Traumzeit Bolivien, Reise zu den Höhepunkten des Landes

Eine Hauser Reise vom 30.September bis 20. Oktober 2007

Ein Reisebericht von Kurt.Merkert@web.de


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1. Tag Sonntag:
Mitten im Finale der Fußballweltmeisterschaft der Frauen steht mein Kollege vor der Tür, um uns zum Flughafen Frankfurt zu bringen. Um 16:30 Uhr treffen wir dort ein und erleben am LAN Schalter gleich eine Überraschung. Wir sind nur bis Madrid auf LAN gebucht und müssen von dort mit Iberia weiterfliegen. Das gefällt uns zwar nicht, ist aber nicht zu ändern. Nach einigem Verhandeln erreichen wir, dass das Gepäck bis Santiago durchgecheckt wird. Hoffentlich klappt das, wir sind da sehr skeptisch.
Der Start erfolgt pünktlich um 19:30 Uhr. Der Flug bis Madrid verläuft normal, aber anders als im letzten Jahr mit Iberia gibt es dieses Mal etwas zu essen. Um 0:30 Uhr geht es weiter. Der Flug ist sehr ruhig, um 1:30 Uhr in der Nacht gibt es Abendessen, ansonsten passiert bis zur Landung nichts mehr.
 
2. Tag Montag
Wir landen um 8 Uhr Ortszeit, in Deutschland ist es jetzt 14 Uhr. Die Passkontrolle erfolgt ohne Komplikationen, doch dann kommt der große Schrecken. Unser Gepäck ist als einziges von der Gruppe nicht vorhanden. Wir haben extra unsere Sachen auf zwei Taschen verteilt, falls eine nicht ankommt. Damit, dass beide fehlen, haben wir nicht gerechnet. Als wir am LAN Schalter reklamieren, tröstet man uns damit, dass bei LAN fast immer das Gepäck richtig mitkommt, nur bei Iberia gäbe es da öfter Probleme. Als wir darauf aufmerksam machen, wir seien mit Iberia angekommen, bricht große Hektik aus. Nach einer guten halben Stunde, wird das Gepäck doch noch gefunden. Uns fällt ein Stein vom Herzen.
Nach diesem Schreck kann die ganze Gruppe, insgesamt sind wir neun Personen, mit einem chilenischen Reiseleiter in die Innenstadt aufbrechen. Wir fahren kurz ins Hotel, geben dort unser Gepäck ab, und brechen dann zu einer dreistündigen Stadtbesichtigung zu Fuß und per Bus (auf den Cerro San Cristobal) auf. Da ich nicht das erste Mal in Santiago bin, fällt mir besonders auf, dass die Abgase des innerstädtischen Busverkehrs nicht mehr die Luft verpesten. Man hat die ganze Flotte auf moderne Fahrzeuge umgestellt. Trotzdem ist der über der Stadt liegende Smog gewaltig.
Zum Mittagsessen werden wir in die Markthallen geführt, für mich ist es bereits das dritte Mal. Anscheinend werden alle Touristen hierher gebracht. Aber das Essen ist auch ausgezeichnet. Den Nachmittag haben wir zur freien Verfügung, nutzen dies noch zu einem kleinen Rundgang, aber um 19 Uhr fallen Andrea und ich ins Bett. In Deutschland ist es jetzt 1 Uhr in der Nacht. Es sind 42 Stunden vergangen, seit wir das letzte Mal im Bett lagen.
 
3. Tag Dienstag
Um 5 Uhr stehen wir mit unserem Gepäck im Foyer des Hotels. Ein paar Plätzchen, eine Tasse Tee müssen als Frühstück reichen; wir werden ja im Flugzeug Frühstück bekommen. Wir fahren direkt zum Flughafen, von wo wir um 6:50 Uhr pünktlich abheben.
Bei herrlicher Sicht auf die Anden und die Atacama Wüste fliegen wir nach Norden. In Iquique soll es noch eine Zwischenlandung geben. Dort liegt alles unter dem mir schon von Peru her bekannten Küstennebel. Hier ist es absolut trostlos. Zum Glück geht es bald weiter nach Santa Cruz in Bolivien. Die Sicht ist jetzt gleich Null. Unter uns liegt ein graues Nebelmeer, so können wir uns statt der Aussicht dem Frühstück widmen. Es besteht aus ein paar Plätzchen und einem Wasser.
Als wir um 11:30 Uhr in Santa Cruz landen, herrscht dort gerade ein Tropensturm. Nach Pass- und Gepäckkontrolle - dieses Mal ist alles sofort da - werden wir von unserem Guide Moisés begrüßt. Er stammt aus La Paz, ist also aus dem Hochland und wird uns die nächsten drei Wochen durch Bolivien führen.
Beim Verlassen des Flughafengebäudes verschlägt es uns fast den Atem. Es ist stickig heiß, um die 40° C und das am Ende des Winters. Man sagt uns, so heiß sei es um diese Jahreszeit noch nie gewesen. Es weht ein trockenheißer Wind, der alles mit Staub bedeckt. Wir fahren mit unserem Bus durch das Chaos der Stadt, essen unterwegs noch ein Sandwich in einer Snack Bar, und danach geht es direkt Richtung Samaipata. Drei Stunden dauert die Fahrt. Von der Landschaft sieht man nicht viel, es ist zu diesig, zu heiß und zu windig und dadurch vor allem zu staubig. Dafür kann man sich besser auf die Menschen konzentrieren. Sie leben an der Straße. Man muss es sehen, wie sie leben, sonst glaubt man es nicht.
Gegen 16:45 Uhr biegen wir von der Straße ab, um uns auf einer eigentlich nicht busgeeigneten Piste den Ruinen von Samaipata zu nähern. Wir scherzen noch, dass diese sicher um 17 Uhr geschlossen werden, und tatsächlich, auf einmal kommt uns ein Jeep mit den Park Rangers entgegen. Sie haben die Anlage geschlossen. Nach einigem Verhandeln dürfen wir doch noch hinfahren und die Ruinen besichtigen. Es handelt sich um eine Zeremonialstätte der Inkas. Für den, der schon die Ruinenstätten in Peru gesehen hat, gibt sie nicht so viel her. Das Beste ist noch, dass die Luft hier oben auf 1950 m sehr angenehm ist.
Anschließend geht es weiter in den Ort Samaipata, wo wir bei Dunkelheit in einer Landhausanlage untergebracht werden. Nach kurzem Duschen gehen wir im Ort noch in eine Gaststätte zum Essen. Sie gehört einem Deutschen aus Leipzig. Essen und Getränke sind ausgezeichnet und dazu noch äußerst preisgünstig. Danach heißt es nur noch schlafen, schlafen.
 
4. Tag Mittwoch
Um 8 Uhr soll es Frühstück geben. Da wir durch die Zeitverschiebung alle sehr früh wach sind, haben wir genug Zeit, die sehr schöne Anlage, sie gehört ebenfalls einem Deutschen, zu genießen. Das Frühstück ist so erstklassig, dass keine Wünsche offen bleiben. Im Nachhinein wird es sich als das beste der ganzen Reise herausstellen. Um 9 Uhr ist Aufbruch zum Amboro Nationalpark. Anfangs fahren wir die Straße nach Cochabamba entlang. Es geht durch ein paar Ortschaften, unglaublich wie man hier lebt, und dann verlassen wir den Asphalt, um über eine Stunde lang auf einer abenteuerlichen Piste immer am Abgrund entlang an Höhe zu gewinnen. In einer kleinen Siedlung nehmen wir zwei Ranger auf und fahren noch weitere fünf Kilometer vorbei an qualmenden Brandrodungen bis zum Parkeingang.
Hier teilen wir uns in zwei Gruppen auf, die eine für eine kleine und die andere für eine größere Rundwanderung. Wir haben die größere Runde gewählt. Es stellt sich aber heraus, dass in dieser Gruppe alle fotografischen Experten sind, und so wird aus der großen eine eher kleinere dafür aber umso intensivere Tour. Der Bereich des Amboro Nationalparks den wir durchwandern, ist ein Trockenurwald mit nur wenigen Blütenpflanzen: Er ist nicht mit einem Regenwald zu vergleichen, hat aber auch einen ganz eigenen Reiz.
Nach der Wanderung geht es mit dem Bus die Camel-Trophy-Tour-Teststrecke wieder hinunter. Unglaublich, wenn es hier regnen würde, wäre an ein Weiterkommen nicht zu denken. Gott sei Dank handelt es sich hier um ein sehr trockenes staubiges Gebiet. Wir fahren direkt nach Samaipata zurück, um das Nachmittagsessen wieder in der Kneipe des Leipzigers einzunehmen. Den heutigen Staub spülen wir mit diversen außerordentlich guten und frisch gepressten Fruchtsäften -einige von uns meinen Bier sei auch ein Fruchtsaft- hinunter. Dann holen wir noch unser Gepäck und machen uns direkt auf die Rückfahrt nach Santa Cruz de la Sierra.
 
Da wir erst gegen 17 Uhr losfahren, fahren wir einen Großteil der Strecke in vollkommener Dunkelheit, was teilweise ganz schön gefährlich ist, da die meisten Ortschaften und auch Fahrzeuge kaum beleuchtet sind, Fußgänger schon gar nicht. Die Fahrt zieht sich dahin. Die Geschwindigkeit wird nicht nur durch unzählige Schlaglöcher niedrig gehalten, sondern in den Ortschaften auch alle paar Meter durch quer zur Fahrbahn gebaute Schwellen, die man nur in Schrittgeschwindigkeit überqueren kann. Als wir endlich in Santa Cruz ankommen, sind wir alle so fertig, dass niemand mehr essen gehen will. Duschen, und dann sofort ins Bett fallen, wir sind so müde, dass wir kaum noch wahrnehmen, dass vor dem Hotel ein Krach herrscht, als würde es mitten auf einer Autobahn stehen.
 
5. Tag Donnerstag
Wir haben trotz des Verkehrslärms gut geschlafen. Um 8 Uhr soll Frühstück sein, doch bereits eine halbe Stunde vorher sind alle im Innenhof des Hotels am Pool eingetroffen, wo ein gutes Frühstücksbuffet wartet.
Der Morgen steht zur freien Verfügung. Ein Teil der Gruppe geht in den Zoo. Dort soll es vor allem einheimische Tiere aus Bolivien geben. Andrea und ich entschließen uns, ins Stadtzentrum zu laufen. Santa Cruz de la Sierra hat 1,1 Millionen Einwohner, ist die zweitgrößte Stadt Boliviens und stellt durch die Lage am Rande des reichen Tieflands die Wirtschaftsmetropole dar. Städtebaulich hat Santa Cruz nicht viel zu bieten. Flache Bauten herrschen vor, gepaart mit sehr viel Hektik und einem relativ kleinen Zentrum. Wir sitzen eine Weile auf der Plaza 24 de Septembre und betrachten das muntere Treiben um uns herum. Um 12 Uhr müssen wir wieder im Hotel sein, denn heute Nachmittag fliegen wir noch nach Sucre ins Hochland.
Es wird nur ein sehr kurzer Flug von 40 Minuten mit einer Boing. Der Flug selbst verläuft sehr ruhig, doch was um den Flug herum passiert ist Filmreif. Die Stewardess erlaubt den ersten Fluggästen freie Sitzwahl und dirigiert die nächsten auch nicht auf die reservierten Plätze. Loriot hätte das Chaos nicht besser inszenieren können. Nach der Landung dauert das Ausladen und das Warten auf das Gepäck länger als der ganze Flug. Die Gepäckwagen werden hier noch per Hand gezogen, und vor dem Flughafengebäude befindet sich eine leichte Schräge, die auch Arnold Schwarzenegger nicht alleine geschafft hätte. So dauert es bis Hilfe kommt, und man gemeinsam den Gepäckwagen hochzieht. Aber das schafft Arbeitsplätze und wir haben ja Urlaub.
 
Anschließend fahren wir mit dem bereitstehenden Bus ins Hotel. Es ist eins sehr schönes kleines Hostal aus spanischer Kolonialzeit mit einer stilvollen alten Inneneinrichtung und liegt zentral, aber sehr ruhig in der Altstadt von Sucre. Die Stadt gefällt uns super, 200.000 Einwohner, 10% Studenten, keine Hochhäuser, alles im kolonialen Stil. Sie liegt auf 2.900 m Höhe, hat daher ein sehr angenehmes Klima und ist die konstitutionelle Hauptstadt von Bolivien.
Wir besuchen noch ein Museum über bolivianische Webkunst. Es ist beeindruckend, zu welchen Leistungen die menschlichen Hände in der Lage sind. Dem Museum angeschlossen ist ein kleiner Bereich, indem man im Lande hergestellte Webwaren kaufen kann. Wer etwas kaufen möchte, sollte es hier tun, wir haben nirgendwo mehr solch eine Qualität gefunden, und auch die Preise sind fair.
Nachdem sehr guten Abendessen in einer Gaststätte, schlendern wir noch über die nächtliche Plaza und gehen dann zurück ins Hotel und direkt ins Bett. Der morgige Tag benötigt vom Programm her eigentlich 35 Stunden.
 
6. Tag Freitag
Heute gibt es ein sehr süßes Frühstück, bestehend aus diversen Torten, verschiedenen Kuchensorten, kleinen Teigwaren, die ganze Palette von dem was der Bolivianer so liebt. Dann geht es zu Fuß durch die schöne Altstadt. Wir besichtigen die Casa de la Libertad (Unabhängigkeitshaus). Hier wird die Geschichte der Unabhängigkeit Boliviens in den historischen Räumen des Gebäudes dargestellt. Dann besuchen wir noch die Kathedrale und die Universität, um dann in drei geländegängigen Jeeps an den Rand der Stadt zu fahren.
Hier hat man im Steinbruch eines Zementwerks in einer 120 Meter hohen und 1200 Meter langen Wand mehr als 5000 Saurierspuren gefunden. Der Platz gilt als einer der bedeutendsten Fundorte auf der Erde. Leider kommt man als Besucher nicht so richtig nah heran. Eigentlich wollen wir in der Nähe noch eine Wanderung unternehmen, müssen diese aber aus dem Programm streichen, da der Weg sogar für die Jeeps nicht passierbar ist.
Wir disponieren also um, fahren quer durch Sucre auf der anderen Seite der Stadt einen Berghang hoch, machen auf einem Pass in 3.300 m Höhe ein Picknick und laufen dann eine Stunde einen Bergrücken entlang. Die Höhe macht uns jetzt doch ganz schön zu schaffen. Danach geht es nur noch bergab. Über eine präkolumbische Straße steigen wir in drei Stunden über 1.200 Höhenmeter ab. Unten angekommen, werden wir von den Jeeps erwartet und wieder einmal über eine halsbrecherische Strecke zu einer kleinen Unterkunft gebracht.
Unser Durst ist so groß, dass wir noch vor dem Abendessen den Biervorrat des Wirtes (er hat nur kleine Bierdosen) aufbrauchen, und er bei einem Nachbarn Nachschub holen muss. Dieser hat allerdings nur Literflaschen Bier. Die schaffen wir aber auch noch. Diese Nacht müssen wir etwas zusammenrücken. Monika kommt zu uns, es gibt zwar genügend Betten in der Unterkunft, nur nicht genügend Zimmer. Die Nacht wird erstmals richtig kalt.
 
 
7. Tag Samstag
Nach dem Frühstück fahren wir nur ein kurzes Stück und halten dann bei einer Kleinbauernfamilie. Sie besitzt drei Rinder, lebt in einer Einraum Adopehütte mit der Küche im Freien. Die Frau verdient sich ein Zubrot mit weben. In unseren Augen sind sie arm, aber vielleicht sind sie trotzdem glücklicher als viele bei uns.
Wir fahren weiter durch eine sehr bunte Landschaft. Allerdings kommt die Farbigkeit nicht durch Pflanzenbewuchs zustande, sondern in dieser absolut trockenen Gegend bietet die fehlende Pflanzendecke dem Gestein und der Erde die Möglichkeit, sich in den unterschiedlichsten Farbtönen darzustellen. Wir erreichen Potolo, ein Dorf das für seine Webprodukte bekannt ist. Die werden allerdings nicht hier, sondern in La Paz oder Sucre an Touristen verkauft. Beim Schlendern durch den staubigen, trostlosen Ort haben wir ganz schnell die komplette Kinderschar als Begleitung. Jeder will irgendetwas verkaufen. Es fragt sich, wer die größere Attraktion ist, wir oder sie?
Anschließend fahren wir noch ein paar Kilometer zur Chataquila Bergkette hinauf und beginnen dann eine vierstündige Wanderung. Sie führt uns in leichtem auf und ab auf einer Höhe von 3.000 bis 3.200 m durch eine mit sehr schönen und zum Teil blühenden Kakteen bewachsene Landschaft. Trotz des steinigen, trockenen und dornigen Bodens treffen wir immer wieder auf kleine Felder, die von einzelnen Bauernfamilien in Handarbeit bearbeitet werden. Um die Mittagszeit finden wir dann die von uns lange gesuchten Saurierspuren. Sie sind viel besser zu erkennen als die bei Sucre, sind aber nicht so bekannt, sicher auch weil sie nur zu Fuß zu erreichen sind. Es ist schon beeindruckend, wie sich solche Abdrücke über Millionen Jahre so gut erhalten konnten. Das Ende der Wanderung führt durch eine kleine Katerlandschaft mit sehr schönen Obsidiansteinen nach Maragua. Hier werden wir abgeholt und fahren in zwei Stunden über den Gebirgskamm nach Sucre zurück.
Im Hotel angekommen heißt es, sich vom Staub der Wanderung zu befreien, und um 19:30 Uhr folgen wir einer Empfehlung in ein Restaurant. Das war keine gute Empfehlung, wären wir nur wieder in die Gaststätte vom ersten Abend gegangen. Man soll nicht immer nach etwas Neuem suchen, es wird das schlechteste Essen der ganzen Reise werden. Die Speisekarte besteht nur aus Fischgerichten, Fisch ist aber aus, dafür gibt es aber im Überfluss eine unfreundliche Bedienung. Anschließend will uns Moisés noch auf ein großes Stadtfest führen. Wir sollen Fotos und Geld zurücklassen. Das sei zu gefährlich weil die halbe Bevölkerung dann betrunken sei. Andrea und ich sind zu müde und gehen direkt zum Hotel zurück.
 
8. Tag Sonntag
6:30 Uhr aufstehen, und das am Sonntag. Es gibt wieder das uns schon bestens bekannte süße Frühstück. Leider fehlt heute die gute Torte mit den frischen Ananasstücken.
Anschließend wird das Gepäck in den Bus geladen, und dann fahren wir direkt nach Taraburo zum Sonntagsmarkt. Unterwegs sitzen überall Leute mit Bergen von Gepäck neben der Straße und warten auf Mitfahrgelegenheiten zum Markt. Man erkennt daran schon, dass es sich hier nicht um einen Touristenmarkt handelt. Obwohl auch hier die für Touristen üblichen Produkte angeboten werden, ist dieser Markt vor allem ein Markt für die einheimische Bevölkerung, der ihr zum einen den Supermarkt ersetzt, aber vor allem dient er auch dem Nachrichtenaustausch und der Kommunikation. Nachdem unser Bus bei der geringsten Steigung nur noch Schrittgeschwindigkeit fährt, befürchten wir schon, dass das Sprichwort "…wenn der Markt verlaufen ist" auf uns zutrifft. Wir schaffen es aber noch und haben auch noch eine Stunde Zeit, uns das Treiben anzusehen. Man könnte Stunden hier verbringen, doch da das Wetter sehr trüb und auch sehr kalt ist, fällt es uns nicht ganz so schwer wieder in den Bus zu steigen.
Die Rückfahrt nach Sucre zieht sich wieder hin, denn die Gefällstrecken der Herfahrt sind jetzt Steigungen, und damit hat der Bus immer noch seine Probleme. In Sucre wird die Durchschnittsgeschwindigkeit noch mehr gedrückt, da an das Fest vom gestrigen Abend anschließend, sich mehrere Prozessionen durch die Stadt winden. Wir essen in einem Gartenrestaurant, in dem die Upper Class von Sucre versammelt ist, zu Mittag.
Anschließend fahren wir mit der Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h auf ebener Strecke, bei Steigungen ist es maximal Schrittgeschwindigkeit, direkt nach Potosi. Obwohl sich der Busfahrer mehrfach als Mechaniker versucht, geht es nicht schneller. So muss die Stadtbesichtigung von Potosi leider ausfallen, denn als wir dort eintreffen, ist es fast schon dunkel. Potosi ist die höchstgelegene Großstadt der Erde und empfängt uns ebenfalls mit einer Prozession, so dass wir die letzten Meter zum Hotel zu Fuß laufen müssen. Unsere Lungen zeigen uns sofort, dass die Stadt in 4.065 m Höhe liegt. Wir gehen nur noch etwas essen, eine Portion für Andrea und mich zusammen reicht heute Abend. Die Höhe nimmt uns den Appetit, und allein die Reisetasche auf das Bett zu heben, erfordert anschließend eine Ruhepause. Mal sehen wie die Nacht wird.
 
9. Tag Montag
Die Nacht verlief noch einigermaßen gut. Aber beim Frühstück bekomme ich starke Kopf- und Magenschmerzen. Es ist jedes Mal dasselbe mit mir. Die Höhenanpassung verläuft bei mir viel schlimmer als bei den anderen. Heute soll eine Mine im Silberberg besucht werden. Sie liegt noch höher und in den engen dunklen Gängen wird die Luft noch viel schlechter sein. Ich verzichte auf den Besuch, lege mich auf das Bett und döse im Halbschlaf vor mich hin. Andrea fährt mit den anderen zu Mine.
Ohne den Silberberg gäbe es Potosi nicht. Schon um 1600 hatte die Stadt über 120.000 Einwohner. Hier wurden unter schlimmsten Bedingungen riesige Mengen Silber gefördert und nach Spanien gebracht. Man rechnet heute, dass mehrere Millionen Minenarbeiter bei der Förderung umkamen, und auch heute noch stirbt im Schnitt ein Mensch pro Tag in den Minen.
Mir geht es kein bisschen besser, als die Gruppe gegen 11:30 Uhr zurückkommt. Andrea erzählt, dass man es gesehen haben sollte. Sie seien in Blaumänner gekleidet worden, hätten dann 96%igen Alkohol (kein Schreibfehler) und Kokablätter zur Besänftigung des Grubenteufels gekauft. In Wirklichkeit werden die Sachen den Mineros geschenkt. Nur mit diesen Drogen lassen sich die Bedingungen aushalten. Die Luft in den engen Schächten war genauso schlecht wie die Sicherheitsbedingungen in den völlig dunklen Gängen, die nur von der eigenen Stirnlampe beleuchtet werden.
Da die Stadtbesichtigung gestern der späten Ankunft geopfert wurde, wird sie jetzt in einem einstündigen Schnelldurchgang nachgeholt. Auch dazu bin ich nicht in der Lage und bewache stattdessen schlafend im Hotel das Gepäck. Danach gehen wir noch Mittagessen, das für mich nur aus Koka Tee besteht.
Nach dem Essen werden wir auf drei Jeeps verteilt, und dann fahren wir durch die Halbwüste des Hochlands Richtung Uyuni. Die Landschaft ist mit Kakteen bewachsen, ab und zu grasen ein paar Lamas, und menschliches Leben spielt sich nur in vereinzelten Bergwerksminen ab. Mir geht es während der Fahrt immer schlechter, und als die Sonne untergeht, glaube ich, dass mein letzter Tag zu Ende geht. Wir kommen bei Dunkelheit in Uyuni im Hotel an. Mit 3.670 m Höhe wird die Übernachtung etwas tiefer als gestern sein. Moisés erscheint mit einer vier Liter Kanne heißen Wassers für Tee und befiehlt mir, diese vor dem Schlafengehen leer zu trinken. Wenn es mir morgen früh nicht besser gehe, würde er mich nach La Paz ins Krankenhaus schicken. Wir gehen nicht mit den anderen essen, Andrea beaufsichtigt mich beim Trinken, ich nehme noch eine Tablette Diamox und kann dann auch schlafen.
 
10. Tag Dienstag
In der Nacht verschwinden Gott sei Dank die Kopfschmerzen und am Morgen bin ich einigermaßen fit. Wir schlendern durch den Ort, der ohne Touristen nicht existieren würde, sie wollen alle auf den Salar de Uyuni. Wir möchten Ansichtskarten kaufen. Ich mache den Vorschlag, erst die Briefmarken zu kaufen, und richtig, sogar auf der Post bekommen wir keine. Nach einem kurzen Marktbesuch fahren wir auf einen vor der Stadt gelegenen Eisenbahnfriedhof. Hier liegen in der Halbwüste ganze Wracks von Eisenbahnzügen herum. Es sieht aus wie in einer Geisterstadt bzw. einer Filmkulisse.
Von hier fahren wir direkt nach Colchani an den Rand des Salzsees. Der Ort lebt vom Salz; Salzgewinnung, Salzabfüllung, Salzfiguren für Touristen, die Häuser sind aus Salz gebaut, Kinder spielen im Salz- statt Sandkasten. Hier ist einfach alles aus Salz. Weiter geht es direkt auf den Salar. Er stellt mit ca. 160 km Länge und 135 km Breite die größte Salzfläche der Erde dar und liegt auf einer Höhe von 3.640 m. Die Salzkruste ist zwischen 2 und 7 Metern stark, doch gibt es auch Stellen, die sehr dünn sind, und an denen Wasser an die Oberfläche tritt. Kaum vom Kopfweh geheilt, schaffe ich es tatsächlich, so eine Stelle zu finden. Jetzt weiß ich, was es heißt, in Eis bzw. Salz einzubrechen. Ich komme zwar wieder heraus, sehe anschließend aber wie ein zum Braten vorbereitetes Salzhuhn aus.
Mit Tempo 100 fahren wir über diese weiße plane Fläche, machen diverse Fotostopps und erreichen nach einer Stunde die mitten aus dem Eis äh Salz herausragende Isla Pescadores, die Kakteeninsel. Wir fühlen uns wie auf einem anderen Stern, so unwirklich wirkt die Realität. Wir laufen ein Stück auf dem Salz an der Insel lang, während die Fahrer ein erstklassiges Picknick auf der Insel -natürlich auf Salztischen- aufbauen. Trotz des guten Essens beeilen wir uns. Wir können es nicht erwarten durch das Naturschutzgebiet zwei Stunden lang über die Insel zu laufen. Sie ist mit bis zu sieben Meter hohen Säulenkakteen übersäht. So etwas hat von uns noch niemand gesehen, und es gibt es auch auf der Erde sonst nicht mehr. Das Verrückteste aber ist, dass es hier eine Haltestelle für den öffentlichen Bus gibt, mitten auf dem See.
Nachdem Besuch der Insel fahren wir weiter über den See Richtung des Vulkans Tunupa. Beim Dorf Tahua erreichen wir wieder festen Boden. Dem Ort trauen wir gar kein Hotel zu, doch mitten zwischen besseren Hütten steht ein kleines Hotel, das wir so hier nicht erwartet haben. Es ist das einzige zweistöckige und auch farbige Gebäude im Ort. Den Nachmittag verbringen wir im ersten Stock auf einer verandaartigen Aussichtsplattform im Innenbereich des Hotels am Fuß des Tunupas. Zum Abendessen können wir heute kein Restaurant aufsuchen, warum, ganz einfach, es gibt keins. Das Hotel wird von einem jungen Ehepaar geführt, und die Frau kocht für uns, während ihr Mann für die Getränke zuständig ist. Es gibt Hühnersuppe, Lomo (Steak) mit Kartoffelbrei und den besten Nachtisch der ganzen Reise -klein geraspelte frische Ananas als Mus heiß serviert. Bevor wir ins Bett gehen werden wir noch von ein paar Schülern aus dem Dorf mit Folkloremusik -mehr Folklore denn Musik- unterhalten.
 

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