Traumzeit Bolivien, Reise zu den Höhepunkten des Landes

Eine Hauser Reise vom 30.September bis 20. Oktober 2007

Ein Reisebericht von Kurt.Merkert@web.de


Übersicht 1. bis 10. Tag 11. bis 20. Tag Ausrüstung Druckansicht Home

 
11. Tag Mittwoch
Ich nehme frühmorgens noch mal eine Diamox Tablette. In den Rucksack kommt nur das Nötigste. Wir wollen den Tunupa besteigen, nicht den Hauptgipfel mit 5.460 m sondern einen Aussichtspunkt, der aber auch über 4.500 m hoch ist. Da zählt jedes Gramm Gewicht doppelt. Nachdem guten Frühstück bringen uns die Jeeps ein Stück näher an den Berg heran.
Dann geht es zu Fuß los. Nach ein paar Minuten haben wir den ersten Stopp. Es gilt ein paar Mumiengräber zu besichtigen. Von nun an geht es steil bergauf. Als wir den ersten Steilhang hinter uns haben, liegt der Vulkan direkt vor uns. Je höher es geht, umso mehr zieht sich die Gruppe auseinander. Vorbei an blühenden Kakteen wird die Luft immer dünner. Am nächsten Rastplatz gehen nur noch Andrea, Monika und ich mit Moisés weiter. Beim Erreichen des Aussichtspunkts zeigt der Höhenmesser 4.640 m an. Moisés kann es nicht fassen, vorgestern Abend wollte er mich noch ins Krankenhaus schicken, und jetzt bin ich der Einzige, der noch weiter möchte. Doch da die anderen längst Richtung den Jeeps aufgebrochen sind, drängt die Zeit für uns. Trotzdem lassen wir es uns nicht nehmen, die Superaussicht zu genießen und unser Lunchpaket zu probieren. Dann geht es ohne Unterbrechung den gleichen Weg zurück.
An den Autos angekommen, fahren wir an den Rand des Salars. Wir haben Flamingos entdeckt und wollen sie fotografieren. Jetzt heißt es Tarnkappe aufsetzen, denn wie soll man sich ohne jede Deckung sonst anpirschen. Gott sei Dank gibt es heute leistungsstarke Zoomobjektive. Nachdem wir die Flamingos digitalisiert haben, fahren wir wieder auf den Salzsee.
Nach einer Stunde Fahrzeit erreichen wir unser heutiges Quartier. Es liegt auf dem Salar und ist folgerichtig komplett aus Salz gebaut. Es gibt alles, was zu einem guten Hotel gehört, Salzlobby, Sauna, Whirlpool, Gaststätteneinrichtung aus Salz. Der Fußboden besteht aus einer dicken Schicht grobkörnigen Salzes. Wir sind fasziniert, und gesteigert wird das Ganze noch vom besten Abendessen der ganzen Reise. Es gibt als Hauptgericht Salzhuhn (wie sollte es auch sonst hier anders zubereitet sein) oder gegrillte Lamalende satt (0% Cholesterin!!). Es ist das Beste was ich je an Lende gegessen habe.

Hoch zufrieden mit diesem wunderschönen Tag ziehen wir uns auf die Zimmer zurück, allerdings nicht ohne den einmaligen Sternenhimmel in der salzklaren Luft ausgiebig zu bewundern. Ich habe bisher über das Wetter während dieser Reise kaum etwas geschrieben, warum? Es ist nicht nötig, wir haben seit dem ersten Tag fast immer blauen Himmel und angenehme Temperaturen.
 
12. Tag Donnerstag
5 Uhr aufstehen, 5:45 Uhr Frühstück, 6:30 Uhr Abfahrt. Heute steht ein langer Fahrtag an. Wenn alles klappt, werden wir neun Stunden reine Fahrzeit benötigen. Bis Oruro fahren uns die Jeeps. Dann schließen sich noch drei Stunden in einem Linienbus bis La Paz an.
Die ersten fünf Stunden fahren wir mit unterschiedlichem Tempo, je nachdem wie es die Piste zulässt, durch eine ziemlich eintönige Landschaft. Andrea meint, so eintönig sei es gar nicht, Spitzbüschelgras wechsle sich doch ständig mit Rundbüschelgras ab. Ab und zu leben ein paar Familien in Adobe-Häusern, wir fragen uns nur von was? Als wir Huanuni erreichen, wird die Piste zur Asphaltstraße. Der Ort ist etwas reicher, hier gibt es eine bekannte Brauerei. Wir haben uns aber zu früh gefreut, das Geld hat nur innerorts für Asphalt gereicht, nach dem Ort haben wir wieder eine Piste. Erst kurz vor Oruro ist es dann wirklich eine Asphaltstraße.
 
In Oruro essen wir in einem Restaurant für die bessere Gesellschaft zu Mittag. Von der Qualität des Essens her, wären wir besser durch die quicklebendige Stadt gelaufen. So aber bringen uns die Jeeps direkt zum Busbahnhof, wo wir das Gepäck in einen Linienbus verladen und dann auf reservierten Plätzen der Abfahrt entgegen harren. Der Bus fährt pünktlich los. Die Fahrt geht über das Altiplano, und die Straße verläuft überwiegend so gerade, dass man eigentlich, wenn man morgens losfahren würde, schon sehen müsste, wo man abends ankommt. Nach zwei Stunden Fahrzeit erscheint erstmals der Illimani vor uns. Er ist mit 6.439 m Höhe der Hausberg von La Paz. Es dauert aber noch eine weitere Stunde, bis wir den Stadtrand von La Paz erreichen und uns durch das Verkehrsgewühl in den Talkessel der Innenstadt hinunterkämpfen. Talkessel ist gut, das Zentrum liegt immer noch 3.650 m hoch.
Wir werden mit einem Großraumtaxi zum Hotel gebracht, beziehen die Zimmer, und essen noch im Dachrestaurant des Hotels. Auch hier gilt: 5-Sterne Hotel, aber das Essen bleibt weit hinter den einfachen bolivianischen Gaststätten zurück. Danach will jeder nur noch ins Bett. Wir waren genau 12 Stunden unterwegs.
 
13. Tag Freitag
Wieso stehen wir bereits um 6 Uhr auf, wenn doch die Abfahrt nach Tiahuanaco erst um 8 Uhr ist? Ganz einfach, wir wollen das Frühstück in einem 5-Sterne Hotel genießen. Doch wie schon beim Abendessen, hier sind wohl ein paar Sterne zuviel vergeben worden.
Wir fahren aus dem Kessel von La Paz hinauf auf die Hochebene, wo sich die Oberstadt El Alto immer mehr ausbreitet. Inzwischen leben hier bereits 775.000 vorwiegend ärmere Menschen, während La Paz selbst ca. 813.000 Einwohner hat. Der Bus kommt im Verkehrsgewühl nur langsam voran, was aber gut ist, denn so können wir sehen, wie die Leute hier leben, und das ist so unglaublich, das muss man gesehen haben. Fotos können die Wirklichkeit nur annähernd widerspiegeln.
Nach einer Stunde Fahrzeit erreichen wir Tiahuanaco. Der Ort liegt direkt neben der Ruinenanlage. Das historische Tiahuanaco war das religiöse und administrative Zentrum einer präkolumbischen Kultur rund um den Titicacasee in der Zeit von 1500 v. Chr. bis 1200 n. Chr. Wir besuchen zuerst ein neu gebautes Museum, indem einige schöne Stücke ausgestellt sind. Anschließend besichtigen wir die Ruinenanlage mit dem weltberühmten Sonnentor. Ich finde aber, dass die Anlage interessantere Objekte enthält. Sie wird erst seit ein paar Jahren systematisch ausgegraben, und man kann sich gut vorstellen, wie großartig sie erst in ein paar Jahren wirken muss.
Nach dem Besuch der Anlage fahren wir über das Altiplano zurück durch La Paz, das wir ohne anzuhalten durchqueren, zum Valle de la luna, dem Mondtal. Gleich nebenan essen wir in einer Hotelanlage erstklassig zu Mittag. Sie gehört einem Schweizer und hier habe ich vor drei Jahren meinen letzten Bolivienurlaub begonnen. Nachdem Essen besichtigen wir das Mondtal. Es steht in allen Reiseführern über La Paz ganz oben und muss deshalb von jedem Touristen wohl besucht werden. Man muss es aber nicht unbedingt gesehen haben. Unsere Damen fanden den wirklich guten Lama-, Alpakaladen am Eingang noch am interessantesten und haben ihn fast leer gekauft.
Dann geht es zurück nach La Paz zur ausgiebigen Stadtbesichtigung. Die verschiedenen Plazas, Kirchen, koloniale Straßen und natürlich der Hexenmarkt werden besucht. Das Gewimmel und geschäftige Treiben ist wohl einzigartig. Keine Stadt hat so einen hohen indigenen Anteil wie La Paz. Jeder versucht irgendwas an irgendwen zu verkaufen. Fast allen ist aber gemein, jeder isst irgendetwas.
Das Abendessen lassen wir infolge des guten Mittagessens ausfallen. Was wir heute aber noch machen müssen, unser Gepäck aussortieren, denn ein Teil davon bleibt im Hotel zurück, da es morgen zum Titicacasee geht und von dort direkt zum Trekking, das wir mit kleinem Gepäck bewältigen müssen.
 
14. Tag Samstag
Um 8 Uhr soll Abfahrt sein, doch zum ersten Mal bei dieser Reise gibt es kleinere Probleme. Andrea und ich scheinen die einzigen zu sein, die sich beim Gepäck wirklich eingeschränkt haben. Moisés schüttelt nur den Kopf darüber, wie schwer die Gepäckstücke der anderen sind. Nach einigem Hin und Her wird beschlossen, am Titicacasee noch einmal auszusortieren.
Wir verlassen den Kessel von La Paz über die uns schon bekannte Strecke hoch nach El Alto. Das was neben der Straße abgeht, fasziniert uns noch genau so, wie bei den ersten zwei Fahrten. Wir fahren über das Altiplano immer parallel an der Kette der Königskordilleren entlang. Die Aussicht wäre grandios, wenn es nicht ganz so diesig wäre, trotzdem keimt der Wunsch in uns, da mal eine längere Trekkingtour zu machen.
Bei Tiquina treffen wir auf den Titicacasee. Er bildet hier eine Engstelle von 800 Metern, die mit Fähren überquert wird, getrennt für Fahrzeuge und Personen, aber was für Fährfahrzeuge sind das!!! Die Personenfähre hat die Größe eines Sonntagsausflugruderboots auf einem innerstädtischen Teich bei uns zu Hause. Hier wird der komplette Verkehr zwischen Bolivien und Peru abgewickelt. Bei uns gäbe es längst eine Brücke, aber dadurch würden bestimmt hundert Familien arbeitslos.
Obwohl wir nicht mehr weit von Copacabana entfernt sind, muss erst noch ein 4.200 m hoher Pass überwunden werden, bevor die Stadt in einer Bucht vor uns liegt. Die Stadt hat zwei Lebensadern, zum einen für die Bolivianer den Rummel als Wallfahrtsort um die katholische Kirche, und zum anderen als Ausgangspunkt der Touristen für die Überfahrt auf Sonnen- und Mondinsel im Titicacasee. Wir besuchen die Wallfahrtskirche mit der berühmten "Schwarzen Madonna von Copacabana". Vor der Kirche werden Fahrzeuge gesegnet, damit sie unfallfrei fahren. Wir durchschlendern den Ort, probieren zum ersten Mal eine öffentliche Toilette (und wohl auch zum letzten Mal) und besteigen dann im Hafen eine etwas größere Nussschale als heute Morgen für die Überfahrt zur Sonneninsel.
Andrea, Monika und ich verbringen die einstündige Überfahrt auf dem Bootsdach. Der Rest verkriecht sich im Inneren und hält sich wohl an den Schwimmwesten fest. Auf der Insel angekommen, nehmen wir unser Mittagessen direkt über dem Landungssteg ein. Es ist ein "aptapi" eine Andenbrotzeit. Es gibt Titicacaseeforellen, kleine komplett mit Augen, Schwanz und Innereien gebratene Fischchen -sie werden komplett gegessen-, Saubohnen, Süßkartoffeln, Kartoffeln, Maiskolben, Karotten und gekochte Eier. Alles wird zusammen in einer Decke serviert und darin auch warm gehalten.
Nach dem Essen besuchen wir kurz die Inkaruinen von Pilkokaina (nicht so sehenswert) und laufen dann in einer guten Stunde über die schöne Insel, vorbei an landwirtschaftlichen Terrassenfeldern, die mit archaischen Geräten bewirtschaftet werden, zu unserer Unterkunft, einer Ökolodge. Diese wird unter der Aufsicht einer Schweizerin von Einheimischen betreut, und ein Teil unserer Bezahlung geht an die Kommune zur Verbesserung der Lebenssituation der Einheimischen. Wir beziehen jeweils ein kleines sauberes Häuschen für zwei Personen mit wunderbarerer Aussicht über den See auf die Kordilleren.
Am Abend steigen wir noch zum höchsten Punkt der Insel auf. Wir wollen den Sonnenuntergang anschauen. Er ist nicht schlecht, aber wir haben auch schon bessere erlebt. Abendessen gibt es erst nach dem Sonnenuntergang. Es ist sehr sehr gut, Chichasuppe (Yucca), Forelle mit Kapern, Gemüse und Kartoffeln und dazu Erdbeerpunsch mit Schnaps.
 
15. Tag Sonntag
Um 7:30 Uhr gibt es Frühstück und endlich einmal Brot wie zu Hause. Anschließend steigen wir zur Küste ab. Wir sollen mit dem Boot zur Nordspitze der Insel gebracht werden. Das Boot kommt mit einiger Verspätung, da der Bootsführer Zahnschmerzen hat.
Wir werden in die Bucht von Sabacera gebracht und steigen zu den Inka Ruinen von Chincan (Labyrinth und Palast des Inka) auf. Wir besuchen den Stein des Inka, hier soll die Geburtsstunde der Inka gewesen sein, und laufen dann über fast die ganze Insel zurück. Die alte Inkastraße führt an blühenden Kakteen vorbei durch mehrere Mini-Dörfer, mal am Strand entlang, mal hoch über dem See in lockerem Auf und Ab zurück zu unserer Lodge.
 
Die Wanderung dauert länger als geplant, und als wir gegen 14:15 Uhr ankommen, ist das Essen aus dem Erdofen kalt geworden. Es schmeckt aber trotzdem gut. Den Rest des Nachmittags verbringen wir mit ausruhen. Es ist das erste Mal nach 15 Tagen, dass wir nichts mehr vorhaben. Das tut uns auch gut, und dazu noch in dieser super Unterkunft in dieser super Lage mit der super Aussicht, Urlaub pur!!!!
 
Abends steht das leidige Thema Gepäck wegen des Trekkings wieder an. Es rächt sich jetzt, dass Hauser wegen der mehrmaligen Terminänderung, (ein zusätzlicher Tag in Santiago, dafür ein Tag kürzeres Trekking) dieses nicht richtig durchgeplant hat, keine Träger, doch Träger, mit Eseln, ohne Esel, Chaos perfekt. Die Mitreisenden bringen Moisés dazu, per Handy einen Träger und drei Esel an den Startpunkt zu ordern. Andrea und ich werden unsere Sachen selbst tragen, wir haben ja fast alles schon in La Paz zurückgelassen.
 
16. Tag Montag
Heute will ich früh aufstehen, ich möchte den Sonnenaufgang fotografieren. Aufstehen ist dazu aber nicht nötig, ich brauche nur die Kamera vom Bett heraus aus dem Fenster zu halten, und habe schon das schönste Fotomotiv.
Nachdem Frühstück laufen wir ein Stück über die Insel und steigen dann zum See ab. Unser Gepäck wird mit Eseln zur Bootsanlegestelle gebracht, und dann fahren wir hinüber zur Mondinsel. Hier besuchen wir den Tempel der Sonnenjungfrauen (Acllahuasi) aus der Inkazeit. Leider ist kein Geld da, die langsam verfallende Anlage zu erhalten. Außer unserer Gruppe und selbstverständlich ein paar Indigena Frauen, die ihre Waren an Touristen verkaufen möchten, ist niemand da.
 
Anschließend schippern wir über den See zurück nach Copacabana, wo wir direkt zum heute sehr frühen Mittagessen in das erste Restaurant im Ort gehen. Frühstück, Boot fahren, 100 Meter zur Ruinenanlage laufen, wieder Boot fahren und dann direkt zum Essen. Das heutige Tagesprogramm ist zum Fett ansetzen gedacht. Wenigstens haben wir nach dem Essen noch eine Viertelstunde Zeit uns in Copacabana die Füße zu vertreten, bevor die lange Busfahrt beginnt.
Die Rückfahrt wird nur zweimal unterbrochen, einmal für die schon bekannte Mutprobe der Fährüberfahrt über die Titicacaseeengstelle und zum anderen bei der Vorbeifahrt an unserem Hotel im La Paz. Nach der Erfahrung mit der öffentlichen Toilette in Copacabana nutzen wir hier die Gelegenheit. Wir verlassen La Paz, und der Bus quält sich im wahrsten Sinn des Wortes einen Pass hinauf. Eigentlich ist die -zuerst- Straße dann Staubpiste nicht für Busse unserer Größenordnung geeignet, und als wir bei einbrechender Dunkelheit vor dem Eingang unseres heutigen Quartiers stehen, stellt sich für den Fahrer die Frage, wo kann er wie wenden? Es geht nicht, und er muss rückwärts zurückfahren, Gott sei dank sind wir da nicht mehr dabei.
Die heutige Unterkunft soll eine neu eröffnete Ökolodge sein, aber es ist gut, dass man bei Dunkelheit nicht alles sehen kann. Der Betreiber ist nicht anwesend, und die verbliebene Mannschaft (zwei Personen) hat Riesenprobleme, indem was sich Küche nennt, ein Abendessen zuzubereiten. Aber sie geben sich Mühe, nur Salat isst heute Abend zum ersten Mal bei dieser Reise niemand!
 
17. Tag Dienstag
Frühstück ist nicht um 5:50 Uhr, sondern beginnt um 5:50 Uhr, das heißt, vom Tischeindecken mit Geschirr, dem Servieren der Getränke bis zum Auftragen der Esswaren geschieht alles in einzelnen Schritten mit gehörigen Zwischenpausen. Wir sollten eigentlich Wasser für den heutigen Tag hier bekommen, das klappt aber nicht, der Eigentümer hat das Depot abgeschlossen. Die Angestellten tun uns leid, sie geben sich große Mühe, haben aber nicht gelernt wie man eine Lodge führt und sind sich selbst überlassen. Der Eigentümer sitzt in La Paz und kassiert das Geld.
 
Wir fahren in einem neuen Bus los, der für das, was vor uns liegt, aber drei Nummern zu groß ist. Die Leistung des Fahrers kann man nicht hoch genug einschätzen, an Abgründen vorbei, über Brücken, die man zu Fuß nicht überqueren möchte, fährt er uns immer höher. Wir merken am Wetter, dass wir uns am Rande der Kordilleren befinden, deren Hänge hier zum tropischen Tiefland abfallen. Wir haben zum ersten Mal einen bewölkten Himmel, und bei der Höhe bedeutet dies, dass die Berggipfel höher als die Wolken tief sind.
Gegen 7 Uhr hat tatsächlich ein Laden auf, und wir können Wasser kaufen. Kurz vor dem Beginn des Camino Takesi Treks überholen wir unsere drei Esel. Am Startpunkt in 4.100 m Höhe sind es um die 0° Celsius und es ist sehr windig. Drei aus der Gruppe werden mit dem Bus nach La Paz zurückfahren und das Trekking ausfallen lassen. Die Esel werden beladen, und los geht es, jeder will nur los bei diesem Wetter. Wir steigen immer höher. Es beginnt zu regnen, und als wir den Takesi Pass auf 4.565 m erreichen, schneit, graupelt und regnet es in einem, und es ist saukalt. Den berühmten Aussichtsgipfel des Takesi sparen wir uns, wir können ihn noch nicht einmal erkennen.
Alle wollen nur noch weiter. Der Regen wird immer stärker, und zu allem Überfluss sind Andreas und meine Regenhosen sowie Handschuhe der Gepäckeinsparungshysterie zum Opfer gefallen. Wir werden bis auf die Haut nass, und das Wasser läuft uns die Beine hinunter, von oben in die Goretex Schuhe, super! Ich schwöre mir, sogar bei einer Saharatour werde ich in Zukunft die Regenhosen im Rucksack lassen.
Nach zwei Stunden wird es langsam besser, wir sind inzwischen um einiges tiefer. Nach dem Ort Takesi -fünf Hütten- hört es sogar auf zu regnen. Es wird auch immer wärmer je tiefer wir kommen. Jetzt verstehen wir, warum der Camino Takesi als der schönste Wanderweg Boliviens gilt. Er führt immer am Hang der Yungas (vom Hochland zum tropischen Tiefland abfallende Kordillerenhänge) entlang. Die Blütenpracht am Rande des Wegs und die phantastische Aussicht über die Tropenhänge sind beeindruckend. Sogar die Sonne kommt zum Vorschein, und wir hätten nicht gedacht, dass unsere Sachen noch trocken werden.
Nach 7 Stunden Gehzeit erreichen wir mitten am Urwaldhang gelegen ein einzelnes Gehöft. Es wird von einem jungen Ehepaar, drei Kindern und einem Haufen Truthähne bewohnt. Hier spielt sich alles im Freien ab, es gibt keinen Gastraum, und unser Eselstreiber schläft in einer Art Stall ohne Fenster auf dem Fußboden. Wir selbst müssen noch 200 Höhenmeter absteigen. Hier hat die Sektion Forchheim des Deutschen Alpenvereins eine Einraumunterkunft gebaut, und als einzige Einrichtung ein paar Doppelstockbetten hineingestellt. Gott sei Dank kommt durch die zwei kleinen Fenster kaum Licht ins Innere dieser Ungezieferbrutstätte. Nebenan gibt es sogar Toilette und Dusche. (siehe Fotos)
Zum Abendessen steigen nur noch die fünf Härtesten von uns wieder zum Haupthaus auf. Wir genießen, solange es hell ist, die Aussicht über die Urwaldberge und essen dann bei völliger Dunkelheit (Strom gibt es natürlich nicht) zu Nacht. Nachdem Abräumen bekommen wir dann sogar eine Kerze hingestellt. Auch hier gilt, die armen Leute geben sich Mühe, sind aber nie angelernt worden und deshalb überfordert. Mittels unserer Stirnlampen kämpfen wir uns dann noch den Urwaldpfad abwärts zu unserer Hütte, und krabbeln todmüde in unsere Schlafsäcke. Hoffentlich krabbeln nur wir alleine hinein!!!!!
 
18. Tag Mittwoch
Wir schlafen einigermaßen, obwohl die ganze Nacht ein Trommelfeuer auf dem Wellblechdach unserer Behausung niedergeht, dessen Zweck es wohl ist, die Personenzuordnung der Schnarchgeräusche unmöglich zu machen. Am Morgen ist Reinhard so unvorsichtig und zieht eine der Schubladen auf, die zwischen Ober- und Unterbett befestigt sind. Er hätte es besser nicht getan, der Inhalt deckt mehr als nur die Grundausstattung einer Insektensammlung ab.
Wir müssen zum Frühstück wieder die 200 Höhenmeter schaffen. Dafür ist das Frühstück sehr gut, wenn es sich auch sehr lange hinzieht. Immer wenn man meint, es kommt nichts mehr, kommt dann doch noch etwas, bis zu den frischen Erdbeeren als Abschluss. Dann folgt wieder das mit den 200 Metern.
Die Esel werden beladen, und es kann losgehen. Inzwischen regnet es nur noch ganz leicht. Der Urwald wird dichter, wir überqueren eine Hängebrücke und nach einem letzten Anstieg geht es nur noch bergab. Es wird immer wärmer, als wir uns jedoch der Regensachen entledigen, fängt es prompt wieder an zu regnen. Nach einer Stunde machen wir eine Pause, es ist inzwischen noch wärmer geworden, also wieder ausziehen - mit demselben Ergebnis wie vorher. Das nächste Wegstück führt an einer Wasserleitung entlang, und deutet damit an, dass wir uns wieder der Zivilisation nähern. Als wir unseren wartenden Bus dann schon sehen können, sind es nur noch wenige Meter, aber ein tropischer Regenguss zeigt uns, dass 200 Meter reichen, um uns bis auf die Haut nass zu machen.
Im Bus treffen wir unsere drei Nichttrekker wieder. Wir werden durch die nahe Siedlung der Zinnmine Chojlla gefahren, aber kaum jemand schaut aus dem Fenster. Es schüttet, was der Himmel hergibt, über die einspurige Piste ergießen sich wahre Schlammassen und stürzen den fast senkrechten Abhang hinunter. Beim Bergwandern hat so eine Strecke den Schwierigkeitsgrad "Absturzgefahr", und wir befahren das mit dem großen Bus. Nach einer Stunde Fahrzeit haben wir alle mit dem Leben abgeschlossen, und offen bleibt nur die Frage, wann passiert es endlich? Als wir meinen, es kann nicht mehr schlimmer kommen, geht es einen Hang hinauf, und nach einer Kehre liegt eine kleine Hotelanlage vor uns.
 
Wie man abseits jeder Straße mitten in der Wildnis ein Hotel bauen kann, bleibt uns unergründlich. Vielleicht ist die Erklärung die, dass die Eigentümer Deutsche sind. Wir sind nur noch 1.400 m hoch und gehen kurz auf die Zimmer. Sie sind zwar mit Moskitonetzen versehen, aber nicht flugfähige Insekten schaffen es doch, die Zimmer mit uns zu teilen.
Wir bekommen ein Mittagessen, versuchen danach zu duschen (es bleibt beim Versuch) und verbringen den Rest des Nachmittags immer noch bei Dauerregen auf dem Zimmer. Außer einem Abendessen, bei dem es Hühnchen in Knoblauchsoße ohne Knoblauch gibt, passiert nicht mehr viel.
 
19. Tag Donnerstag
Es hat endlich zu regnen aufgehört. Wir können so noch einiges in der zum Hotel gehörenden Gartenanlage fotografieren. Sie ist übrigens das Beste am ganzen Hotel. Sogar ein blauer Morphofalter lässt sich aufnehmen, leider nur mit gefalteten Flügeln, und damit ohne das herrliche Blau zu zeigen.
 
Nachdem sehr schlechten Frühstück fahren wir in drei Stunden durch die Yungas Richtung La Paz. Inzwischen sind wir, was die Wegstrecke betrifft, nicht mehr so leicht aus der Ruhe zu bringen. Es ist unglaublich, was die Busfahrer leisten. Erst als wir fast wieder auf 4000 m Höhe sind, wird die Piste wieder zu einer Asphaltstraße. Gegen 14 Uhr treffen wir wieder in La Paz ein.
Nach einer kurzen Verschnaufpause wegen der Höhe, streifen Andrea und ich noch zwei Stunden durch die Stadt. Dann wird geduscht, und anschließend werden wir mit dem Bus zu einem folkloristischen Abschlussabendessen in eine Gaststätte gebracht.
 
20./ 21. Tag Freitag / Samstag
Um 9 Uhr heißt es Abfahrt zum Flughafen. So haben wir noch genügend Zeit zum Frühstücken und Packen. Moisés begleitet uns noch zum Flughafen, und schafft es, das Gepäck als Gruppengepäck bis nach Frankfurt aufgeben zu können.
Mit einer Zwischenlandung in Iquique in Chile, wo die Einreiseformalitäten ziemlich lange dauern, geht es dann direkt weiter nach Santiago. Um 19 Uhr fliegen wir dann pünktlich Richtung Europa ab. Nach einem Zwischenstopp in Madrid kommen wir gegen 19 Uhr ziemlich pünktlich zusammen mit unserem Gepäck wieder in Frankfurt an.
 
Fazit: Bolivien ist ein faszinierendes Land, dessen Faszination einen aber erst nach einiger Zeit gefangen nimmt. Bei der großen Trockenheit, die zumindest im Altiplano und in den Anden wenig Grün zulässt, muss man umso mehr auf die Feinheiten achten. Blühende Kakteen und die Farben der Gesteine leuchten dafür umso stärker. Das Blau des Titicacasees und der Sternenhimmel über dem Altiplano sind einfach nur großartig zu nennen. Wer dann noch das Weiß des Salars de Uyuni gesehen hat, kann wahrlich nicht von Eintönigkeit sprechen.
Als das Land mit der indianischsten Bevölkerung Südamerikas, sind deren Lebensweise für uns Europäer unheimlich interessant. Man muss einfach gesehen haben, wie die Menschen hier leben.
 
Zum Veranstalter "Hauser Exkursionen" möchte ich bemerken, dass das Programmänderungschaos vor der Reise nicht gut war. Ohne Chileaufenthalt wäre die Reise besser gewesen. Auch hätten die Wanderungen ruhig etwas strammer ausfallen können, wenn man öfter mal das Mittagessen im Restaurant durch ein Picknick ersetzt hätte.
Zum Schluss möchte ich sagen, wer schon andere Länder Südamerikas besucht hat, dem sei ein Bolivienbesuch auf alle Fälle zu empfehlen. Wer das erste Mal nach Südamerika reist, sollte vielleicht mit Peru oder Chile beginnen.
 

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