D R U C K V E R S I O N 

Argentinien, von den Subtropen im Nordosten zur
windumtosten Südspitze des Kontinents

Eine World Insight Reise vom 3. bis 24. November 2008

Ein Reisebericht von Kurt.Merkert@web.de


Nach einigen Südamerikaurlauben in den letzten Jahren, beginne ich damit, ein Resümee zu ziehen, wo es am schönsten war, und was ich noch nicht gesehen habe. Patagonien hat mir besonders gut gefallen, aber das Fitz Roy Gebiet mit den berühmten Torres und den Perito Moreno Gletscher kenne ich noch nicht. Beim Blättern in den Reisekatalogen finde ich mit World Insight einen Reiseveranstalter, der zu diesen Höhepunkten auch noch die Iguazu Wasserfälle, Buenos Aires und das Tierparadies der Halbinsel Valdes sowie einen Abstecher nach Feuerland anbietet. Mit dieser Reise wird ein riesiger Bogen gespannt, der vom Nordosten Argentiniens bis zur Südspitze des Kontinents reicht.
 
So entschließe ich mich mit Andrea, die Reise zu buchen, noch dazu kommt, dieser Veranstalter bietet den niedrigsten Reisepreis aller vergleichbaren Reiseausrichter an. Wir werden am Ende beurteilen, ob hier preiswert oder billig das richtige Wort ist.

Wasserfälle von Iguazu
Bunttukan -Ramphastos dicolorus

 
Fitz Roy in Patagonien

 
1. Tag Montag:
Gegen Mittag fährt uns mein Kollege zum Flughafen Frankfurt. Von hier aus soll uns eine Maschine der Spanair als Zubringer nach Madrid bringen. Am Gate treffen wir die ersten Mitreisenden, insgesamt werden wir 17 Personen sein. Bis Madrid passiert nichts ungewöhnliches, wenn man einmal davon absieht, dass es während des Flugs sogar etwas zu essen gibt.
 
In Madrid haben wir vier Stunden Aufenthalt. Da das Gepäck bis Buenos Aires aufgegeben ist, brauchen wir uns darum nicht zu kümmern. Dies ist auch gut so, denn wir dürfen nicht im Transitbereich des Flughafens bleiben, sondern müssen in einem viertelstündigen Fußmarsch ein anderes Terminal aufsuchen, um unsere Bordkarten abzuholen. Nachdem wir endlich den richtigen Schalter gefunden haben, will man uns um 90 Minuten vertrösten, bis man einchecken könne. Erst nach energischem Nachhaken, wir hätten doch kein Gepäck und bräuchten nur die Bordkarten, werden diese herausgerückt.
 
Um 22 Uhr hebt die Maschine der Aerolineas Argentinas pünktlich ab und landet nach 11 Stunden um 7 Uhr Ortszeit in Buenos Aires.
 
2. Tag Dienstag
Während wir auf das Gepäck warten, tausche ich an einem offiziellen Schalter Geld. Später stellt sich heraus, dass man dies besser nicht macht, es wird der schlechteste Umtauschkurs der ganzen Reise sein. Unser Gepäck kommt vollzählig an, doch als wir nach der Passkontrolle auf unsere Reiseleiterin Daniela treffen, stellt sich heraus, dass doch etwas fehlt, ein Mitreisender. In Madrid war er noch da, und nach einigen Telefonaten erfahren wir, dass er wegen Überbuchung von der Fluggesellschaft nicht mitgenommen wurde. Er soll uns mit einem Tag Verspätung nachfolgen.
 
Abgottboa
-Boa constrictor-
Schmetterling
in Iguazu
Wir wechseln mit einem Bus vom internationalen zum nationalen Flughafen. Dort wird eingecheckt, ein paar Empanadas (gefüllte Teigtaschen) gegessen, und dann fliegen wir in gut zwei Stunden nach Iguazu. Auch hier ist unser Gepäck vollständig angekommen, was nicht unbedingt üblich ist; na ja, dafür haben wir aber auch eine Person verloren. Vom Flughafen aus fahren wir direkt über die Grenze nach Brasilien - die Grenzkontrollen sind, na ja gerade noch zu ertragen - und checken in einem Hotel ein, dessen Qualität in Anbetracht dessen, dass wir uns im Urwaldgebiet befinden, als gehoben anzusehen ist. Trotz der großen Müdigkeit, die alle befallen hat, bricht ein Teil der Gruppe sofort in einen Vogelpark auf. Es ist zwar schon ziemlich spät, doch es lohnt sich. Wenn die Tiere sich auch in begehbaren Gehegen befinden, sind diese doch ausgezeichnet in den bestehenden Urwald integriert.
 
Papagei
Riesentukan
-Ramphastos toco-
Keiner hat anschließend nach all den Anstrengungen noch Lust eine Gaststätte aufzusuchen, und so wird das Hotelbuffet ausprobiert. Es ist gar nicht schlecht, dazu gibt es noch gut gekühltes Dosenbier der Marke "Skol" - kein schwedisches wie man vermuten könnte, sondern brasilianisches - und anschließend noch einen Caipirinha, was will man mehr.
 
Mal sehen, was morgen wird, der Rio Iguazu führt Hochwasser, und nicht alle Teile der Wasserfälle sollen begehbar sein.
 
3. Tag Mittwoch
Überbersicht Iguazu
Wasserfälle
Iguazu Wasserfälle
Um 7 Uhr gibt es ein Frühstücksbuffet. Allein das ist es wert in Brasilien statt in Argentinien zu übernachten. Es gibt warme und kalte Speisen, sehr viel Kuchen und frisches Obst. Dafür nehmen wir gerne die erneute Grenzkontrolle in Kauf. Wir fahren nämlich auf die argentinische Seite der Iguazu Wasserfälle. Wir sind dort nicht die Einzigen, aber als wir die Wasserfälle das erste Mal zu Gesicht bekommen, verstehen wir warum. Wir können wählen, ob wir uns den Wasserfällen per Boot von unten nähern oder auf dem Upper Trail von oben.
 
Iguazu
 
Iguazu Wasserfälle
 
Iguazu Wasserfälle
 
Schmetterling
in Iguazu
Iguazu Wasserfälle
 
Bis auf vier entscheidet sich der Rest der Gruppe für die Annäherung zu Fuß. Wir lassen uns viel Zeit für die 1,6 Kilometer. Der Weg führt direkt an der Abbruchkante entlang. Durch das Hochwasser ist die Wasserfarbe stark gebräunt, dafür stürzt und donnert aber mehr als doppelt so viel Wasser wie gewöhnlich in die Tiefe. Das Ganze ist mehr als großartig, zur Perfektion fehlt eigentlich nur noch der blaue Himmel, der sich aber bedeckt zeigt. Während der Mittagspause treffen wir wieder mit den Bootsfahrern zusammen, und nehmen dann gemeinsam den Lower Trail in Angriff. Dieser Weg ist nicht weniger interessant als die Vormittagstour, nur ist man jetzt mit den stürzenden Wassermassen auf gleicher Höhe. Wir sind froh, uns für die beiden Fußmärsche entschieden zu haben. Man sieht viel mehr als auf der Bootstour, wo man überwiegend nur nass wird.
Indische Feigen
 
Dattelpalme
Ein Leguan
 
Zwergpfeffer
-Peperomia caperata-
Iguazu Wasserfälle
 
Dann kommt die Meldung, dass die Teufelskehle zur Begehung wieder frei ist. Also fahren wir mit einem Eisenbähnchen in offenen Waggons zum Anfang eines Stegs über den Rio Iguazu. Wir laufen vielleicht 800 m über den Fluss. Mit jedem Meter wird es nasser, man weiß nicht, regnet es, oder ist es nur die Gischt, die aus der Teufelskehle aufsteigt. Und dann stehen wir auf einem Felssporn, um uns herum tost die Hölle. Ich habe schon einiges an Naturschauspielen auf meinen Reisen gesehen, aber das hier ist das bisher Größte und lässt sogar den Grand Canyon hinter sich. Man meint, ein riesiges Loch führt zum Mittelpunkt der Erde, und alle Wassermassen stürzen brüllend hinein. Die Situation ist nicht mit Worten zu beschreiben und auch Fotos können das Erlebnis nur andeutungsweise festhalten. Wir können uns glücklich schätzen, dies bei Hochwasser erleben zu dürfen. Das nach unten stürzende Wasser reißt so viel Sauerstoff mit sich, dass alle paar Sekunden das Gemisch aus Luft und Wasserdampf wie ein Pilz wieder nach oben schießt. Dazu ist es so laut, dass man sich nur schreiend verständigen kann - hier wird ein unvergesslicher Eindruck bestehen bleiben.
Auf dem Weg
zur Teufelskehle
Das Wasser
verschwindet in
der Teufelskehle
Als wir alle durchnässt sind, treten wir den Rückweg an und merken erst jetzt, dass es zu regnen angefangen hat. Nachdem wir mit der Bahn zurück sind, ist endlich unser verloren gegangener Reiseteilnehmer eingetroffen. Unsere Reiseleiterin rennt mit ihm in einer halben Stunde noch einmal den Upper Trail entlang, damit er wenigstens einen kleinen Eindruck davon bekommt, was ihm die Fluggesellschaft alles vorenthalten hat.
 
Anschließend geht es wieder über die Grenze zurück ins Hotel. Wir sind noch zu sehr von den Wasserfällen beeindruckt, um uns über die Grenzkontrollen aufzuregen. Beim Abendessen müssen wir feststellen, dass das Hotel nicht besonders gut auf deutsche Gäste eingestellt ist. Wir schaffen es den ganzen Biervorrat auszutrinken.

4. Tag Donnerstag
Heute fahren wir auf die brasilianische Seite der Iguazu Fälle, das heißt, die leidige Grenzkontrolle entfällt. Am Morgen regnet es, was aber nicht so schlimm ist. Inzwischen sind wir Nässe gewohnt, warum nicht auch einmal von oben, außerdem ist es 28° C warm, aber nicht schwül. Wir besuchen ein kleines Informationszentrum der Wasserfälle und gehen dann eine Stunde eben am Hang entlang, immer mit Blick auf die Fälle. Wir haben eine herrliche Sicht auf die Gischt und ab und zu auch auf die Wasserfälle. Das Hochwasser bringt Vor- und Nachteile. Alles kann man halt nicht haben.
Iguazu Fälle von der brasilianischer Seite aus gesehen
 
Auf der
brasilianischen Seite
der Iguazu Fälle
 
Näher geht es nicht
 
 
 
Iguazu Fälle
 
 
 
In der Bildmitte
ist die Teufelskehle
Am Ende des Wegs kann man bis auf zwei Meter an die herabstürzenden Wassermassen herangehen. Das Erlebnis ist einmalig. Wir werden bis auf die Unterwäsche nass, aber da es warm ist, ist das alles nicht schlimm.
Wir nehmen einen kleinen Imbiss ein, und fahren dann zurück ins Hotel. Am Nachmittag wollen wir noch zu einer Siedlung der Guarani Indianer. Diese liegt in Argentinien, natürlich, denn wir hatten ja heute noch keine Grenzkontrolle. Wir fahren auf einem LKW über rote Schlammpisten in ein Waldgebiet, das man den Guarani zugewiesen hat, und in dem sie mehr schlecht als recht leben. Aber auch dort haben sie keine Ruhe. Das ganze Gebiet ist erst kürzlich von einem Privatmann aufgekauft worden, der sie jetzt vertreiben will. Wir bekommen ihre Lebensweise vorgestellt, und man zeigt uns, wie man früher gejagt und Fallen gestellt hat. (Jagdbares Wild gibt es längst nicht mehr.) Für die Kinder besteht Schulpflicht, aber nach dem Ende der Schulzeit bekommt man als Guarani keine Arbeit. Man fragt sich, was aus den Resten der Urbevölkerung noch werden soll.
Webervogel -Cacicus haemorrhous-
Baum im Dorf der Guarani Indianer
Bei den Guarani Indianern
Bei den Guarani Indianern
Bei den Guarani Indianern
Wir sind erst gegen 20 Uhr im Hotel, - wir mussten ja wieder über die Grenze! - keiner will mehr in eine Gaststätte, also wieder im Hotel essen. Man hat sich heute sogar auf die Deutschen eingestellt und den Biervorrat aufgestockt.
 
5. Tag Freitag
Der Himmel zeigt sich, wie wir ihn bei den Wasserfällen gerne gehabt hätten, nämlich blau. Heute steht ein Fahrtag an, wir wollen am frühen Abend 300 km weiter in Posada sein, um dort den Nachtbus nach Buenos Aires zu nehmen. So weit sind wir aber noch nicht. Zuerst geht es mit dem Bus einer Agentur wohin…? natürlich zur leidigen Grenzkontrolle, wir fahren wieder nach Argentinien. Wir biegen nach der Grenze direkt zur Mündung des Rio Iguazu in den Rio Parana ab. Diese beiden Flüsse bilden hier das Dreiländereck Paraguay, Brasilien und Argentinien.
Dreiländereck an der
Mündung des Rio Iguazu
in den Rio Parana
In einer Mine für
Halbedelsteine
Anschließend geht es auf sehr guter Straße ca. 30 km weiter zu einer Edelsteinmine, die wir besichtigen. Mich erstaunt besonders, mit welcher Sicherheit die Mineros erkennen, dass sich hinter der völlig unscheinbaren Felsoberfläche Hohlraumdrusen befinden, die die Edelsteine enthalten. Zur Mine gehört auch ein Edelsteingeschäft, das vor allem auf die weiblichen Gruppenteilnehmer einen starken Kaufzwang ausübt. Mich lenkt der Kaufzwang eher zu einem Mädchen vor dem Geschäft, das selbstgebackene Maiskringel verkauft, die ausgezeichnet schmecken und sehr satt machen.
 
Amethystdruse
Jesuitenmission
San Ignacio Mini
Wir fahren dann noch drei Stunden weiter bis zum nächsten Halt am ehemaligen Jesuitenkloster San Ignacio Mini. Hier machen wir in einer Gaststätte Mittagsrast. Die Gaststätte gehört einem Elsässer, man erkennt es sofort an der nicht südamerikanischen Organisation, es klappt alles bestens und schmeckt auch noch sehr gut. Dass wir in Argentinien sind, erkennt man noch an etwas anderem, der Bierflaschengröße, dort hat man in der Regel Einliterflaschen, und das bei dieser Hitze. Das wird eine schöne Besichtigung werden. 1 ½ Stunden brauchen wir für den Gang durch die Ruinen der Klosteranlage. Leider steht nicht mehr viel, und es fällt schwer, sich die einst mächtige Gesamtanlage vorzustellen.
Blüte
Im Nachtbus nach
Buenos Aires
Danach geht es in weiteren 90 Minuten nach Posada. Hier haben wir eine Stunde Aufenthalt, den wir zum Besuch eines Straßencafés (äh Biercafés) nutzen. Man soll bei der Hitze ja viel trinken! Wieder an unserem Bus, soll uns dieser in ein paar Minuten zum Terminal für den Nachtbus nach Buenos Aires bringen. Es wird eine interessante Stadtrundfahrt, wir lernen nahezu jede Straße der Stadt kennen, nur die nicht, in der das Terminal liegt. Über die Agentur lassen wir telefonisch weitergeben, dass der Überlandbus auf jeden Fall so lange wartet, bis unser Fahrer das Terminal gefunden hat. Mit fast halbstündiger Verspätung schaffen wir es dann doch noch, den Nachtbus zu besteigen. Wir werden nun in einem hochkomfortablen Bus in 11 Stunden nach Buenos Aires fahren. Der Bus bietet an Komfort alles, was man sich denken kann. Von wirklichen Liegesitzen, über guten Essensservice durch die freundliche Busbegleiterin bis zur Videovorführung gibt es in dem Doppelstockbus alles. Selbstverständlich gibt es auch die in Argentinien üblicherweise auf höchste Stufe gestellte Klimaanlage. Nachdem wir es mit diversen Techniken geschafft haben, deren Lüftungsschlitze zu verstopfen, steht einer erstaunlich ruhigen Nacht nichts mehr im Wege.
 
6. Tag Samstag
Gegen 5:30 Uhr werden wir von der Helligkeit des beginnenden Tages geweckt (die Verdunkelungsvorhänge haben wir unter die Decke als Schutz vor der Klimaanlage geklemmt). Wir bekommen ein Frühstück serviert und um 9:30 Uhr kommen wir am Bus Terminal in Buenos Aires an. Ob wir nachts einmal gehalten haben, ob es einen Fahrerwechsel gegeben hat, wir wissen es nicht. Zu ruhig war die Fahrt über gute Straßen in einem sehr guten Bus. Wir haben durchgeschlafen.
 
Wir werden mit einem Transferbus zu unserem Hotel gebracht. Es ist um 1900 gebaut worden, liegt sehr zentral für uns als Fußgänger und damit auch sehr verkehrsgünstig, - leider auch für den Autoverkehr - an der Avenida 9 de Julio, die mit 16 Fahrspuren die breitestet Straße der Erde ist.
 
Präsidentenpalast
in Buenos Aires
National Kongress
in Buenos Aires
Die Zimmer sind noch nicht fertig, so machen wir einen kleinen Stadtrundgang zur Placa de Mayo und dem Präsidentenpalast, kehren zu einem zweiten Frühstück in ein nicht ganz preisgünstiges Café ein, was einige von uns ans Geldumtauschen denken lässt. Da die Banken heute und morgen geschlossen sind, probieren wir das von der Reisegesellschaft empfohlene Abheben mit der EC-Karte. Wir kennen schnell fast jeden Automaten in der Innenstadt, keiner von uns schafft es, ihnen Geld zu entlocken.
 
Dann werden wir auf die Hotelzimmer verteilt. Sie sind in einem "etwas älteren Zustand" um es mal so auszudrücken -Einfachverglasung der Fenster (mindestens dreifach wäre angebracht), und vor allem gibt es keine Duschkabinen, der Duschkopf ist unter der Decke angebracht, da wo sonst eigentlich eine Lampe ist. Als zusätzliches Ausstattungsmerkmal gibt es aber einen Gummischieber, mit dem man während des Duschens verhindert, dass das Wasser in den Schlafraum läuft. Das Ganze hat aber den Vorteil, dass das Bad nicht der täglichen Reinigung unterliegen muss, denn es wird bei jedem Duschvorgang komplett gewässert.
Buenos Aires,
Stadt des Tangos
Straße Caminito
im Stadtteil La Boca
Straße Caminito
im Stadtteil La Boca
Fenster in
La Boca
Um 15 Uhr starten wir zu einer dreistündigen Stadtrundfahrt mit einer Führerin. Von dieser erfahren wir, dass man seit kurzem aus Sicherheitsgründen nur noch 200 Pesos (42 Euro) an Geldautomaten bekommt. Wir fahren durch das Künstler-Viertel San Telmo in den Stadtteil La Boca. Er ist ganz vom Fußballstadion der Boca Juniors geprägt, und an jeder Ecke sieht man, dass Maradona hier herkommt. Wir besuchen die Straße Caminito mit ihren bunten Häusern, sollen aber aus Sicherheitsgründen keine Seitenstraßen betreten.
 
Heißes Wasser
für Mate Tee
Friedhof Recoleta
Die Stadtrundfahrt endet an einem Friedhof. Hier pilgern Tausende zum Grab von Evita Peron. Mir erschließt sich auch nach dem Besuch nicht wirklich, warum diese Frau so berühmt ist (außerhalb Argentiniens vielleicht nur wegen des Musicals?). Von dort aus laufen Andrea und ich zum Hotel zurück. Wir wollen endlich einmal die Füße bewegen.
 
Abends probieren wir zu viert in einem spanischen Restaurant in Hotelnähe argentinische Steaks. Sie sind sehr gut und dazu noch sehr preisgünstig (25 Euro für zwei Personen incl. Getränke und Dessert). Als wir um 23 Uhr Richtung Hotelzimmer aufbrechen, wird die Gaststätte erst richtig voll, und die Stadt beginnt so richtig zu leben, was wir bis zum frühen Morgen ohrnah erleben werden. Dazu ist es nachts immer noch 30° C warm. Wir werden die Nacht so schnell nicht vergessen.
 
 
 
 
7. Tag Sonntag
Avenida 9 de Julio
in Buenos Aires
Bouginvilla
Das Frühstück ist besser als gedacht, es gibt eine große Auswahl, allerdings nur an süßen Speisen. Der heutige Tag steht zur freien Verfügung. Von der Reiseleiterin wurde kurz die Möglichkeit angesprochen, Montevideo in Uruguay oder das Flussdelta des Rio de la Plata zu besuchen. Die Organisation solch eines Ausflugs ist aber für uns nicht spanisch sprechende Urlauber zu kompliziert, und die Reiseleiterin steht für uns heute nicht zur Verfügung.
 
Müllentsorgung
im Stadtteil
San Telmo
Man spielt bis ......
 
...zur Erschöpfung
 
Im ehemaligen
Dockhafen
So besuchen fast alle der Gruppe das Künstlerviertel San Telmo, wo sonntags ein Antiquitäten- und Flohmarkt stattfindet. Neben Kunsthandwerk gibt es an fast jeder Ecke eine Musikgruppe, die aufspielt, es wird Tango getanzt, und die Bewohner des Stadtteils stellen sich in unterschiedlichen Theateraufzügen selbst dar. Das ist alles sehr ansprechend, und besonders schön finden wir, dass nicht nur Touristen, sondern auch die Einheimischen die Straßen füllen.
 
Präsidentenschiff,
heute Museum
Im ehemaligen
Dockhafen
Danach gehen wir zu den ehemaligen Dockanlagen des Hafens. Das ganze Gebiet ist völlig neu gestaltet, schöne (teure) Wohnanlagen säumen die Ufer, und für die kulinarische Versorgung ist bestens gesorgt. Wir entscheiden uns bei einem Italiener für frisch gemachte Empanadas; es werden die besten der ganzen Reise sein. Wir genießen das schöne Wetter, die angenehme Temperatur (25° C) und schlendern durch die Fußgängerzone, in der fast alle Geschäfte geöffnet sind, zurück zum Hotel, das wir gegen 18 Uhr erreichen.
 
Jetzt steht für einen Teil der Gruppe noch ein Tangoabend an. Andrea und ich gehen stattdessen wieder zum gleichen Spanier wie gestern, warum auch nicht, es war ja alles bestens. Aber so kann es gehen, heute hat das Fleisch längst nicht die Qualität wie am Vorabend, und auch ein Hausgetränk wird uns heute gar nicht erst angeboten.
 
8. Tag Montag
In der
Fußgängezone
in Buenos Aires
Unsere Ahnungen, die Nachtlautstärke betreffend, wurden voll erfüllt, und so ist trotz des späten Frühstücks um 9 Uhr niemand so richtig ausgeschlafen. Wir sind deshalb so spät, weil unser Weiterflug zur Halbinsel Valdes vom Vormittag auf den Nachmittag verlegt wurde. Wir haben am Vormittag die Möglichkeit, irgendwie die Zeit totzuschlagen. Sehr viel bietet Buenos Aires nicht, also wieder Fußgängerzone und in ein Straßencafé setzen (andere Sitzmöglichkeiten gibt es in Buenos Aires so gut wie nicht). Das Interessanteste ist noch eine riesige Demonstration tausender Beschäftigte der Automobilindustrie wegen der weltweiten Finanzkrise. Fast jeder Teilnehmer hat eine Pauke, Trommel oder sonst ein Schlaginstrument, mit dem der Geräuschpegel der Stadt noch weiter nach oben getrieben wird.
 
Der Gummibaum dient
ihm als Wohnung
Um 14 Uhr treffen wir wieder auf unsere Reiseleiterin und fahren vom Hotel aus zum Inlandsflughafen. Der einzige Geldautomat der vor ein paar Tagen bei unserer Ankunft noch Geld ausgespuckt hat, rückt nun auch nichts mehr heraus. Der Abflug nach Trelew verzögert sich um weitere zwei Stunden, keiner weiß warum. So kommen wir erst gegen 20 Uhr in unserem Hotel in Puerto Madryn bei der Halbinsel Valdes an. Nach dem Gepäckausladen wollen wir noch essen gehen, was sich als sehr schwierig herausstellt, da durch unsere späte Ankunft, alle anderen Touristen schon vor uns die guten Restaurants in Beschlag genommen haben. Wir finden einen Italiener, der ziemlich leer ist. Nach dem Essen und Bezahlen wissen wir warum.
Der für heute eigentlich geplante Badenachmittag am Atlantik ist wegen der Flugplanänderung leider ausgefallen.
 
9. Tag Dienstag
Magellanpinguin
-Spheniscus
magellanicus-
Magellanpinguin
-Spheniscus magellanicus-
6:30 Uhr Frühstück, danach Abfahrt zur Halbinsel Valdes. Puerto Madryn liegt an einer Bucht des Atlantiks, ist eigentlich ein schöner kleiner Badeort, wenn da nicht das große Aluminiumwerk wäre, für das man das Erz über tausende Kilometer von Brasilien über das Meer heranschafft, nur weil in Argentinien die Stromkosten gering sind.
 
 
Halbinsel Valdes
400 Kilometer liegen vor uns. Nach einer Stunde Fahrtzeit haben wir die Halbinsel erreicht und fahren in den Nationalpark. Wir halten mehrfach an, um Guanakos, Nandus und Maras (Pampahasen) vom Auto aus zu fotografieren. Aussteigen dürfen wir nicht, denn die Straße ist beidseitig von Stacheldraht eingefasst. Trotz Nationalpark gehört das Gelände reichen Privatleuten, und die verbieten das Betreten ihrer Grundstücke. Wir fahren durch die weite flache Steppen- fast Wüstenlandschaft, ab und zu sieht man das Meer und erreichen schließlich die Küste, wo wir auf die ersten Pinguine treffen.
 
Vogel auf Valdes
Robben auf Valdes
Eine Eidechse
Auf der Halbinsel Valdes
Kaktusblüte

Nur ein kleines Stück weiter halten wir an einer Gaststätte, spazieren die Küste entlang zu den Seeelefanten, schauen durch das Fernglas auf diverse Seevögel, bestaunen ein Gürteltier und versuchen wunderschöne farbige Eidechsen zu fotografieren. Hier müsste man mehr Zeit haben. Wir essen in der Selbstbedienungsgaststätte ausgezeichnet zu Mittag und fahren dann in einer weiteren Stunde nach Puerto Piramide.
 
Pichigürteltier
-Zaedys pichiy-

 
Mittagsblume
Darwinnandu
-Pterocnemia pennata-
Salzsee auf Valdes
 
Bucht von
Puerto Piramide

Hier steht eine whale watching tour mit einem Zodiak Boot an (40 Euro). Ich habe das schon einmal in Kanada gemacht und bin eher skeptisch eingestellt. Und richtig, ich fühle mich bestätigt, wir sehen zwar einen südlichen Glattwal mit Jungtier, aber vom Boot aus wird man der wirklichen Größe des Tieres einfach nicht gewahr. Man hat im Geist immer die aus dem Fernsehen her bekannten Bilder riesiger aus dem Wasser springender Wale vor sich, aber diese Situationen sind wohl nur Tierbeobachtern vorbehalten, die tagelang nach solchen Bildern auf der Lauer liegen. Wir sind schon froh, den Schwanz eines abtauchenden Wals fotografieren zu können.
So bekommt man keine nassen Füße
Whale watching auf Valdes
Whale watching auf Valdes
Whale watching auf Valdes
Unser Bad
im Hotel in
Puerto Madryn
Nach einer weiteren Stunde sind wir wieder in Puerto Madryn, heute so rechtzeitig, dass es kein Problem bereitet, ein ausgezeichnetes Fischrestaurant aufzusuchen. Es gehört zum Besten, was wir je an Fisch gegessen haben.
 
 
 
 
 
10. Tag Mittwoch
Das Gebiet
des Nationaparks
Los Glaciares
Fahrt am Lago
Argentino entlang
Um 5 Uhr Frühstück!!! 5:30 Uhr Abfahrt zum Flughafen. So wie es aussieht, ist unser Flugzeug das einzige, das heute Vormittag hier abfliegt. Um 7:15 Uhr starten wir zum zweistündigen Flug nach El Calafate in Patagonien.
 
Bei unserer Ankunft scheint die Sonne. Wir werden zum Hotel gebracht, stellen das Gepäck ab, da die Zimmer noch nicht fertig sind, kaufen schnell noch etwas im Supermarkt ein (Empanadas, was sonst?), und um 13 Uhr fahren wir Richtung Perito Moreno Gletscher. Während der einstündigen Fahrt wird der Wind immer stärker und bringt auch immer mehr Wolken mit sich. Pünktlich mit dem Erreichen des Moreno Gletschers beginnt es zu regnen. Warum gerade jetzt, bisher hatten wir auf dieser Reise so gutes Wetter, und dann gerade hier an einer der größten Sehenswürdigkeiten, die der amerikanische Kontinent zu bieten hat. Jetzt heißt es durchhalten. Wir versuchen das Schauspiel der 60 Meter hohen 5 Kilometer breiten Eiswand mit ihren blauen Farben aufs Foto zu bannen. Es ist kaum möglich die Linse trocken zu halten, bedingt durch den Sturm regnet es fast waagerecht. Trotzdem schaffe ich es mit Andrea den einstündigen Rundweg zu absolvieren, wenn am Ende auch nichts Trocknes mehr an uns ist. Wir trösten uns damit, dass bei bedecktem Himmel das Eis viel blauer erscheint, eigentlich müsste es dann heute dunkelblau sein.
 
Moreno Gletscher
Völlig durchnässt besteigen wir anschließend den Bus, um nach Calafate zum Hotel zurückzufahren, das wir bei Sonnenschein erreichen!!! Wir beziehen das Zimmer, ein besseres Loch, die Dusche lässt sich nur zu einem Tröpfeln animieren, dazu ist das Bett nicht frisch bezogen, die Handtücher haben handgroße Löcher, riechen tut es nach allem Möglichen, nur nicht angenehm. Als Ausgleich dafür liegt das Zimmer aber ganz hinten in der Hotelanlage, weit weg von der Straße vorn am Hoteleingang. Wir wissen noch nicht, dass hinter dem Hotel eine Hauptstraße entlang führt!
 
Moreno Gletscher
Moreno Gletscher
Moreno Gletscher

Wir besuchen noch ein Restaurant der Gattung "all you can eat" Es gibt Lamm, Huhn, Schwein und Rind - genau in der Reihenfolge - und die Beilagen vom Buffet. Die Qualität ist nicht besonders, dies gleicht die Bedienung aber durch Unfreundlichkeit aus. So geht ein langer Tag zu Ende, an dem wir zum Schluss zu müde sind, um uns über die Unzulänglichkeiten des Hotels noch aufzuregen.
 
11. Tag Donnerstag:
Landschaft am
Lago Viedma
Wandergebiet von
El Chalten
Wir müssen wieder einmal früh aufstehen, denn um 7:30 Uhr fahren wir mit dem Linienbus nach El Chalten ins Fitz Roy Gebiet. Der Bus stellt sich als Komfortbus heraus, wie man überhaupt sagen muss, alle Achtung vor der Qualität des argentinischen öffentlichen Bussystems. Die Fahrt dauert drei Stunden, das Wetter ist gut, doch je näher wir kommen, umso mehr Wolken ziehen auf, und als wir in El Chalten ankommen, ist vom Fitz Roy nichts zu sehen.
 
Wir werden im Infozentrum des Nationalparks Los Glaciares empfangen, wo uns mitgeteilt wird, dass man nach wochenlangem Regen für die nächsten drei Tage mit gutem Wetter rechnet. Wir werden jeweils zu viert auf Hütten verteilt, die uns von der Reiseleiterin als sehr einfach angekündigt waren. Sie stellen sich aber als sehr sauber und angenehm heraus, weitaus besser als die bisherigen Hotels.
Wir bekommen für den Nationalpark zwei einheimische Führer zugeteilt und machen mit ihnen noch eine zweistündige Wanderung - besser gesagt "Rennwanderung" - zu einem Aussichtspunkt auf die Cerro Torres. Dort angekommen gibt es zum Glück eine Panoramatafel, die uns eine Vorstellung gibt, wie wir uns die Gipfel durch die Nebel- und Wolkenwand vorstellen müssen. Zurück in El Chalten stürmen fast alle sofort in ein Café.
El Chalten
Auf dem Weg zur
Torres Aussicht
Nur Andrea, ich und noch zwei aus der Gruppe sind der festen Überzeugung, dass das Wetter noch aufklart und machen uns auf zum Mirador de los Cóndores. Schon beim Aufstieg wird das Wetter besser, und als wir den Gipfel betreten, haben wir eine phantastische Sicht auf den Fitz Roy und die Torres. Wir bleiben fast eine Stunde an diesem herrlichen Platz, und erst als das Abendessen ruft, beginnen wir mit dem Abstieg. Dabei treffen wir doch noch auf ein paar der Kaffeetrinker, die gemerkt haben, wie schön das Wetter ist und nun doch noch zum Gipfel hochhetzen.
 
Fitz Roy
 
Cerro Torre
Mata guanaco
-Anarthrophyllum desideratum-
Fitz Roy und
Cerro Torre
Wir besuchen noch ein sehr kleines Restaurant mit ausgezeichneter Küche, großen Bierflaschen und normalen Preisen. Welch ein Unterschied zu gestern. Auf dem Rückweg merken wir, dass der Wind aufgefrischt hat, und auch die letzten Wolken vertreibt.
 
12. Tag Freitag
Cerro Torre
am frühen
Morgen
Fitz Roy am frühen
Morgen
Endlich hatten wir einmal eine Nacht ohne Lärm. Umso schwerer fällt es mir um 5 Uhr nach einem Blick aus dem Fenster aufzustehen. Es ist sternenklar, jetzt heißt es nur noch warten, bis die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne das Fitz Roy Massiv zum Erglühen bringen. Der Vorgang dauert höchstens fünf Minuten, und es gibt ihn weiß Gott nicht alle Tage zu sehen. Ich habe dieses Glück und es gelingen mir ein paar schöne Fotos.
 
Wir frühstücken heute auswärts in einem Minicafé, und danach ist um 8 Uhr Abmarsch zur großen 8-stündigen Fitz Roy Tour. Wir haben die gleichen Führer wie gestern, heute sollen sie im Tempo gebremst werden. Das Wetter ist klasse, die Temperaturen sind angenehm (18° C), und selbst als wir am Camp Rio Blanco unsere größte Annäherung an den Fitz Roy haben, hat dieser nur eine leichte Wolkenfahne.
 
Cerre Solo 2.100 m
 
Das Tal von
El Chalten
Calafate (Berberitze) -Berberis buxifolia-
Fitz Roy 3.405 m
 
Im Südbuchenwald
 

Hier teilt sich die Gruppe, ein Teil möchte noch zum Aussichtspunkt auf den Gletscher Piedras Blancas. Doch die Ankündigung der Führer, dieser Umweg müsste mit einem schnelleren Tempo erkauft werden, lässt die Teilnehmerzahl merklich sinken. Wir anderen treten den Rückweg an, der uns an der Laguna Capri noch eine Rast verschafft. Wir finden es besser, mit mehr Ruhe die wunderschöne Landschaft mit ihrer grandiosen Aussicht auf die Bergriesen zu genießen.
 
Auf der Fitz Roy
Wanderung
Am Lago Capri
Als wir wieder El Chalten erreichen, wundern wir uns, dass die andere Gruppe noch nicht da ist. Wir erfahren später, dass Dirk sich den Fuß verstaucht hat, was für ihn schlecht, für den Rest der Gruppe aber ganz gut ist, da dieser Vorfall das Marschtempo drosselt. Es gibt dann einige Ungereimtheiten über das Abendessen, sofort reservieren, dann stellt sich der Weg zum Restaurant als zu weit heraus, also umkehren und stornieren, nein, doch sofort essen, geht nicht, da der Koch auf Wandertour ist; das nächste Restaurant macht erst um 19 Uhr auf. Dann überwältigt uns das Angebot eines Bäckers zum Großeinkauf für eine Hüttenparty. Es ist mal schön, direkt vom Tisch ins Bett gehen zu können.
 
 
 
13. Tag Samstag
Start zur Tumbado
Wanderung
Chloraea
alpina
Nach Frühstück und Gepäck unterstellen, laufen bis auf zwei (u. a. Dirk - wegen seines Fußes -) alle los. Wir wollen zum Aussichtspunkt Tumbado. 700 Höhenmeter sind zu überwinden. Die Gruppe soll in Langsam- und Schnellläufer geteilt werden, doch nur drei wollen zu den Schnellläufern, also marschieren doch alle zusammen los. Das Wetter ist gut, aber bis zum Gipfel wird sich der Himmel immer mehr zuziehen. 200 Höhenmeter unter dem Gipfel treffen wir auf einen Park Ranger, der uns zum Schutz des Bodens vom Weiterweg abrät (der Schnee ist erst kürzlich weggetaut und die Bodenkruste damit sehr weich). Da es inzwischen in Gipfelnähe sehr windet, und die Aussicht auch nicht mehr gut ist, kehren wir um.
 
Ein Schmetterling
 
 
Auf der Tumbado Wanderung
 
Pan de Indio (Indianerbrot) -Cyttaria darwinii-
Loma del Pliegue Tumbado
 
Pazifik Anemone
-Anemone multifida-
Wir gehen denselben Weg zurück auf dem wir gekommen sind, doch jetzt rennen fast alle wieder. Ob es daran liegt, dass es nun abwärts geht, oder ob sie nur den Kaffee im Café genießen wollen, ich jedenfalls genieße lieber die Natur und mache noch ein paar schöne Aufnahmen. Auch für mich reicht es noch zum Besuch des besten Cafés im Ort. Von außen sieht es wie ein Stall aus, aber drinnen ist es sehr gemütlich und gut.
 
Was ist das...?
Das beste Café
in El Chalten
Abschied von El Chalten
Um 17:30 Uhr fahren wir wieder mit dem Linienbus in vier Stunden nach Calafate zurück. Wir werden dieses Mal in einem anderen Hotel untergebracht. Es ist besser als das letzte, liegt dafür aber außerhalb der Stadt. Morgen wollen bis auf vier (darunter auch Andrea und ich) alle sehr früh zu einer Bootstour über den Lago Argentino zu den Gletschern aufbrechen. Wir vier wollen erst mal etwas länger schlafen.
 
 
14. Tag Sonntag
Ausschlafen ist nicht, ein lautes Geburtstagsständchen vor unserem Zimmer weckt uns. Als wir dann etwas später zum Frühstück erscheinen, werden wir von der Einpersonenküchenmannschaft erstaunt angeschaut. Sie hat niemand mehr erwartet, und es ist auch nichts mehr da. Wir müssen von dem leben, was an Resten auf den anderen Tischen liegen geblieben ist.
 
Sand Inka Lilie
-Alstroemeria patagonica-
Wir vier wollen noch einmal mit einem Taxi zum Moreno Gletscher. Vielleicht haben wir heute mit dem Wetter ja mehr Glück. Hier haben wir strahlend blauen Himmel, aber das war in Calafate ja bisher immer so. Wir machen uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt, bekommen von der Dame an der Rezeption ein Abkürzung durch die steppenartige Landschaft empfohlen und treffen dabei auf das Vogelschutzreservat der Lagune Nimetz. Die Reiseleiterin hat dieses uns gegenüber nicht erwähnt. Wir finden es aber sehr interessant und verbringen dort soviel Zeit, dass es, als wir schließlich in der Innenstadt ankommen, für die Fahrt zum Moreno Gletscher zu spät ist.
 
Lagune Nimez
in El Calafate
 
Bronzekiebitz
-Vanellus chilensis-
 
Magellangans
-Chloephaga picta-
 
Phaiophles biflora
 
 
Mata negra
-Junellia tridens-
(Verbena tridens)
Beim Schlendern durch das touristische Calafate bekommen wir Hunger und suchen eine italienische Gaststätte auf. Hier stellen wir fest, dass die auf der großen Tafel vor dem Eingang angepriesenen Speisen nicht mit denen auf der Karte im Restaurant übereinstimmen. Heute am Sonntag haben alle Geschäfte auf, und da wir abends nicht noch einmal in die Stadt laufen wollen, geht es mit Empanadas fürs Abendessen bepackt zurück zum Hotel.
 
Dieser Ruhetag ist für uns ganz anders verlaufen, als wir es geplant hatten, war deswegen aber keineswegs uninteressant.
 
15. Tag Montag
Ein Transfer bringt uns recht früh am Morgen in die Stadt zum Busbahnhof. Wir wollen wieder einmal mit dem uns schon bekannten öffentlichen Komfortbus einen Ortswechsel vornehmen. Es soll nach Chile in den Paine Nationalpark gehen. Der Bus soll nach Puerto Natales fahren, eigentlich viel zu weit, wir wären da längst am Painegebiet vorbeigefahren, müssten dann ein großes Stück mit dem Bus einer Agentur zurückfahren, aber der Linienbus hält vorher nicht. Das ist der Nachteil, dass der Reiseveranstalter bei der Reise auf öffentliche Busse setzt und nicht auf einen eigenen Bus für die Reisegruppe. Doch kommen uns die chilenischen Zöllner zu Hilfe, sie streiken. Wir müssen deshalb viel weiter nördlich als vorgesehen, die Grenze passieren.
 
Auf der Fahrt in den
Paine Nationalpark
Grenzkontrolle
nach Chile
Als wir am einzigen noch offenen Grenzübergang Cerro Castillo ankommen, wird dort zwar auch gestreikt, aber es ist nur ein einstündiger Warnstreik, den wir vor dem Zollhaus in einer Schlange ausstehen. Während dieser Zeit schafft es die Reiseleiterin per Telefon die Agentur in Puerto Natales dazu zu bewegen, uns den Transferbus zum Grenzübergang entgegen zu schicken. Dies erspart uns letztendlich zwei Stunden Fahrzeit. Nachdem wir endlich die peniblen Kontrollen (es dürfen keine Lebensmittel und diverse andere Sachen nach Chile eingeführt werden) hinter uns haben, warten wir in einem Bistro-Restaurant-Andenkenladen auf den Bus, der uns zum Nationalpark Torres del Paine bringt.
 
Da es sich hier um einen Zubringerservice mit Führer handelt, haben wir wieder das Problem, dass wir nicht halten können, wo wir möchten. Es gibt vier ausgewiesene Fotografierstellen, mehr nicht. Wir schaffen es nicht, den Guide (auch nicht mit Zusatztrinkgeld) dazu zu bewegen, die nur zwei Kilometer von der Hauptstraße entfernten herrlichen Paine Wasserfälle (ich war vor drei Jahren schon dort) anzufahren. Seine lapidare Antwort; das hätte der Reiseveranstalter schon von vorneherein buchen müssen. Die Reiseleiterin meint dazu, die Reise sei eben sehr preiswert (billig wäre treffender) kalkuliert.
Was wird hier
fotografiert....?
.... das Paine Massiv
 
Guanako
 
Graufuchs
-Dusicyon griseus-
Enger geht es
nicht. Brücke
über den Rio
Paine
Kurz vor dem Parkeingang steigen wir für die letzten Kilometer zur Torres Hütte auf einen speziell der Breite der Brücke über den Rio Paine angepassten Bus um. Gegenüber meinem Besuch vor drei Jahren ist ein weiteres großes Übernachtungsgebäude mit Gaststätte hinzugekommen. Wir werden aber aus Kostengründen im alten Gebäude (nicht schlechter) in Mehrbettzimmern untergebracht. Apropos Preise, die sind im Paine gesalzen, das Lunchpaket für den nächsten Tag kostet 15 USD, ein einfaches Abendessen 18 USD ohne Getränke, ein 0,33er Bier kostet 6 USD, aber man muss ja schließlich etwas zu sich nehmen.
 
Wettermäßig war es ein sehr schöner Tag, den wir aber fast nur im Bus sitzend oder an der Grenze stehend verbracht haben.
 
16. Tag Dienstag
Die Nacht war relativ laut, zuerst weil unsere weiblichen Gruppenmitglieder sich par tout nicht an die Hüttenruhe halten wollen, dann weil einige männliche Zimmergenossen meinen, das Holzhaus durchsägen zu müssen. Aber so ist das halt auf einer Hütte. Beim Frühstück stellen Andrea und ich fest, dass sich seit unserem Besuch vor drei Jahren nichts geändert hat. Trotz Neubau, was hat der auch damit zu tun, klappt gar nichts. Ein Beispiel, wer kein Messer hat, braucht auch keins, so die Aussage der Bedienung.
 
Fast alle machen heute die Tour zu den Torres del Paine. Das gehört einfach zum Standard Paine Programm. Wir zwei waren vor drei Jahren bereits dort und haben für dieses Mal beschlossen, die Tour nur bei strahlend blauem Himmel mitzumachen. Den haben wir heute aber nicht.
Notro (Feuerbusch)
Embothrium coccineum
Chaura
-Pernettya mucronata-
Laguna Azul
 
Gelbes Veilchen
-Viola reichei-
Puffball
-Lycoperdacea-
So mache ich mit Andrea eine wunderschöne Wanderung zum Camp Serón. Der Himmel ist bedeckt, aber es ist trocken und bei angenehmen Temperaturen lassen wir die uns umgebende Natur auf uns wirken, keine Zivilisationsgeräusche, ab und zu hören wir einen Vogel, ansonsten nur das leise Summen des Windes, es ist herrlich.
Lunchpaket für 15 USD
 
Steinbrech
-Saxifraga magellanica-
Chaura
-Pernettya mucronata-
Hosteria
Las Torres
Eigentlich wollten wir für den Rückweg eine andere Strecke wählen, aber wir brechen ab und steigen querfeldein zum Hinweg hinauf. Vor drei Jahren hat nämlich unverantwortlicher Leichtsinn eines Touristen ein riesiges Gebiet des Nationalparks in Schutt und Asche gelegt. Wir haben keine Lust stundenlang durch verbrannte Erde zu laufen und gehen den Hinweg auch wieder zurück. Nach acht Stunden Gehzeit kommen wir wieder an der Hütte an. Es war wunderbar, einmal ohne jeglichen Zeitzwang ganz alleine zu wandern.
Beim Abendessen treffen wir wieder mit den anderen zusammen. Sie hatten eine schöne Tour zu den Torres, deren Spitzen aber nicht ganz frei von Wolken waren, aber wer hat das schon gehabt.
 
17. Tag Mittwoch
Torres del Paine Massiv
Paine Massiv
Wir wollen zurück nach Calafate in Argentinien. Wir müssen den öffentlichen Bus an der Grenze erreichen. Da heißt es früh aufstehen. Auf 4:15 Uhr stellt sich ein Zimmergenosse den Handywecker, weil er noch packen müsse. Wir anderen wollen noch etwas länger schlafen, doch die Packgeräusche bringen spätestens bis halb fünf alle anderen auch zum Aufstehen. Um 5 Uhr ist Frühstück angesagt. Das klappt natürlich nicht. Die Küchenmannschaft hat zwar abends noch eingedeckt, es gibt sogar Kaffeepulver und Teebeutel, doch dass man dazu auch heißes Wasser benötigt, daran hat niemand gedacht.
 
Um 5:30 Uhr ist Abfahrt zur Grenze. Dort haben wir wieder die umständlichen Grenzkontrollen, dieses Mal nur Passkontrolle, keine Gepäckkontrolle, aber wer glaubt, deswegen ginge es schneller, hat sich getäuscht. Dann geht es weiter zur argentinischen Seite, dort braucht man nur Minuten für das Gepäck, das verstehe wer will.
Die Rückfahrt führt bei wunderschönem Wetter wieder durch die patagonische Steppe. Leider bekommt davon kaum jemand etwas mit, denn aufgrund der kurzen Nacht, verschläft fast die komplette Gruppe die ganze Strecke. Wieder in Calafate holen wir das deponierte Gepäck aus dem letzten Hotel. Wir sind heute wieder in dem Hotel von unserem ersten Aufenthalt untergebracht; wer es beim Lesen des Berichts schon wieder vergessen hat, (wer dabei war hat es bestimmt nicht vergessen) dem mit dem Loch als Zimmer und dem nicht frisch bezogenen Bett usw.
Hotelanlage in
El Calafate
Ganz normales Chaos
nach fast 3 Wochen
Grillstation
in El Calafate
Briefkasten
in El Calafate
Der Nachmittag ist zur freien Verfügung. Da wir inzwischen in Calafate nicht nur die Geschäfte, sondern sogar deren Auslagen in- und auswendig kennen, verbringen die meisten den Nachmittag mit einem Picknick (natürlich mit Empanadas) auf dem Rasen der Hotelanlage. Wenigstens sind die Gartenanlagen des Hotels hübsch gestaltet. Bei den Zimmern mussten erst einige getauscht werden, bis wir einigermaßen zufrieden waren. Bei der Hotelauslastung stellte das kein Problem dar.
Diesen Abend gehen wir in ein Steakhaus, indem alles in Ordnung ist. Die Nacht verbringen wir wie in einer stinkenden Sauna. Die Heizung läuft und läuft und ist nicht abstellbar.
 
18. Tag Donnerstag
Folgerichtig haben wir beide am nächsten Morgen starke Kopfschmerzen. Unser Weiterflug nach Feuerland ist für 4 Uhr nachmittags angesetzt. So haben wir wieder einmal einen Wartetag. Also doch noch einmal ins Stadtzentrum in ein Eiscafé und die Zeit totschlagen. Eis essen stellt in Argentinien im Gegensatz zu vielen anderen südamerikanischen Ländern kein Problem dar, was übrigens auch für das sonstige Essen gilt (Salate, Obst, Gemüse - kein Problem). Das einzig Aufregende was noch passiert; wir erleben eine Fangaktion der Stadtverwaltung für streunende Hunde.
 
Am Nachmittag fahren wir zum Flughafen und fliegen dann in zwei Stunden nach Ushuaia auf Feuerland. Die Stadt ist dank ihres Flughafens Ausgangspunkt für die meisten Antarktisfahrten und alleine nicht lebensfähig. Mit Steuererleichterungen, Industrieansiedlungen und ähnlichem versucht die argentinische Regierung ein Gegengewicht zum auf der anderen Seite des Beagle Kanals gelegenen chilenischen Militärstützpunkt Puerto Williams zu schaffen. Man sieht aber sofort, freiwillig geht hier eigentlich niemand her.
Rostiger Kahn
in Ushuaia
Ushuaia
 
Hafen in Ushuaia 
 
unser
"First Class" Hotel
Wir werden in einem Hotel in der Hauptstraße untergebracht. Wo die Sterne herkommen, die es haben soll, weiß niemand. Es ist zwar sauber, aber das ist auch das einzig Positive an ihm. Wir laufen noch eine halbe Stunde durch die Stadt, machen ein paar Aufnahmen und gehen dann in ein Fischrestaurant. Es ist sehr gut, aber sehr sehr teuer. Für ganz Argentinien gilt übrigens, mit jedem Kilometer, den man von Buenos Aires aus südlicher kommt, wird alles teurer.
 
Das Bier ist gut
Abenstimmung
in Ushuaia
Die folgende Nacht behalten wir in bleibender Erinnerung. Sie wird zum Tag. Autos werden in Argentinien bei einem unter einer halben Stunde liegenden Halt erst gar nicht ausgemacht. Ein Bus steht mit laut laufendem Motor von Mitternacht bis ½ 1 Uhr direkt vor unserem Fenster. Als er endlich weiterfährt, hält auf dem frei gewordenen Parkplatz ein PKW, dessen Musikanlage jede Disco bereichern würde. Der Bass ist so laut, dass bei uns im Zimmer die Betten vibrieren. Wir müssen das Ganze so lange ertragen, bis der Fahrer und ein Passant jeweils eine Flasche Bier geleert haben, und das bei den argentinischen Flaschengrößen! Gegen 3 Uhr fällt mir ein, dass ich noch Tannenbäume für die Ohren habe, normale Ohropax helfen hier nicht. Danach können wir wenigstens einigermaßen schlafen.
 
19. Tag Freitag
Auf dem Weg zum Frühstück treffen wir auf die Reiseleiterin, die sich wegen des Lärms an der Rezeption beschwert hat. Die Antwort stimmt wenig hoffnungsfroh; heute Abend sei es lauter, da dann Wochenende sei. Das Frühstücksbuffet ist wirklich einmalig, es besteht aus ein paar leeren Tassen mit Untertellern und knochenhartem Weißbrot, das beim Hineinbeißen zu Semmelbröseln wird, das war's.

Dann brechen wir mit dem Bus in den Feuerland Nationalpark auf. Wir haben nicht weit zu fahren, um am Beagle Kanal auf das südlichste Postamt der Erde zu treffen. Hier sind alle heiß darauf, den begehrten Stempel zu ergattern. Von hier aus beginnen wir eine vierstündige Küstenwanderung am Beagle Kanal entlang. Der Pfad führt sehr schön in leichtem Auf und Ab, mal durch Südbuchenwald, mal über Felsen, oder auch mal direkt am Strand entlang; immer mit wunderschönen Ausblicken auf den Kanal und die gegenüberliegenden Berge.
 
Das südlichste Postamt
der Erde
Küstenwanderung am
Beagle Kanal
Berberitze
-Berberis ilicifolia-
Roya
Aecidium magellanicum
Küstenwanderung
am Beagle Kanal

Es ist eine wirklich schöne Tour an deren Ende wir vom Bus erwartet werden. Er bringt uns in wenigen Minuten zu einem Campingplatz, wo in einem Zelt eine Stärkung für uns aufgebaut ist. Heute Nachmittag ist eine Schlauchboottour angesagt, und unsere Gruppe ist wohl der Meinung, mit vollem Magen fahre man besser, und mit Alkohol im Blut trotze man der Gefahren, die da möglicherweise kommen, auch besser. Auf jeden Fall wird alles aufgegessen, und es werden diverse Flaschen Rotwein geleert. Inzwischen stürmt es gewaltig. Im Angesicht des windgepeitschten Wassers halbiert sich die Teilnehmerzahl für die Bootsfahrt sehr schnell. Die Weicheier werden per Bus die Bootsfahrer aus sicherer Entfernung begleiten. Ich wäre ja mitgepaddelt, aber wer soll dann die Fotos machen, also verstärkt nur Andrea die Todesmutigen in den Booten und Kanus.
 
Küstenwanderung am Beagle Kanal
Ente
 
Stärkung vor der Schlauchbootfahrt
Trockenübung
 
Man legt sich ins Zeug.....

Wir anderen fahren mit dem Bus zu der Stelle, wo der Fluss in den Beagle Kanal mündet. Am Ende der Straße befindet sich ein Wendehammer, der gleichzeitig die südlichste Stelle der Panamericana darstellt. Weiter südlich kann man mit dem Auto auf der Erde nicht fahren.
 
Wir fahren von hier aus zurück nach Ushuaia. Wir sind zu müde, um noch essen zu gehen. Stattdessen holen wir uns noch etwas in einem Supermarkt und gehen dann direkt aufs Zimmer und hoffen, dass sich unsere Vorahnungen für die Nacht nicht bestätigen.
 
20. Tag Samstag
Erstaunlicherweise war die Nacht sehr viel ruhiger als gedacht, oder waren wir nur zu müde um etwas zu hören? Auf jeden Fall haben wir ganz gut geschlafen. Für das Frühstücksbuffet haben wir uns gestern im Supermarkt selbst eingedeckt, so ist es heute einigermaßen zu ertragen.
 
Entfernungs-
tafel in
Ushuaia
Schönes Café
in Ushuaia
Es regnet heute Morgen leicht. Der Tag steht zur freien Verfügung an, allerdings haben alle für heute Nachmittag einen Bootsausflug auf dem Beagle Kanal zu den Pinguinen gebucht (38 EUR). Wir laufen die Hauptstraße mit ihren typischen Touristenläden entlang. Ich erstehe in einem Outdoorladen eine neue Hose. Ein paar aus der Gruppe besichtigen das ehemalige Gefängnis der Stadt, ansonsten kann man in Ushuaia nicht viel machen. Gegen Mittag gehe ich mit Andrea noch in einem originellen und guten Café eine Kleinigkeit essen, und als wir zum Hotel zurückkehren, warten bereits alle darauf, dass es um 15 Uhr losgeht.
 
 
Ushuaia
 
 
Fahrt auf dem Beagle Kanal
 
Blauaugenscharben
(Kormoranart)
 
Mähnenrobben
 
 
Puerto Williams im chilenischen Teil Feuerlands
Das Wetter ist besser geworden, es regnet nicht mehr, ab und zu kann man sogar die Sonne erkennen, während wir mit einem Katamaranboot über den Beagle Kanal fahren. Es ist allerdings so stürmisch, dass außer uns zweien es nur noch zwei weitere abgehärtete Personen im Freien auf dem Oberdeck aushalten. Wir stoppen an zwei Inseln, wo wir aus geringer Entfernung eine Seelöwenkolonie und sehr viele brütende Blauaugenscharben (eine Kormoranart) beobachten können. Nach einer Stunde Fahrzeit läuft das Boot direkt auf einen Strand auf. Genau vor dem Schiff befindet sich eine Kolonie Magellanpinguine. Da ich diese Pinguinart nun schon des Öfteren gesehen habe, diese Gruppe hier sich auch noch äußerst faul verhält, wäre das Ganze recht uninteressant, wenn sich in die Gruppe nicht ein Eselspinguin verirrt hätte. Es ist nur einer, er hat aber mehr Unterhaltungswert als alle Magellanpinguine zusammen. Er ist wohl zu früh hier angekommen und möchte die Brutsaison eröffnen, aber seine Artgenossen sind noch nicht da. So wackelt er in Höchsttempo ganz aufgeregt ohne Pause den Strand entlang und wird damit unweigerlich zum Fotostar.
Magellanpinguine
 
Eselspinguin
-Pygoscelis papua-
Eselspinguin
-Pygoscelis papua-
Beagle Kanal bei der Estancia Moat
Leuchtturm auf
dem Beagle Kanal
Danach fahren wir ohne besondere Vorkommnisse nach Ushuaia zurück und haben unser Abschlussessen in dem gleichen Fischrestaurant, indem wir schon an unserem Ankunftsabend gegessen haben.
 
21. / 22. Tag Sonntag / Montag
Abendstimmung auf
der Halbinsel Valdes
Unser letzter Tag in Argentinien ist angebrochen, damit auch unser letztes argentinisches Frühstück - Gott sei Dank -. Wir stellen das Gepäck im Hotel unter. Anschließend besuche ich mit Andrea noch zwei Museen, eins über die Geschichte Ushuaias und ein ganz kleines über die Urbevölkerung von Feuerland und deren Ausrottung Ende des 19. Jahrhunderts. Dieses letztere ist auf jeden Fall das sehenswertere. Danach gehen wir noch in das nun von uns schon öfters besuchte Café, in dem wir fast alle anderen aus unserer Gruppe treffen. Bis zum Flughafentransfer um 13:30 Uhr tut sich nicht mehr viel.
Um 15 Uhr fliegen wir pünktlich in 4 ½ Stunden nach Buenos Aires, von wo aus es um 23 Uhr nach Madrid weitergeht, wo wir gegen 14 Uhr am nächsten Tag eintreffen. Bis dorthin verläuft alles normal, dann passiert aber doch noch etwas, oder besser gesagt, es passiert nichts. Wir müssen nämlich warten, der Weiterflug verzögert sich wegen Schnees in Frankfurt bis 19:30 Uhr, so dass wir dort erst gegen 22 Uhr zusammen mit unserem Gepäck eintreffen. Erwähnen möchte ich noch, dass Lutz die Wartezeit in Madrid erfolglos nutzt, von Aerolineas Argentinas, die ihm zugesagten 600 Euro Entschädigung für seine Nichtmitnahme beim Hinflug zu bekommen. Man vertröstet ihn damit, er müsse sich an die deutsche Vertretung der Fluggesellschaft in Berlin wenden. Hoffentlich klappt das auch.
 
Fazit: Argentinien ist ein Land mit phantastischen Naturschönheiten. Die Iguazu Wasserfälle bei Hochwasser zu erleben, war mit das größte Naturereignis, das ich bisher gesehen habe. Und Patagonien hat mich auch bei dieser Reise wieder begeistert. Allein dieser Bereich ist eine eigene Reise wert. Was man in Argentinien allerdings nicht erwarten darf, ist, auf eine wenigstens in Teilen noch ursprünglich lebende indigene Bevölkerung zu treffen, wie es sie von Ecuador über Peru und Bolivien bis Chile noch gibt. Dafür ist Argentinien einfach zu europäisch.
 
Zum Reiseveranstalter World Insight möchte ich zur eingangs gestellten Frage "preiswert oder billig" feststellen, dass die Reise mit einem ganz spitzen Bleistift kalkuliert ist. Dies führt leider zu einigen nicht zu kurzen Wartezeiten auf preisgünstige Verkehrsverbindungen. Diese Zeiten werden dann als "Zeit zur freien Verfügung" verkauft. Wir hätten lieber etwas mehr gezahlt, um mit weniger Fehlzeiten mehr zu sehen (Bespiel: Wasserfälle des Rio Paine und mehr Zeit auf Valdes statt in Buenos Aires auf den Flieger zu warten). Um einen Wandertag im Paine Nationalpark zu haben, muss dieser mit zwei kompletten Fahrtagen im öffentlichen Bus erkauft werden. Man sollte diese Zeit lieber im Fitz Roy Gebiet dran hängen. Auch wirkt sich der niedrige Reisepreis auf die Qualität der Hotels aus.
Trotzdem, falls dies alles zu negativ klingt, war es eine schöne Reise noch dazu mit einer Super Gruppe.
 
 
 

 
 
 
 
 
 
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Ausrüstungsliste:

Dokumente
Reisepass
Kopie von Reisepass
Flugticket
Kopie von Flugticket
Kopie von Impfausweis
Devisen (Euro besser als US$)
Kreditkarte
Kopie von Kreditkarte
Telefonnr. zum Sperren von Schecks und Kreditkarte
Passbilder
ggf. Miles and More Karte
 
Toilettenartikel
Seife/Duschmittel
Handtücher
Waschlappen
Zahnputzsachen
Toilettenpapier
Kamm/Bürste
Rasierapparat
Haarfön
Deo
Tubenwaschmittel
Wäschesack
Arzneimittel
Erste Hilfe Set
JHP-Öl
Immodium Akut (Durchfall)
Labiosan (Lippenschutz)
Mittel gegen Kopfschmerzen
Mykoderm-Miconalzolcreme (gegen Fußpilz)
Melkfett/Vaseline (Füße)
Hautcreme
Magnesiumtabletten
Insektenmittel
Sonnenschutzmittel Faktor 30

Schlafen
Hüttenschlafsack (Hygiene)
Taschen- oder Stirnlampe
Ersatzbatterien

Am Anfang herrscht das Chaos

Kleidung
Hut/Mütze
Handschuhe (wer leicht friert)
Fleecejacke
Fleecehose
Trekkinghosen (zippbar)
Anorak
Überziehhosen
T-Shirts
Pullover
Unterwäsche
Strümpfe
Schlafsachen
Taschentücher

Wanderschuhe
Trekkingsandalen
Badelatschen
Turnschuhe
 
Geordnetes Chaos
Sonstiges
Gürteltasche (kein Brustbeutel)
Brille
Sonnenbrille
Steckeradapter
Taschenmesser (kein Handgepäck)
Nähzeug

Rucksack
Regenschutz für Rucksack
evt. Teleskopstöcke
Getränkeflasche
 
Schreibmaterial
Literatur
evt. Diktiergerät
evt. elektronischer Übersetzer

Fotoausrüstung
Kamera
Ersatzbatterie/-Akkus
Akku-Ladegerät
genügend Filme/Speicherkarten
ggf. Stativ
Kameratasche
wasserdichter Fotoschutz