Argentinien, von den Subtropen im Nordosten zur
windumtosten Südspitze des Kontinents

Eine World Insight Reise vom 3. bis 24. November 2008

Ein Reisebericht von Kurt.Merkert@web.de


Übersicht 1. bis 10. Tag 11. bis 22. Tag Ausrüstung Druckansicht Home

 
1. Tag Montag:
Gegen Mittag fährt uns mein Kollege zum Flughafen Frankfurt. Von hier aus soll uns eine Maschine der Spanair als Zubringer nach Madrid bringen. Am Gate treffen wir die ersten Mitreisenden, insgesamt werden wir 17 Personen sein. Bis Madrid passiert nichts ungewöhnliches, wenn man einmal davon absieht, dass es während des Flugs sogar etwas zu essen gibt.
In Madrid haben wir vier Stunden Aufenthalt. Da das Gepäck bis Buenos Aires aufgegeben ist, brauchen wir uns darum nicht zu kümmern. Dies ist auch gut so, denn wir dürfen nicht im Transitbereich des Flughafens bleiben, sondern müssen in einem viertelstündigen Fußmarsch ein anderes Terminal aufsuchen, um unsere Bordkarten abzuholen. Nachdem wir endlich den richtigen Schalter gefunden haben, will man uns um 90 Minuten vertrösten, bis man einchecken könne. Erst nach energischem Nachhaken, wir hätten doch kein Gepäck und bräuchten nur die Bordkarten, werden diese herausgerückt.
 
Um 22 Uhr hebt die Maschine der Aerolineas Argentinas pünktlich ab und landet nach 11 Stunden um 7 Uhr Ortszeit in Buenos Aires.
 
2. Tag Dienstag
Während wir auf das Gepäck warten, tausche ich an einem offiziellen Schalter Geld. Später stellt sich heraus, dass man dies besser nicht macht, es wird der schlechteste Umtauschkurs der ganzen Reise sein. Unser Gepäck kommt vollzählig an, doch als wir nach der Passkontrolle auf unsere Reiseleiterin Daniela treffen, stellt sich heraus, dass doch etwas fehlt, ein Mitreisender. In Madrid war er noch da, und nach einigen Telefonaten erfahren wir, dass er wegen Überbuchung von der Fluggesellschaft nicht mitgenommen wurde. Er soll uns mit einem Tag Verspätung nachfolgen.
Wir wechseln mit einem Bus vom internationalen zum nationalen Flughafen. Dort wird eingecheckt, ein paar Empanadas (gefüllte Teigtaschen) gegessen, und dann fliegen wir in gut zwei Stunden nach Iguazu. Auch hier ist unser Gepäck vollständig angekommen, was nicht unbedingt üblich ist; na ja, dafür haben wir aber auch eine Person verloren. Vom Flughafen aus fahren wir direkt über die Grenze nach Brasilien - die Grenzkontrollen sind, na ja gerade noch zu ertragen - und checken in einem Hotel ein, dessen Qualität in Anbetracht dessen, dass wir uns im Urwaldgebiet befinden, als gehoben anzusehen ist. Trotz der großen Müdigkeit, die alle befallen hat, bricht ein Teil der Gruppe sofort in einen Vogelpark auf. Es ist zwar schon ziemlich spät, doch es lohnt sich. Wenn die Tiere sich auch in begehbaren Gehegen befinden, sind diese doch ausgezeichnet in den bestehenden Urwald integriert.
 
Keiner hat anschließend nach all den Anstrengungen noch Lust eine Gaststätte aufzusuchen, und so wird das Hotelbuffet ausprobiert. Es ist gar nicht schlecht, dazu gibt es noch gut gekühltes Dosenbier der Marke "Skol" - kein schwedisches wie man vermuten könnte, sondern brasilianisches - und anschließend noch einen Caipirinha, was will man mehr.
Mal sehen, was morgen wird, der Rio Iguazu führt Hochwasser, und nicht alle Teile der Wasserfälle sollen begehbar sein.
 
3. Tag Mittwoch
Um 7 Uhr gibt es ein Frühstücksbuffet. Allein das ist es wert in Brasilien statt in Argentinien zu übernachten. Es gibt warme und kalte Speisen, sehr viel Kuchen und frisches Obst. Dafür nehmen wir gerne die erneute Grenzkontrolle in Kauf. Wir fahren nämlich auf die argentinische Seite der Iguazu Wasserfälle. Wir sind dort nicht die Einzigen, aber als wir die Wasserfälle das erste Mal zu Gesicht bekommen, verstehen wir warum. Wir können wählen, ob wir uns den Wasserfällen per Boot von unten nähern oder auf dem Upper Trail von oben.
 
Bis auf vier entscheidet sich der Rest der Gruppe für die Annäherung zu Fuß. Wir lassen uns viel Zeit für die 1,6 Kilometer. Der Weg führt direkt an der Abbruchkante entlang. Durch das Hochwasser ist die Wasserfarbe stark gebräunt, dafür stürzt und donnert aber mehr als doppelt so viel Wasser wie gewöhnlich in die Tiefe. Das Ganze ist mehr als großartig, zur Perfektion fehlt eigentlich nur noch der blaue Himmel, der sich aber bedeckt zeigt. Während der Mittagspause treffen wir wieder mit den Bootsfahrern zusammen, und nehmen dann gemeinsam den Lower Trail in Angriff. Dieser Weg ist nicht weniger interessant als die Vormittagstour, nur ist man jetzt mit den stürzenden Wassermassen auf gleicher Höhe. Wir sind froh, uns für die beiden Fußmärsche entschieden zu haben. Man sieht viel mehr als auf der Bootstour, wo man überwiegend nur nass wird.
Dann kommt die Meldung, dass die Teufelskehle zur Begehung wieder frei ist. Also fahren wir mit einem Eisenbähnchen in offenen Waggons zum Anfang eines Stegs über den Rio Iguazu. Wir laufen vielleicht 800 m über den Fluss. Mit jedem Meter wird es nasser, man weiß nicht, regnet es, oder ist es nur die Gischt, die aus der Teufelskehle aufsteigt. Und dann stehen wir auf einem Felssporn, um uns herum tost die Hölle. Ich habe schon einiges an Naturschauspielen auf meinen Reisen gesehen, aber das hier ist das bisher Größte und lässt sogar den Grand Canyon hinter sich. Man meint, ein riesiges Loch führt zum Mittelpunkt der Erde, und alle Wassermassen stürzen brüllend hinein. Die Situation ist nicht mit Worten zu beschreiben und auch Fotos können das Erlebnis nur andeutungsweise festhalten. Wir können uns glücklich schätzen, dies bei Hochwasser erleben zu dürfen. Das nach unten stürzende Wasser reißt so viel Sauerstoff mit sich, dass alle paar Sekunden das Gemisch aus Luft und Wasserdampf wie ein Pilz wieder nach oben schießt. Dazu ist es so laut, dass man sich nur schreiend verständigen kann - hier wird ein unvergesslicher Eindruck bestehen bleiben.
Als wir alle durchnässt sind, treten wir den Rückweg an und merken erst jetzt, dass es zu regnen angefangen hat. Nachdem wir mit der Bahn zurück sind, ist endlich unser verloren gegangener Reiseteilnehmer eingetroffen. Unsere Reiseleiterin rennt mit ihm in einer halben Stunde noch einmal den Upper Trail entlang, damit er wenigstens einen kleinen Eindruck davon bekommt, was ihm die Fluggesellschaft alles vorenthalten hat.
Anschließend geht es wieder über die Grenze zurück ins Hotel. Wir sind noch zu sehr von den Wasserfällen beeindruckt, um uns über die Grenzkontrollen aufzuregen. Beim Abendessen müssen wir feststellen, dass das Hotel nicht besonders gut auf deutsche Gäste eingestellt ist. Wir schaffen es den ganzen Biervorrat auszutrinken.

 
4. Tag Donnerstag
Heute fahren wir auf die brasilianische Seite der Iguazu Fälle, das heißt, die leidige Grenzkontrolle entfällt. Am Morgen regnet es, was aber nicht so schlimm ist. Inzwischen sind wir Nässe gewohnt, warum nicht auch einmal von oben, außerdem ist es 28° C warm, aber nicht schwül. Wir besuchen ein kleines Informationszentrum der Wasserfälle und gehen dann eine Stunde eben am Hang entlang, immer mit Blick auf die Fälle. Wir haben eine herrliche Sicht auf die Gischt und ab und zu auch auf die Wasserfälle. Das Hochwasser bringt Vor- und Nachteile. Alles kann man halt nicht haben.
Am Ende des Wegs kann man bis auf zwei Meter an die herabstürzenden Wassermassen herangehen. Das Erlebnis ist einmalig. Wir werden bis auf die Unterwäsche nass, aber da es warm ist, ist das alles nicht schlimm.
Wir nehmen einen kleinen Imbiss ein, und fahren dann zurück ins Hotel. Am Nachmittag wollen wir noch zu einer Siedlung der Guarani Indianer. Diese liegt in Argentinien, natürlich, denn wir hatten ja heute noch keine Grenzkontrolle. Wir fahren auf einem LKW über rote Schlammpisten in ein Waldgebiet, das man den Guarani zugewiesen hat, und in dem sie mehr schlecht als recht leben. Aber auch dort haben sie keine Ruhe. Das ganze Gebiet ist erst kürzlich von einem Privatmann aufgekauft worden, der sie jetzt vertreiben will. Wir bekommen ihre Lebensweise vorgestellt, und man zeigt uns, wie man früher gejagt und Fallen gestellt hat. (Jagdbares Wild gibt es längst nicht mehr.) Für die Kinder besteht Schulpflicht, aber nach dem Ende der Schulzeit bekommt man als Guarani keine Arbeit. Man fragt sich, was aus den Resten der Urbevölkerung noch werden soll.
Wir sind erst gegen 20 Uhr im Hotel, - wir mussten ja wieder über die Grenze! - keiner will mehr in eine Gaststätte, also wieder im Hotel essen. Man hat sich heute sogar auf die Deutschen eingestellt und den Biervorrat aufgestockt.
 
5. Tag Freitag
Der Himmel zeigt sich, wie wir ihn bei den Wasserfällen gerne gehabt hätten, nämlich blau. Heute steht ein Fahrtag an, wir wollen am frühen Abend 300 km weiter in Posada sein, um dort den Nachtbus nach Buenos Aires zu nehmen. So weit sind wir aber noch nicht. Zuerst geht es mit dem Bus einer Agentur wohin…? natürlich zur leidigen Grenzkontrolle, wir fahren wieder nach Argentinien. Wir biegen nach der Grenze direkt zur Mündung des Rio Iguazu in den Rio Parana ab. Diese beiden Flüsse bilden hier das Dreiländereck Paraguay, Brasilien und Argentinien.
Anschließend geht es auf sehr guter Straße ca. 30 km weiter zu einer Edelsteinmine, die wir besichtigen. Mich erstaunt besonders, mit welcher Sicherheit die Mineros erkennen, dass sich hinter der völlig unscheinbaren Felsoberfläche Hohlraumdrusen befinden, die die Edelsteine enthalten. Zur Mine gehört auch ein Edelsteingeschäft, das vor allem auf die weiblichen Gruppenteilnehmer einen starken Kaufzwang ausübt. Mich lenkt der Kaufzwang eher zu einem Mädchen vor dem Geschäft, das selbstgebackene Maiskringel verkauft, die ausgezeichnet schmecken und sehr satt machen.
Wir fahren dann noch drei Stunden weiter bis zum nächsten Halt am ehemaligen Jesuitenkloster San Ignacio Mini. Hier machen wir in einer Gaststätte Mittagsrast. Die Gaststätte gehört einem Elsässer, man erkennt es sofort an der nicht südamerikanischen Organisation, es klappt alles bestens und schmeckt auch noch sehr gut. Dass wir in Argentinien sind, erkennt man noch an etwas anderem, der Bierflaschengröße, dort hat man in der Regel Einliterflaschen, und das bei dieser Hitze. Das wird eine schöne Besichtigung werden. 1 ½ Stunden brauchen wir für den Gang durch die Ruinen der Klosteranlage. Leider steht nicht mehr viel, und es fällt schwer, sich die einst mächtige Gesamtanlage vorzustellen.
Danach geht es in weiteren 90 Minuten nach Posada. Hier haben wir eine Stunde Aufenthalt, den wir zum Besuch eines Straßencafés (äh Biercafés) nutzen. Man soll bei der Hitze ja viel trinken! Wieder an unserem Bus, soll uns dieser in ein paar Minuten zum Terminal für den Nachtbus nach Buenos Aires bringen. Es wird eine interessante Stadtrundfahrt, wir lernen nahezu jede Straße der Stadt kennen, nur die nicht, in der das Terminal liegt. Über die Agentur lassen wir telefonisch weitergeben, dass der Überlandbus auf jeden Fall so lange wartet, bis unser Fahrer das Terminal gefunden hat. Mit fast halbstündiger Verspätung schaffen wir es dann doch noch, den Nachtbus zu besteigen. Wir werden nun in einem hochkomfortablen Bus in 11 Stunden nach Buenos Aires fahren. Der Bus bietet an Komfort alles, was man sich denken kann. Von wirklichen Liegesitzen, über guten Essensservice durch die freundliche Busbegleiterin bis zur Videovorführung gibt es in dem Doppelstockbus alles. Selbstverständlich gibt es auch die in Argentinien üblicherweise auf höchste Stufe gestellte Klimaanlage. Nachdem wir es mit diversen Techniken geschafft haben, deren Lüftungsschlitze zu verstopfen, steht einer erstaunlich ruhigen Nacht nichts mehr im Wege.
 
6. Tag Samstag
Gegen 5:30 Uhr werden wir von der Helligkeit des beginnenden Tages geweckt (die Verdunkelungsvorhänge haben wir unter die Decke als Schutz vor der Klimaanlage geklemmt). Wir bekommen ein Frühstück serviert und um 9:30 Uhr kommen wir am Bus Terminal in Buenos Aires an. Ob wir nachts einmal gehalten haben, ob es einen Fahrerwechsel gegeben hat, wir wissen es nicht. Zu ruhig war die Fahrt über gute Straßen in einem sehr guten Bus. Wir haben durchgeschlafen.
 
Wir werden mit einem Transferbus zu unserem Hotel gebracht. Es ist um 1900 gebaut worden, liegt sehr zentral für uns als Fußgänger und damit auch sehr verkehrsgünstig, - leider auch für den Autoverkehr - an der Avenida 9 de Julio, die mit 16 Fahrspuren die breitestet Straße der Erde ist.
 
Die Zimmer sind noch nicht fertig, so machen wir einen kleinen Stadtrundgang zur Placa de Mayo und dem Präsidentenpalast, kehren zu einem zweiten Frühstück in ein nicht ganz preisgünstiges Café ein, was einige von uns ans Geldumtauschen denken lässt. Da die Banken heute und morgen geschlossen sind, probieren wir das von der Reisegesellschaft empfohlene Abheben mit der EC-Karte. Wir kennen schnell fast jeden Automaten in der Innenstadt, keiner von uns schafft es, ihnen Geld zu entlocken. Dann werden wir auf die Hotelzimmer verteilt. Sie sind in einem "etwas älteren Zustand" um es mal so auszudrücken -Einfachverglasung der Fenster (mindestens dreifach wäre angebracht), und vor allem gibt es keine Duschkabinen, der Duschkopf ist unter der Decke angebracht, da wo sonst eigentlich eine Lampe ist. Als zusätzliches Ausstattungsmerkmal gibt es aber einen Gummischieber, mit dem man während des Duschens verhindert, dass das Wasser in den Schlafraum läuft. Das Ganze hat aber den Vorteil, dass das Bad nicht der täglichen Reinigung unterliegen muss, denn es wird bei jedem Duschvorgang komplett gewässert.
Um 15 Uhr starten wir zu einer dreistündigen Stadtrundfahrt mit einer Führerin. Von dieser erfahren wir, dass man seit kurzem aus Sicherheitsgründen nur noch 200 Pesos (42 Euro) an Geldautomaten bekommt. Wir fahren durch das Künstler-Viertel San Telmo in den Stadtteil La Boca. Er ist ganz vom Fußballstadion der Boca Juniors geprägt, und an jeder Ecke sieht man, dass Maradona hier herkommt. Wir besuchen die Straße Caminito mit ihren bunten Häusern, sollen aber aus Sicherheitsgründen keine Seitenstraßen betreten.
Die Stadtrundfahrt endet an einem Friedhof. Hier pilgern Tausende zum Grab von Evita Peron. Mir erschließt sich auch nach dem Besuch nicht wirklich, warum diese Frau so berühmt ist (außerhalb Argentiniens vielleicht nur wegen des Musicals?). Von dort aus laufen Andrea und ich zum Hotel zurück. Wir wollen endlich einmal die Füße bewegen.
 
Abends probieren wir zu viert in einem spanischen Restaurant in Hotelnähe argentinische Steaks. Sie sind sehr gut und dazu noch sehr preisgünstig (25 Euro für zwei Personen incl. Getränke und Dessert). Als wir um 23 Uhr Richtung Hotelzimmer aufbrechen, wird die Gaststätte erst richtig voll, und die Stadt beginnt so richtig zu leben, was wir bis zum frühen Morgen ohrnah erleben werden. Dazu ist es nachts immer noch 30° C warm. Wir werden die Nacht so schnell nicht vergessen.
 
7. Tag Sonntag
Das Frühstück ist besser als gedacht, es gibt eine große Auswahl, allerdings nur an süßen Speisen. Der heutige Tag steht zur freien Verfügung. Von der Reiseleiterin wurde kurz die Möglichkeit angesprochen, Montevideo in Uruguay oder das Flussdelta des Rio de la Plata zu besuchen. Die Organisation solch eines Ausflugs ist aber für uns nicht spanisch sprechende Urlauber zu kompliziert, und die Reiseleiterin steht für uns heute nicht zur Verfügung.
 
 
So besuchen fast alle der Gruppe das Künstlerviertel San Telmo, wo sonntags ein Antiquitäten- und Flohmarkt stattfindet. Neben Kunsthandwerk gibt es an fast jeder Ecke eine Musikgruppe, die aufspielt, es wird Tango getanzt, und die Bewohner des Stadtteils stellen sich in unterschiedlichen Theateraufzügen selbst dar. Das ist alles sehr ansprechend, und besonders schön finden wir, dass nicht nur Touristen, sondern auch die Einheimischen die Straßen füllen.
 
Danach gehen wir zu den ehemaligen Dockanlagen des Hafens. Das ganze Gebiet ist völlig neu gestaltet, schöne (teure) Wohnanlagen säumen die Ufer, und für die kulinarische Versorgung ist bestens gesorgt. Wir entscheiden uns bei einem Italiener für frisch gemachte Empanadas; es werden die besten der ganzen Reise sein. Wir genießen das schöne Wetter, die angenehme Temperatur (25° C) und schlendern durch die Fußgängerzone, in der fast alle Geschäfte geöffnet sind, zurück zum Hotel, das wir gegen 18 Uhr erreichen. Jetzt steht für einen Teil der Gruppe noch ein Tangoabend an. Andrea und ich gehen stattdessen wieder zum gleichen Spanier wie gestern, warum auch nicht, es war ja alles bestens. Aber so kann es gehen, heute hat das Fleisch längst nicht die Qualität wie am Vorabend, und auch ein Hausgetränk wird uns heute gar nicht erst angeboten.
 
8. Tag Montag
Unsere Ahnungen, die Nachtlautstärke betreffend, wurden voll erfüllt, und so ist trotz des späten Frühstücks um 9 Uhr niemand so richtig ausgeschlafen. Wir sind deshalb so spät, weil unser Weiterflug zur Halbinsel Valdes vom Vormittag auf den Nachmittag verlegt wurde. Wir haben am Vormittag die Möglichkeit, irgendwie die Zeit totzuschlagen. Sehr viel bietet Buenos Aires nicht, also wieder Fußgängerzone und in ein Straßencafé setzen (andere Sitzmöglichkeiten gibt es in Buenos Aires so gut wie nicht). Das Interessanteste ist noch eine riesige Demonstration tausender Beschäftigte der Automobilindustrie wegen der weltweiten Finanzkrise. Fast jeder Teilnehmer hat eine Pauke, Trommel oder sonst ein Schlaginstrument, mit dem der Geräuschpegel der Stadt noch weiter nach oben getrieben wird.
 
Um 14 Uhr treffen wir wieder auf unsere Reiseleiterin und fahren vom Hotel aus zum Inlandsflughafen. Der einzige Geldautomat der vor ein paar Tagen bei unserer Ankunft noch Geld ausgespuckt hat, rückt nun auch nichts mehr heraus. Der Abflug nach Trelew verzögert sich um weitere zwei Stunden, keiner weiß warum. So kommen wir erst gegen 20 Uhr in unserem Hotel in Puerto Madryn bei der Halbinsel Valdes an. Nach dem Gepäckausladen wollen wir noch essen gehen, was sich als sehr schwierig herausstellt, da durch unsere späte Ankunft, alle anderen Touristen schon vor uns die guten Restaurants in Beschlag genommen haben. Wir finden einen Italiener, der ziemlich leer ist. Nach dem Essen und Bezahlen wissen wir warum.
Der für heute eigentlich geplante Badenachmittag am Atlantik ist wegen der Flugplanänderung leider ausgefallen.
 
9. Tag Dienstag
6:30 Uhr Frühstück, danach Abfahrt zur Halbinsel Valdes. Puerto Madryn liegt an einer Bucht des Atlantiks, ist eigentlich ein schöner kleiner Badeort, wenn da nicht das große Aluminiumwerk wäre, für das man das Erz über tausende Kilometer von Brasilien über das Meer heranschafft, nur weil in Argentinien die Stromkosten gering sind.
 
400 Kilometer liegen vor uns. Nach einer Stunde Fahrtzeit haben wir die Halbinsel erreicht und fahren in den Nationalpark. Wir halten mehrfach an, um Guanakos, Nandus und Maras (Pampahasen) vom Auto aus zu fotografieren. Aussteigen dürfen wir nicht, denn die Straße ist beidseitig von Stacheldraht eingefasst. Trotz Nationalpark gehört das Gelände reichen Privatleuten, und die verbieten das Betreten ihrer Grundstücke. Wir fahren durch die weite flache Steppen- fast Wüstenlandschaft, ab und zu sieht man das Meer und erreichen schließlich die Küste, wo wir auf die ersten Pinguine treffen.
Nur ein kleines Stück weiter halten wir an einer Gaststätte, spazieren die Küste entlang zu den Seeelefanten, schauen durch das Fernglas auf diverse Seevögel, bestaunen ein Gürteltier und versuchen wunderschöne farbige Eidechsen zu fotografieren. Hier müsste man mehr Zeit haben. Wir essen in der Selbstbedienungsgaststätte ausgezeichnet zu Mittag und fahren dann in einer weiteren Stunde nach Puerto Piramide.
Hier steht eine whale watching tour mit einem Zodiak Boot an (40 Euro). Ich habe das schon einmal in Kanada gemacht und bin eher skeptisch eingestellt. Und richtig, ich fühle mich bestätigt, wir sehen zwar einen südlichen Glattwal mit Jungtier, aber vom Boot aus wird man der wirklichen Größe des Tieres einfach nicht gewahr. Man hat im Geist immer die aus dem Fernsehen her bekannten Bilder riesiger aus dem Wasser springender Wale vor sich, aber diese Situationen sind wohl nur Tierbeobachtern vorbehalten, die tagelang nach solchen Bildern auf der Lauer liegen. Wir sind schon froh, den Schwanz eines abtauchenden Wals fotografieren zu können.
Nach einer weiteren Stunde sind wir wieder in Puerto Madryn, heute so rechtzeitig, dass es kein Problem bereitet, ein ausgezeichnetes Fischrestaurant aufzusuchen. Es gehört zum Besten, was wir je an Fisch gegessen haben.
 
10. Tag Mittwoch
Um 5 Uhr Frühstück!!! 5:30 Uhr Abfahrt zum Flughafen. So wie es aussieht, ist unser Flugzeug das einzige, das heute Vormittag hier abfliegt. Um 7:15 Uhr starten wir zum zweistündigen Flug nach El Calafate in Patagonien.
Bei unserer Ankunft scheint die Sonne. Wir werden zum Hotel gebracht, stellen das Gepäck ab, da die Zimmer noch nicht fertig sind, kaufen schnell noch etwas im Supermarkt ein (Empanadas, was sonst?), und um 13 Uhr fahren wir Richtung Perito Moreno Gletscher. Während der einstündigen Fahrt wird der Wind immer stärker und bringt auch immer mehr Wolken mit sich. Pünktlich mit dem Erreichen des Moreno Gletschers beginnt es zu regnen. Warum gerade jetzt, bisher hatten wir auf dieser Reise so gutes Wetter, und dann gerade hier an einer der größten Sehenswürdigkeiten, die der amerikanische Kontinent zu bieten hat. Jetzt heißt es durchhalten. Wir versuchen das Schauspiel der 60 Meter hohen 5 Kilometer breiten Eiswand mit ihren blauen Farben aufs Foto zu bannen. Es ist kaum möglich die Linse trocken zu halten, bedingt durch den Sturm regnet es fast waagerecht. Trotzdem schaffe ich es mit Andrea den einstündigen Rundweg zu absolvieren, wenn am Ende auch nichts Trocknes mehr an uns ist. Wir trösten uns damit, dass bei bedecktem Himmel das Eis viel blauer erscheint, eigentlich müsste es dann heute dunkelblau sein.
Völlig durchnässt besteigen wir anschließend den Bus, um nach Calafate zum Hotel zurückzufahren, das wir bei Sonnenschein erreichen!!! Wir beziehen das Zimmer, ein besseres Loch, die Dusche lässt sich nur zu einem Tröpfeln animieren, dazu ist das Bett nicht frisch bezogen, die Handtücher haben handgroße Löcher, riechen tut es nach allem Möglichen, nur nicht angenehm. Als Ausgleich dafür liegt das Zimmer aber ganz hinten in der Hotelanlage, weit weg von der Straße vorn am Hoteleingang. Wir wissen noch nicht, dass hinter dem Hotel eine Hauptstraße entlang führt!
Wir besuchen noch ein Restaurant der Gattung "all you can eat" Es gibt Lamm, Huhn, Schwein und Rind - genau in der Reihenfolge - und die Beilagen vom Buffet. Die Qualität ist nicht besonders, dies gleicht die Bedienung aber durch Unfreundlichkeit aus. So geht ein langer Tag zu Ende, an dem wir zum Schluss zu müde sind, um uns über die Unzulänglichkeiten des Hotels noch aufzuregen.
 
 

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