmittag verbringen wir im ersten Stock auf einer verandaartigen Aussichtsplattform im Innenbereich des Hotels am Fuß des Tunupas. Zum Abendessen können wir heute kein Restaurant aufsuchen, warum, ganz einfach, es gibt keins. Das Hotel wird von einem jungen Ehepaar geführt, und die Frau kocht für uns, während ihr Mann für die Getränke zuständig ist. Es gibt Hühnersuppe, Lomo (Steak) mit Kartoffelbrei und den besten Nachtisch der ganzen Reise -klein geraspelte frische Ananas als Mus heiß serviert. Bevor wir ins Bett gehen werden wir noch von ein paar Schülern aus dem Dorf mit Folkloremusik -mehr Folklore denn Musik- unterhalten.
 
11. Tag Mittwoch
Mumiengräber
Aufstieg zum Tunupa
Ich nehme frühmorgens noch mal eine Diamox Tablette. In den Rucksack kommt nur das Nötigste. Wir wollen den Tunupa besteigen, nicht den Hauptgipfel mit 5.460 m sondern einen Aussichtspunkt, der aber auch über 4.500 m hoch ist. Da zählt jedes Gramm Gewicht doppelt. Nachdem guten Frühstück bringen uns die Jeeps ein Stück näher an den Berg heran.
Dann geht es zu Fuß los. Nach ein paar Minuten haben wir den ersten Stopp. Es gilt ein paar Mumiengräber zu besichtigen. Von nun an geht es steil bergauf. Als wir den ersten Steilhang hinter uns haben, liegt der Vulkan direkt vor uns. Je höher es geht, umso mehr zieht sich die Gruppe auseinander. Vorbei an blühenden Kakteen wird die Luft immer dünner. Am nächsten Rastplatz gehen nur noch Andrea, Monika und ich mit Moisés weiter. Beim Erreichen des Aussichtspunkts zeigt der Höhenmesser 4.640 m an. Moisés kann es nicht fassen, vorgestern Abend wollte er mich noch ins Krankenhaus schicken, und jetzt bin ich der Einzige, der noch weiter möchte. Doch da die anderen längst Richtung den Jeeps aufgebrochen sind, drängt die Zeit für uns. Trotzdem lassen wir es uns nicht nehmen, die Superaussicht zu genießen und unser Lunchpaket zu probieren. Dann geht es ohne Unterbrechung den gleichen Weg zurück.
Yarita -Azorella compacta-
Die Inseln im Salar de Uyuni
Tunupa
 
Stachelbewehrt
 
Kaktusblüte
 
An den Autos angekommen, fahren wir an den Rand des Salars. Wir haben Flamingos entdeckt und wollen sie fotografieren. Jetzt heißt es Tarnkappe aufsetzen, denn wie soll man sich ohne jede Deckung sonst anpirschen. Gott sei Dank gibt es heute leistungsstarke Zoomobjektive. Nachdem wir die Flamingos digitalisiert haben, fahren wir wieder auf den Salzsee.
Flamingos am
Salar de Uyuni
Salzgewinnung
ist Knochenarbeit
Salzgewinnung
 
Abtransport mit
dem LKW
Hotel
Palacio des Sal
Nach einer Stunde Fahrzeit erreichen wir unser heutiges Quartier. Es liegt auf dem Salar und ist folgerichtig komplett aus Salz gebaut. Es gibt alles, was zu einem guten Hotel gehört, Salzlobby, Sauna, Whirlpool, Gaststätteneinrichtung aus Salz. Der Fußboden besteht aus einer dicken Schicht grobkörnigen Salzes. Wir sind fasziniert, und gesteigert wird das Ganze noch vom besten Abendessen der ganzen Reise. Es gibt als Hauptgericht Salzhuhn (wie sollte es auch sonst hier anders zubereitet sein) oder gegrillte Lamalende satt (0% Cholesterin!!). Es ist das Beste was ich je an Lende gegessen habe.
Alles aus Salz
Es gibt Lamalende
und Salzhuhn

Hoch zufrieden mit diesem wunderschönen Tag ziehen wir uns auf die Zimmer zurück, allerdings nicht ohne den einmaligen Sternenhimmel in der salzklaren Luft ausgiebig zu bewundern. Ich habe bisher über das Wetter während dieser Reise kaum etwas geschrieben, warum? Es ist nicht nötig, wir haben seit dem ersten Tag fast immer blauen Himmel und angenehme Temperaturen.
 
12. Tag Donnerstag
5 Uhr aufstehen, 5:45 Uhr Frühstück, 6:30 Uhr Abfahrt. Heute steht ein langer Fahrtag an. Wenn alles klappt, werden wir neun Stunden reine Fahrzeit benötigen. Bis Oruro fahren uns die Jeeps. Dann schließen sich noch drei Stunden in einem Linienbus bis La Paz an.
Auf der Fahrt
nach Oruro
Man kann schon beim
Start das Ziel sehen
Die ersten fünf Stunden fahren wir mit unterschiedlichem Tempo, je nachdem wie es die Piste zulässt, durch eine ziemlich eintönige Landschaft. Andrea meint, so eintönig sei es gar nicht, Spitzbüschelgras wechsle sich doch ständig mit Rundbüschelgras ab. Ab und zu leben ein paar Familien in Adobe-Häusern, wir fragen uns nur von was? Als wir Huanuni erreichen, wird die Piste zur Asphaltstraße. Der Ort ist etwas reicher, hier gibt es eine bekannte Brauerei. Wir haben uns aber zu früh gefreut, das Geld hat nur innerorts für Asphalt gereicht, nach dem Ort haben wir wieder eine Piste. Erst kurz vor Oruro ist es dann wirklich eine Asphaltstraße.
 
Der Illimani 6.439 m
La Paz bei Nacht
In Oruro essen wir in einem Restaurant für die bessere Gesellschaft zu Mittag. Von der Qualität des Essens her, wären wir besser durch die quicklebendige Stadt gelaufen. So aber bringen uns die Jeeps direkt zum Busbahnhof, wo wir das Gepäck in einen Linienbus verladen und dann auf reservierten Plätzen der Abfahrt entgegen harren. Der Bus fährt pünktlich los. Die Fahrt geht über das Altiplano, und die Straße verläuft überwiegend so gerade, dass man eigentlich, wenn man morgens losfahren würde, schon sehen müsste, wo man abends ankommt. Nach zwei Stunden Fahrzeit erscheint erstmals der Illimani vor uns. Er ist mit 6.439 m Höhe der Hausberg von La Paz. Es dauert aber noch eine weitere Stunde, bis wir den Stadtrand von La Paz erreichen und uns durch das Verkehrsgewühl in den Talkessel der Innenstadt hinunterkämpfen. Talkessel ist gut, das Zentrum liegt immer noch 3.650 m hoch.
Wir werden mit einem Großraumtaxi zum Hotel gebracht, beziehen die Zimmer, und essen noch im Dachrestaurant des Hotels. Auch hier gilt: 5-Sterne Hotel, aber das Essen bleibt weit hinter den einfachen bolivianischen Gaststätten zurück. Danach will jeder nur noch ins Bett. Wir waren genau 12 Stunden unterwegs.
 
13. Tag Freitag
Intipunku
Sonnentor in Tiwanaku
Figur in
Tiwanaku
Wieso stehen wir bereits um 6 Uhr auf, wenn doch die Abfahrt nach Tiahuanaco erst um 8 Uhr ist? Ganz einfach, wir wollen das Frühstück in einem 5-Sterne Hotel genießen. Doch wie schon beim Abendessen, hier sind wohl ein paar Sterne zuviel vergeben worden.
Wir fahren aus dem Kessel von La Paz hinauf auf die Hochebene, wo sich die Oberstadt El Alto immer mehr ausbreitet. Inzwischen leben hier bereits 775.000 vorwiegend ärmere Menschen, während La Paz selbst ca. 813.000 Einwohner hat. Der Bus kommt im Verkehrsgewühl nur langsam voran, was aber gut ist, denn so können wir sehen, wie die Leute hier leben, und das ist so unglaublich, das muss man gesehen haben. Fotos können die Wirklichkeit nur annähernd widerspiegeln.
Figur
in Tiwanaku
In Tiwanaku
 
La Paz und der
Hausberg Illimani
Mondtal bei La Paz
 
nicht ungewöhnlich!
 
Nach einer Stunde Fahrzeit erreichen wir Tiahuanaco. Der Ort liegt direkt neben der Ruinenanlage. Das historische Tiahuanaco war das religiöse und administrative Zentrum einer präkolumbischen Kultur rund um den Titicacasee in der Zeit von 1500 v. Chr. bis 1200 n. Chr. Wir besuchen zuerst ein neu gebautes Museum, indem einige schöne Stücke ausgestellt sind. Anschließend besichtigen wir die Ruinenanlage mit dem weltberühmten Sonnentor. Ich finde aber, dass die Anlage interessantere Objekte enthält. Sie wird erst seit ein paar Jahren systematisch ausgegraben, und man kann sich gut vorstellen, wie großartig sie erst in ein paar Jahren wirken muss.
Kathedrale
in La Paz
Auf der Plaza Murillo
in La Paz
National Kongress
 
Schöne
Kolonialstraße
Sie verkauft
Zuckerschoten
Nach dem Besuch der Anlage fahren wir über das Altiplano zurück durch La Paz, das wir ohne anzuhalten durchqueren, zum Valle de la luna, dem Mondtal. Gleich nebenan essen wir in einer Hotelanlage erstklassig zu Mittag. Sie gehört einem Schweizer und hier habe ich vor drei Jahren meinen letzten Bolivienurlaub begonnen. Nachdem Essen besichtigen wir das Mondtal. Es steht in allen Reiseführern über La Paz ganz oben und muss deshalb von jedem Touristen wohl besucht werden. Man muss es aber nicht unbedingt gesehen haben. Unsere Damen fanden den wirklich guten Lama-, Alpakaladen am Eingang noch am interessantesten und haben ihn fast leer gekauft.
Wieder der
kolumbianische Rucksack
Lamaföten auf dem
Hexenmarkt
Die Farbauswahl
an Stoffen
ist groß
Auf dem Hexenmarkt
 
Kirche
San Francisco
 
Dann geht es zurück nach La Paz zur ausgiebigen Stadtbesichtigung. Die verschiedenen Plazas, Kirchen, koloniale Straßen und natürlich der Hexenmarkt werden besucht. Das Gewimmel und geschäftige Treiben ist wohl einzigartig. Keine Stadt hat so einen hohen indigenen Anteil wie La Paz. Jeder versucht irgendwas an irgendwen zu verkaufen. Fast allen ist aber gemein, jeder isst irgendetwas.
Das Abendessen lassen wir infolge des guten Mittagessens ausfallen. Was wir heute aber noch machen müssen, unser Gepäck aussortieren, denn ein Teil davon bleibt im Hotel zurück, da es morgen zum Titicacasee geht und von dort direkt zum Trekking, das wir mit kleinem Gepäck bewältigen müssen.
 
14. Tag Samstag
Um 8 Uhr soll Abfahrt sein, doch zum ersten Mal bei dieser Reise gibt es kleinere Probleme. Andrea und ich scheinen die einzigen zu sein, die sich beim Gepäck wirklich eingeschränkt haben. Moisés schüttelt nur den Kopf darüber, wie schwer die Gepäckstücke der anderen sind. Nach einigem Hin und Her wird beschlossen, am Titicacasee noch einmal auszusortieren.
Wir verlassen den Kessel von La Paz über die uns schon bekannte Strecke hoch nach El Alto. Das was neben der Straße abgeht, fasziniert uns noch genau so, wie bei den ersten zwei Fahrten. Wir fahren über das Altiplano immer parallel an der Kette der Königskordilleren entlang. Die Aussicht wäre grandios, wenn es nicht ganz so diesig wäre, trotzdem keimt der Wunsch in uns, da mal eine längere Trekkingtour zu machen.
Cordillera Real
Cordillera Real
Bei Tiquina treffen wir auf den Titicacasee. Er bildet hier eine Engstelle von 800 Metern, die mit Fähren überquert wird, getrennt für Fahrzeuge und Personen, aber was für Fährfahrzeuge sind das!!! Die Personenfähre hat die Größe eines Sonntagsausflugruderboots auf einem innerstädtischen Teich bei uns zu Hause. Hier wird der komplette Verkehr zwischen Bolivien und Peru abgewickelt. Bei uns gäbe es längst eine Brücke, aber dadurch würden bestimmt hundert Familien arbeitslos.
Obwohl wir nicht mehr weit von Copacabana entfernt sind, muss erst noch ein 4.200 m hoher Pass überwunden werden, bevor die Stadt in einer Bucht vor uns liegt. Die Stadt hat zwei Lebensadern, zum einen für die Bolivianer den Rummel als Wallfahrtsort um die katholische Kirche, und zum anderen als Ausgangspunkt der Touristen für die Überfahrt auf Sonnen- und Mondinsel im Titicacasee. Wir besuchen die Wallfahrtskirche mit der berühmten "Schwarzen Madonna von Copacabana". Vor der Kirche werden Fahrzeuge gesegnet, damit sie unfallfrei fahren. Wir durchschlendern den Ort, probieren zum ersten Mal eine öffentliche Toilette (und wohl auch zum letzten Mal) und besteigen dann im Hafen eine etwas größere Nussschale als heute Morgen für die Überfahrt zur Sonneninsel.
Copacabana
 
Basilika
in Copacabana
In Copacabana
 
Überfahrt
zur Sonneninsel
Andrea, Monika und ich verbringen die einstündige Überfahrt auf dem Bootsdach. Der Rest verkriecht sich im Inneren und hält sich wohl an den Schwimmwesten fest. Auf der Insel angekommen, nehmen wir unser Mittagessen direkt über dem Landungssteg ein. Es ist ein "aptapi" eine Andenbrotzeit. Es gibt Titicacaseeforellen, kleine komplett mit Augen, Schwanz und Innereien gebratene Fischchen -sie werden komplett gegessen-, Saubohnen, Süßkartoffeln, Kartoffeln, Maiskolben, Karotten und gekochte Eier. Alles wird zusammen in einer Decke serviert und darin auch warm gehalten.
Das Essen ist
wirklich erstklassig
Terrassenanlagen
auf der Sonneninsel
Nach dem Essen besuchen wir kurz die Inkaruinen von Pilkokaina (nicht so sehenswert) und laufen dann in einer guten Stunde über die schöne Insel, vorbei an landwirtschaftlichen Terrassenfeldern, die mit archaischen Geräten bewirtschaftet werden, zu unserer Unterkunft, einer Ökolodge. Diese wird unter der Aufsicht einer Schweizerin von Einheimischen betreut, und ein Teil unserer Bezahlung geht an die Kommune zur Verbesserung der Lebenssituation der Einheimischen. Wir beziehen jeweils ein kleines sauberes Häuschen für zwei Personen mit wunderbarerer Aussicht über den See auf die Kordilleren.
Titicacasee und Königskordillere
Am Abend steigen wir noch zum höchsten Punkt der Insel auf. Wir wollen den Sonnenuntergang anschauen. Er ist nicht schlecht, aber wir haben auch schon bessere erlebt. Abendessen gibt es erst nach dem Sonnenuntergang. Es ist sehr sehr gut, Chichasuppe (Yucca), Forelle mit Kapern, Gemüse und Kartoffeln und dazu Erdbeerpunsch mit Schnaps.
 
15. Tag Sonntag
Um 7:30 Uhr gibt es Frühstück und endlich einmal Brot wie zu Hause. Anschließend steigen wir zur Küste ab. Wir sollen mit dem Boot zur Nordspitze der Insel gebracht werden. Das Boot kommt mit einiger Verspätung, da der Bootsführer Zahnschmerzen hat.
Chincana Ruinen
(Palast des Inka)
Restaurierte
Inkastraße
Wir werden in die Bucht von Sabacera gebracht und steigen zu den Inka Ruinen von Chincan (Labyrinth und Palast des Inka) auf. Wir besuchen den Stein des Inka, hier soll die Geburtsstunde der Inka gewesen sein, und laufen dann über fast die ganze Insel zurück. Die alte Inkastraße führt an blühenden Kakteen vorbei durch mehrere Mini-Dörfer, mal am Strand entlang, mal hoch über dem See in lockerem Auf und Ab zurück zu unserer Lodge.
 
Lobivia auf der
Sonneninsel
Lobivia auf der
Sonneninsel
Die Wanderung dauert länger als geplant, und als wir gegen 14:15 Uhr ankommen, ist das Essen aus dem Erdofen kalt geworden. Es schmeckt aber trotzdem gut. Den Rest des Nachmittags verbringen wir mit ausruhen. Es ist das erste Mal nach 15 Tagen, dass wir nichts mehr vorhaben. Das tut uns auch gut, und dazu noch in dieser super Unterkunft in dieser super Lage mit der super Aussicht, Urlaub pur!!!!
 
Auf der Sonneninsel
 
Es gibt keine Autos
auf der Sonneninsel
In der Ökölodge
 
Mondinsel am Abend
 
Abends steht das leidige Thema Gepäck wegen des Trekkings wieder an. Es rächt sich jetzt, dass Hauser wegen der mehrmaligen Terminänderung, (ein zusätzlicher Tag in Santiago, dafür ein Tag kürzeres Trekking) dieses nicht richtig durchgeplant hat, keine Träger, doch Träger, mit Eseln, ohne Esel, Chaos perfekt. Die Mitreisenden bringen Moisés dazu, per Handy einen Träger und drei Esel an den Startpunkt zu ordern. Andrea und ich werden unsere Sachen selbst tragen, wir haben ja fast alles schon in La Paz zurückgelassen.
 
16. Tag Montag
Heute will ich früh aufstehen, ich möchte den Sonnenaufgang fotografieren. Aufstehen ist dazu aber nicht nötig, ich brauche nur die Kamera vom Bett heraus aus dem Fenster zu halten, und habe schon das schönste Fotomotiv.
Cantuta buxifolia
(rote Version)
Restaurierter Tempel
der Sonnenjungfrauen
auf der Mondinsel
Nachdem Frühstück laufen wir ein Stück über die Insel und steigen dann zum See ab. Unser Gepäck wird mit Eseln zur Bootsanlegestelle gebracht, und dann fahren wir hinüber zur Mondinsel. Hier besuchen wir den Tempel der Sonnenjungfrauen (Acllahuasi) aus der Inkazeit. Leider ist kein Geld da, die langsam verfallende Anlage zu erhalten. Außer unserer Gruppe und selbstverständlich ein paar Indigena Frauen, die ihre Waren an Touristen verkaufen möchten, ist niemand da.
 
Mörtellose Inkamauern
auf der Mondinsel
Strand
von Copacabana
 
Cereusblüte
 
 
In Copacabana
 
 
Fahrspur für den Bus
 
Anschließend schippern wir über den See zurück nach Copacabana, wo wir direkt zum heute sehr frühen Mittagessen in das erste Restaurant im Ort gehen. Frühstück, Boot fahren, 100 Meter zur Ruinenanlage laufen, wieder Boot fahren und dann direkt zum Essen. Das heutige Tagesprogramm ist zum Fett ansetzen gedacht. Wenigstens haben wir nach dem Essen noch eine Viertelstunde Zeit uns in Copacabana die Füße zu vertreten, bevor die lange Busfahrt beginnt.
Start per Handbetrieb
Fähre in Tiquina
Die Rückfahrt wird nur zweimal unterbrochen, einmal für die schon bekannte Mutprobe der Fährüberfahrt über die Titicacaseeengstelle und zum anderen bei der Vorbeifahrt an unserem Hotel im La Paz. Nach der Erfahrung mit der öffentlichen Toilette in Copacabana nutzen wir hier die Gelegenheit. Wir verlassen La Paz, und der Bus quält sich im wahrsten Sinn des Wortes einen Pass hinauf. Eigentlich ist die -zuerst- Straße dann Staubpiste nicht für Busse unserer Größenordnung geeignet, und als wir bei einbrechender Dunkelheit vor dem Eingang unseres heutigen Quartiers stehen, stellt sich für den Fahrer die Frage, wo kann er wie wenden? Es geht nicht, und er muss rückwärts zurückfahren, Gott sei dank sind wir da nicht mehr dabei.
Die heutige Unterkunft soll eine neu eröffnete Ökolodge sein, aber es ist gut, dass man bei Dunkelheit nicht alles sehen kann. Der Betreiber ist nicht anwesend, und die verbliebene Mannschaft (zwei Personen) hat Riesenprobleme, indem was sich Küche nennt, ein Abendessen zuzubereiten. Aber sie geben sich Mühe, nur Salat isst heute Abend zum ersten Mal bei dieser Reise niemand!
 
17. Tag Dienstag
Frühstück ist nicht um 5:50 Uhr, sondern beginnt um 5:50 Uhr, das heißt, vom Tischeindecken mit Geschirr, dem Servieren der Getränke bis zum Auftragen der Esswaren geschieht alles in einzelnen Schritten mit gehörigen Zwischenpausen. Wir sollten eigentlich Wasser für den heutigen Tag hier bekommen, das klappt aber nicht, der Eigentümer hat das Depot abgeschlossen. Die Angestellten tun uns leid, sie geben sich große Mühe, haben aber nicht gelernt wie man eine Lodge führt und sind sich selbst überlassen. Der Eigentümer sitzt in La Paz und kassiert das Geld.
 
Zurückgeblickt
ist das Wetter besser
Die Hütten von Takesi
Wir fahren in einem neuen Bus los, der für das, was vor uns liegt, aber drei Nummern zu groß ist. Die Leistung des Fahrers kann man nicht hoch genug einschätzen, an Abgründen vorbei, über Brücken, die man zu Fuß nicht überqueren möchte, fährt er uns immer höher. Wir merken am Wetter, dass wir uns am Rande der Kordilleren befinden, deren Hänge hier zum tropischen Tiefland abfallen. Wir haben zum ersten Mal einen bewölkten Himmel, und bei der Höhe bedeutet dies, dass die Berggipfel höher als die Wolken tief sind.
Gegen 7 Uhr hat tatsächlich ein Laden auf, und wir können Wasser kaufen. Kurz vor dem Beginn des Camino Takesi Treks überholen wir unsere drei Esel. Am Startpunkt in 4.100 m Höhe sind es um die 0° Celsius und es ist sehr windig. Drei aus der Gruppe werden mit dem Bus nach La Paz zurückfahren und das Trekking ausfallen lassen. Die Esel werden beladen, und los geht es, jeder will nur los bei diesem Wetter. Wir steigen immer höher. Es beginnt zu regnen, und als wir den Takesi Pass auf 4.565 m erreichen, schneit, graupelt und regnet es in einem, und es ist saukalt. Den berühmten Aussichtsgipfel des Takesi sparen wir uns, wir können ihn noch nicht einmal erkennen.
Alle wollen nur noch weiter. Der Regen wird immer stärker, und zu allem Überfluss sind Andreas und meine Regenhosen sowie Handschuhe der Gepäckeinsparungshysterie zum Opfer gefallen. Wir werden bis auf die Haut nass, und das Wasser läuft uns die Beine hinunter, von oben in die Goretex Schuhe, super! Ich schwöre mir, sogar bei einer Saharatour werde ich in Zukunft die Regenhosen im Rucksack lassen.
Fuchsie
 
 
Wunderschöne Blüten
in den Yungas
Man erkennt den Pfad
 
Unsere Esel sind müde
 
Eine Orchidee
 
 
Nach zwei Stunden wird es langsam besser, wir sind inzwischen um einiges tiefer. Nach dem Ort Takesi -fünf Hütten- hört es sogar auf zu regnen. Es wird auch immer wärmer je tiefer wir kommen. Jetzt verstehen wir, warum der Camino Takesi als der schönste Wanderweg Boliviens gilt. Er führt immer am Hang der Yungas (vom Hochland zum tropischen Tiefland abfallende Kordillerenhänge) entlang. Die Blütenpracht am Rande des Wegs und die phantastische Aussicht über die Tropenhänge sind beeindruckend. Sogar die Sonne kommt zum Vorschein, und wir hätten nicht gedacht, dass unsere Sachen noch trocken werden.
Auf dem Camino Takesi
Wer kennt den Namen?
Wer kennt den Samen?
Die Toilette
Der Duschvorhang
Nach 7 Stunden Gehzeit erreichen wir mitten am Urwaldhang gelegen ein einzelnes Gehöft. Es wird von einem jungen Ehepaar, drei Kindern und einem Haufen Truthähne bewohnt. Hier spielt sich alles im Freien ab, es gibt keinen Gastraum, und unser Eselstreiber schläft in einer Art Stall ohne Fenster auf dem Fußboden. Wir selbst müssen noch 200 Höhenmeter absteigen. Hier hat die Sektion Forchheim des Deutschen Alpenvereins eine Einraumunterkunft gebaut, und als einzige Einrichtung ein paar Doppelstockbetten hineingestellt. Gott sei Dank kommt durch die zwei kleinen Fenster kaum Licht ins Innere dieser Ungezieferbrutstätte. Nebenan gibt es sogar Toilette und Dusche. (siehe Fotos)
Esstisch ohne
Beleuchtung
Zum Abendessen steigen nur noch die fünf Härtesten von uns wieder zum Haupthaus auf. Wir genießen, solange es hell ist, die Aussicht über die Urwaldberge und essen dann bei völliger Dunkelheit (Strom gibt es natürlich nicht) zu Nacht. Nachdem Abräumen bekommen wir dann sogar eine Kerze hingestellt. Auch hier gilt, die armen Leute geben sich Mühe, sind aber nie angelernt worden und deshalb überfordert. Mittels unserer Stirnlampen kämpfen wir uns dann noch den Urwaldpfad abwärts zu unserer Hütte, und krabbeln todmüde in unsere Schlafsäcke. Hoffentlich krabbeln nur wir alleine hinein!!!!!
 
 
18. Tag Mittwoch
Wir schlafen einigermaßen, obwohl die ganze Nacht ein Trommelfeuer auf dem Wellblechdach unserer Behausung niedergeht, dessen Zweck es wohl ist, die Personenzuordnung der Schnarchgeräusche unmöglich zu machen. Am Morgen ist Reinhard so unvorsichtig und zieht eine der Schubladen auf, die zwischen Ober- und Unterbett befestigt sind. Er hätte es besser nicht getan, der Inhalt deckt mehr als nur die Grundausstattung einer Insektensammlung ab.
Ananunca Amarillys
Rhodophiala phycelloides
Wir müssen zum Frühstück wieder die 200 Höhenmeter schaffen. Dafür ist das Frühstück sehr gut, wenn es sich auch sehr lange hinzieht. Immer wenn man meint, es kommt nichts mehr, kommt dann doch noch etwas, bis zu den frischen Erdbeeren als Abschluss. Dann folgt wieder das mit den 200 Metern.
Die Esel werden beladen, und es kann losgehen. Inzwischen regnet es nur noch ganz leicht. Der Urwald wird dichter, wir überqueren eine Hängebrücke und nach einem letzten Anstieg geht es nur noch bergab. Es wird immer wärmer, als wir uns jedoch der Regensachen entledigen, fängt es prompt wieder an zu regnen. Nach einer Stunde machen wir eine Pause, es ist inzwischen noch wärmer geworden, also wieder ausziehen - mit demselben Ergebnis wie vorher. Das nächste Wegstück führt an einer Wasserleitung entlang, und deutet damit an, dass wir uns wieder der Zivilisation nähern. Als wir unseren wartenden Bus dann schon sehen können, sind es nur noch wenige Meter, aber ein tropischer Regenguss zeigt uns, dass 200 Meter reichen, um uns bis auf die Haut nass zu machen.
Hängebrücke
am Camino
Takesi
Übernachtungs-
und Essplatz
Im Bus treffen wir unsere drei Nichttrekker wieder. Wir werden durch die nahe Siedlung der Zinnmine Chojlla gefahren, aber kaum jemand schaut aus dem Fenster. Es schüttet, was der Himmel hergibt, über die einspurige Piste ergießen sich wahre Schlammassen und stürzen den fast senkrechten Abhang hinunter. Beim Bergwandern hat so eine Strecke den Schwierigkeitsgrad "Absturzgefahr", und wir befahren das mit dem großen Bus. Nach einer Stunde Fahrzeit haben wir alle mit dem Leben abgeschlossen, und offen bleibt nur die Frage, wann passiert es endlich? Als wir meinen, es kann nicht mehr schlimmer kommen, geht es einen Hang hinauf, und nach einer Kehre liegt eine kleine Hotelanlage vor uns.
 
Wer kennt den Namen?
Wer kennt den Namen?
Wie man abseits jeder Straße mitten in der Wildnis ein Hotel bauen kann, bleibt uns unergründlich. Vielleicht ist die Erklärung die, dass die Eigentümer Deutsche sind. Wir sind nur noch 1.400 m hoch und gehen kurz auf die Zimmer. Sie sind zwar mit Moskitonetzen versehen, aber nicht flugfähige Insekten schaffen es doch, die Zimmer mit uns zu teilen.
Wir bekommen ein Mittagessen, versuchen danach zu duschen (es bleibt beim Versuch) und verbringen den Rest des Nachmittags immer noch bei Dauerregen auf dem Zimmer. Außer einem Abendessen, bei dem es Hühnchen in Knoblauchsoße ohne Knoblauch gibt, passiert nicht mehr viel.
 
19. Tag Donnerstag
Den Stamm
klettert so schnell
niemand hoch
Es hat endlich zu regnen aufgehört. Wir können so noch einiges in der zum Hotel gehörenden Gartenanlage fotografieren. Sie ist übrigens das Beste am ganzen Hotel. Sogar ein blauer Morphofalter lässt sich aufnehmen, leider nur mit gefalteten Flügeln, und damit ohne das herrliche Blau zu zeigen.
 
Nachdem sehr schlechten Frühstück fahren wir in drei Stunden durch die Yungas Richtung La Paz. Inzwischen sind wir, was die Wegstrecke betrifft, nicht mehr so leicht aus der Ruhe zu bringen. Es ist unglaublich, was die Busfahrer leisten. Erst als wir fast wieder auf 4000 m Höhe sind, wird die Piste wieder zu einer Asphaltstraße. Gegen 14 Uhr treffen wir wieder in La Paz ein.
 
Kalebassenbaum
-Crescentia -
In den Bergen
hat es geschneit
Papayas
 
Mangas
 
Wer kennt den Namen?
Blauer Morpho
-Morpho menelaus-
Eine Lilie
 
Wer kennt den Namen?
Kokablätter werden
getrocknet
Auf der Rückfahrt
nach La Paz
Nach einer kurzen Verschnaufpause wegen der Höhe, streifen Andrea und ich noch zwei Stunden durch die Stadt. Dann wird geduscht, und anschließend werden wir mit dem Bus zu einem folkloristischen Abschlussabendessen in eine Gaststätte gebracht.
 
20./ 21. Tag Freitag / Samstag
La Paz und
der Illimani 6.439 m
Um 9 Uhr heißt es Abfahrt zum Flughafen. So haben wir noch genügend Zeit zum Frühstücken und Packen. Moisés begleitet uns noch zum Flughafen, und schafft es, das Gepäck als Gruppengepäck bis nach Frankfurt aufgeben zu können.
Mit einer Zwischenlandung in Iquique in Chile, wo die Einreiseformalitäten ziemlich lange dauern, geht es dann direkt weiter nach Santiago. Um 19 Uhr fliegen wir dann pünktlich Richtung Europa ab. Nach einem Zwischenstopp in Madrid kommen wir gegen 19 Uhr ziemlich pünktlich zusammen mit unserem Gepäck wieder in Frankfurt an.
 
Fazit: Bolivien ist ein faszinierendes Land, dessen Faszination einen aber erst nach einiger Zeit gefangen nimmt. Bei der großen Trockenheit, die zumindest im Altiplano und in den Anden wenig Grün zulässt, muss man umso mehr auf die Feinheiten achten. Blühende Kakteen und die Farben der Gesteine leuchten dafür umso stärker. Das Blau des Titicacasees und der Sternenhimmel über dem Altiplano sind einfach nur großartig zu nennen. Wer dann noch das Weiß des Salars de Uyuni gesehen hat, kann wahrlich nicht von Eintönigkeit sprechen.
Sonnenaufgang
über der Mondinsel
Als das Land mit der indianischsten Bevölkerung Südamerikas, sind deren Lebensweise für uns Europäer unheimlich interessant. Man muss einfach gesehen haben, wie die Menschen hier leben.
 
Zum Veranstalter "Hauser Exkursionen" möchte ich bemerken, dass das Programmänderungschaos vor der Reise nicht gut war. Ohne Chileaufenthalt wäre die Reise besser gewesen. Auch hätten die Wanderungen ruhig etwas strammer ausfallen können, wenn man öfter mal das Mittagessen im Restaurant durch ein Picknick ersetzt hätte.
Zum Schluss möchte ich sagen, wer schon andere Länder Südamerikas besucht hat, dem sei ein Bolivienbesuch auf alle Fälle zu empfehlen. Wer das erste Mal nach Südamerika reist, sollte vielleicht mit Peru oder Chile beginnen.
 

 
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Ausrüstungsliste:

Dokumente
Reisepass
Kopie von Reisepass
Flugticket
Kopie von Flugticket
Kopie von Impfausweis
Devisen (Euro besser als US$)
Kreditkarte
Kopie von Kreditkarte
Telefonnr. zum Sperren von Schecks und Kreditkarte
Passbilder
 
Toilettenartikel
Seife/Duschmittel
Handtücher
Waschlappen
Zahnputzsachen
Toilettenpapier
Hakle Feucht
Kamm/Bürste
Rasierapparat
Haarfön
Deo
Tubenwaschmittel
Wäschesack
Arzneimittel
Erste Hilfe Set
JHP-Öl
Immodium Akut (Durchfall)
Labiosan (Lippenschutz)
Effortil (Kreislauf)
Diamox (Höhenkrankheit)
Mittel gegen Kopfschmerzen
Mykoderm-Miconalzolcreme (gegen Fußpilz)
Melkfett (Füße)
Hautcreme
Magnesiumtabletten
Insektenmittel
Sonnenschutzmittel Faktor 30

Schlafen
Hüttenschlafsack (Hygiene)
warmer Schlafsack
Taschen- oder Stirnlampe
Ersatzbatterien

Am Anfang herrscht
das Chaos

Kleidung
Hut/Mütze
Handschuhe (wer leicht friert)
Fleecejacke
Fleecehose
Trekkinghosen (zippbar)
Anorak
Überziehhosen
Tshirts
Pullover
Unterwäsche
Strümpfe
Schlafsachen
Taschentücher

Wanderschuhe
Trekkingsandalen
Badelatschen
Turnschuhe
 
Geordnetes Chaos
Sonstiges
Gürteltasche (kein Brustbeutel)
Brille
Sonnenbrille
Steckeradapter
Taschenmesser (kein Handgepäck)
Nähzeug

Rucksack
Regenschutz für Rucksack
Teleskopstöcke
Getränkeflasche
 
Schreibmaterial
Literatur
evt. Diktiergerät
evt. elektronischer Übersetzer

Fotoausrüstung
Kamera
Ersatzbatterie/-Akkus
genügend Filme/Speicherkarten
ggf. Stativ
Kameratasche