Argentinien, von den Subtropen im Nordosten zur
windumtosten Südspitze des Kontinents

Eine World Insight Reise vom 3. bis 24. November 2008

Ein Reisebericht von Kurt.Merkert@web.de


Übersicht 1. bis 10. Tag 11. bis 22. Tag Ausrüstung Druckansicht Home

 
11. Tag Donnerstag:
Wir müssen wieder einmal früh aufstehen, denn um 7:30 Uhr fahren wir mit dem Linienbus nach El Chalten ins Fitz Roy Gebiet. Der Bus stellt sich als Komfortbus heraus, wie man überhaupt sagen muss, alle Achtung vor der Qualität des argentinischen öffentlichen Bussystems. Die Fahrt dauert drei Stunden, das Wetter ist gut, doch je näher wir kommen, umso mehr Wolken ziehen auf, und als wir in El Chalten ankommen, ist vom Fitz Roy nichts zu sehen.
Wir werden im Infozentrum des Nationalparks Los Glaciares empfangen, wo uns mitgeteilt wird, dass man nach wochenlangem Regen für die nächsten drei Tage mit gutem Wetter rechnet. Wir werden jeweils zu viert auf Hütten verteilt, die uns von der Reiseleiterin als sehr einfach angekündigt waren. Sie stellen sich aber als sehr sauber und angenehm heraus, weitaus besser als die bisherigen Hotels.
Wir bekommen für den Nationalpark zwei einheimische Führer zugeteilt und machen mit ihnen noch eine zweistündige Wanderung - besser gesagt "Rennwanderung" - zu einem Aussichtspunkt auf die Cerro Torres. Dort angekommen gibt es zum Glück eine Panoramatafel, die uns eine Vorstellung gibt, wie wir uns die Gipfel durch die Nebel- und Wolkenwand vorstellen müssen. Zurück in El Chalten stürmen fast alle sofort in ein Café.
Nur Andrea, ich und noch zwei aus der Gruppe sind der festen Überzeugung, dass das Wetter noch aufklart und machen uns auf zum Mirador de los Cóndores. Schon beim Aufstieg wird das Wetter besser, und als wir den Gipfel betreten, haben wir eine phantastische Sicht auf den Fitz Roy und die Torres. Wir bleiben fast eine Stunde an diesem herrlichen Platz, und erst als das Abendessen ruft, beginnen wir mit dem Abstieg. Dabei treffen wir doch noch auf ein paar der Kaffeetrinker, die gemerkt haben, wie schön das Wetter ist und nun doch noch zum Gipfel hochhetzen.
Wir besuchen noch ein sehr kleines Restaurant mit ausgezeichneter Küche, großen Bierflaschen und normalen Preisen. Welch ein Unterschied zu gestern. Auf dem Rückweg merken wir, dass der Wind aufgefrischt hat, und auch die letzten Wolken vertreibt.
 
12. Tag Freitag
Endlich hatten wir einmal eine Nacht ohne Lärm. Umso schwerer fällt es mir um 5 Uhr nach einem Blick aus dem Fenster aufzustehen. Es ist sternenklar, jetzt heißt es nur noch warten, bis die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne das Fitz Roy Massiv zum Erglühen bringen. Der Vorgang dauert höchstens fünf Minuten, und es gibt ihn weiß Gott nicht alle Tage zu sehen. Ich habe dieses Glück und es gelingen mir ein paar schöne Fotos.
 
Wir frühstücken heute auswärts in einem Minicafé, und danach ist um 8 Uhr Abmarsch zur großen 8-stündigen Fitz Roy Tour. Wir haben die gleichen Führer wie gestern, heute sollen sie im Tempo gebremst werden. Das Wetter ist klasse, die Temperaturen sind angenehm (18° C), und selbst als wir am Camp Rio Blanco unsere größte Annäherung an den Fitz Roy haben, hat dieser nur eine leichte Wolkenfahne.
Hier teilt sich die Gruppe, ein Teil möchte noch zum Aussichtspunkt auf den Gletscher Piedras Blancas. Doch die Ankündigung der Führer, dieser Umweg müsste mit einem schnelleren Tempo erkauft werden, lässt die Teilnehmerzahl merklich sinken. Wir anderen treten den Rückweg an, der uns an der Laguna Capri noch eine Rast verschafft. Wir finden es besser, mit mehr Ruhe die wunderschöne Landschaft mit ihrer grandiosen Aussicht auf die Bergriesen zu genießen.
Als wir wieder El Chalten erreichen, wundern wir uns, dass die andere Gruppe noch nicht da ist. Wir erfahren später, dass Dirk sich den Fuß verstaucht hat, was für ihn schlecht, für den Rest der Gruppe aber ganz gut ist, da dieser Vorfall das Marschtempo drosselt. Es gibt dann einige Ungereimtheiten über das Abendessen, sofort reservieren, dann stellt sich der Weg zum Restaurant als zu weit heraus, also umkehren und stornieren, nein, doch sofort essen, geht nicht, da der Koch auf Wandertour ist; das nächste Restaurant macht erst um 19 Uhr auf. Dann überwältigt uns das Angebot eines Bäckers zum Großeinkauf für eine Hüttenparty. Es ist mal schön, direkt vom Tisch ins Bett gehen zu können.
 
13. Tag Samstag
Nach Frühstück und Gepäck unterstellen, laufen bis auf zwei (u. a. Dirk - wegen seines Fußes -) alle los. Wir wollen zum Aussichtspunkt Tumbado. 700 Höhenmeter sind zu überwinden. Die Gruppe soll in Langsam- und Schnellläufer geteilt werden, doch nur drei wollen zu den Schnellläufern, also marschieren doch alle zusammen los. Das Wetter ist gut, aber bis zum Gipfel wird sich der Himmel immer mehr zuziehen. 200 Höhenmeter unter dem Gipfel treffen wir auf einen Park Ranger, der uns zum Schutz des Bodens vom Weiterweg abrät (der Schnee ist erst kürzlich weggetaut und die Bodenkruste damit sehr weich). Da es inzwischen in Gipfelnähe sehr windet, und die Aussicht auch nicht mehr gut ist, kehren wir um.
 
Wir gehen denselben Weg zurück auf dem wir gekommen sind, doch jetzt rennen fast alle wieder. Ob es daran liegt, dass es nun abwärts geht, oder ob sie nur den Kaffee im Café genießen wollen, ich jedenfalls genieße lieber die Natur und mache noch ein paar schöne Aufnahmen. Auch für mich reicht es noch zum Besuch des besten Cafés im Ort. Von außen sieht es wie ein Stall aus, aber drinnen ist es sehr gemütlich und gut.
 
Um 17:30 Uhr fahren wir wieder mit dem Linienbus in vier Stunden nach Calafate zurück. Wir werden dieses Mal in einem anderen Hotel untergebracht. Es ist besser als das letzte, liegt dafür aber außerhalb der Stadt. Morgen wollen bis auf vier (darunter auch Andrea und ich) alle sehr früh zu einer Bootstour über den Lago Argentino zu den Gletschern aufbrechen. Wir vier wollen erst mal etwas länger schlafen.
 
 
14. Tag Sonntag
Ausschlafen ist nicht, ein lautes Geburtstagsständchen vor unserem Zimmer weckt uns. Als wir dann etwas später zum Frühstück erscheinen, werden wir von der Einpersonenküchenmannschaft erstaunt angeschaut. Sie hat niemand mehr erwartet, und es ist auch nichts mehr da. Wir müssen von dem leben, was an Resten auf den anderen Tischen liegen geblieben ist.
 
Wir vier wollen noch einmal mit einem Taxi zum Moreno Gletscher. Vielleicht haben wir heute mit dem Wetter ja mehr Glück. Hier haben wir strahlend blauen Himmel, aber das war in Calafate ja bisher immer so. Wir machen uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt, bekommen von der Dame an der Rezeption ein Abkürzung durch die steppenartige Landschaft empfohlen und treffen dabei auf das Vogelschutzreservat der Lagune Nimetz. Die Reiseleiterin hat dieses uns gegenüber nicht erwähnt. Wir finden es aber sehr interessant und verbringen dort soviel Zeit, dass es, als wir schließlich in der Innenstadt ankommen, für die Fahrt zum Moreno Gletscher zu spät ist.
Beim Schlendern durch das touristische Calafate bekommen wir Hunger und suchen eine italienische Gaststätte auf. Hier stellen wir fest, dass die auf der großen Tafel vor dem Eingang angepriesenen Speisen nicht mit denen auf der Karte im Restaurant übereinstimmen. Heute am Sonntag haben alle Geschäfte auf, und da wir abends nicht noch einmal in die Stadt laufen wollen, geht es mit Empanadas fürs Abendessen bepackt zurück zum Hotel.
Dieser Ruhetag ist für uns ganz anders verlaufen, als wir es geplant hatten, war deswegen aber keineswegs uninteressant.
 
15. Tag Montag
Ein Transfer bringt uns recht früh am Morgen in die Stadt zum Busbahnhof. Wir wollen wieder einmal mit dem uns schon bekannten öffentlichen Komfortbus einen Ortswechsel vornehmen. Es soll nach Chile in den Paine Nationalpark gehen. Der Bus soll nach Puerto Natales fahren, eigentlich viel zu weit, wir wären da längst am Painegebiet vorbeigefahren, müssten dann ein großes Stück mit dem Bus einer Agentur zurückfahren, aber der Linienbus hält vorher nicht. Das ist der Nachteil, dass der Reiseveranstalter bei der Reise auf öffentliche Busse setzt und nicht auf einen eigenen Bus für die Reisegruppe. Doch kommen uns die chilenischen Zöllner zu Hilfe, sie streiken. Wir müssen deshalb viel weiter nördlich als vorgesehen, die Grenze passieren.
 
Als wir am einzigen noch offenen Grenzübergang Cerro Castillo ankommen, wird dort zwar auch gestreikt, aber es ist nur ein einstündiger Warnstreik, den wir vor dem Zollhaus in einer Schlange ausstehen. Während dieser Zeit schafft es die Reiseleiterin per Telefon die Agentur in Puerto Natales dazu zu bewegen, uns den Transferbus zum Grenzübergang entgegen zu schicken. Dies erspart uns letztendlich zwei Stunden Fahrzeit. Nachdem wir endlich die peniblen Kontrollen (es dürfen keine Lebensmittel und diverse andere Sachen nach Chile eingeführt werden) hinter uns haben, warten wir in einem Bistro-Restaurant-Andenkenladen auf den Bus, der uns zum Nationalpark Torres del Paine bringt.
 
Da es sich hier um einen Zubringerservice mit Führer handelt, haben wir wieder das Problem, dass wir nicht halten können, wo wir möchten. Es gibt vier ausgewiesene Fotografierstellen, mehr nicht. Wir schaffen es nicht, den Guide (auch nicht mit Zusatztrinkgeld) dazu zu bewegen, die nur zwei Kilometer von der Hauptstraße entfernten herrlichen Paine Wasserfälle (ich war vor drei Jahren schon dort) anzufahren. Seine lapidare Antwort; das hätte der Reiseveranstalter schon von vorneherein buchen müssen. Die Reiseleiterin meint dazu, die Reise sei eben sehr preiswert (billig wäre treffender) kalkuliert.
Kurz vor dem Parkeingang steigen wir für die letzten Kilometer zur Torres Hütte auf einen speziell der Breite der Brücke über den Rio Paine angepassten Bus um. Gegenüber meinem Besuch vor drei Jahren ist ein weiteres großes Übernachtungsgebäude mit Gaststätte hinzugekommen. Wir werden aber aus Kostengründen im alten Gebäude (nicht schlechter) in Mehrbettzimmern untergebracht. Apropos Preise, die sind im Paine gesalzen, das Lunchpaket für den nächsten Tag kostet 15 USD, ein einfaches Abendessen 18 USD ohne Getränke, ein 0,33er Bier kostet 6 USD, aber man muss ja schließlich etwas zu sich nehmen.
 
Wettermäßig war es ein sehr schöner Tag, den wir aber fast nur im Bus sitzend oder an der Grenze stehend verbracht haben.
 
16. Tag Dienstag
Die Nacht war relativ laut, zuerst weil unsere weiblichen Gruppenmitglieder sich par tout nicht an die Hüttenruhe halten wollen, dann weil einige männliche Zimmergenossen meinen, das Holzhaus durchsägen zu müssen. Aber so ist das halt auf einer Hütte. Beim Frühstück stellen Andrea und ich fest, dass sich seit unserem Besuch vor drei Jahren nichts geändert hat. Trotz Neubau, was hat der auch damit zu tun, klappt gar nichts. Ein Beispiel, wer kein Messer hat, braucht auch keins, so die Aussage der Bedienung.
 
Fast alle machen heute die Tour zu den Torres del Paine. Das gehört einfach zum Standard Paine Programm. Wir zwei waren vor drei Jahren bereits dort und haben für dieses Mal beschlossen, die Tour nur bei strahlend blauem Himmel mitzumachen. Den haben wir heute aber nicht.
So mache ich mit Andrea eine wunderschöne Wanderung zum Camp Serón. Der Himmel ist bedeckt, aber es ist trocken und bei angenehmen Temperaturen lassen wir die uns umgebende Natur auf uns wirken, keine Zivilisationsgeräusche, ab und zu hören wir einen Vogel, ansonsten nur das leise Summen des Windes, es ist herrlich.
Eigentlich wollten wir für den Rückweg eine andere Strecke wählen, aber wir brechen ab und steigen querfeldein zum Hinweg hinauf. Vor drei Jahren hat nämlich unverantwortlicher Leichtsinn eines Touristen ein riesiges Gebiet des Nationalparks in Schutt und Asche gelegt. Wir haben keine Lust stundenlang durch verbrannte Erde zu laufen und gehen den Hinweg auch wieder zurück. Nach acht Stunden Gehzeit kommen wir wieder an der Hütte an. Es war wunderbar, einmal ohne jeglichen Zeitzwang ganz alleine zu wandern.
Beim Abendessen treffen wir wieder mit den anderen zusammen. Sie hatten eine schöne Tour zu den Torres, deren Spitzen aber nicht ganz frei von Wolken waren, aber wer hat das schon gehabt.
 
17. Tag Mittwoch
Wir wollen zurück nach Calafate in Argentinien. Wir müssen den öffentlichen Bus an der Grenze erreichen. Da heißt es früh aufstehen. Auf 4:15 Uhr stellt sich ein Zimmergenosse den Handywecker, weil er noch packen müsse. Wir anderen wollen noch etwas länger schlafen, doch die Packgeräusche bringen spätestens bis halb fünf alle anderen auch zum Aufstehen. Um 5 Uhr ist Frühstück angesagt. Das klappt natürlich nicht. Die Küchenmannschaft hat zwar abends noch eingedeckt, es gibt sogar Kaffeepulver und Teebeutel, doch dass man dazu auch heißes Wasser benötigt, daran hat niemand gedacht.
 
Um 5:30 Uhr ist Abfahrt zur Grenze. Dort haben wir wieder die umständlichen Grenzkontrollen, dieses Mal nur Passkontrolle, keine Gepäckkontrolle, aber wer glaubt, deswegen ginge es schneller, hat sich getäuscht. Dann geht es weiter zur argentinischen Seite, dort braucht man nur Minuten für das Gepäck, das verstehe wer will.
Die Rückfahrt führt bei wunderschönem Wetter wieder durch die patagonische Steppe. Leider bekommt davon kaum jemand etwas mit, denn aufgrund der kurzen Nacht, verschläft fast die komplette Gruppe die ganze Strecke. Wieder in Calafate holen wir das deponierte Gepäck aus dem letzten Hotel. Wir sind heute wieder in dem Hotel von unserem ersten Aufenthalt untergebracht; wer es beim Lesen des Berichts schon wieder vergessen hat, (wer dabei war hat es bestimmt nicht vergessen) dem mit dem Loch als Zimmer und dem nicht frisch bezogenen Bett usw.
Der Nachmittag ist zur freien Verfügung. Da wir inzwischen in Calafate nicht nur die Geschäfte, sondern sogar deren Auslagen in- und auswendig kennen, verbringen die meisten den Nachmittag mit einem Picknick (natürlich mit Empanadas) auf dem Rasen der Hotelanlage. Wenigstens sind die Gartenanlagen des Hotels hübsch gestaltet. Bei den Zimmern mussten erst einige getauscht werden, bis wir einigermaßen zufrieden waren. Bei der Hotelauslastung stellte das kein Problem dar.
Diesen Abend gehen wir in ein Steakhaus, indem alles in Ordnung ist. Die Nacht verbringen wir wie in einer stinkenden Sauna. Die Heizung läuft und läuft und ist nicht abstellbar.
 
18. Tag Donnerstag
Folgerichtig haben wir beide am nächsten Morgen starke Kopfschmerzen. Unser Weiterflug nach Feuerland ist für 4 Uhr nachmittags angesetzt. So haben wir wieder einmal einen Wartetag. Also doch noch einmal ins Stadtzentrum in ein Eiscafé und die Zeit totschlagen. Eis essen stellt in Argentinien im Gegensatz zu vielen anderen südamerikanischen Ländern kein Problem dar, was übrigens auch für das sonstige Essen gilt (Salate, Obst, Gemüse - kein Problem). Das einzig Aufregende was noch passiert; wir erleben eine Fangaktion der Stadtverwaltung für streunende Hunde.
 
Am Nachmittag fahren wir zum Flughafen und fliegen dann in zwei Stunden nach Ushuaia auf Feuerland. Die Stadt ist dank ihres Flughafens Ausgangspunkt für die meisten Antarktisfahrten und alleine nicht lebensfähig. Mit Steuererleichterungen, Industrieansiedlungen und ähnlichem versucht die argentinische Regierung ein Gegengewicht zum auf der anderen Seite des Beagle Kanals gelegenen chilenischen Militärstützpunkt Puerto Williams zu schaffen. Man sieht aber sofort, freiwillig geht hier eigentlich niemand her.
Wir werden in einem Hotel in der Hauptstraße untergebracht. Wo die Sterne herkommen, die es haben soll, weiß niemand. Es ist zwar sauber, aber das ist auch das einzig Positive an ihm. Wir laufen noch eine halbe Stunde durch die Stadt, machen ein paar Aufnahmen und gehen dann in ein Fischrestaurant. Es ist sehr gut, aber sehr sehr teuer. Für ganz Argentinien gilt übrigens, mit jedem Kilometer, den man von Buenos Aires aus südlicher kommt, wird alles teurer.
 
Die folgende Nacht behalten wir in bleibender Erinnerung. Sie wird zum Tag. Autos werden in Argentinien bei einem unter einer halben Stunde liegenden Halt erst gar nicht ausgemacht. Ein Bus steht mit laut laufendem Motor von Mitternacht bis ½ 1 Uhr direkt vor unserem Fenster. Als er endlich weiterfährt, hält auf dem frei gewordenen Parkplatz ein PKW, dessen Musikanlage jede Disco bereichern würde. Der Bass ist so laut, dass bei uns im Zimmer die Betten vibrieren. Wir müssen das Ganze so lange ertragen, bis der Fahrer und ein Passant jeweils eine Flasche Bier geleert haben, und das bei den argentinischen Flaschengrößen! Gegen 3 Uhr fällt mir ein, dass ich noch Tannenbäume für die Ohren habe, normale Ohropax helfen hier nicht. Danach können wir wenigstens einigermaßen schlafen.
 
19. Tag Freitag
Auf dem Weg zum Frühstück treffen wir auf die Reiseleiterin, die sich wegen des Lärms an der Rezeption beschwert hat. Die Antwort stimmt wenig hoffnungsfroh; heute Abend sei es lauter, da dann Wochenende sei. Das Frühstücksbuffet ist wirklich einmalig, es besteht aus ein paar leeren Tassen mit Untertellern und knochenhartem Weißbrot, das beim Hineinbeißen zu Semmelbröseln wird, das war's.

Dann brechen wir mit dem Bus in den Feuerland Nationalpark auf. Wir haben nicht weit zu fahren, um am Beagle Kanal auf das südlichste Postamt der Erde zu treffen. Hier sind alle heiß darauf, den begehrten Stempel zu ergattern. Von hier aus beginnen wir eine vierstündige Küstenwanderung am Beagle Kanal entlang. Der Pfad führt sehr schön in leichtem Auf und Ab, mal durch Südbuchenwald, mal über Felsen, oder auch mal direkt am Strand entlang; immer mit wunderschönen Ausblicken auf den Kanal und die gegenüberliegenden Berge.
Es ist eine wirklich schöne Tour an deren Ende wir vom Bus erwartet werden. Er bringt uns in wenigen Minuten zu einem Campingplatz, wo in einem Zelt eine Stärkung für uns aufgebaut ist. Heute Nachmittag ist eine Schlauchboottour angesagt, und unsere Gruppe ist wohl der Meinung, mit vollem Magen fahre man besser, und mit Alkohol im Blut trotze man der Gefahren, die da möglicherweise kommen, auch besser. Auf jeden Fall wird alles aufgegessen, und es werden diverse Flaschen Rotwein geleert. Inzwischen stürmt es gewaltig. Im Angesicht des windgepeitschten Wassers halbiert sich die Teilnehmerzahl für die Bootsfahrt sehr schnell. Die Weicheier werden per Bus die Bootsfahrer aus sicherer Entfernung begleiten. Ich wäre ja mitgepaddelt, aber wer soll dann die Fotos machen, also verstärkt nur Andrea die Todesmutigen in den Booten und Kanus.
Wir anderen fahren mit dem Bus zu der Stelle, wo der Fluss in den Beagle Kanal mündet. Am Ende der Straße befindet sich ein Wendehammer, der gleichzeitig die südlichste Stelle der Panamericana darstellt. Weiter südlich kann man mit dem Auto auf der Erde nicht fahren.
Wir fahren von hier aus zurück nach Ushuaia. Wir sind zu müde, um noch essen zu gehen. Stattdessen holen wir uns noch etwas in einem Supermarkt und gehen dann direkt aufs Zimmer und hoffen, dass sich unsere Vorahnungen für die Nacht nicht bestätigen.
 
20. Tag Samstag
Erstaunlicherweise war die Nacht sehr viel ruhiger als gedacht, oder waren wir nur zu müde um etwas zu hören? Auf jeden Fall haben wir ganz gut geschlafen. Für das Frühstücksbuffet haben wir uns gestern im Supermarkt selbst eingedeckt, so ist es heute einigermaßen zu ertragen.
 

Es regnet heute Morgen leicht. Der Tag steht zur freien Verfügung an, allerdings haben alle für heute Nachmittag einen Bootsausflug auf dem Beagle Kanal zu den Pinguinen gebucht (38 EUR). Wir laufen die Hauptstraße mit ihren typischen Touristenläden entlang. Ich erstehe in einem Outdoorladen eine neue Hose. Ein paar aus der Gruppe besichtigen das ehemalige Gefängnis der Stadt, ansonsten kann man in Ushuaia nicht viel machen. Gegen Mittag gehe ich mit Andrea noch in einem originellen und guten Café eine Kleinigkeit essen, und als wir zum Hotel zurückkehren, warten bereits alle darauf, dass es um 15 Uhr losgeht.
 
Das Wetter ist besser geworden, es regnet nicht mehr, ab und zu kann man sogar die Sonne erkennen, während wir mit einem Katamaranboot über den Beagle Kanal fahren. Es ist allerdings so stürmisch, dass außer uns zweien es nur noch zwei weitere abgehärtete Personen im Freien auf dem Oberdeck aushalten. Wir stoppen an zwei Inseln, wo wir aus geringer Entfernung eine Seelöwenkolonie und sehr viele brütende Blauaugenscharben (eine Kormoranart) beobachten können. Nach einer Stunde Fahrzeit läuft das Boot direkt auf einen Strand auf. Genau vor dem Schiff befindet sich eine Kolonie Magellanpinguine. Da ich diese Pinguinart nun schon des Öfteren gesehen habe, diese Gruppe hier sich auch noch äußerst faul verhält, wäre das Ganze recht uninteressant, wenn sich in die Gruppe nicht ein Eselspinguin verirrt hätte. Es ist nur einer, er hat aber mehr Unterhaltunsgwert als alle Magellanpinguine zusammen. Er ist wohl zu früh hier angekommen und möchte die Brutsaison eröffnen, aber seine Artgenossen sind noch nicht da. So wackelt er in Höchsttempo ganz aufgeregt ohne Pause den Strand entlang und wird damit unweigerlich zum Fotostar.
Danach fahren wir ohne besondere Vorkommnisse nach Ushuaia zurück und haben unser Abschlussessen in dem gleichen Fischrestaurant, indem wir schon an unserem Ankunftsabend gegessen haben.
 
21. / 22. Tag Sonntag / Montag
Unser letzter Tag in Argentinien ist angebrochen, damit auch unser letztes argentinisches Frühstück - Gott sei Dank -. Wir stellen das Gepäck im Hotel unter. Anschließend besuche ich mit Andrea noch zwei Museen, eins über die Geschichte Ushuaias und ein ganz kleines über die Urbevölkerung von Feuerland und deren Ausrottung Ende des 19. Jahrhunderts. Dieses letztere ist auf jeden Fall das sehenswertere. Danach gehen wir noch in das nun von uns schon öfters besuchte Café, in dem wir fast alle anderen aus unserer Gruppe treffen. Bis zum Flughafentransfer um 13:30 Uhr tut sich nicht mehr viel.
Um 15 Uhr fliegen wir pünktlich in 4 ½ Stunden nach Buenos Aires, von wo aus es um 23 Uhr nach Madrid weitergeht, wo wir gegen 14 Uhr am nächsten Tag eintreffen. Bis dorthin verläuft alles normal, dann passiert aber doch noch etwas, oder besser gesagt, es passiert nichts. Wir müssen nämlich warten, der Weiterflug verzögert sich wegen Schnees in Frankfurt bis 19:30 Uhr, so dass wir dort erst gegen 22 Uhr zusammen mit unserem Gepäck eintreffen. Erwähnen möchte ich noch, dass Lutz die Wartezeit in Madrid erfolglos nutzt, von Aerolineas Argentinas, die ihm zugesagten 600 Euro Entschädigung für seine Nichtmitnahme beim Hinflug zu bekommen. Man vertröstet ihn damit, er müsse sich an die deutsche Vertretung der Fluggesellschaft in Berlin wenden. Hoffentlich klappt das auch.
 
Fazit: Argentinien ist ein Land mit phantastischen Naturschönheiten. Die Iguazu Wasserfälle bei Hochwasser zu erleben, war mit das größte Naturereignis, das ich bisher gesehen habe. Und Patagonien hat mich auch bei dieser Reise wieder begeistert. Allein dieser Bereich ist eine eigene Reise wert. Was man in Argentinien allerdings nicht erwarten darf, ist, auf eine wenigstens in Teilen noch ursprünglich lebende indigene Bevölkerung zu treffen, wie es sie von Ecuador über Peru und Bolivien bis Chile noch gibt. Dafür ist Argentinien einfach zu europäisch.
 
Zum Reiseveranstalter World Insight möchte ich zur eingangs gestellten Frage "preiswert oder billig" feststellen, dass die Reise mit einem ganz spitzen Bleistift kalkuliert ist. Dies führt leider zu einigen nicht zu kurzen Wartezeiten auf preisgünstige Verkehrsverbindungen. Diese Zeiten werden dann als "Zeit zur freien Verfügung" verkauft. Wir hätten lieber etwas mehr gezahlt, um mit weniger Fehlzeiten mehr zu sehen (Bespiel: Wasserfälle des Rio Paine und mehr Zeit auf Valdes statt in Buenos Aires auf den Flieger zu warten). Um einen Wandertag im Paine Nationalpark zu haben, muss dieser mit zwei kompletten Fahrtagen im öffentlichen Bus erkauft werden. Man sollte diese Zeit lieber im Fitz Roy Gebiet dran hängen. Auch wirkt sich der niedrige Reisepreis auf die Qualität der Hotels aus.
Trotzdem, falls dies alles zu negativ klingt, war es eine schöne Reise noch dazu mit einer Super Gruppe.
 
 

Übersicht 1. bis 10. Tag 11. bis 22. Tag Ausrüstung Druckansicht Home